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Mo, 08:20 Uhr
04.03.2024
Nordhausen und seine künstlerischen Werke (13)

Das Denkmal für Prof. Dr. Kützing im Gehege

Dieses Mal beginnt Heidelore Kneffel ihre Betrachtung der Nordhäuser Kunst mit der Abbildung des Kützingdenkmals im Gehege, das der in Nordhausen allseits bekannte Hermann Arnold (1831-1909), einer seiner Schüler, in Auftrag gab und bezahlte...

Denkmal von 1906 aus Granit mit einer ausdrucksvollen Bildnisplakette (Reliefprofil) von Otto Henschel (1871-1937) am Hauptweg in das Gehege  (Foto: Heidelore Kneffel) Denkmal von 1906 aus Granit mit einer ausdrucksvollen Bildnisplakette (Reliefprofil) von Otto Henschel (1871-1937) am Hauptweg in das Gehege (Foto: Heidelore Kneffel)


Es folgt ein Textauszug von dem darauf abgebildeten Botaniker und Algenforscher Friedrich Traugott Kützing (1807-1893) aus seinen „Aufzeichnungen und Erinnerungen“, die allerdings erst 1960 erschienen. Daran hat der Nordhäuser Stadtarchivar Robert Hermann Walther Müller großen Anteil. Zwei männliche Enkel Kützings übergaben ihm 1953 ein zu einem Buch gebundenes Manuskript, das dann in Leipzig in der Reihe „Lebensdarstellungen deutscher Naturforscher, 8“ erschien. Der folgende Textteil erzählt, wie ihn Nordhausen empfing, als der Magistrat der Stadt beschlossen hatte, dass er als Lehrer der Chemie und Naturgeschichte an der neugegründeten Realschule unterrichten würde. „Als wir in Nordhausen zum Siechentore ein fuhren, begegnete unserem Wagen eine Herde Schweine, die fast die ganze Breite der Straße einnahm und nach der Schwemme getrieben wurde. Da unsere Fahrt hierdurch gehemmt wurde, versuchte unser Kutscher mit seiner Peitsche die Schweine aus dem Weg zu treiben, aber der begleitende Futterbursche erhob gegen unsern Kutscher seine Peitsche mit der Drohung: `Wann he die Schwiene schlätt!` Es war nämlich damals noch die löbliche Sitte in Nordhausen, daß jedermänniglich auf der Straße einer Schweineherde ausweichen mußte.“ Auch ein Wagen war davon nicht ausgenommen. Kützing trat seine Lehrerstelle am 15. Oktober 1835 an. Mit dem Ruf, ein Gelehrter zu sein, wurde er freundlich aufgenommen und bekam zum Martinsfest sofort 11 Einladungen. Sein Zeitgenosse, der Künstler Wilhelm Eichler (1801-1872), malte um 1850 mit Ölfarbe auf Leinwand das kleinere Gemälde: „Der letzte Nordhäuser Schweinehirt mit Namen Meister.“, was hierher gut passt. Die Silhouette der Stadt ist unverkennbar, Schweine gibt es nur wenige, aber der letzte Schweinehirt und sein Hund sind gut ins Bild gesetzt.

emälde des letzten Schweinehirtens der Stadt, 36,0 cm x 32,0 cm, von Wilhelm Eichler, Kunstsammlung der Stadt Nordhausen (Foto: Heidelore Kneffel) emälde des letzten Schweinehirtens der Stadt, 36,0 cm x 32,0 cm, von Wilhelm Eichler, Kunstsammlung der Stadt Nordhausen (Foto: Heidelore Kneffel)


