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Mi, 18:00 Uhr
29.11.2023
Auf dem Land wird Service weiter "ausgedünnt":

Postbankfiliale soll geschlossen werden

Es ist knapp einen Monat her, da gab die Postbank bekannt, rund die Hälfte ihrer Filialen zu schließen. Diese Ankündigung hat auch auf Nordhausen ihre Auswirkungen. Die nnz ist der Sache nachgegangen und wurde in Salza “fünfig”...

Postbank zieht sich Ende April aus Salza zurück (Foto: privat) Postbank zieht sich Ende April aus Salza zurück (Foto: privat)
Seit 1991 gibt es an der Hauptstraße in Salza “Dorles Laden”. Wann immer man dort vorbeifährt, bemerkt man Kunden im Geschäft. Zu Corona-Zeiten mussten die vor der Tür stehen. Kommt man ins Geschäft, dann tritt man in das, was man früher tatsächlich als Laden verstand. Eine freundliche Enge und vor allem Menschen hinter dem Ladentisch, die den Kunden bekannt sind.

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Im Jahr 2026 besteht das Geschäft 35 Jahre, dann sollte nach dem Willen von Doris Bühling ein Eigentümerwechsel stattfinden und parallel ein Schlussstrich mit den Dienstleistungen der Postbank gezogen werden. So der Plan, dem allerdings die Postbank (eine Tochter der Deutschen Bank) einen Strich durch die Rechnung machte. Schon in der ersten Oktoberhälfte kündigte die Deutsche Post der Inhaberin in Salza einige Auftragsbereiche des bis dahin bestehenden Partnervertrags. Konkret betroffen waren die Dienstleistungen der Postbank.

“Das war für uns alle schon ein Schock, denn neben dem Geschäft, das uns entgeht, sind ja auch unsere Postbank-Kunden betroffen. Und das sind nicht wenige”, erzählt Doris Bühling. “Dorles Laden” ist neben der Hauptstelle der Deutschen Post im Nordhäuser Zentrum die einzige noch existierende Postbankfiliale im Landkreis Nordhausen. Die hängen nun in der Luft. Wer bisher seine Bankgeschäfte in Salza erledigen konnte, der muss nun ins Nordhäuser Zentrum fahren. Zu den Kunden gehören nicht nur Einwohner aus Salza, sondern auch aus den umliegenden Orten. Auch kleine Unternehmen oder Handwerksbetriebe wickeln ihre Geschäfte in der Hauptstraße ab. “Wir hatten gerade heute einen Kunden, der wollte eine sogenannte Notauszahlung tätigen. Die Filiale am Lutherplatz hatte ihn zu uns nach Salza geschickt. Was macht der Postbankkunde im nächsten Jahr?”

Das wird nun nach dem 30. April nicht mehr der Fall sein, denn dann endet die Zusammenarbeit mit der Postbank. “Wir hätten im Jahr 2026 gern noch unsere 25jährige Zusammenarbeit mit der Postbank gefeiert”, sagt Doris Bühling mit einiger Wehmut.

Die nnz hat bei der Postbankzentrale nachgefragt und erhielt von Hartmut Schlegel, dem Sprecher der Postbank folgende Auskunft: “Stationäre Vertriebswege spielen für die persönliche Beratung weiterhin eine wichtige Rolle, jedoch mittelfristig nicht mehr im gleichen Umfang. Die Deutsche Bank plant daher, das Postbank-Filialnetz in den kommenden Jahren an die veränderte Nachfrage anzupassen und die Anzahl der bundesweiten Standorte von derzeit circa 550 bis Mitte 2026 schrittweise auf rund 300 zu reduzieren.

In etwa 200 dieser Standorte werden weiterhin Post- und Paketdienstleistungen angeboten. Deutsche Bank und Deutsche Post haben jüngst die Fortsetzung ihres langfristigen Kooperationsvertrags beschlossen. Die Deutsche Post wird ihren Kundinnen und Kunden auch an den Standorten, die künftig nicht mehr durch Postbank-Filialen abgedeckt werden, Postdienstleistungen in ihrer Nähe anbieten.

