Mi, 13:09 Uhr
19.07.2006
Jugend ohne Geld
Nordhausen (nnz). Die Jugend steht ohne Geld da, schon seit Beginn dieses Jahres. Damit ist nicht die Kaufkraft der Jungen und Mädchen gemeint, die beträgt statistisch gesehen 7,5 Milliarden Euro im Jahr, sondern...
Die Jugend ist pleite, besser gesagt die Jugendarbeit. Seit Anfang 2006 sahen die Verbände keinen Cent vom Landkreis Nordhausen. Für die Kinder im Kreisgebiet ist das besonders schlimm. Die Nordhäuser Einrichtungen verfügen zumindest über das Geld von der Stadt. Nordhausen halte sich an Versprechen und sorge so zumindest für etwas Planungssicherheit, lobte Kreisjugendring Geschäftsführerin Anita Kaltenbach.
Für die Jugend in Heringen, Urbach, Uthleben und den anderen kleinen Orten nutzt das nichts. Die meisten von ihnen können nicht nach Nordhausen fahren, um dortige Angebote zu besuchen, sollten ihre Häuser schließen. Das nämlich drohte Reiner Schumann von den Falken an, die in der Goldenen Aue Einrichtungen betreuen. Eine solche Entscheidung kann man den Trägern nicht mal übelnehmen, wenn sie ihr Personal seit drei Monaten nicht mehr bezahlen können. Hunderte Jobs hängen an diesen Kürzungen so Schumann.
Besonders raffiniert findet KJR-Vorstand Detlef Schmidt die Vorgehensweise des Landratsamts. Ab morgen sind Ferien. Die Betroffenen, die Kinder und Jugendlichen, sind verreist, mit ihren Eltern oder in Ferienlagern. Im September, wenn die Jugendlichen zurück sind, dann ist das Kind längst in den Brunnen gefallen.
Denn was weg ist, das bleibt weg. So erging es dem Freizeithaus in Krimderode und einigen Projekten der Schuljugendarbeit, erinnerte Anita Kaltbach. Schließt in Heringen das Haus Regenbogen, dann hängen noch mehr junge Leute auf der Straße herum und kommen auf dumme Gedanken. Einer davon sei der Rechtsextremismus, der latent immer präsent wäre, berichtet Anita Kaltbach. Diese Jugendlichen wären inzwischen nicht mehr so gut erkennbar an ihrer Kleidung wie noch vor wenigen Jahren. Doch sie wären da und fänden Zulauf, wenn Kindern nicht schon von Anfang an bessere Perspektiven als Frust geboten werden.
Besonders in Problemvierteln mit vielen Sozialschwachen würden schon zwölf und 13 jährige an Getränkemärkten herumstehen und Alkohol konsumieren. Nicht nur Reiner Schumann beobachtet das mit Sorge. Jeder, der aufmerksam durch seinen Ort geht, kann die jungen Leute auf Plätzen oder an Bushaltestellen sehen.
Vergleichsweise wenig Geld müßte der Landkreis lockermachen, um Kindern sinnvollere Freizeitmöglichkeiten anzubieten. 368.000 Euro müßten im Kreishaushalt festgelegt werden, 310.000 Euro kämen dann vom Land Thüringen über die Jugendpauschale. Doch das ist das besonders schlimme, zahlt der Landkreis gar nicht, oder weniger, dann gibt’s auch nichts oder weniger vom Land. Eine Kürzung von zehn Prozent würde so zu einer 20prozentigen Kürzung, rechnet Detlef Kiel vor. Pro Jahr stehen für jedes Kind und jeden Jugendlichen 12,00 Euro für Jugendarbeit zur Verfügung. Dafür, daß vieles im Bereich eine Pflicht-, und gar keine freiwillige Aufgabe, ist, sei das die absolut unterste Grenze. Viel ist damit nicht mehr zu gestalten.
Die Kinder merken das schon diesen Sommer. Es gibt keine örtlichen Ferienspiele für unter zwölfjährige und auch kein Ferienlager vom Jugendamt. Die können nämlich ohne Haushalt auch nichts planen. Der Ferienpaß fällt weg, obwohl er in den vergangenen Jahren gut angenommen wurde. Zuschüsse für benachteiligte Jugendliche zu Reisen gibt’s nicht mehr. Wer sich die 100 Euro fürs Lager nicht leisten kann, der fährt eben nicht. Doch damit beginnt der Teufelskreis. Was machen die Jugendlichen in den sechs Wochen, wo sogar der Kiesteich 24 Stunden lang Eintritt kostet? Sie hängen rum, trinken und zerstören Gegenstände im öffentlichen Raum. Das Gewaltpotential ist da warnt Anita Kaltbach. Nur in den Einrichtungen sind die Kinder unter Kontrolle und benehmen sich. Sonst gibt’s Hausverbot, und das will keiner riskieren.
