Di, 17:05 Uhr
11.07.2006
nnz-Reportage: Im Berg
Bleicherode (nnz). Ab 2008 könnten Versatzstoffe in den ehemaligen Kalischacht in Sollstedt eingelagert werden. In Bleicherode geschieht das schon jetzt. nnz durfte sich heute ansehen, was auf die Sollstedter zukommt. Mit einem Klick sind Sie unter Tage.
nnz-Reportage: Im Berg (Foto: nnz)
Heute berät der Sollstedter Gemeinderat über die Übernahme der Grube durch den Entsorgungsbetreiber NDH-E. Ab 2008 könnten dann Abfälle in sogenannten Big Bags als Versatz eingebracht werden. In Bleicherode wird diese Technik bereits eingesetzt, wenngleich sie zusammen mit dem Versatz durch Schüttgut nur etwa fünf Prozent ausmacht. Das liegt daran, daß bereits seit 1908 Spülversatz betrieben wird und die entsprechende kostenintensive Technik vorhanden ist. So eine Anlage würde sich für Sollstedt nicht lohnen, erklärte Cheftechnologe Jürgen Frank.
Während in Bleicherode 16 Millionen Kubikmeter Hohlraum zur Verfügung stehen, sind es dort nur 400.000. Von den 16 Millionen Kubikmetern sind vier Millionen versatzpflichtig, das heißt, sie müssen zugeschüttet werden. Geschieht das nicht, hätte es langfristig schlimme Folgen für die umliegenden Orte. Der Kaliberg lebt, er bewegt sich auch in über 600 Metern Tiefe. Die Decken der durch den Abbau entstandene Hohlräume rutschen langsam zusammen. Wie in einen Trichter werden Häuser und Straßen gezogen. Mit 12-20 cm pro Jahr passiert das. Um derartige Bewegungen zu minimieren werden die Hohlräume verfüllt.
Beim Spülversatz werden Abfälle wie Filterstäube, Aschen und Schlämme mit Grubenlauge versetzt und über ein Rohrsystem in den Berg gepumpt. Die Lauge fließt größtenteils wieder aus dem Versatzblock hinaus in einen Laugenteich. Im Mai wurde erst ein neuer in Betrieb genommen. Letzte Arbeiten an den Hochdruckpumpen laufen derzeit. Jürgen Frank zeigte nicht ohne Stolz die neue computergesteuerte und kameraüberwachte Anlage. Die Lauge wird damit über Leitungssysteme wieder nach oben gepumpt und erneut eingesetzt.
Der Big Bag Versatz, der auch für Sollstedt im Gespräch ist, ist personalintensiver. Die Versatzmaterialien werden als Schüttgut, Siloware oder schon fertig verpackt angeliefert. Nicht verpackte Abfälle werden konditioniert, das heißt mit Bindemitteln und Lauge gemischt und verpackt. Die Materialien reagieren miteinander und es entsteht ein fester Betonklumpen. Im Förderkorb geht’s in die Tiefe. Gabelstapler holen die Beutel heraus und setzen sie auf Radlader. In Sollstedt sollen dafür untertagetaugliche Schwerlasttransporter verwendet werden. Die können dann auch mehr als nur sechs Big Bags transportieren. Die Säcke werden schichtweise in die durchschnittlich zwölf Meter hohen Abbauhallen gesetzt. Über jede Lage wird eine Lage feines Kalisalz verfüllt. Angefeuchtet mit Lauge reagiert das Salz zu einer steinharten Masse. Auf diese Schicht kann dann die nächste Lage Big Bags mit Radlagern aufgebracht werden bis der Leerraum fast verfüllt ist. Die oberste Lage besteht dann wieder aus Kalisalz. Im Lauf der Zeit übernimmt der Berg den Rest und schließt die Versatzstoffe vollständig ein. Sie werden sozusagen ein Teil des Gebirges und geben ihm damit seine Stabilität wieder. Der Bergmann nennt den Vorgang Konvergenz, das Aufeinander zu bewegen Gesteinen. Dieser komplette Einschluß der Versatzstoffe macht die Kalibergwerke so attraktiv für die Einlagerung von Schlacken, Filterstäuben und ähnlichem.
Da die unter Tage verbauten Stoffe dort verbleiben, für eine Million Jahr mindestens, spricht man von Versatz und nicht von einer Deponie. Es gibt auch Deponien in alten Bergwerken, aber aus denen lassen sich die eingebrachten Abfälle wieder entfernen, wenn es eine technologisch günstigere Methode zu ihrer Beseitigung gibt. Um Versatz durchzuführen muß langfristig sichergestellt werden, daß die Versatzstoffe im Berg bleiben, nicht mit anderen Stoffen reagieren und so weder den Menschen noch der Natur schaden können. Das ist in Bleicherode der Fall und wird genauso in Sollstedt sein.
Belastungen durch Stäube entstünden den Sollstedtern nicht, versicherte Jürgen Frank. Egal wie die Versatzstoffe angeliefert werden, sie sind soweit verpackt, daß sie der Bevölkerung nicht schaden. Die Halle ist ebenfalls eingehaust. Einzig die Leerfahrten durch das Friedetal von rund zehn LKW pro Tag könnten Anwohner stören. Um den Lärm möglichst gering zu halten, soll die Straße ausgebaut werden.
Neben der Sicherung der Orte vor Bergstößen ist besonders der Erhalt von 30 Arbeitsplätzen von Interesse für die Sollstedter. Bürgermeister Jürgen Hohberg hat nicht ohne Grund die Übernahme des Bergwerks durch den Entsorger NDH-E zur Chefsache gemacht. Heute wird er mit den Gemeinderäten über die Zukunft des Schachtes diskutieren.
