Di, 13:12 Uhr
14.02.2006
Pflege beschließen
Nordhausen (nnz). Auf der nächsten Stadtratssitzung in der kommenden Woche sollen die Stadträte über die Pflege der so genannten Ehrengrabstätten durch die städtische Friedhofsverwaltung beschließen. Wer da überhaupt begraben liegt, darum hat sich die nnz mal gekümmert.
Auf den Ehrengräbern sind besonders angesehene Bürger der Stadt Nordhausen bestattet. Die Gräber werden auf Kosten der Stadtverwaltung ständig gepflegt und in einem würdigen Zustand gehalten, sollten sich keine Familienangehörigen mehr um die Pflege kümmern können. Die Kosten belaufen sich auf 5.000 Euro jährlich. Alle fünf Jahre wird der Stadtrat neu prüfen, ob Ergänzungen oder Streichungen auf der Liste angebracht sind.
Bei den Gräbern handelt es sich um die letzten Ruhestätten der Nordhäuser Bürgerinnen und Bürger, die sich Verdienste bei der Stadtentwicklung bzw. für das überregionale Ansehen von Nordhausen erworben haben. Hier die Liste mit den Ehrengrabstätten:
Otto Kruse (1855 - 1926), Tabakfabrikant
Er erwarb am 1. Mai 1881 die Firma Grimm und Triepel. Durch zielstrebige Investitionspolitik (Anbauten und Erweiterung 1882, 1887, 1892, 1895) erlangte der Betrieb eine führende Stellung in der Tabak- und Kautabakindustrie Deutschlands. Der Name Grimm und Triepel, und damit untrennbar der Name Kruse, war über die Grenzen Deutschlands hinaus ein Begriff geworden. Er machte die Stadt Nordhausen weltweit bekannt. 1945 wurde der Betrieb schwer beschädigt und dann enteignet.
Dr. med. habil. Georg Bischoff (1898 - 1962),
war ein bekannter Kinderarzt, der von 1932 - 1962 die Nordhäuser Kinderklinik leitete. Seine gesamte Familie wurde beim Bombenangriff auf Nordhausen am 4. 4. 1945 getötet.
Dr. jur. Carl Contag (1863 - 1934)
war ehemaliger Oberbürgermeister in Nordhausen von 1899 bis 1924. Seit 1924 ist er Ehrenbürger der Stadt Nordhausen.
Kommerzienrat Hermann Hanewacker (1845 - 1922), Kautabakfabrikant
Hanewacker leitete seit 1879 die Fa. Hanewacker, machte diese und damit die Stadt Nordhausen weltbekannt, stiftete erhebliche Summen für öffentliche Bauwerke in der Stadt und zugunsten Not leidender Bürger. Seit 1917 ist er Ehrenbürger der Stadt Nordhausen.
Karl Meyer (1845 - 1935) Lehrer und Heimatforscher
Er war seit 1872 als Lehrer an der Volksschule für Mädchen in Nordhausen tätig. Seine Forschungen, die er in zahlreichen Abhandlungen veröffentlichte, leisteten einen wesentlichen Beitrag zum heutigen Kenntnisstand besonders der frühmittelalterlichen Geschichte der Stadt und Region Nordhausen.
Johannes Kleinspehn (1880 - 1944), Politiker und Redakteur
Als gelernter Schlosser wurde Kleinspehn bereits vor dem 1. Weltkrieg wegen aktiver gewerkschaftlicher Betätigung arbeitslos, kam 1910 als Redakteur zur links stehenden Nordhäuser Volkszeitung. Für die SPD wurde er in den Preußischen Landtag gewählt. Von den Nationalsozialisten verfolgt, lebte er zeitweilig im Untergrund, wurde schließlich verhaftet und starb im KZ Sachsenhausen im Jahre 1944.
Dr. h. c. Kurt Wein (1883 - 1968), Lehrer und Botaniker
Er besuchte die Präparandenanstalt und das Lehrerseminar in Eisleben.Von 1913 bis 1945 war er Mittelschullehrer in Nordhausen, danach war er Mitarbeiter am Institut für Kulturpflanzenforschung in Gatersleben.
Er setzte die bedeutende Tradition Nordhäuser Naturforscher fort und erhielt zahlreiche wissenschaftliche Ehrungen. Die Deutsche Akademie der Naturforscher (Leopoldina) ernannte ihn zu ihrem Mitglied. 1963 erhielt er die Ehrendoktorwürde der Martin-Luther-Universität Halle-Wittenberg und die Ehrenmitgliedschaft der Royal Linnaean Society, London.