An weiteren rund 100 Standorten der Postbank können sich Kundinnen und Kunden in einem neuen, ausschließlich auf Bankdienstleistungen fokussierten Filialformat persönlich vor Ort beraten lassen.”

Auf die Frage, welchen Standorte der Postbank denn in Nordthüringen noch von Schließungen betroffen seien, antwortet die Postbank: “Die Postbank hat eigene Filialen nur in Nordhausen und in Sondershausen. Zu deren Zukunft kann ich Ihnen wie beschrieben heute noch keine konkreten Auskünfte geben. Darüber hinaus gibt es in der Umgebung einige Partnerfilialen der Deutschen Post AG, die ein rudimentäres Angebot an Finanzdienstleistungen haben (Ein- und Auszahlungen, Überweisungsträger abgeben). Bei diesen Filialen kommt es aus unterschiedlichen Gründen immer wieder vor, dass die Finanzdienstleistungen ausgelistet werden. Dies wird Ende April 2024 in Mühlhausen, Volkenröder Straße 13 der Fall sein. Der Grund liegt darin, dass die Leistungen nicht mehr wirtschaftlich angeboten werden konnten.”

Aber immer noch keine Aussage zum Standort in Nordhausen/Salza und wieder eine Rückfrage, die dann wie folgt beantwortet wird: “Ich kann Ihre Information bestätigen. Laut Information des Netzmanagements der Deutschen Post AG ist in der Partnerfiliale Hauptstraße 36 in Nordhausen die Auslistung der Finanzdienstleistungen (Ein- und Auszahlungen, Abgeben von Überweisungsträgern) ebenfalls für den 30.04.24 geplant.”

Für die Kundinnen und Kunden, die sich nicht nur auf Online-Geschäfte mit ihrer Bank verlassen wollen oder können, ist das ein herber Schlag. Doris Bühling ist immer noch fassungslos, dass ab dem 1. Mai kommenden Jahres keine Postbank-Geschäfte getätigt werden können. Und das nach 23 Jahren.
Peter-Stefan Greiner
Autor: psg

Kommentare
Mustafa
29.11.2023, 19.08 Uhr
Wilkommen im Digitalen Zeitalter
Wer im Jahre 2023 noch zur Bank muss, der hat wirklich die letzten Jahre verpennt.

Einfach Banking App herunterladen und alles dort abwickeln, wenn jemand Geld braucht, geht er zum Automaten.
P.Burkhardt
29.11.2023, 19.29 Uhr
Die Postbank...
...gehört seit mehr als 3 Jahren zur Deutschen Bank - interessant hier zu erfahren, dass es eine Postbank-Zentrale gibt.... es ist erstaunlich, dass diese Postschalter mit Auszahlfunktion überhaupt so lange in Betrieb blieben.

Aber ja, die Filialbanken haben es immer schwerer. Die Generation der Überweisungsträger-Ausfüller stirbt langsam weg und die Kosten für die zu erfüllenden aufsichtsrechtlichen Auflagen steigen, steigen und steigen. ...und die Deutsche Bank hat ja seit Jahren keinen teuren Fettnapf ausgelassen. Natürlich muss sie sparen.
Franz 2018
29.11.2023, 19.37 Uhr
Willkommen im digitalen Zeitalter....
Ja Mustafa, für die digitale Generation kein Problem, aber es wird schon interessant, wenn das Handy mal defekt, verloren oder geklaut ist. ...und die ältere Generation tut sich teilweise schwer damit, meine Mutter wird 80 und kriegt das nicht mehr hin und nein, sie will ihre Geldgeschäfte selbst abwickeln und nicht jedesmal mich fragen müssen. Das hat was mit Eigenständigkeit zu tun und das ist auch vollkommen in Ordnung. Wir sind Gott sei Dank nicht bei der Postbank, wenn man keine Kunden will - außer digital - dann sollte man das den Kunden einfach sagen...es scheint ja bereits seit Jahren Banken zu geben, die auf die "kleinen Kunden" keinen Wert mehr legen.... Dabei vergessen sie, das genau diese Menschen diesen Banken erst ihren Aufbau ermöglicht haben.....aber ehrlich, so einer Bank möchte ich - auch wenn ich in der Digitalisierung angekommen bin und den Vor-Ort-Service eher selten brauche - mein Geld und ggf. meine Investitionen nicht anvertrauen. ....
P.Burkhardt
29.11.2023, 20.05 Uhr
vernünftige Einstellung...@Franz
Ich glaube, es kommt auf die Mischung an. Es gibt Situationen, da braucht man einfach das persönliche Gespräch - ein chatbot oder eine Tante in einem Call-Center ist da nur suboptimal. Ich schaue meinem Gegenüber auch lieber in die Augen...gerade, wenn es um das Ersparte oder eine Finanzierung geht.

