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So, 22:34 Uhr
07.05.2006

Alles beim (fast) Alten

Landkreis Nordhausen (nnz). Die Wahlen im Landkreis Nordhausen sind Geschichte. Sowohl bei der Wahl des Landrates als auch bei den Bürgermeistern sorgten die Wähler für klare Verhältnisse. Mit einer Ausnahme.

Alles beim (fast) Alten (Foto: nnz) Alles beim (fast) Alten (Foto: nnz)

Das Nordhäuser Modell hatte letztlich nur einen Profiteur, genauer gesagt, eine Profiteurin: Barbara Rinke (SPD) ersparte sich mit ihrer ganz persönlichen Wahlkampfstrategie im dritten Anlauf sogar die Stichwahl. Die „6“ stand zu jeder Zeit hinter ihren Stimmenprozenten. Das ist eine klare Ansage der Wähler. Sie haben Barbara Rinke als die Frau für ihre Stadt akzeptiert, haben ihr Fehler verziehen und: Sie haben der Frau Mut gemacht, den sozialen Polit-Weg weiter zu gehen. Norbert Klodt (CDU) von der CDU nahm das Ergebnis mit Anstand, nahm es hin, so wie er den Wahlkampf pflegte. Unaufgeregt, aber mit neuen Tönen, Farben und Facetten. Bleibt zu hoffen, dass der Fraktionsvorsitzende Klodt seine Frauen und Mannen künftig etwas profilierter im Stadtrat einsetzt. Schließlich hat er im Wahlkampf klare Unterschiede zu linken Positionen erkennen lassen. Und mal ehrlich: Eine etwas deutlichere Opposition wäre im Stadtrat schon wünschenswert. Und Martin Höfer: Er wird weiter im Stepel kochen.

Aller Angriffe erwährt hat sich wieder mal Joachim Claus (CDU). Knapp gewonnen ist eben auch gewonnen. Doch angenehme Tage, Woche und Monate stehen ihm nicht ins politische Haus. Da gibt es mehrere Baustellen. Doch Fakt ist auch: Joachim Claus hat seine Wahl nicht auf den Dörfern, sondern in der Stadt Nordhausen gewonnen. War es seine Stärke, oder war es die Schwäche des politischen Kontrahenten? Die Analysten werden es wohl kaum herausfinden.

Klarer Verlierer des so genannten Nordhäuser Modells ist Birgit Keller. Die gemeinsame Kandidatin von Linkspartei und SPD konnte Joachim Claus nicht vom Thron stürzen. Bleibt abzuwarten, ob das Wahlergebnis nun angefochten wird. Den Anfechtern sei aber schon jetzt ins Stammbuch geschrieben, dass der Otto-Normal-Wähler solche Spielchen nicht akzeptieren wird. Birgit Keller hat ebenfalls einen fairen Wahlkampf geführt, sie konnte vermutlich aber nicht die gesamte sozialdemokratische Basis hinter sich vereinen. In diesem Fall lagen die Strategen des Nordhäuser Modells, Dagmar Becker und Klaus Hummitzsch, etwas falsch. Die Wahlen zum Landrat sind noch nicht beendet, Matthias Jendricke wird die Mappe mit den Beweisstücken öffnen und sein personifiziertes Feindbild attackieren. Für einen solchen Vorstoß braucht er nicht einmal die parteiliche Segnung, er kann das als normaler Wähler.

Schauen wir in den Südharz. In Ellrich ist wohl der größte Erdrutsch passiert. Dieser Fall, und zwar der Fall eines Mannes namens Gerald Schröder, war so nicht vorgesehen. Was hat diesen Mann auch nur geritten, sich in die Fesseln der CDU zu begeben? Der Wähler, diese Unbekannte, erwies sich als feinfühliges Wesen. Er hat den Wechsel des Herrn Schröder in Ellrich abgestraft und hat einen Nobody der kommunalen Politik zum Shooting-Star gefördert. Matthias Erholdt, ausgestattet mit genügend fachlicher Verwaltungs- und nebenberuflicher Karnevalserfahrung hat das Rennen gemacht. Von 0 auf 100 zusagen. Wie Schröder verfügt Erholdt nicht über einen wirklichen Rückhalt im dortigen Stadtrat, doch der Mann ist ausgleichender. Und: Er ist kein Ellricher. Das jedoch haben ihm die Wähler dieser Einheitsgemeinde verziehen.

Mit einem „blauen Auge“ ist Jürgen Hohberg in Sollstedt davon gekommen. Alles andere wäre eine menschliche Tragödie geworden. Vielleicht aber war es für den Matador auf so vielen Spielfeldern auch eine Lehrstunde. Man sollte sich auf das Wesentlichste konzentrieren und den Menschen an seiner Seite (Verwaltung) merken lassen, dass auch ihre Arbeit geschätzt wird. Nicht einmal die Verwaltung eines nicht mal 3.000 Seelen großen Imperiums lässt sich heutzutage von einem Imperator regieren. Hier ist Nachdenken angesagt für Jürgen Hohberg. Und vielleicht sollte der Mann zuerst daran denken: Auch er ist ersetzlich.

Zum Schluß nach Bleicherode. Die Wähler wollten fast den Frank Rostek. Knapp das Klassenziel verfehlt, würde man sagen. Die Stichwahl wird’s nun bringen. Nur: In Stichwahlen waren die Linken meist besser als die Konservativen. Doch Traditionen können auch in Bleicherode gebrochen werden.
Peter-Stefan Greiner
Autor: nnz

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