Maria Schmidt-Franken (1889 - 1967), Malerin
Sie studierte 4 Jahre Landschaftsmalerei und kam im Januar 1916 erstmals nach Nordhausen, lebte zunächst in der Thüringer Straße, danach Körnerstraße bzw. Sachsenhof 7. Bevorzugtes Thema ihres Schaffens war die Harzlandschaft
Fritz Gießner (1889 - 1976), Bürgermeister und Landrat
Seit 1919 Mitglied der KPD, während der Zeit des Nationalsozialismus war er viele Jahre Häftling im KZ Buchenwald. Nach 1945 war er Landrat und Bürgermeister in den Städten Gera und Nordhausen. Er war Vorsitzender des Kreiskomitees der antifaschistischen Widerstandskämpfer für die Kreise Nordhausen, Sondershausen, Worbis und Heiligenstadt.
Gustav Ricken (1877 – 1972), Architekt
Studierte Architektur. Bis 1909 als städtischer Architekt angestellt, danach freischaffend. Er prägte das Stadtbild Nordhausens an vielen Stellen mit. Zum Beispiel war er beteiligt am Bau des Hallenbades, der Wiedigsburg-Schule, der Sparkasse und des Stadthauses.
Carl-August Kneiff, gestorben 1866, Unternehmer
Begründer der Kautabakfabrik C. A. Kneiff GmbH Nordhausen, fortgesetzt von Carl und Rudolf Kneiff, Fritz und Rudolf Kneiff. C. A. Kneiff eröffnete 1827 in der Rautenstraße 307 ein kleines Unternehmen zur Herstellung von Zigarren, Schnupf- und Rauchtabak sowie Kautabak. Ende 1919 gehörte Kneiff zu den 10 Firmen, die sich zur NORTAG zusammengeschlossen haben. Im Jahr 1917 stiftete die Familie Kneiff 300.000 Reichsmark, um die Nöte seiner Arbeiter und deren Familien zu lindern.
Dr. phil. Hans Silberborth (1878 - 1949), Studienrat und Heimatforscher
Er war von 1913 bis 1937 Lehrer am Nordhäuser Realgymnasium. Aus Anlass des Stadtjubiläums Nordhausens im Jahre 1927 ließ die Stadt die zweibändige Chronik Das tausendjährige Nordhausen erarbeiten, dessen wichtiger 1. Band aus der Feder Dr. Silberborths stammt. Silberborth hat sich in der Weimarer Republik auch in bürgerlich-demokratischen Parteien engagiert und gehörte zu den Begründern der LDPD in der Stadt Nordhausen im Jahre 1945.
Dr. med. Alwine Brill (1885 - 1980), Ärztin
Sie war die erste praktizierende Ärztin in Nordhausen. Im Januar 1944 behandelte sie Käthe Kollwitz, als diese in Nordhausen weilte, und wurde deren persönliche Vertraute.
Dr. med. Kurt Isemann (1886 – 1964), Jugendpsychiater
Dr. Isemann übernahm nach dem 1. Weltkrieg die Wildt’sche Anstalt, ein damals national bekanntes Heim für minder begabte und sozial auffällige Jugendliche, und setzte gemeinsam mit seiner Frau, einer Sozialpädagogin, eine moderne Konzeption von Therapie und Beschulung für sein schwieriges Patientengut in die Praxis um. Mit hohem ärztlichen und pädagogischen Ethos und weithin bewunderter philanthropischen Einstellung führte Dr. Isemann seine Einrichtung durch schwierige Zeiten, versuchte unter Gefahr seine Schützlinge vor der menschenverachtenden Euthanasie der Nazis und seine jüdischen Mitarbeiter und Patienten vor der Deportation zu retten.
Kurt Nebelung (1888 – 1971), Landwirt
Herr Nebelung lebte viele Jahre als Landwirt in Hesserode. Zu seiner Zeit galt er als eine Art Gönner/Ehrenbürger des Ortes. 1964 stiftete die Familie der Kirche eine neue, 8 Zentner schwere Glocke. Die alte Glocke war im 2. Weltkrieg eingeschmolzen worden. Die Inschrift der Glocke lautet: Land, Land, Land höre des Herren Wort (Jeremia 22, 29). Gestiftet von Emma und Kurt Nebelung anno 1964. Weiterhin galt Kurt Nebelung als großzügiger Sponsor des ehemaligen Männergesang-Vereins in Hesserode, der Freiwilligen Feuerwehr und der Kirchengemeinde Hesserode.
