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Mo, 21:00 Uhr
15.04.2024
Spenden für Windehausen werden verteilt

327.111 Euro und 43 Cent

Nach der Hochwasserkatastrophe kurz vor Jahresende war die Solidarität gerade für die vom Nass übermannten Windehäuser groß. Viele Spenden wurden gesammelt, wie diese verteilt werden sollen und wer bedacht werden kann, steht nun endlich festů

Windehausen unter Wasser am 25.12.2023 (Foto: Pressestelle Landratsamt) Windehausen unter Wasser am 25.12.2023 (Foto: Pressestelle Landratsamt)


Schon am 26. Dezember, da stand den Windehäusern das Wasser sprichwörtlich bis zum Hals, ließ der Heringer Bürgermeister Matthias Marquardt ein Spendenkonto für die Flutopfer einrichten. Am 27.12. waren 26.000 Euro eingegangen, vier Tage später waren es schon 70.000, Ende Januar 190.000 und wieder einen Monat später 230.000 Euro, die von hilfsbereiten Menschen aus der Region und darüber hinaus gespendet wurden. Stand heute beträgt die Summe beachtliche 327.111,43 Euro.

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Insgesamt gingen 1.600 Buchungen auf dem Konto ein, darunter auch Spendensammlungen mit bis zu 7.000 Teilnehmern. Bei der höchsten Einzelspende in Höhe von 10.000 Euro habe man sich rückversichert dass es sich nicht um einen Tippfehler handelte, erzählt Marquardt heute zur Sitzung des Heringer Stadtrates im großen Saal des Schlosses. Beim erfolgreichsten Benefizkonzert in der Blasii-Kirche kamen rund 15.000 Euro zusammen und die „kalorienreichste Spendenaktion“ fand an der Gulaschkanone statt, selbst hier wurden stolze 3.660 Euro gespendet. Viele Aktionen, viel Hilfsbereitschaft, viele Spenden, von denen jede einzelne den größten Dank verdiene, so der Bürgermeister weiter.

Und der Geldsegen sollen alle nun unter den Betroffenen verteilt werden. Rund 500 Einwohner hat der Ort, so ziemlich jeder hatte seine Last am Hochwasser zu tragen. Wer aber bekommt wie viel? Mit der Frage, so die erste Idee, sollte sich ein Kuratorium aus Ortschaftsrat, Vereinswesen und Verwaltung befassen. Doch schnell wurde klar, dass zum einen die Frage gar nicht so einfach zu beantworten ist und zum anderen auch rechtliche Rahmenbedingungen beachtet werden wollen, führte der Bürgermeister aus.

„Wir sind da auf Probleme gestoßen, die wir Mangels Erfahrung so nicht kannten“, erläuterte der Bürgermeister. Im Alltagsgeschäft darf der über eine Menge Ausgaben entscheiden, aber ein Hochwasser ist zum Glück nicht alltäglich, also braucht es mindestens einen ordentlichen Stadtratsbeschluss. Und der hat die Details zu klären. Soll das Geld im Gießkannenprinzip über alle Bewohner verteilt werden? Da nicht jeder in gleichem Maße betroffen war, wäre das kaum fair und wäre trotz der formidablen Spendenbereitschaft am Ende für viele nur der Tropfen auf den heißen Stein. Was ist, wenn jemand bereits über andere Kanäle Spenden erhalten hat? Wie verteilt man Sachspenden? Was ist, wenn jemand das Ausmaß des Schadens noch gar nicht absehen konnte? Darf die Gemeinde Mittel zuschießen? Wie sieht es mit Hilfe von Seiten des Freistaates aus?

Bürgermeister Matthias Marquardt erläuterte im Stadtrat die Hintergründe zur Spendenverteiltung (Foto: agl) Bürgermeister Matthias Marquardt erläuterte im Stadtrat die Hintergründe zur Spendenverteiltung (Foto: agl) Viele Fragen, die heute mit dem Beschluss über die „Richtlinie zur Spendenverteilung Unwetterkatastrophe 2023“ geklärt werden konnten. Für die Gretchenfrage hat man eine elegante Lösung bei denen gefunden, die gespendet haben. „Wir haben viele Gespräche geführt und waren bei einigen Spendenaktionen mit dabei und konnten uns unterhalten. Was wir am häufigsten gehört haben ist, dass die Leute hoffen das die Menschen in Windehausen wieder wohnen können. Wohnraum und Heizung haben sich da als Prioritäten ergeben, darüber konnten wir uns der Lösung nähern“, erklärte Marquardt.

