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So, 11:30 Uhr
26.02.2023
Anstieg psychischer Erkrankungen im dritten Coronajahr

Immer mehr Berufstätige seelisch erschöpft

Erschöpft und depressiv: Die starken Auswirkungen der Corona-Krise auf die Psyche von Berufstätigen bilden sich nun offenbar in den Statistiken ab. Während sich im ersten und zweiten Coronajahr fast keine Veränderungen abzeichneten, zeigen sich diese im dritten Krisenjahr umso deutlicher...

So hat die KKH Kaufmännische Krankenkasse im vergangenen Jahr bundesweit rund 57.500 Krankschreibungen mit 2,3 Millionen Fehltagen wegen seelischer Leiden registriert. Im Vergleich zu 2021 ist das ein Plus von rund 16 Prozent. Am meisten betroffen waren Arbeitnehmer in der Krankenpflege sowie in der Erziehung und Sozialarbeit.

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Am häufigsten fehlten Berufstätige 2022 wegen depressiver Episoden am Arbeitsplatz. Mit einem Anteil von 30 Prozent macht diese Diagnose die Mehrheit der Ausfalltage im Zuge psychischer Erkrankungen aus. Knapp dahinter folgen mit 28 Prozent depressive Reaktionen auf schwere Belastungen und Anpassungsstörungen als Grund für das Fernbleiben vom Arbeitsplatz. Fast 15 Prozent der Krankheitstage verbuchte die KKH 2022 wegen wiederkehrender Depressionen, gut zwölf Prozent im Zuge chronischer Erschöpfung und rund acht Prozent aufgrund von Angststörungen. Fast sieben Prozent der Ausfalltage gingen auf das Konto sogenannter somatoformer Störungen, also psychosomatisch bedingter Beschwerden wie Bauch- oder Kopfschmerzen ohne organische Ursache.

Besorgniserregendes Plus bei Männern 
Auffällig: Die Krise scheint den Männern stärker auf die Seele zu schlagen als den Frauen. Zwar sind nach wie vor deutlich mehr Arbeitnehmerinnen von psychischen Erkrankungen betroffen, die Männer holen jedoch auf: Bei ihnen verzeichnet die KKH bei sämtlichen Diagnosen einen deutlich größeren Anstieg als bei den Frauen, vor allem mit Blick auf Angststörungen und somatoforme Störungen. 2022 erhielt die KKH aufgrund von Angststörungen rund 40 Prozent mehr Atteste von Arbeitnehmern als im Jahr zuvor. Bei den Arbeitnehmerinnen fiel dieses Plus zwar auch deutlich, aber vergleichsweise viel geringer aus (19 Prozent). Bei somatoformen Störungen klafft die Schere noch weiter auseinander. Ein Anstieg von rund sechs Prozent bei den Frauen steht einem Plus von fast 22 Prozent bei den Männern gegenüber.

Mittlerweile liegt der Anteil der Männer mit psychischen Erkrankungen insgesamt bei fast 34 Prozent. Der Anteil der Frauen ist 2022 entsprechend auf insgesamt rund 66 Prozent gesunken. Im ersten Corona-Jahr 2020 betrug das Verhältnis noch 31 zu 69 Prozent.

Männer leiden anders als Frauen 
„Es sind vor allem die Folgen der Einschränkungen während der Corona-Krise, die sich nun offensichtlich bei den Männern nun psychisch bemerkbar machen“, erläutert KKH-Arbeitspsychologin Antje Judick. So haben während der Pandemie vor allem diejenigen Männer ihre körperliche Aktivität auf ein Minimum reduziert, die vorher im Vereins- bzw. Mannschaftssport eingebunden waren, etwa beim Fußball oder Handball. „Der dadurch entstandene Bewegungsmangel und der fehlende soziale Austausch scheinen sich nachhaltig negativ auf die Psyche, also auf Antrieb und Motivation und die allgemeine Stimmungslage ausgewirkt zu haben“, sagt Judick.

Die Coronakrise hat darüber hinaus den Arbeitsmarkt negativ beeinflusst, vor allem den privaten Sektor, in dem mehr Männer als Frauen beschäftigt sind. Für viele hat sich die wirtschaftliche Lage auch noch nicht wieder erholt. Mit Krieg und Teuerung sind sogar weitere Unsicherheitsfaktoren hinzugekommen. „Da sich Männer häufig mehr Sorgen um ihre Perspektiven im Job und die wirtschaftliche Situation ihrer Familie machen als Frauen, leiden sie möglicherweise besonders stark unter Existenzängsten und dem Ohnmachtsgefühl, ihrem Verantwortungsanspruch durch die Folgen der Krise nicht mehr gerecht werden zu können“, ordnet die KKH-Expertin ein.

