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Do, 04:57 Uhr
18.01.2024
Oxfam-Studie:

An der Realität vorbei

Auch in diesem Jahr prangert die Hilfsorganisation Oxfam pünktlich zum Weltwirtschaftsforum in Davos die angeblich steigende Ungleichheit der Vermögen an. Doch die Zahlen zur Entwicklung der Vermögensungleichheit in Deutschland zeichnen ein anderes Bild, zeigen Auswertungen des Instituts der deutschen Wirtschaft (IW)...


Glaubt man Oxfam, dürften die Reichen auch in den vergangenen Jahren wieder reicher, die Armen ärmer geworden sein. Die Erhebungen zur Vermögensverteilung zeigen für Deutschland ein anderes Bild: Nach Zahlen der Deutschen Bundesbank hat sich die Vermögensungleichheit zwischen 2017 und 2021 sogar leicht reduziert. Insgesamt sind die Vermögen nicht nur in der Breite, sondern insbesondere auch in Haushalten mit geringen Vermögen überdurchschnittlich stark gewachsen.

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Und auch die von Oxfam verwendeten Daten aus dem Credit Suisse Global Wealth Report, der Zahlen des Sozio-oekonomischen Panels aus dem Jahr 2017 bis 2022 fortschreibt, zeigen für Deutschland eine leicht rückläufige Entwicklung der Vermögensungleichheit. So sank der Gini-Koeffizient von 81,6 Punkten im Jahr 2019 auf 76,9 Punkte im Jahr 2022. Der Gini-Koeffizient ist in aller Regel zwischen 0 (alle besitzen das gleiche) und 1 (einer besitzt alles) begrenzt.

Starker Sozialstaat verzerrt Ergebnisse
Dass die Vermögensungleichheit damit merklich höher ausfällt als die Ungleichheit der Einkommen, lässt sich auf verschiedene Faktoren zurückführen. Beispielsweise ist das soziale Netz in Deutschland viel stärker als in anderen Ländern. Berücksichtigt man auch die gesetzlichen Rentenansprüche, reduziert sich die Vermögensungleichheit um mehr als ein Fünftel. Auch der Umstand, dass Vermögen insbesondere mit steigendem Alter höher ausfallen, hebt statistisch die Vermögensungleichheit. Mit diesem Wissen erscheinen die Zahlen weit weniger dramatisch, auch deshalb hebt Oxfam vermutlich die Entwicklung extremer Vermögen seit dem Tiefpunkt der Aktienmarktentwicklung im März 2020 ins Bild – und fordert eine Besteuerung extremer Vermögen in Europa.

Vermögensteuer belastet Unternehmen
Die wäre für Deutschland aber kontraproduktiv. Erst heute bestätigte das Statistische Bundesamt die Rezession im Jahr 2023, in der IW-Verbandsumfrage aus dem Dezember berichteten 30 von 47 befragten Wirtschaftsverbänden von verschlechterten Geschäften. Eine Vermögensteuer wäre in dieser Situation eine weitere Belastung für deutsche Unternehmen, das würde den Spielraum für Investitionen weiter schmälern und die internationale Wettbewerbsfähigkeit verschlechtern.
Autor: psg

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Kommentare
Jäger53
18.01.2024, 06:41 Uhr
Realität
Wer der Deutschen Bundesbank klaubt ist selber schuld.
marco-sdh
18.01.2024, 10:55 Uhr
Was klaubt man denn
bei der Deutschen Bundesbank?
OPA 01
18.01.2024, 11:18 Uhr
Bei der Deutschen Bundesbank
klaubt man vielleicht (Stil-)Blüten...
P.Burkhardt
18.01.2024, 12:46 Uhr
Was wir glauben...
spielt doch eine unwesentliche Rolle. Es ist doch so: Zwei Investoren legen ihr Geld irgendwo an und erzielen die gleiche Rendite: beispielsweise 10 Prozent. Der arme Investor legt 10.000 EUR an und gewinnt also 1.000 EUR, der reiche Investor legt 1.000.000 EUR an und erzielt also einen Gewinn von 100.000 EUR. Das Vermögen des reichen Investors ist somit um 1.000 Prozent mehr gestiegen als das des armen Investors. Sein Vermögenszuwachs ist um den Faktor 10 höher. Natürlich wächst das Vermögen der Reichen also stärker als das der Armen. Die progressive Besteuerung hilft wenig wenn die Beträge groß genug sind - sofern die Erträge da überhaupt darunter fallen.

Die Aussage von OXFAM ist also prinzipiell korrekt und auch nachvollziehbar.

oder in einfacher Sprache: Wo Tauben sind, fliegen Tauben zu...
grobschmied56
18.01.2024, 14:28 Uhr
Ein Mißverständnis beruht darauf ...
... daß man immer wieder Einkommen und Vermögen in einen Topf wirft und munter verwechselt. Ein Landwirt mit einem 80 Hektar-Hof und Landmaschinenpark verfügt über ein beachtliches Vermögen. Nur besteht das nicht aus einem Sack voll Geld, sondern eben aus Land, Gebäuden und Maschinen. Sein Jahreseinkommen muß nicht unbedingt fürstlich sein.

Ein Bundestagsabgeordneter kann hingegen ein nur geringes Vermögen haben. In Form von Diäten und zusätzlichen Einnahmen hat er jedoch ein monatliches Einkommen im komfortablen fünfstelligen Bereich.
grobschmied56
18.01.2024, 16:17 Uhr
Was das Oxfam-Geschreibsel wert ist...
... davon können sich Interessierte ein genaueres Bild machen. In der NZZ vom 15.1.2024 nimmt Autor Christoph Eisenring mal einige der merkwürdigen Berechnungsmethoden von Oxfam unter die Lupe.
Auch lesenswert - ein etwas älterer Beitrag der Süddeutschen vom 11.Nov. 2016 in welchem Jan Willmroth die eingeschränkte und einseitige Sichtweise auf viele Entwicklungsländer auswertet, die hier in Deutschland (auch Dank Oxfam) noch immer vorherrschend ist.
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