Die sieht nun wie folgt aus: die Spendengelder können für die beiden Bereiche Wohnraum und Heizung beantragt werden. Außenbereiche, Keller und „Sonstiges“ sind ausgenommen, wobei sich „Heizung“ und „Keller“ aber durchaus überschneiden können. Kleinstschäden werden nicht bedacht, der Selbstbehalt liegt bei 2.500 Euro. Die maximale Spendenausschüttung liegt bei 10.000 Euro, sofern die Gelder für alle Anträge ausreichen. Hätte also jemand einen Schaden von 15.000 Euro zu beklagen, müsste man für 2.500 Euro selber aufkommen, könnte die Ausschüttung von Spendengeldern für den verbleibenden Betrag beantragen und würde dann im Idealfall 10.000 Euro aus dem Spendenkonto erhalten.

Ein Sonderpunkt ist der allgemeine Hausrat, der im Heringer Reglement ebenfalls nicht vorgesehen ist, dass aber aus gutem Grund. Noch rechnet man damit, dass es weitere Hilfen von der Landesseite geben wird, kann dies aber bisher nicht offiziell machen, da die Mühlen in Erfurt bekanntermaßen langsam mahlen. Eine Garantie für Hilfe aus Erfurt gibt es also noch nicht, aber man rät im Heringer Rathaus dazu, einen entsprechenden Antrag pro forma trotzdem zu stellen. Die Möglichkeit dazu bietet sich unter anderem am 26. April, wenn die Verwaltung mit Sack und Pack in die Wendehalle einrücken wird, um die Betroffenen bei der Antragsstellung für die Spenden und für etwaige Landesmittel unter die Arme zu greifen.

Gestaffelt nach Straßen werden die Mitarbeiter der Verwaltung bei der Antragstellung helfen, im Moment ist der Ablauf wie folgt geplant:
  • 8 bis 10 Uhr - Angerstraße/Gartenstraße
  • 10 bis 12 Uhr - Hauptstraße, Hinterm Dorfe
  • 13 bis 15 Uhr - Kirchstraße, Neue Straße
  • 15 bis 17 Uhr - Schulplatz, Sichelbockstraße

Mitzubringen sind zwingend der Personalausweis, Rechnungen und Kostenvoranschläge, Bilder der Schäden und Schreiben der Versicherung. Wer sich in einem schwebenden Versicherungsverfahren befindet, möge bitte trotzdem Hilfe beantragen. Bis zum 31.5. müssen alle Anträgen vollständig abgegeben sein.

Die nötigen Unterlagen werden im Laufe der Woche auf der Webseite des Heringer Rathauses und in der Verwaltung selber zur Verfügung gestellt. Eine Zustellung via E-Mail ist über Nachricht an das Hauptamt ebenfalls möglich. Wer es nicht zum Vor-Ort-Termin in Windehausen schaffen sollte, kann bei Bedarf auch einen Termin mit den Mitarbeitern der Verwaltung vereinbaren. Bei der Antragstellung handele es sich nicht um ein "Windhundrennen", sagte Marquardt, es gäbe keinen Grund, gleich morgen früh vor dem Rathaus zu steheh. Jeder Antrag, der bis zum 31. Mai vollständig im Rathaus eingeht, wird geprüft.

Klarheit wie weit die Spendengelder reichen, werde man nach einer ersten Vorprüfung am 01. Juni haben, kündigte Marquardt an, danach geht es in die Tiefenprüfung der einzelnen Anträge.

Gespendet wurde aber nicht nur Geld, sondern auch Möbel und andere Gegenstände. Die werden am morgigen Dienstag von 8 bis 10 Uhr und am Mittwoch von 14 bis 16 Uhr ausgegeben, es gibt eine Bedarfsliste, die Sache sollte also klar sein und zügig vonstatten gehen. Auch Baustoffe wollen die Firmen Knauf und Sakret noch zur Verfügung stellen, die will man zunächst beim Heringer Bauhof unterbringen.

Die Schäden in Windehausen liegen nach einer immer noch groben Schätzung übrigens bei rund zwei Millionen Euro. Alle Probleme der Windehäuser werden die Hilfen ihrer Mitmenschen also nicht im Ansatz ausräumen können, aber man freut sich dennoch über jeden Euro. Eine letzte Notiz noch am Rande: der Beschluss zur Spendenverteilung passierte den Stadtrat ohne Enthaltungen und Gegenstimmen.
Angelo Glashagel
Autor: red

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