Zum Glück gibt es noch Volksbanken und Sparkassen, die trotz aller Widerstände neben ihrem digitalen Angebot auch die persönliche Betreuung vor Ort aufrechterhalten. Aber wir, als Kunden sollten uns immer darüber im Klaren sein, dass Service Geld kostet und deswegen ggf. auch Gebühren in Kauf nehmen.

Was man online abwickeln kann, sollte man auch online abwickeln - das ist meistens billiger und in der Regel auch schneller und schafft der Bank dann Freiräume, sich um die Sachen zu kümmern, die wirklich persönliche Betreuung brauchen. Meine Lebensgefährtin ist seit Jahren Postbank-Kundin - und nutzt ausschließlich das Online-Angebot.
Kyffhaeuser
29.11.2023, 22.05 Uhr
Filiale in Sondershausen - kann weg , ist unnötig
also die sogenannte "Filiale" der Postbank in Sondershausen kann sowieso weg. Der Standort in der Galerie war von Beginn an eine "Totgeburt", hat nur offen wenn die Galerie auf hat - ein Witz, sonst kommt man weder an die Postfächer noch an die Automaten ran ! Außerdem ist völlig unklar, ob die nun die Deutsche Post - DHL oder die Postbank ist ? steht zwar alles draußen und an den Schaltern dran, wenn man aber mal was zu DHL wissen will (Probleme, Beschwerden) , dann sind die MA alle von der Postbank und können keine Auskunft geben. Man bekommt einen vorgedrucken Zettel mit Tel. Nummer wo man sich beschweren kann. War schon immer eine komische Post, wo es keinen Briefkasten gab zum Einwerfen von Briefen - kein Witz. Der steht wie zu DDR Zeiten 50 m vor dem Gebäude. Die Spatzen pfeifes es von den Dächern das die "Bude" bald geschlossen wird, denn alle Pakete die nicht zugestellt werden konnten, landen seit Monaten nicht mehr dort, sondern in den 2 im Umkreis befindlichen privaten "Postfilialen", eine nur 20 m weg. Dort kommt man vom "Regen in die Traufe", keine der 2 privaten Filialen oder gar die jetzige Postbank sind gut mit dem PKW erreichbar, eine sogar in der Fußgängerzone ! wehe man muss ein schweres Paket abholen oder bringen ! dann viel Spass bei der Schlepperei und der nächste Parkplatz ist das gebührenpflichtige Parkhaus - Kundenfreundlichkeit und Service sehen anders aus. Ebenso die Öffnungzeiten wenn man mal sein Paket holen möchte, Bereitstellung am nächsten Tag ab 16.30 Uhr, aber achtung die eine private Bude schließt um 17.00 Uhr, also hat man ein Zeitfenster von 30 Minuten um sein Paket zu holen oder noch einen Tag später, falls man es überhaupt vor 17.00 Uhr schafft. Mit sowas rechent wohl die Post nicht, das Menschen länger als bis 17.00 Uhr arbeiten. Alles extrem Kundenunfreundlich. Kunden sind scheinbar eh nur lästiges Übel.
Real Human
30.11.2023, 10.45 Uhr
Die Postbank wurde „legal“ übernommen! ...
… Und zwar von einer Bank, die – wie es @ P.Burkhardt treffend formuliert – „seit Jahren keinen teuren Fettnapf ausgelassen“ hat.