Autor: wfDie Jugend ist pleite, besser gesagt die Jugendarbeit. Seit Anfang 2006 sahen die Verbände keinen Cent vom Landkreis Nordhausen. Für die Kinder im Kreisgebiet ist das besonders schlimm. Die Nordhäuser Einrichtungen verfügen zumindest über das Geld von der Stadt. Nordhausen halte sich an Versprechen und sorge so zumindest für etwas Planungssicherheit, lobte Kreisjugendring Geschäftsführerin Anita Kaltenbach.
Für die Jugend in Heringen, Urbach, Uthleben und den anderen kleinen Orten nutzt das nichts. Die meisten von ihnen können nicht nach Nordhausen fahren, um dortige Angebote zu besuchen, sollten ihre Häuser schließen. Das nämlich drohte Reiner Schumann von den Falken an, die in der Goldenen Aue Einrichtungen betreuen. Eine solche Entscheidung kann man den Trägern nicht mal übelnehmen, wenn sie ihr Personal seit drei Monaten nicht mehr bezahlen können. Hunderte Jobs hängen an diesen Kürzungen so Schumann.
Besonders raffiniert findet KJR-Vorstand Detlef Schmidt die Vorgehensweise des Landratsamts. Ab morgen sind Ferien. Die Betroffenen, die Kinder und Jugendlichen, sind verreist, mit ihren Eltern oder in Ferienlagern. Im September, wenn die Jugendlichen zurück sind, dann ist das Kind längst in den Brunnen gefallen.
Denn was weg ist, das bleibt weg. So erging es dem Freizeithaus in Krimderode und einigen Projekten der Schuljugendarbeit, erinnerte Anita Kaltbach. Schließt in Heringen das Haus Regenbogen, dann hängen noch mehr junge Leute auf der Straße herum und kommen auf dumme Gedanken. Einer davon sei der Rechtsextremismus, der latent immer präsent wäre, berichtet Anita Kaltbach. Diese Jugendlichen wären inzwischen nicht mehr so gut erkennbar an ihrer Kleidung wie noch vor wenigen Jahren. Doch sie wären da und fänden Zulauf, wenn Kindern nicht schon von Anfang an bessere Perspektiven als Frust geboten werden.
Besonders in Problemvierteln mit vielen Sozialschwachen würden schon zwölf und 13 jährige an Getränkemärkten herumstehen und Alkohol konsumieren. Nicht nur Reiner Schumann beobachtet das mit Sorge. Jeder, der aufmerksam durch seinen Ort geht, kann die jungen Leute auf Plätzen oder an Bushaltestellen sehen.
Vergleichsweise wenig Geld müßte der Landkreis lockermachen, um Kindern sinnvollere Freizeitmöglichkeiten anzubieten. 368.000 Euro müßten im Kreishaushalt festgelegt werden, 310.000 Euro kämen dann vom Land Thüringen über die Jugendpauschale. Doch das ist das besonders schlimme, zahlt der Landkreis gar nicht, oder weniger, dann gibt’s auch nichts oder weniger vom Land. Eine Kürzung von zehn Prozent würde so zu einer 20prozentigen Kürzung, rechnet Detlef Kiel vor. Pro Jahr stehen für jedes Kind und jeden Jugendlichen 12,00 Euro für Jugendarbeit zur Verfügung. Dafür, daß vieles im Bereich eine Pflicht-, und gar keine freiwillige Aufgabe, ist, sei das die absolut unterste Grenze. Viel ist damit nicht mehr zu gestalten.
Die Kinder merken das schon diesen Sommer. Es gibt keine örtlichen Ferienspiele für unter zwölfjährige und auch kein Ferienlager vom Jugendamt. Die können nämlich ohne Haushalt auch nichts planen. Der Ferienpaß fällt weg, obwohl er in den vergangenen Jahren gut angenommen wurde. Zuschüsse für benachteiligte Jugendliche zu Reisen gibt’s nicht mehr. Wer sich die 100 Euro fürs Lager nicht leisten kann, der fährt eben nicht. Doch damit beginnt der Teufelskreis. Was machen die Jugendlichen in den sechs Wochen, wo sogar der Kiesteich 24 Stunden lang Eintritt kostet? Sie hängen rum, trinken und zerstören Gegenstände im öffentlichen Raum. Das Gewaltpotential ist da warnt Anita Kaltbach. Nur in den Einrichtungen sind die Kinder unter Kontrolle und benehmen sich. Sonst gibt’s Hausverbot, und das will keiner riskieren.