Autor: wf
nnz-Reportage: Im Berg (Foto: nnz)
Heute berät der Sollstedter Gemeinderat über die Übernahme der Grube durch den Entsorgungsbetreiber NDH-E. Ab 2008 könnten dann Abfälle in sogenannten Big Bags als Versatz eingebracht werden. In Bleicherode wird diese Technik bereits eingesetzt, wenngleich sie zusammen mit dem Versatz durch Schüttgut nur etwa fünf Prozent ausmacht. Das liegt daran, daß bereits seit 1908 Spülversatz betrieben wird und die entsprechende kostenintensive Technik vorhanden ist. So eine Anlage würde sich für Sollstedt nicht lohnen, erklärte Cheftechnologe Jürgen Frank.
Während in Bleicherode 16 Millionen Kubikmeter Hohlraum zur Verfügung stehen, sind es dort nur 400.000. Von den 16 Millionen Kubikmetern sind vier Millionen versatzpflichtig, das heißt, sie müssen zugeschüttet werden. Geschieht das nicht, hätte es langfristig schlimme Folgen für die umliegenden Orte. Der Kaliberg lebt, er bewegt sich auch in über 600 Metern Tiefe. Die Decken der durch den Abbau entstandene Hohlräume rutschen langsam zusammen. Wie in einen Trichter werden Häuser und Straßen gezogen. Mit 12-20 cm pro Jahr passiert das. Um derartige Bewegungen zu minimieren werden die Hohlräume verfüllt.
Beim Spülversatz werden Abfälle wie Filterstäube, Aschen und Schlämme mit Grubenlauge versetzt und über ein Rohrsystem in den Berg gepumpt. Die Lauge fließt größtenteils wieder aus dem Versatzblock hinaus in einen Laugenteich. Im Mai wurde erst ein neuer in Betrieb genommen. Letzte Arbeiten an den Hochdruckpumpen laufen derzeit. Jürgen Frank zeigte nicht ohne Stolz die neue computergesteuerte und kameraüberwachte Anlage. Die Lauge wird damit über Leitungssysteme wieder nach oben gepumpt und erneut eingesetzt.
Der Big Bag Versatz, der auch für Sollstedt im Gespräch ist, ist personalintensiver. Die Versatzmaterialien werden als Schüttgut, Siloware oder schon fertig verpackt angeliefert. Nicht verpackte Abfälle werden konditioniert, das heißt mit Bindemitteln und Lauge gemischt und verpackt. Die Materialien reagieren miteinander und es entsteht ein fester Betonklumpen. Im Förderkorb geht’s in die Tiefe. Gabelstapler holen die Beutel heraus und setzen sie auf Radlader. In Sollstedt sollen dafür untertagetaugliche Schwerlasttransporter verwendet werden. Die können dann auch mehr als nur sechs Big Bags transportieren. Die Säcke werden schichtweise in die durchschnittlich zwölf Meter hohen Abbauhallen gesetzt. Über jede Lage wird eine Lage feines Kalisalz verfüllt. Angefeuchtet mit Lauge reagiert das Salz zu einer steinharten Masse. Auf diese Schicht kann dann die nächste Lage Big Bags mit Radlagern aufgebracht werden bis der Leerraum fast verfüllt ist. Die oberste Lage besteht dann wieder aus Kalisalz. Im Lauf der Zeit übernimmt der Berg den Rest und schließt die Versatzstoffe vollständig ein. Sie werden sozusagen ein Teil des Gebirges und geben ihm damit seine Stabilität wieder. Der Bergmann nennt den Vorgang Konvergenz, das Aufeinander zu bewegen Gesteinen. Dieser komplette Einschluß der Versatzstoffe macht die Kalibergwerke so attraktiv für die Einlagerung von Schlacken, Filterstäuben und ähnlichem.
Da die unter Tage verbauten Stoffe dort verbleiben, für eine Million Jahr mindestens, spricht man von Versatz und nicht von einer Deponie. Es gibt auch Deponien in alten Bergwerken, aber aus denen lassen sich die eingebrachten Abfälle wieder entfernen, wenn es eine technologisch günstigere Methode zu ihrer Beseitigung gibt. Um Versatz durchzuführen muß langfristig sichergestellt werden, daß die Versatzstoffe im Berg bleiben, nicht mit anderen Stoffen reagieren und so weder den Menschen noch der Natur schaden können. Das ist in Bleicherode der Fall und wird genauso in Sollstedt sein.
Belastungen durch Stäube entstünden den Sollstedtern nicht, versicherte Jürgen Frank. Egal wie die Versatzstoffe angeliefert werden, sie sind soweit verpackt, daß sie der Bevölkerung nicht schaden. Die Halle ist ebenfalls eingehaust. Einzig die Leerfahrten durch das Friedetal von rund zehn LKW pro Tag könnten Anwohner stören. Um den Lärm möglichst gering zu halten, soll die Straße ausgebaut werden.
Neben der Sicherung der Orte vor Bergstößen ist besonders der Erhalt von 30 Arbeitsplätzen von Interesse für die Sollstedter. Bürgermeister Jürgen Hohberg hat nicht ohne Grund die Übernahme des Bergwerks durch den Entsorger NDH-E zur Chefsache gemacht. Heute wird er mit den Gemeinderäten über die Zukunft des Schachtes diskutieren.