Kützing stammte aus einer kinderreichen Familie, nicht sehr wohlhabend, wurde als Apotheker ausgebildet und studierte dann in Halle Naturwissenschaften. 1834 entdeckte er den Kieselsäuregehalt in Diatomeen-Skeletten, damit begann sein Leben als Algenforscher, denn er schickte seine Abhandlungen darüber auch an Alexander von Humboldt (1769-1859), der die Entdeckung in der Königlichen Akademie bekannt machte. Kützing stellte sich den Mitgliedern vor und bekam einen Zuschuss von 200 Talern für eine Reise, er wollte damit hin zum adrianischen und mittelländischen Meer, um seine Algensammlung zu vergrößern. Mit diesen Erfahrungen begann sein Leben als Lehrer in Nordhausen. Seine Algenforschung nahm ihn mehr und mehr gefangen. Nach seiner Heirat wohnte er in der Elisabethstraße, hatte einen eigenen Garten, Teiche und der Mühlgraben lagen nahe, so dass er seine Forschungsobjekte vor der Haustür hatte. Das Haus wurde 1950 abgerissen.

Kützing war Zeichner und Lithograph, 1841, Stadtarchiv Nordhausen (Foto: Heidelore Kneffel) Kützing war Zeichner und Lithograph, 1841, Stadtarchiv Nordhausen (Foto: Heidelore Kneffel)


Bevor sein erstes großes Algenwerk entstand, musste er vorher für die Algen-Illustrationen einen Kupferstecher finden, denn für die 80 Tafeln sollte er 2400 Taler zahlen. Woher nehmen?
Er wollte nun selbst tätig werden, denn das Zeichnen hatte er sich beigebracht. In Nordhausen ließ er sich als Lithograph ausbilden und war nun befähigt, die angefertigten Zeichnungen mit einer Stahl- später Diamantfeder auf den Lithographenstein aufzutragen. Unendlich viele Abbildungen entstanden in den folgenden Jahren. Er war sehr produktiv.

Ende 1850 kaufte er sich auf dem Petersberg ein Haus mit einem schönen Berggarten. Es war das letzte vor der Schlunztreppe mit freiem Giebel. Deshalb ließ er es mit Schiefern schützen und zog 1851 ein. Der Künstler Eichler malte eine Ansicht der Stadtmauer, gesehen aus dem Studierzimmer des Forschers.

Blick aus dem Wohnhaus der Familie Kützing auf dem Petersberg von 1861 von Wilhelm Eichler (1801-1872), Museum Flohburg (Foto: Heidelore Kneffel) Blick aus dem Wohnhaus der Familie Kützing auf dem Petersberg von 1861 von Wilhelm Eichler (1801-1872), Museum Flohburg (Foto: Heidelore Kneffel)


Als im Stadtgeschichtlichen Museum FLOHBURG 2013 die umfängliche Ausstellung über die bekannte Nordhäuser Familie Förstemann stattfand, gab es darin auch eine Schautafel über Kützing, denn der Verleger Heinrich Ferdinand Förstemann in Nordhausen druckte 1865 sein vergriffenes berühmtes Algenwerk nach: „Die kieselschaligen Baccilarien oder Diatomeen. Bearbeitet von Friedrich Traugott Kützing, Prof. a. d. Realsch. zu Nordhausen. Mit 30 Kupfertafeln…“ Nachfahren der Familie kamen in die Ausstellung und übergaben der Leiterin des Museums, Dr. Klose, und dem Stadtarchivar Dr. Theilemann ein weiteres von Kützing verfasstes Manuskript seines Lebens, andere Nachfahren brachten als Schenkung ein Kästchen mit drei Bildnis-Medaillen des Forschers in Kupfer, Silber und Gold, die er zum 80. Geburtstag am 8.12.1887 als eigens für ihn angefertigte Auszeichnung von mehreren berühmen Botanikern erhielt.

Kästchen mit den drei Bildnis-Medaillen Kützings von 1887 (Foto: Heidelore Kneffel) Kästchen mit den drei Bildnis-Medaillen Kützings von 1887 (Foto: Heidelore Kneffel)


Kützing ist als berühmter Wissenschaftler in der Welt bekannt bis hin nach Australien. Hochgeehrt stirbt er 1893 mit 86 Jahren. Neben seinem Denkmal im Gehege wurde eine Straße nahe des August-Bebel-Platzes in Nordhausen nach ihm benannt. Weiß nicht, ob er im Unterricht Erwähnung findet?
Autor: red

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