So, 09:20 Uhr
09.12.2001
BMW: 30 000 Bewerbungen
Nordhausen (nnz). Das Einstellbüro der Bayerischen Motorenwerke (BMW) für sein zukünftiges Werk in Leipzig hat derzeit alle Hände voll zu tun, die bislang 30 000 Bewerbungen zu sichten und die Bewerber auf ihre Eignung zu prüfen. Die Investitionsabteilung ist derweil mit der Finanzierung des Projektes beschäftigt.
1,3 Milliarden Euro wird BMW in sein zukünftiges Werk in Leipzig investieren, in dem einmal 5.500 Mitarbeiter beschäftigt sein werden. 30.000 Bewerbungen liegen dem Unternehmen vor, der Großteil davon aus der Region. Und wenn davon auch nur ein Bruchteil Berücksichtigung finden kann, wird es doch zu einer beträchtlichen Entlastung des angespannten Arbeitsmarktes führen, zumal man damit rechnet, dass es noch einmal so viel Arbeitsplätze im Umfeld bei Zulieferern geben wird. Bis Jahresende werden die ersten 170 Beschäftigten eingestellt, wie aus München verlautete.
Während man sich also in Sachsen zunächst einmal über diesen bedeutsamen Effekt freut, sieht man die Entscheidung der Münchner für den Standort Leipzig in Kreisen der Wirtschaft um einiges nüchterner als noch vor einem halben Jahr. Damals bezeichnete Bundeskanzler Gerhard Schröder die Entscheidung von BMW als klares Zukunftssignal für Ostdeutschland. Und IG-Metall-Chef Klaus Zwickel sah in der Wahl Leipzigs einen Beweis dafür, dass Deutschland noch immer ein attraktiver Standort für die Automobilindustrie ist. Heute nämlich weiß man, was nüchtern denkende Insider schon damals vermuteten dass nämlich die cleveren Konzernmanager in München halt nicht nur die Daseinsfürsorge für den Standort D und die Menschen im Lande der Sachsen im Blick hatten, sondern die verlockenden Zuschüsse und Beihilfen aus Brüssel. Und das zeigt einmal mehr, dass es naiv ist, z.B. im Zusammenhang mit Reemtsma in Nordhausen darüber zu jammern, dass auch da einmal die Vorstellung vermittelt wurde, es könne der Leitung eines Konzerns um Menschen und Traditionen gegangen sein.
BMW also hat für die neue Fabrik inzwischen nicht nur den normalen Fördersatz beantragt, sondern den in Ausnahmefällen möglichen Maximalsatz von 35 Prozent. Und das sind runde 900 Millionen Markt (456 Mio. Euro). Man nehme damit nur die allgemein gültigen Regelungen in Anspruch, rechtfertigt man sich in München und Vorstandsmitglied Ernst Baumann betont, das ist keine Förderung für BMW, sondern eine Förderung für eine strukturschwache Region. Und weist angelegentlich darauf hin, dass im tschechischen Kollin, das mit Leipzig bis zuletzt um die Ansiedlung konkurrierte, die Lohnkosten nur ein Viertel des Niveaus in Sachsen ausgemacht hätten. Nur gehört Tschechien noch nicht zur EU.
Die Vorgehensweise der Münchner ist inzwischen wiederholt auf Kritik gestoßen. In der Fachpresse bekräftigte z.B. kürzlich Porsche-Chef Wendelin Wiedekind seine Haltung, dass eine reife Branche wie die Autoindustrie auf solche Zuwendungen verzichten sollte. Sein Unternehmen baut ebenfalls in Leipzig ein Montagewerk für einen Geländewagen und nimmt dafür keine öffentlichen Mittel in Anspruch. Laut Baumann ist diese Fabrik mit 250 Arbeitsplätzen in ihrer Dimension allerdings mit der BMW-Ansiedlung keineswegs zu vergleichen.
Ehrenrührig ist das Vorgehen von BMW freilich nicht - man nutzt nur den nun einmal von Brüssel vorgegebenen Rahmen der Fördermöglichkeiten aus. Ob man dort allerdings der beantragten Maximalforderung zustimmen wird, wird in Fachkreisen bezweifelt. Das allerdings wird sich frühestens 2003 erweisen. Und erst, wenn etwas mehr Bescheidenheit notwendig werden sollte kommt die hehre Standortentscheidung für Ostdeutschland richtig auf den Prüfstand heißt es in einem Kommentar im Wirtschaftsforum. Und genauso lange haben die Lobeshymnen auf BMW lediglich vorläufigen Charakter.