Autor: nnzAuf den Ehrengräbern sind besonders angesehene Bürger der Stadt Nordhausen bestattet. Die Gräber werden auf Kosten der Stadtverwaltung ständig gepflegt und in einem würdigen Zustand gehalten, sollten sich keine Familienangehörigen mehr um die Pflege kümmern können. Die Kosten belaufen sich auf 5.000 Euro jährlich. Alle fünf Jahre wird der Stadtrat neu prüfen, ob Ergänzungen oder Streichungen auf der Liste angebracht sind.
Bei den Gräbern handelt es sich um die letzten Ruhestätten der Nordhäuser Bürgerinnen und Bürger, die sich Verdienste bei der Stadtentwicklung bzw. für das überregionale Ansehen von Nordhausen erworben haben. Hier die Liste mit den Ehrengrabstätten:
Otto Kruse (1855 - 1926), Tabakfabrikant
Er erwarb am 1. Mai 1881 die Firma Grimm und Triepel. Durch zielstrebige Investitionspolitik (Anbauten und Erweiterung 1882, 1887, 1892, 1895) erlangte der Betrieb eine führende Stellung in der Tabak- und Kautabakindustrie Deutschlands. Der Name Grimm und Triepel, und damit untrennbar der Name Kruse, war über die Grenzen Deutschlands hinaus ein Begriff geworden. Er machte die Stadt Nordhausen weltweit bekannt. 1945 wurde der Betrieb schwer beschädigt und dann enteignet.
Dr. med. habil. Georg Bischoff (1898 - 1962),
war ein bekannter Kinderarzt, der von 1932 - 1962 die Nordhäuser Kinderklinik leitete. Seine gesamte Familie wurde beim Bombenangriff auf Nordhausen am 4. 4. 1945 getötet.
Dr. jur. Carl Contag (1863 - 1934)
war ehemaliger Oberbürgermeister in Nordhausen von 1899 bis 1924. Seit 1924 ist er Ehrenbürger der Stadt Nordhausen.
Kommerzienrat Hermann Hanewacker (1845 - 1922), Kautabakfabrikant
Hanewacker leitete seit 1879 die Fa. Hanewacker, machte diese und damit die Stadt Nordhausen weltbekannt, stiftete erhebliche Summen für öffentliche Bauwerke in der Stadt und zugunsten Not leidender Bürger. Seit 1917 ist er Ehrenbürger der Stadt Nordhausen.
Karl Meyer (1845 - 1935) Lehrer und Heimatforscher
Er war seit 1872 als Lehrer an der Volksschule für Mädchen in Nordhausen tätig. Seine Forschungen, die er in zahlreichen Abhandlungen veröffentlichte, leisteten einen wesentlichen Beitrag zum heutigen Kenntnisstand besonders der frühmittelalterlichen Geschichte der Stadt und Region Nordhausen.
Johannes Kleinspehn (1880 - 1944), Politiker und Redakteur
Als gelernter Schlosser wurde Kleinspehn bereits vor dem 1. Weltkrieg wegen aktiver gewerkschaftlicher Betätigung arbeitslos, kam 1910 als Redakteur zur links stehenden Nordhäuser Volkszeitung. Für die SPD wurde er in den Preußischen Landtag gewählt. Von den Nationalsozialisten verfolgt, lebte er zeitweilig im Untergrund, wurde schließlich verhaftet und starb im KZ Sachsenhausen im Jahre 1944.
Dr. h. c. Kurt Wein (1883 - 1968), Lehrer und Botaniker
Er besuchte die Präparandenanstalt und das Lehrerseminar in Eisleben.Von 1913 bis 1945 war er Mittelschullehrer in Nordhausen, danach war er Mitarbeiter am Institut für Kulturpflanzenforschung in Gatersleben.
Er setzte die bedeutende Tradition Nordhäuser Naturforscher fort und erhielt zahlreiche wissenschaftliche Ehrungen. Die Deutsche Akademie der Naturforscher (Leopoldina) ernannte ihn zu ihrem Mitglied. 1963 erhielt er die Ehrendoktorwürde der Martin-Luther-Universität Halle-Wittenberg und die Ehrenmitgliedschaft der Royal Linnaean Society, London.
