Di, 15:00 Uhr
09.05.2006
Na dann Prost!
Nordhausen (nnz). Eine kleine, aber feine Meldung aus der BILD-Zeitung kommentiert für die nnz Olaf Schulze. Es geht dabei um Fußball, Bier und Beckenbauer.
Ein Alkoholverbot in den zwölf Stadien der Fußball-Weltmeisterschaft wird es vorerst nicht geben meldet die BILD-Zeitung in ihrer heutigen Online-Ausgabe.
Na, da haben ja wenigstens die Besucher der Vorrunde noch mal Glück gehabt. Einen Monat vor dem Turnierstart rang sich die Org-Truppe um Alleswisser Beckenbauer zu der Erklärung durch: Es gibt bei jedem Spiel alkoholhaltiges Bier. Das ist der Stand heute.
Wird auch schlecht anders möglich sein, wenn eine amerikanische Brauerei Hauptsponsor der FIFA-Bereicherungsveranstaltung vom 9.6.-9.7. ist. A pro pos schlecht, es handelt sich um Budweiser, ein Getränk von dem die Amerikaner behaupten, es wäre Bier. Die eigentlichen Namensgeber aus Tschechien haben ihre Prozesse gegen diese verbale Zumutung in den USA natürlich verloren und müssen ohnmächtig zuschauen, wie sich ahnungslose Biertrinker verschlucken, die meinen, sie bekämen in deutschen WM-Stadien echten Gerstensaft zu trinken.
Aber zum Trost für die tschechischen Budweiser-Brauer haben die Zuschauer nicht viel Gelegenheit, sich über die dünne Brühe zu wundern. Pro Person und Bestellung, so haben es die weisen WM-Organisatoren jetzt festgelegt, soll maximal ein Liter ausgeschenkt werden.
Wie sie das kontrollieren werden, steht nicht in der Pressemitteilung. Es würde mich aber schon interessieren. Vielleicht hat ja jede Eintrittskarte einen elektronischen Bierzähler und der piept, wenn der Karteninhaber den dritten halben Liter ordern will. Oder jeder Besucher muss bei einer Bierbestellung seinen Reisepass vorzeigen, von dem eine Ecke abgeschnitten wird. Wer einen Pass hat, dem zwei Ecken fehlen, der kriegt kein Bier mehr. Die BILD schließt ihre Nachricht mit der unverhohlenen Drohung des WM-Veranstalters: Sollten sich neue Erkenntnisse auch mit Blick auf Spielpaarungen in den k.o.-Runden ergeben, müsse über ein mögliches Alkoholverbot jeweils neu entschieden werden.
Das heißt mit anderen Worten, in der Partie Japan gegen Kamerun gibt es Bier, bei Holland gegen England nicht. Inzwischen beneide ich die Leute aus aller Welt nicht mehr, die ihre Eintrittskarten in deutschen WM-Stadien absitzen müssen. Aber wenigsten müssen sie nicht lange am Bierstand anstehen.
Olaf Schulze