Autor: nnz1,3 Milliarden Euro wird BMW in sein zukünftiges Werk in Leipzig investieren, in dem einmal 5.500 Mitarbeiter beschäftigt sein werden. 30.000 Bewerbungen liegen dem Unternehmen vor, der Großteil davon aus der Region. Und wenn davon auch nur ein Bruchteil Berücksichtigung finden kann, wird es doch zu einer beträchtlichen Entlastung des angespannten Arbeitsmarktes führen, zumal man damit rechnet, dass es noch einmal so viel Arbeitsplätze im Umfeld bei Zulieferern geben wird. Bis Jahresende werden die ersten 170 Beschäftigten eingestellt, wie aus München verlautete.
Während man sich also in Sachsen zunächst einmal über diesen bedeutsamen Effekt freut, sieht man die Entscheidung der Münchner für den Standort Leipzig in Kreisen der Wirtschaft um einiges nüchterner als noch vor einem halben Jahr. Damals bezeichnete Bundeskanzler Gerhard Schröder die Entscheidung von BMW als klares Zukunftssignal für Ostdeutschland. Und IG-Metall-Chef Klaus Zwickel sah in der Wahl Leipzigs einen Beweis dafür, dass Deutschland noch immer ein attraktiver Standort für die Automobilindustrie ist. Heute nämlich weiß man, was nüchtern denkende Insider schon damals vermuteten dass nämlich die cleveren Konzernmanager in München halt nicht nur die Daseinsfürsorge für den Standort D und die Menschen im Lande der Sachsen im Blick hatten, sondern die verlockenden Zuschüsse und Beihilfen aus Brüssel. Und das zeigt einmal mehr, dass es naiv ist, z.B. im Zusammenhang mit Reemtsma in Nordhausen darüber zu jammern, dass auch da einmal die Vorstellung vermittelt wurde, es könne der Leitung eines Konzerns um Menschen und Traditionen gegangen sein.
BMW also hat für die neue Fabrik inzwischen nicht nur den normalen Fördersatz beantragt, sondern den in Ausnahmefällen möglichen Maximalsatz von 35 Prozent. Und das sind runde 900 Millionen Markt (456 Mio. Euro). Man nehme damit nur die allgemein gültigen Regelungen in Anspruch, rechtfertigt man sich in München und Vorstandsmitglied Ernst Baumann betont, das ist keine Förderung für BMW, sondern eine Förderung für eine strukturschwache Region. Und weist angelegentlich darauf hin, dass im tschechischen Kollin, das mit Leipzig bis zuletzt um die Ansiedlung konkurrierte, die Lohnkosten nur ein Viertel des Niveaus in Sachsen ausgemacht hätten. Nur gehört Tschechien noch nicht zur EU.
Die Vorgehensweise der Münchner ist inzwischen wiederholt auf Kritik gestoßen. In der Fachpresse bekräftigte z.B. kürzlich Porsche-Chef Wendelin Wiedekind seine Haltung, dass eine reife Branche wie die Autoindustrie auf solche Zuwendungen verzichten sollte. Sein Unternehmen baut ebenfalls in Leipzig ein Montagewerk für einen Geländewagen und nimmt dafür keine öffentlichen Mittel in Anspruch. Laut Baumann ist diese Fabrik mit 250 Arbeitsplätzen in ihrer Dimension allerdings mit der BMW-Ansiedlung keineswegs zu vergleichen.
Ehrenrührig ist das Vorgehen von BMW freilich nicht - man nutzt nur den nun einmal von Brüssel vorgegebenen Rahmen der Fördermöglichkeiten aus. Ob man dort allerdings der beantragten Maximalforderung zustimmen wird, wird in Fachkreisen bezweifelt. Das allerdings wird sich frühestens 2003 erweisen. Und erst, wenn etwas mehr Bescheidenheit notwendig werden sollte kommt die hehre Standortentscheidung für Ostdeutschland richtig auf den Prüfstand heißt es in einem Kommentar im Wirtschaftsforum. Und genauso lange haben die Lobeshymnen auf BMW lediglich vorläufigen Charakter.