Maria Schmidt-Franken (1889 - 1967), Malerin
Sie studierte 4 Jahre Landschaftsmalerei und kam im Januar 1916 erstmals nach Nordhausen, lebte zunächst in der Thüringer Straße, danach Körnerstraße bzw. Sachsenhof 7. Bevorzugtes Thema ihres Schaffens war die Harzlandschaft
Fritz Gießner (1889 - 1976), Bürgermeister und Landrat
Seit 1919 Mitglied der KPD, während der Zeit des Nationalsozialismus war er viele Jahre Häftling im KZ Buchenwald. Nach 1945 war er Landrat und Bürgermeister in den Städten Gera und Nordhausen. Er war Vorsitzender des Kreiskomitees der antifaschistischen Widerstandskämpfer für die Kreise Nordhausen, Sondershausen, Worbis und Heiligenstadt.
Gustav Ricken (1877 – 1972), Architekt
Studierte Architektur. Bis 1909 als städtischer Architekt angestellt, danach freischaffend. Er prägte das Stadtbild Nordhausens an vielen Stellen mit. Zum Beispiel war er beteiligt am Bau des Hallenbades, der Wiedigsburg-Schule, der Sparkasse und des Stadthauses.
Carl-August Kneiff, gestorben 1866, Unternehmer
Begründer der Kautabakfabrik C. A. Kneiff GmbH Nordhausen, fortgesetzt von Carl und Rudolf Kneiff, Fritz und Rudolf Kneiff. C. A. Kneiff eröffnete 1827 in der Rautenstraße 307 ein kleines Unternehmen zur Herstellung von Zigarren, Schnupf- und Rauchtabak sowie Kautabak. Ende 1919 gehörte Kneiff zu den 10 Firmen, die sich zur NORTAG zusammengeschlossen haben. Im Jahr 1917 stiftete die Familie Kneiff 300.000 Reichsmark, um die Nöte seiner Arbeiter und deren Familien zu lindern.
Dr. phil. Hans Silberborth (1878 - 1949), Studienrat und Heimatforscher
Er war von 1913 bis 1937 Lehrer am Nordhäuser Realgymnasium. Aus Anlass des Stadtjubiläums Nordhausens im Jahre 1927 ließ die Stadt die zweibändige Chronik Das tausendjährige Nordhausen erarbeiten, dessen wichtiger 1. Band aus der Feder Dr. Silberborths stammt. Silberborth hat sich in der Weimarer Republik auch in bürgerlich-demokratischen Parteien engagiert und gehörte zu den Begründern der LDPD in der Stadt Nordhausen im Jahre 1945.
Dr. med. Alwine Brill (1885 - 1980), Ärztin
Sie war die erste praktizierende Ärztin in Nordhausen. Im Januar 1944 behandelte sie Käthe Kollwitz, als diese in Nordhausen weilte, und wurde deren persönliche Vertraute.
Dr. med. Kurt Isemann (1886 – 1964), Jugendpsychiater
Dr. Isemann übernahm nach dem 1. Weltkrieg die Wildt’sche Anstalt, ein damals national bekanntes Heim für minder begabte und sozial auffällige Jugendliche, und setzte gemeinsam mit seiner Frau, einer Sozialpädagogin, eine moderne Konzeption von Therapie und Beschulung für sein schwieriges Patientengut in die Praxis um. Mit hohem ärztlichen und pädagogischen Ethos und weithin bewunderter philanthropischen Einstellung führte Dr. Isemann seine Einrichtung durch schwierige Zeiten, versuchte unter Gefahr seine Schützlinge vor der menschenverachtenden Euthanasie der Nazis und seine jüdischen Mitarbeiter und Patienten vor der Deportation zu retten.
Kurt Nebelung (1888 – 1971), Landwirt
Herr Nebelung lebte viele Jahre als Landwirt in Hesserode. Zu seiner Zeit galt er als eine Art Gönner/Ehrenbürger des Ortes. 1964 stiftete die Familie der Kirche eine neue, 8 Zentner schwere Glocke. Die alte Glocke war im 2. Weltkrieg eingeschmolzen worden. Die Inschrift der Glocke lautet: Land, Land, Land höre des Herren Wort (Jeremia 22, 29). Gestiftet von Emma und Kurt Nebelung anno 1964. Weiterhin galt Kurt Nebelung als großzügiger Sponsor des ehemaligen Männergesang-Vereins in Hesserode, der Freiwilligen Feuerwehr und der Kirchengemeinde Hesserode.