Bei den Arbeitnehmerinnen ist es eher der Spagat zwischen Job, Betreuung von Kindern und pflegebedürftigen Angehörigen, welcher sie psychisch stark beansprucht. Dieses Problem gab es bereits vor Corona, hat sich während der Pandemie aber noch verschärft: Kleine Kinder mussten neben der Arbeit im Homeoffice beaufsichtigt und ältere Kinder im Homeschooling betreut werden, während im Job nach wie vor Bestleistungen gefordert waren. Nicht zuletzt schlägt sich diese Situation nun auch in den Statistiken nieder. Da bei Frauen allerdings bereits seit Jahren deutlich häufiger psychische Leiden diagnostiziert werden, wirkt der erneute Anstieg nicht so dramatisch wie bei den Männern. „Dass die Männer nun so stark aufholen, zeigt, dass sie einen sehr hohen Leidensdruck haben“, erläutert Antje Judick. Denn in der Regel sind Männer nicht weniger krank als Frauen. Sie verdrängen Gesundheitsthemen aber eher und sehen den Arztbesuch häufig als letzte Option. Frauen hingegen sind schneller bereit, sich medizinische Hilfe zu holen und erhalten deshalb auch mehr Diagnosen.

Um das Risiko für psychische Erkrankungen im Job zu senken, entwickelt die KKH mit kooperierenden Unternehmen im Zuge der betrieblichen Gesundheitsförderung Konzepte zum Erhalt der psychischen Gesundheit von Mitarbeitern: kkh.de/firmenkunden/betriebliche-gesundheitsfoerderung. KKH-Versicherte können außerdem auch privat etwas für ihre seelische Gesundheit tun, etwa mit der Teilnahme am Online-Stress- und Schlafcoach: kkh.de/stress/.
Autor: red

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Kommentare
Im Nu
26.02.2023, 11:48 Uhr
Es macht sich Hoffnungslosigkeit breit...
...wenn ich sehe, was um uns herum alles geschieht, dann rutscht man zusehends in eine Hoffnungslosigkeit hinein. War es gestern noch Corona, wo man doch noch gedacht hat, dass es auch wieder mal ein normales "danach" gibt, kam dann der Krieg dazu, eine Regierung, die nicht im Sinne des gesunden Menschenverstandes handelt...zu all den allgemeinen Problemen, die man so hat...so kommt eins zum anderen und lässt die böse Ahnung aufkommen, dass schlechte Zeiten angebrochen sind. Das alles führt einen kräftemäßig ans Limit. Hab ich mich früher noch auf ein langes Leben gefreut, so kommt mir zunehmend der Gedanke, ob das wirklich so erstrebenswert ist....
geloescht.20230609
26.02.2023, 12:23 Uhr
Hoffnungslosigkeit
Im Nu - das sehe ich genauso.
Wie die Redaktion schreibt, dass es nur Berufstätige trifft, kann ich so nicht unterschreiben. Ich weiß das die Welt nicht schwarz weiß ist sondern kompliziert und nicht einfach ist zu erklären aber es betrifft alle Schichten, jeden Alters und Herkunft.
Für mich ist die Konsequenz, nichts mehr in die Zukunft zu planen, sondern im hier und jetzt zu leben.
Die Zukunft und Hoffnung ist uns ja auf ganzer Linie abgewöhnt worden.

Euch alles Liebe, in dem Sinne Leben und Leben lassen.
geloescht.20250302
26.02.2023, 13:31 Uhr
Chapeau an meine Vorkommentatoren.
Alle meine Bekannten sagen frei nach Loriot: "Alt werden ist nichts für Feiglinge!"

...und dann kommt der Zusatz: "Ich möchte aber auch nicht mehr 30 jünger sein, sondern unter der Erde liegen, wenn dieses Land komplett okkupiert und heruntergewirtschaftet ist."

Diese Menschen zahlen Zwangsbeitrag und schauen nicht mehr die 50 ARD/ZDF-Sender, sondern Welt und NTV, um sich zu informieren, und die Spartenkanäle der Privaten, weil sie sich von den ÖR verarscht fühlen.

