Fr, 09:47 Uhr
14.12.2001
Schuld hat die DDR!
Nordhausen (nnz). Hat die Gesellschaft beim Rechtsextremismus versagt? Diese Frage sollte gestern im Nordhäuser Theater beantwortet werden.
Wieder einmal war es der Verein neueebenen, der sich aufgemacht hatte, um die Menschen für dieses Thema zu sensibilisieren. Das dies auch bitter notwendig ist, zeigte die Resonanz der Veranstaltung. Zwar hatten rund 100 Menschen den Weg an diesem bitterkalten Abend ins Theater gefunden, die Organisatoren hatten aber fast 1.000 Einladungen verteilt und verschickt. Die, die gekommen waren, erlebten einen provokanten Abend. Schuld daran waren die Diskussionsteilnehmer: Dr. Inka Bach (Schriftstellerin und künftige Stadtschreiberin in Erfurt), Harald-Horst Burghardt (Theologe und Rechtsextremismusexperte), Andreas Müller (Jugendrichter am Amtsgericht Bernau), Dr. Klaus Zeh (CDU-Landtagsabgeordneter) und Winfried Theuerkauf (SPD-Ortsvorsitzender in Nordhausen).
Grundtenor der anfänglichen Diskussion war die Suche nach der Schuld für den schleichenden Wertewandel in Ostdeutschland. Diese sahen die drei Wessis (Bach, Müller und Burghardt) in erster Linie in der DDR begründet. Die Menschen, die diese Zeit mitgemacht hätten, seien der Anwendung der Demokratie nicht mächtig, sie würden, auch jetzt noch, dem Einfluß einer Diktatur unterliegen. Peng, so einfach geht das! Welchen Einfluß die DDR-Diktatur auf die rechte Szene, auf Übergriffe auf Ausländer in Hessen oder Niedersachsen habe, diese Frage konnten oder wollten die drei nicht hinterleuchten. Der Rechtsradikalismus in Ostdeutschland habe schlichtweg eine andere Dimension, da passiert das eben, weil es akzeptiert wird.
Die beiden Ossis, Dr. Zeh und Winfried Theuerkauf, konnten das nicht so stehen lassen. Sicher wirke die DDR noch nach, es müsste aber auch die Nach-Wende-Situation in den neuen Bundesländern berücksichtigt werden. Schließlich wurden verschiedene Berufsgruppen für das Erstarken der rechtsextremen Szene ausgemacht: Lehrer, Journalisten und Politiker. Hier überspannte Harald-Horst Burghardt den Bogen. Die Politiker würden in jedem anstehenden Wahlkampf das Thema Ausländer missbrauchen. Sie legen damit die Saat für Rechtsextremismus. Das war nicht nur für Politiker Zeh des Guten zuviel, auch im Publikum machte sich Unmut breit. So merkte ein Mann aus Niedersachsen an, dass andere Ursachen, wie zum Beispiel die hohe Arbeitslosigkeit, ebenso greifen würden.
Es war schließlich eine interessante Diskussion im Theater. Sie machte aber auch deutlich, dass es immer noch vorrangig Wessis sind, die über die Menschen mit DDR-Vergangenheit urteilen. Vielleicht wäre es besser, mehr Ossis in die Bewältigung der anstehenden Probleme einzubinden. Einig waren sich Diskutanten und Publikum schließlich, dass in die Bildung der Kinder und Jugendlichen endlich mehr Geld investiert werden müsse. Eine Erziehung zu Toleranz, zu Demokratieverständnis müsse neben dem Elternhaus vor allem in der Schule geschehen. Parallel dazu müsse jeder mit seinen Mitteln dem Erstarken der rechten Szene begegnen. Die Möglichkeiten dazu sind vielfältig, eine davon war die gestrige Veranstaltung.
Autor: nnz
Wieder einmal war es der Verein neueebenen, der sich aufgemacht hatte, um die Menschen für dieses Thema zu sensibilisieren. Das dies auch bitter notwendig ist, zeigte die Resonanz der Veranstaltung. Zwar hatten rund 100 Menschen den Weg an diesem bitterkalten Abend ins Theater gefunden, die Organisatoren hatten aber fast 1.000 Einladungen verteilt und verschickt. Die, die gekommen waren, erlebten einen provokanten Abend. Schuld daran waren die Diskussionsteilnehmer: Dr. Inka Bach (Schriftstellerin und künftige Stadtschreiberin in Erfurt), Harald-Horst Burghardt (Theologe und Rechtsextremismusexperte), Andreas Müller (Jugendrichter am Amtsgericht Bernau), Dr. Klaus Zeh (CDU-Landtagsabgeordneter) und Winfried Theuerkauf (SPD-Ortsvorsitzender in Nordhausen).Grundtenor der anfänglichen Diskussion war die Suche nach der Schuld für den schleichenden Wertewandel in Ostdeutschland. Diese sahen die drei Wessis (Bach, Müller und Burghardt) in erster Linie in der DDR begründet. Die Menschen, die diese Zeit mitgemacht hätten, seien der Anwendung der Demokratie nicht mächtig, sie würden, auch jetzt noch, dem Einfluß einer Diktatur unterliegen. Peng, so einfach geht das! Welchen Einfluß die DDR-Diktatur auf die rechte Szene, auf Übergriffe auf Ausländer in Hessen oder Niedersachsen habe, diese Frage konnten oder wollten die drei nicht hinterleuchten. Der Rechtsradikalismus in Ostdeutschland habe schlichtweg eine andere Dimension, da passiert das eben, weil es akzeptiert wird.
Die beiden Ossis, Dr. Zeh und Winfried Theuerkauf, konnten das nicht so stehen lassen. Sicher wirke die DDR noch nach, es müsste aber auch die Nach-Wende-Situation in den neuen Bundesländern berücksichtigt werden. Schließlich wurden verschiedene Berufsgruppen für das Erstarken der rechtsextremen Szene ausgemacht: Lehrer, Journalisten und Politiker. Hier überspannte Harald-Horst Burghardt den Bogen. Die Politiker würden in jedem anstehenden Wahlkampf das Thema Ausländer missbrauchen. Sie legen damit die Saat für Rechtsextremismus. Das war nicht nur für Politiker Zeh des Guten zuviel, auch im Publikum machte sich Unmut breit. So merkte ein Mann aus Niedersachsen an, dass andere Ursachen, wie zum Beispiel die hohe Arbeitslosigkeit, ebenso greifen würden.
Es war schließlich eine interessante Diskussion im Theater. Sie machte aber auch deutlich, dass es immer noch vorrangig Wessis sind, die über die Menschen mit DDR-Vergangenheit urteilen. Vielleicht wäre es besser, mehr Ossis in die Bewältigung der anstehenden Probleme einzubinden. Einig waren sich Diskutanten und Publikum schließlich, dass in die Bildung der Kinder und Jugendlichen endlich mehr Geld investiert werden müsse. Eine Erziehung zu Toleranz, zu Demokratieverständnis müsse neben dem Elternhaus vor allem in der Schule geschehen. Parallel dazu müsse jeder mit seinen Mitteln dem Erstarken der rechten Szene begegnen. Die Möglichkeiten dazu sind vielfältig, eine davon war die gestrige Veranstaltung.


