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Fr, 15:59 Uhr
30.06.2006

Fliegende Intensivstation

Nordhausen (nnz). 12.700 Einsätze hat Christoph 37 auf seinen Rotorblättern. Der orange Retter ist in die Jahre gekommen. Mit dem technischen Generationswechsel ändert sich auch der Betreiber der fliegenden Intensivstation. Nnz war beim Abschiedsflug dabei.

Fliegende Intensivstation (Foto: nnz) Fliegende Intensivstation (Foto: nnz)

Zum letzten Mal startet die Bo 105 CBS-5 von Nordhausen aus. Der orangefarbene Rettungshubschrauber der Bundespolizei fliegt zurück zu seinem Stützpunkt in Fuldatal bei Kassel. Für die Luftrettung der Rolandstadt ist ab sofort die Deutsche Rettungs Flugwacht (DRF) zuständig. Sie bringt einen neuen roten Helikopter vom Typ EC 135 mit.

Fast 14 Jahre war das Notärzteteam des Südharzkrankenhauses mit den Piloten der Bundespolizei (früher Bundesgrenzschutz) unterwegs um kranken und verletzten Menschen zu helfen. Von 7.00 Uhr bis Sonnenuntergang konnten sie mit dem Rettungshubschrauber starten. Daran wird sich auch in Zukunft nichts ändern für Anästhesist Norbert Leib und seine Kollegen. Der Mediziner ist von Anfang an dabei. Pilot Peter Adam, bisher Stationsverantwortlicher, ist ebenso lange hier tätig. Er verläßt den Nordhäuser Rettungsdienst mit etwas Wehmut. An den Schichtdienst mit vier, im Sommer, bzw. sieben Arbeitstagen im Winter, hatte er sich gewöhnt. Er kannte sich hier aus, man war ein gutes Team. Vier von 16 Stationen der Luftrettung, die sich bisher in der Hand der Bundespolizei befanden, werden geschlossen. Auf Peter Adam und seine Pilotenkollegen warten nun andere Aufgaben, denn die Bundespolizei-Fliegerstaffel Mitte verfügt über ein weit größeres Einsatzspektrum als nur die Luftrettung.

Grund für die Schließung der Standorte ist die Austauschpflicht der Hubschrauber. Bis 2009 müssen alle Bo 105 aus dem Rettungsdiensteinsatz genommen werden. Sie sind nicht mehr leistungsfähig genug. Ein Rettungshubschrauber neuen Typs muß in der Lage sein auch bei Ausfall eines Triebwerks noch zu schweben. Der neue Eurocopter 135 kann das. Er verfügt außerdem über ein moderneres Navigationssystem, welches sogar Nachtflüge möglich machen würde. In Nordhausen ist der Hubschrauber aber nicht dazu beauftragt.

Besetzt ist auch der DRF-Hubschrauber mit drei Leuten, dem Piloten, dem Notarzt und einem Rettungsassistenten von DRK. Die Arbeitsbedingungen verbessern sich, denn der Innenraum des Neuen ist größer und bietet vier Personen Platz. Bei einem Kinderunfall könnte so beispielsweise die Mutter mit ins Krankenhaus fliegen. Trotzdem ist der Hubschrauber nicht wesentlich größer. Er kann auf nahezu jeder Wiese, Straßenkreuzung oder Waldlichtung landen.

Die medizinische Ausstattung ist einer fliegenden Intensivstation würdig. Beatmungsgerät, Defibrillator, Infusionspumpen und die komplette Überwachungstechnik mit EKG, Pulsoximeter und Blutdruckmeßgeräten ist an Bord. Sowohl Unfallopfer als auch internistische Notfälle können versorgt werden. Letztere machen trotz anders gearteter Fernsehdarstellung rund 80 Prozent der Einsätze aus.

Ab sofort gehen neue Piloten unter dem Funkrufnamen Christoph 37 in die Luft. Wolfgang Danda und seine Kollegen müssen sich hier erst einfliegen. Grundsätzlich verfügen sie aber über genauso viel Erfahrung wie die Bundespolizei-Piloten. 2.000 Flugstunden, sowie Erfahrung den Bereichen Tiefflug und Landung werden erwartet, sonst dürfen sie nicht für die DRF starten.

Der Betrieb des Hubschraubers in Nordhausen finanziert sich in Zukunft zu ¾ aus den Kostenrückerstattungen der Krankenkassen. Die DRF geht aber auch Spenden sammeln und wirbt Mitglieder für ihren als gemeinnützig anerkannten Verein. Auslandsreisenden Mitgliedern bieten sie kostenlosen Luftrücktransport, denn das zahlen die deutschen Krankenkassen nicht. Abzocker sollen die Änderung der Luftrettung am Südharzkrankenhaus nicht ausnutzen können. Die Deutsche Rettungsflugwacht informiert, daß ihre Werber an der Haustür kein Geld sammeln und sich ausweisen können.

Für die Sicherheit der Bevölkerung, die in Christoph 37s Einsatzgebiet von rund 50 km um Nordhausen wohnen, ändert sich nichts. Wer die Hilfe eines Notarztes benötigt, wird sie nach wie vor auch aus der Luft bekommen. Nur an den Anblick eines roten Rettungshubschraubers werden sich die Nordhäuser erst mal gewöhnen müssen.
Autor: wf

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