eic kyf msh nnz uhz tv nt
Anzeige symplr (4)
Mo, 19:10 Uhr
29.04.2024
500 Jahre freie Bildung in Nordhausen

Zwei historische Momente

Das Nordhäuser Schulwesen feiert dieser Tage 500. Geburtstag. Am Humboldt-Gymnasium hat man der langen Geschichte heute zwei weitere historische Momente hinzugefügt…

Vergangenheit und Gegenwart vereint - vor dem Humboldt-Gymnasium erinnert seit heute eine Zahl an die lange Geschichte des Nordhäuser Schulwesens (Foto: agl) Vergangenheit und Gegenwart vereint - vor dem Humboldt-Gymnasium erinnert seit heute eine Zahl an die lange Geschichte des Nordhäuser Schulwesens (Foto: agl)


Seit zehn Jahren wird an der Grunderneuerung des Humboldt-Gymnasiums gearbeitet, erst mit dem Bau des neuen Oberstufengebäudes im alten Gewand, aktuell mit dem Neubau der dazugehörigen Turnhalle und in nicht allzu ferner Zukunft mit der Ergänzung durch eine Mensa für beide Schulteile.

Anzeige symplr (1)
Über die Höhen und Tiefen dieser Dekade am Gymnasium und auf den Baustellen wurden schon viele Worte niedergeschrieben und auch der Dank an alle Beteiligten, der heute auf dem neu gestalteten Schulhof in der Blasii-Straße noch einmal ausgesprochen wurde, fand hier schon mehrfach seinen Niederschlag. „Das ist kommunale Kraft die hier steht“, ließ sich Gunnar Reuter, der Leiter der Service-Gesellschaft des Kreises vernehmen, man habe „Fleiß, Ehrgeiz, Mut und Unverdrossenheit“ bewiesen, sekundierte Landtagspräsidentin Birgit Pommer, die als Infrastrukturministerin ihren ganz eigenen Anteil am Geschehen hatte und Landrat Jendricke erinnerte an die bürokratischen Hürden und die anderen Schulbauprojekte des Kreises.

Um Worte ist die Politik selten verlegen, im Zentrum der Aufmerksamkeit sollten heute aber zwei Symbole stehen - ein ganz neues und ein sehr altes, beide tief verankert in der Geschichte. Symbol Nummer Eins ist eine Zahl: 500. So viele Jahren reichen die Wurzeln der Nordhäuser Gymnasien schon zurück, bis ins Jahr 1524, als Pfarrer Johannes Spangenberg in der Blasii-Kirche seine Latein-Schule gründete.

Zur Einweihung erinnerten die Beteiligten heute auch an Höhen und Tiefen der letzten zehn Jahre reger Bautätigkeit (Foto: agl) Zur Einweihung erinnerten die Beteiligten heute auch an Höhen und Tiefen der letzten zehn Jahre reger Bautätigkeit (Foto: agl)


Die Türme der Kirche spiegeln sich heute in der Fassade des Neubaus des Humboldt-Gymnasiums und davor prankt, ideal in Szene gesetzt, nun die große 500 in Erinnerung an die Ursprünge des Nordhäuser Bildungswesens. Nach der feierlichen Enthüllung des neuen Denkmals ging es in den Rohbau der Turnhalle, um sich mit einem historischen Artefakt zu befassen. Während der Bauarbeiten fand sich im Schutt der Jahrhunderte ein Reliefstein, der einst die Turnhalle der Königin-Luisen-Schule zierte. Neben zwei Putten hat der Steinmetz damals vier „F“ in den Quader geschlagen, die das „Turnerkreuz“ und das Motto der Turnbewegung um „Vater Jahn“ abbilden - Frisch, Fromm, Fröhlich, Frei.

Damit der alte Wahlspruch der ersten neuzeitlichen Turner zukünftige Schülergenerationen inspirieren mag, wurde der massive Quader heute in den Neubau eingefügt und zeigt hier nicht an der Fassade nach außen, sondern nach innen, in den neuen Turnraum.

Der alte Quader aus dem 19. Jahrhundert wurde durch Steinmetz Jan Fehling aufgearbeitet (Foto: agl) Der alte Quader aus dem 19. Jahrhundert wurde durch Steinmetz Jan Fehling aufgearbeitet (Foto: agl)


Man sei derTradition verpflichtet, sagte Schulleiter Volker Vogt und zu der gehöre, dass man für Freiheit, Demokratie und Toleranz eintrete. Gerade in diesen Tagen und gerade in der Bildung müsse man darauf achtgeben, diese nicht zu verlieren. Die Gelder, die man in den letzten Jahren in die Schulen gesteckt hat, seien insofern gut angelegt - nicht nur für Lehrer und Schüler heute, sondern für die Zukunft.

