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Di, 07:02 Uhr
07.11.2023
Heute Streik bei der Großbäckerei Aryzta in Nordhausen

Irgendwann ist der Ofen aus!

Nach vier Verhandlungsrunden ohne Ergebnis legen die Beschäftigten des Backwarenherstellers Aryzta morgen die Arbeit nieder. Aufgerufen hat dazu die Gewerkschaft Nahrung-Genuss-Gaststätten (NGG)...

Die Beschäftigten kämpfen für mehr Urlaub, eine Jahressonderzahlung und höhere Zuschläge für die belastende Schicht- und Nacharbeit. Derzeit haben sie nur 27 Tage Urlaub und geringere Zuschläge und Sonderzahlungen als die Mitarbeiter am bayrischen Schwesterstandort in Gerolzhofen. Auch kürzere Kündigungsfristen für die Mitarbeitenden spielen eine Rolle.

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Der Warnstreik ist nötig, weil die Unternehmensleitung bisher nur in wenigen Punkten auf die Belegschaft zugegangen ist. Zwar sollen endlich 30 Tage Urlaub und eine Jahressonderzahlung kommen, aber Letztere soll vom Eurobetrag deutlich niedriger ausfallen als am bayrischen Schwesterstandort. Zudem weigert sich Aryzta über zusätzliche Urlaubstage für ältere, langjährig Beschäftigte zu verhandeln. Auch Entlastungsmaßnahmen für Schichtarbeit wie z.B. bezahlte Pausen oder Ausgleichstage für alle Schichtarbeiterinnen und Schichtarbeiter werden abgelehnt.

„Irgendwann ist der Ofen aus. Heute wegen des Streiks, in Zukunft wegen fehlendem Personal, wenn das Unternehmen seine Blockadehaltung nicht aufgibt. Aryzta muss die Forderungen der Beschäftigten endlich ernst nehmen. Sie arbeiten im 3- und 4-Schichtsystem rund um die Uhr und brauchen Entlastung. Die Zahl der Aufgaben nimmt zu“, erklärt Olaf Klenke, Verhandlungsführer der NGG Ost.

Ein Beschäftigter aus der Produktion: „Wir kämpfen für den Arbeitsplatzerhalt, denn fast jeden Tag wird in einem Werk irgendeine Linie heruntergefahren, weil wir einfach keine Mitarbeiter haben. Das können wir nur mit einem ordentlichen Tarifabschluss stoppen.“

Der Stundenlohn vieler Beschäftigter liegt nur wenig über dem Mindestlohn, die untere Lohngruppe derzeit bei 12,33 Euro. Der Entgelttarifvertrag kann aber erst zum Ende des Jahres 2024 gekündigt werden.
Der Aryzta-Konzern in Europa hat im zurückliegenden Geschäftsjahr 2022/23 mehr Umsatz erzielt und ist dazu profitabler geworden. Der operative Gewinn stieg auf 271,3 Millionen Euro (+57,8 Prozent). Der Reingewinn lag bei 112 Millionen Euro.
Autor: red

Kommentare
Kritiker86
07.11.2023, 09.17 Uhr
Widerlich.
Kündigen und neuen Arbeitgeber suchen. Die Zeit der Ausbeutung ist vorbei! Das müssen auch die letzten Unternehmen endlich mal kapieren. Leider lassen sich die Ossis (wir) das immer noch viel zu sehr gefallen. Im Westen ist da die Mentalität eine ganz andere. Nochmal.: Ihr seit den Unternehmen zu nix verpflichtet. Es interessiert sich nicht für euch. Nur für eure billige Arbeitskraft. Wenns drauf ankommt, lassen sie euch fallen wie eine heiße Kartoffel. Wenn das Unternehmen schließt dann zurecht. Habt kein Mitleid. Denkt an euch, das ist das wichtigste. Arbeit findet ihr überall wieder.
Leser X
07.11.2023, 11.58 Uhr
Vorbei?
Ich wäre zwar sehr dafür, aber woher soll denn dieses "vorbei" plötzlich kommen? Die Politik arbeitet doch schon seit der Erfindung von Hartz IV im Verbund mit den dankbaren Ausbeutern daran, Arbeit zu verbilligen und zu entwerten. Wer nicht das Glück hatte, schon lange ein Tarifeinkommen zu haben, wird von einem zum nächsten Billigjobs durchgereicht.

Bei dieser systemischen Masche gibt es leider für viele kein Entrinnen und es lässt sich innerhalb dieses menschenverachtenden Systems auch nicht so einfach für beendet erklären.

Eigentlich müsste man jedem Billiglöhner empfehlen, nicht zu arbeiten und stattdessen das Wohnen vom Amt bezahlen zu lassen. Da bleibt unter'm Strich tatsächlich mitunter mehr zum Leben.

Aber wie wir wissen, funktioniert auch das nur bedingt, da die Leute dann unter Androhung von Sanktionen genötigt werden, sich weiter als Lohnsklaven zu verdingen.

Mit anderen Worten: diese Gesellschaft meint es nicht gut mit vielen Millionen Menschen. Ein Teil des "eingesparten" Geldes wird dann für Kriege verpulvert.
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