Aber sie alle bekommen, was sie durch ihr seit Jahrzehnten manifestiertes Wahlverhalten oder Nichtwählen bestellt haben.
Schnapsglas
26.02.2023, 14:52 Uhr
Keine Hoffnungslosigkeit, sondern Mut zur Veränderung
Man kann kommendes Jahr z.B. bei den Wahlen in Thüringen seine Stimme abgeben und einen Politikwechsel herbeiführen, egal in welche Richtung. Keine Regierung ist Gottgegeben, sondern kann verändert werden.
Im Nu
26.02.2023, 19:19 Uhr
@Dynamik
...leider zeigt sich bei Wahlen, dass sich doch wieder die "herkömmlichen" Parteien auf Biegen und Brechen zusammentun und damit meist alles beim Alten bleibt....sehr ernüchternd und irgendwie Betrug am Wähler....
naich
26.02.2023, 20:02 Uhr
Der Meinung bin ich auch...!
,,An allem Unfug,der passiert, sind nicht etwa nur die schuld,die ihn tun,sondern auch die, die ihn nicht verhindern!"
Echter-Nordhaeuser
26.02.2023, 21:18 Uhr
An allem Unfug@naich
Genau so ist das, so war es auch im 3.Reich und was hat es gebracht, dann kam das erwachen.
Das erwachen kommt hier früher oder später auch wieder nur in anderer Form.
Paulinchen
26.02.2023, 22:08 Uhr
Die seelische Erschöpfung...
... kommt von der seelischen Belastung durch die Politik in unserem Land.

Existenzsorgen, bevorstehenden Arbeitsplatzverlust, Angst um die eigene Sicherheit. Man könnte die Aufzählung unendlich fortsetzen.
Eine solche Unsicherheit hat unser Land in den letzten 70 Jahren nicht mehr erlebt.

Das macht nicht nur die Erwachsenen krank, sondern auch die Kinder.
diskobolos
26.02.2023, 22:11 Uhr
" irgendwie Betrug am Wähler...."
Das müssen Sie erklären.
Dass Parteien sich zusammentun um eine Mehrheit zu bilden, erwarte ich als Bürger. Wie sollte es denn Ihrer Meinung nach sein?
bleibtmalfeinineurer
27.02.2023, 02:21 Uhr
So ein Quatsch...
...wenn ich mit einem job nicht glücklich bin, dann such ich mir eben einen neuen... ist ja eben nur ein job. Tatsächlich ist es doch heute so, dass sich die Arbeitgeber glücklich schätzen können, wenn sie Leute bekommen, die wissen, was sie tun.... nicht jeder Arbeitgeber hat das bereits erkannt... aber viele schon. Wer etwas kann, und sich dessen bewusst ist, kann sich heute seinen Arbeitgeber aussuchen.

Nie war es einfacher, einen Job zu bekommen, oder im vorhandenen Job mehr Kohle zu verdienen.

Da muss niemand Depressionen bekommen oder sich auch nur zu Überstunden genötigt fühlen.
tralala_hopsasa
27.02.2023, 09:07 Uhr
Depressionsgeschwafel
Ich kann dieses Depressionsgeschwafel nicht mehr hören. Habe ich keinen Bock auf Arbeit, lass ich mich eben auf Depression krank schreiben.
Gerade die Männerquote steigt: klar, ist ja auch sehr lukrativ; 70 Prozent Krankengeld nach 6 Wochen abfassen und nebenbei Schwarzarbeit auf dem Bau oder weiß der Geier wo machen (steuerfrei natürlich).
Hat sich noch keiner gefragt, warum die Depressionsrate im öffentlichen Dienst steigt? Krank feiern und volles Gehalt kassieren! Und die Deppen (WIR, der Rest) zahlen das Ganze.
Ich könnte k... Bewegt endlich Eure Ärsche, dann versinkt ihr auch nicht mehr im Selbstmitleid!
Kobold2
27.02.2023, 09:08 Uhr
Ganz ihrer Meinung
Axel S.... Aber mit der hier verbreiteten pessimistisch Grundhaltung in Einheit mit einer Erwartungshaltung, das der Rest der Welt eine Bringschuld hätte, damit man zufrieden ist, wird das niemals funktionieren.
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