Vergangenheit und Zukunft hätte man gerne mit einer ordentlichen Festwoche gefeiert, da das Schuljahr in diesem Jahr aber ausnehmend kurz ist und bereits Mitte Juni endet, hat man sich am Humboldt-Gymnasium für drei „Events“ entschieden. Mit der Besuch des Kiewer Orchesters Anfang des Monats und der heutigen Enthüllung hat man zwei davon bereits absolviert. Das Finale wird für den 16. August, zu Beginn des neuen Schuljahres geplant. Gemeinsam mit dem evangelischen Kirchenkreis und der Blasii-Kirche wird es dann zunächst im Gotteshaus einen zentralen Festakt geben, auf den eine dem großen Jubiläum gebührende Party auf dem Schulhof folgen soll.
Angelo Glashagel
500 Jahre freie Bildung in Nordhausen (Foto: agl)
500 Jahre freie Bildung in Nordhausen (Foto: agl)
500 Jahre freie Bildung in Nordhausen (Foto: agl)
500 Jahre freie Bildung in Nordhausen (Foto: agl)
500 Jahre freie Bildung in Nordhausen (Foto: agl)
500 Jahre freie Bildung in Nordhausen (Foto: agl)
500 Jahre freie Bildung in Nordhausen (Foto: agl)
500 Jahre freie Bildung in Nordhausen (Foto: agl)
500 Jahre freie Bildung in Nordhausen (Foto: agl)
500 Jahre freie Bildung in Nordhausen (Foto: agl)
500 Jahre freie Bildung in Nordhausen (Foto: agl)
500 Jahre freie Bildung in Nordhausen (Foto: agl)
500 Jahre freie Bildung in Nordhausen (Foto: agl)
500 Jahre freie Bildung in Nordhausen (Foto: agl)
500 Jahre freie Bildung in Nordhausen (Foto: agl)
500 Jahre freie Bildung in Nordhausen (Foto: agl)
500 Jahre freie Bildung in Nordhausen (Foto: agl)
500 Jahre freie Bildung in Nordhausen (Foto: agl)
500 Jahre freie Bildung in Nordhausen (Foto: agl)
Autor: red

Anzeige symplr (6)
Kommentare
Real Human
30.04.2024, 15:45 Uhr
„500 Jahre freie Bildung in Nordhausen“?
Die Headline für meinen Kommentar ist schnell gefunden – ergänzt um drei Satzzeichen! Denn „Freie Bildung“ setzt „freie Geister“ voraus. Ein freier geistiger Austausch kann in einmal gefestigten Diktaturen aber nicht mal hinter „vorgehaltener Hand“ existieren, geschweige gedeihen! Die mutigste Frage die ich dort zu DDR-Zeiten meinem Geschichtslehrer zu stellen wagte, war etwa: Stimmt es, dass im Alten Ägypten die neue Priesterkaste (unter Echnaton) gegenüber der alten die gleichen Unterdrückungsmaßnahmen angewandt hat, wie die alte zuvor? Ich zielte damit klar auf die kommunistischen Revolutionen. Hätte ich diesen Vergleich aber auch nur verbal angedeutet …

Glücklicherweise sind elektromagnetische Wellen nur schwer großräumig abzuschirmen. Und so wusste ich damals schon , dass z.B. mache Sozialdemokraten das KZ Buchenwald zweimal erlitten haben – im NS-Staat und in der SBZ. Quelle war der „pöhse“ Deutschlandfunk, den ich auch heute noch sehr empfehlen kann. Während meines Studiums an der TU Dresden wurden heimlich in den Studentenzimmern die Sendereinstellungen der Kofferradios kontrolliert. Oh Schreck! Die künftigen Pädagogen hörten Radio Luxemburg, RIAS oder sogar den DLF! Natürlich gab es danach „Riesenbambule“! Können solche Zeiten bald wiederkommen?

Königin Luise (von Preußen?), Turnvater Jahn (ein früher Verfechter völkischen Denkens und Franzosenhasser) und über allem steht die Ermahnung des Apostels Paulus zum bedingungslosen Untertanentum (Römer 13). Das scheint der Geist zu sein, der immer noch an dieser Bildungsstätte herrscht? Wenn Angelo Glashagel die Atmosphäre der „Party“ richtig wiedergegeben hat, so hat sich seit 1989 nichts Wesentliches geändert an dieser „Penne“. Mindestens eine Aufarbeitung der DDR-Vergangenheit dieser Schule wäre absolut notwendig!

Fazit:
„Unter den Talaren – Muff von 1000 Jahren“
(Damit muss nicht unbedingt auf das „1000-jährige Reich“ angespielt werden, sondern auf das traditionsverherrlichende Denken, das zu dieser deutschen Katastrophe geführt hat.)
Kommentare sind zu diesem Artikel nicht mehr möglich.
Es gibt kein Recht auf Veröffentlichung.
Beachten Sie, dass die Redaktion unpassende, inhaltlose oder beleidigende Kommentare entfernen kann und wird.
Anzeige symplr (9)
Anzeige symplr (8)