Di, 13:04 Uhr
11.12.2001
Ein Lächeln für Herrn L. aus Erfurt
Nordhausen (nnz). Wenn Herren aus den Erfurter Ministerien nach Nordhausen kommen, dann erleben Sie am eigenen Leib die Auswirkungen der infrastrukturellen Situation im Norden Thüringens. So erging es auch Herrn Ludwig aus dem Wirtschaftsministerium...
Der Referatsleiter war gestern Gast beim Verband der Wirtschaft Nordhausen und brachte viele Zahlen auf Folien, aber auch Visionen einer künftigen Unternehmensstruktur mit. In Thüringen seien mehr als die Hälfte der Betriebe einfach zu klein, in ihnen würden zwischen 11 und 50 Mitarbeiter ihren Job machen. Von den 470 Betrieben im Landkreis Nordhausen seien es 235, die eine Mitarbeiterschaft bis zu 50 Arbeitnehmern aufweisen würden. Das sei schlicht und ergreifend zu wenig, um den künftigen Anforderungen stand zu halten, so Ludwig. Also müssten Firmenzusammenschlüsse die Lösung bringen. Darunter versteht das Wirtschaftsministerium Kooperationen, Partnerschaften, Unternehmensverbünde oder sogenannte Cluster. Ziel dieser Zusammenschlüsse sollten gebündelte Managementaktivitäten sein, schließlich gehe es um mehr Marktpräsenz.
Sollte die Firmen diesen Weg nicht gehen, würden sie auf Dauer in den neuen europäischen Rahmenbedingungen auf große Schwierigkeiten stoßen. Vor allem würde dies erneut die Baubranche treffen. Bei einem künftigen Aufschwung, den Ludwig deutlich ausmacht (er nannte nur keinen Zeitraum), würden kleine Unternehmenseinheiten keine Chance mehr haben, um an den wirklich lukrativen Geschäften beteiligt zu sein. Gerade in dieser Branche würde sich eine Bereinigung des Marktes fortsetzen. Diese Bereinigung ist branchenweit derweil schon in vollem Gange. Meldeten im ersten Halbjahr 2000 im Landkreis Nordhausen 19 Unternehmen Insolvenz an, so waren es im gleichen Zeitraum dieses Jahres bereits 40, eine Steigerung um 110 Prozent.
Dann aber kam der eigentliche Hammer im Statement des Ministerialen aus Erfurt. Er verwies zwar auf die Bedeutung der A 38, sie sei für die Region sehr schön, die Nord-Süd-Verbindung in Richtung Hauptstadt ist jedoch besser. Ludwig forderte schnellere und effektivere Ortsumgehungen innerhalb der Bundesstraßen. Ansprechpartner müsste für Herrn Ludwig hier wohl eher das eigene Ministerium sein. Skeptisch sieht der Referatsleiter auch das künftige Industriegebiet in der Goldenen Aue. Er sehe dafür kaum Chancen, dass sich führende große Unternehmen aus Deutschland oder Europa nun gerade in der Goldenen Aue ansiedeln würden. Eine Autobahn A 38 reiche dazu nicht aus und können Standorte wie Jena oder Erfurt nicht ersetzen.
Trotzdem aber sieht Herr Ludwig für das kommende Jahr keinen Grund zum Pessimismus. Ob er darin auch die Nordthüringer Region einschloß, das verschloß sich vielen Unternehmern, die gestern seinem Referat lauschten. Sie konnten sich eines Lächelns einfach nicht erwehren.
Autor: nnzDer Referatsleiter war gestern Gast beim Verband der Wirtschaft Nordhausen und brachte viele Zahlen auf Folien, aber auch Visionen einer künftigen Unternehmensstruktur mit. In Thüringen seien mehr als die Hälfte der Betriebe einfach zu klein, in ihnen würden zwischen 11 und 50 Mitarbeiter ihren Job machen. Von den 470 Betrieben im Landkreis Nordhausen seien es 235, die eine Mitarbeiterschaft bis zu 50 Arbeitnehmern aufweisen würden. Das sei schlicht und ergreifend zu wenig, um den künftigen Anforderungen stand zu halten, so Ludwig. Also müssten Firmenzusammenschlüsse die Lösung bringen. Darunter versteht das Wirtschaftsministerium Kooperationen, Partnerschaften, Unternehmensverbünde oder sogenannte Cluster. Ziel dieser Zusammenschlüsse sollten gebündelte Managementaktivitäten sein, schließlich gehe es um mehr Marktpräsenz.
Sollte die Firmen diesen Weg nicht gehen, würden sie auf Dauer in den neuen europäischen Rahmenbedingungen auf große Schwierigkeiten stoßen. Vor allem würde dies erneut die Baubranche treffen. Bei einem künftigen Aufschwung, den Ludwig deutlich ausmacht (er nannte nur keinen Zeitraum), würden kleine Unternehmenseinheiten keine Chance mehr haben, um an den wirklich lukrativen Geschäften beteiligt zu sein. Gerade in dieser Branche würde sich eine Bereinigung des Marktes fortsetzen. Diese Bereinigung ist branchenweit derweil schon in vollem Gange. Meldeten im ersten Halbjahr 2000 im Landkreis Nordhausen 19 Unternehmen Insolvenz an, so waren es im gleichen Zeitraum dieses Jahres bereits 40, eine Steigerung um 110 Prozent.
Dann aber kam der eigentliche Hammer im Statement des Ministerialen aus Erfurt. Er verwies zwar auf die Bedeutung der A 38, sie sei für die Region sehr schön, die Nord-Süd-Verbindung in Richtung Hauptstadt ist jedoch besser. Ludwig forderte schnellere und effektivere Ortsumgehungen innerhalb der Bundesstraßen. Ansprechpartner müsste für Herrn Ludwig hier wohl eher das eigene Ministerium sein. Skeptisch sieht der Referatsleiter auch das künftige Industriegebiet in der Goldenen Aue. Er sehe dafür kaum Chancen, dass sich führende große Unternehmen aus Deutschland oder Europa nun gerade in der Goldenen Aue ansiedeln würden. Eine Autobahn A 38 reiche dazu nicht aus und können Standorte wie Jena oder Erfurt nicht ersetzen.
Trotzdem aber sieht Herr Ludwig für das kommende Jahr keinen Grund zum Pessimismus. Ob er darin auch die Nordthüringer Region einschloß, das verschloß sich vielen Unternehmern, die gestern seinem Referat lauschten. Sie konnten sich eines Lächelns einfach nicht erwehren.