„Die Postbank ging in der zweiten Postreform von 1994 mit dem Poststrukturgesetz als eines von drei Unternehmen aus der Privatisierung der Deutschen Bundespost hervor, einem vormaligen nicht rechtsfähigen Sondervermögen des Bundes. (…) Von 2009 bis 2015 wurde die Postbank nach und nach von der Deutschen Bank übernommen und 2018 auf die DB Privat- und Firmenkundenbank verschmolzen, die ihrerseits am 15. Mai 2020 in der Deutsche Bank AG aufging, “, schreibt Wikipedia.

Vielleicht sollte das Bundesverfassungsgericht sich mal damit beschäftigen, ob die Verschleuderung von Volksvermögen damals eigentlich grundgesetzkonform war!? Aber es war ja die Zeit des Sieges des Kapitalismus auf ganzer Linie.

„Alle Staatsgewalt geht vom Volke aus. Sie wird vom Volke in Wahlen und Abstimmungen und durch besondere Organe der Gesetzgebung, der vollziehenden Gewalt und der Rechtsprechung ausgeübt.“, heißt es in Artikel 20 (2) des PROVISORIUMS Grundgesetz. Wenn am 18. März 1990 in der DDR sich nicht die Gier nach Westgeld durchgesetzt hätte, wären privatkapitalistische Banken vielleicht abgeschafft worden? Auf der Grundlage einer neuen VERFASSUNG! (((Sehr fraglich!)))

Aber in einer real existierenden „Idiocracy“ (Siehe Film!) musste es ja zur Selbstentmachtung des gierigen Hühnerhaufens kommen.

Ich selbst habe mein jahrzehntealtes – noch in DDR-Zeiten angelegtes – Postbankkonto längst gekündigt und lasse mein Geld von einem kleineren Übel verwalten. (Kontoführungsgebühren muss ich trotzdem weiterzahlen.)

Die Idee von @ Mustafa (Mal nach „Mustapha Mond“ googeln!) offenbart, dass noch längst nicht bei allen Fortschrittsoptimisten angekommen ist, dass sich im www auch jede Menge world wide cybercriminals tummeln, darunter auch solche, die von sehr mächtigen Staaten befehligt werden. Erst wenn der Mauszeiger (trotz Antivirensoftware!) sich nicht mehr steuern lässt und das sauer verdiente Geld auf ein bisher unbekanntes Konto überweist, dämmert es Manchen vielleicht!?

Avanti crimilanti!
RWE
30.11.2023, 16.44 Uhr
Wisen sie was Real Human,
das ist doch das schöne an der Marktwirtschaft. Man wechselt die Bank...
Wer eine ständig geöffnete Filialbank möchte, der geht eben zur Spaßkasse und zahlt dafür halt hohe Gebühren.
Wer der Meinung ist, sein Girokonto online zu führen, macht das kostenlos. Und die Mehrheit scheint das zu tun, sonst würden die Filialen nicht mangels Nachfrage aussterben.
Was die Sicherheit des Onlinebankings angeht, die meisten Banken haben Apps, die zeitlich begrenzte TANs generieren. Das Onlinebanking am Rechner weicht ja auch schon langsam dem Bankig auf dem Smartphone. Dennoch sind beide Systeme relativ sicher. Da ist Mitgdenken gefragt. Die Gefahr sind weniger Viren, sondern Phishing. Da hilft auch kein Antivirus Programm. Klar weden auch mal Rechner gekapert, aber PIN und TAN bleiben auch da geheim. Keine Bank verschickt E-Mails mit Links oder fragt nach Zugangsdaten. Wer darauf reinfällt schreibt auch die PIN auch auf die Kreditkarte oder fällt auf den Enkeltrick rein. Ich pesönlich führe mein Girokonto komplett über das Handy, welches mit Fingeprint und Facescan gesichert ist.
Und wenn tatsächlich mal eine größere Menge Geld über ist oder ein Kredit benötigt wird und man beraten werden will...da macht man einfach einen Termin bei verschieden Instituten aus, läßt sich beraten und nimmt das beste Angebot an. Girokonto und Geldanlage bzw. Kredite müssen nicht von einzigen Institut verwaltet werden.
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