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Di, 14:12 Uhr
19.07.2022
Kartoffeln, Obst & Co. unter Strom

Sonnenstrom vom Acker

In Thüringen sollen zukünftig Ackerflächen für Sonnenenergie und Nahrungsmittel-Produktion zugleich genutzt werden. Eine Studie der Fachhochschule Erfurt bescheinigt dem Land bei der sogenannten Agri-Photovoltaik großes Potenzial...

...immerhin sind 50 Prozent der Landesfläche Acker, dazu kommen rund 10 Prozent Grünland. Die Agri-PV kombiniert Pflanzen- und Energieproduktion auf dem Feld. Mit ihrer Schutzwirkung vor starker Sonneneinstrahlung, Hitze, Frost, Hagel, Starkregen oder Sturm können die PV-Module in Zeiten der Klimakrise sogar für höhere Erträge sorgen, so die Wissenschaft.

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"Gerade ist Erntezeit und unsere Landwirte sind den ganzen Tag im Einsatz für unser Essen. Landwirte können auch zu Energiewirten werden. Mit unseren Vorschlägen zu Agri-PV geht es nicht um Energiewende ODER Landwirtschaft, sondern um Energiewende UND Landwirtschaft. Gerade die Hitze dieser Tage und die Klimakrise zeigen, dass wir gut beraten sind, gemeinsam mehr zu bewegen. Denn Feldfrüchte und Grünland unter Strom sind gut für unsere Energieversorgung und eröffnen der Landwirtschaft völlig neue Geschäftsfelder“, sagte Energieministerin Anja Siegesmund bei der heutigen Vorstellung der Studienergebnisse.

Studienleiterin Prof. Kerstin Wydra: „Der größte, produktionsbegrenzende Faktor in Thüringen ist bereits die Trockenheit, und diese wird in Zukunft noch bedeutender. Eventuelle Beeinträchtigungen durch eine ca. 30%ige Verschattung würden dann durch die positiven Effekte für Pflanzen und Boden kompensiert. Benötigt würde, wenn der PV-Ausbau nach Vorgaben aus dem Bund zu 50% auf Dach- und versiegelten Flächen erfolgte, bei einer 50:50 Aufteilung zwischen Freiflächenanlagen und Agri-PV, nur eine Fläche von ca. 7000 ha für die Stromproduktion. Landwirt*innen werden aber gerade zum Schutz der Kulturen und zur Wasserersparnis wohl einen größeren Bedarf anmelden.“

Statt Flächenkonkurrenz setzt die Agri-PV auf die kombinierte Nutzung von Flächen. Die Autorinnen und Autoren haben für Thüringen ein technisches Potenzial von 459 Gigawatt errechnet – das entspricht 700 kW pro Hektar. Zum Vergleich: Die drei verbliebenen deutschen Kernkraftwerke haben zusammen eine Bruttoleistung von rd. 4,3 Gigawatt.

Die Ergebnisse sieht das Energieministerium als guten Ausgangspunkt für Gespräche mit der Landwirtschaft und interessierten Betrieben. So sollen Partner für erste Pilotprojekte gefunden werden. Den Vorteilen stehen laut Studie gegenwärtig noch Hürden im Baurecht gegenüber. Eine Lösung wäre demnach, die Agri-PV in die Liste der „privilegierten Vorhaben“ aufzunehmen. Energieministerin Siegesmund sagt dazu: „Die Empfehlungen der Studie sind aus meiner Sicht durchaus nachvollziehbar. Das Baurecht sollte an dieser Stelle modernisiert werden. Wir brauchen beschleunigte Verfahren für Baugenehmigungen. Ich werde mit meiner Kabinettskollegin Frau Karawanskij darüber sprechen, eine Thüringer Bundesratsinitiative auf den Weg zu bringen.“ Damit könnten die vielen Vorteile der Agri-PV die Thüringer Energiewende einen großen Schritt nach vorn bringen.

Die Autorinnen und Autoren betonen, dass angesichts der wetterbedingten Ertragsverluste der letzten Jahre und der zukünftig zu erwartenden Schäden nahezu alle Kulturen durch die Schutzwirkung vor Hagel, Starkregen, Frost, Trockenheit, Sturm, Hitze und Sonnenbrand ein Mehrwert entstehen würde. Die Gesamtproduktivität, d.h. der Ertrag aus Landwirtschaft und Energieproduktion der agri-photovoltaisch genutzten Fläche, lässt sich nach wissenschaftlichen Untersuchungen generell um mindestens 60 % – 70 %, in trockenen Jahren sogar um 90 % steigern. Zusätzlich bieten APV-Anlagen Potential zur Steigerung der Biodiversität durch den Einsatz von Blühstreifen oder Hecken als Umrandung.

Die Studie empfiehlt den Aufbau von klein- und großflächigen APV-Anlagen in Thüringen zu unterstützen, um die Realisierung des aufgezeigten hohen Potentials von Agri-Photovoltaik umzusetzen, was auch zu einer Verbesserung der Einkommen von Landwirt*innen und Kommunen beiträgt und auch, je nach Betreiberkonstellation, einen günstigeren Stromtarif für die Bürger*innen in der Region zu ermöglichen.

Eine wichtige Voraussetzung für den Erfolg der Sonnenenergie vom Acker hatte die Bundesregierung bereits auf den Weg gebracht. Bei der Agri-Photovoltaik soll die Förderung der Landwirtschaft mit EU-Mitteln aus der Gemeinsamen Agrarpolitik (GAP) weiterhin möglich sein, sofern die landwirtschaftliche Nutzung nur bis zu 15 Prozent durch die Stromerzeugung beeinträchtigt ist. Bislang drohte Landwirten der Verlust der GAP-Förderung, wenn sie zusätzlich für die Photovoltaik eine EEG-Förderung in Anspruch nehmen.
Autor: red

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Kommentare
Andi Macht
19.07.2022, 16:08 Uhr
Nicht ganz durchdacht
Wie jedes Grundschulkind weiß braucht eine Pflanze für die Photosynthese Sonnenlicht. Bei 30Prozent Verschattung kann man bestimmt auch mit 30Prozent weniger Ertrag rechnen. Natürlich verhindert eine 30Prozentige Verschattung auch eine schnelle Austrocknung. Nur leider wird genau unter den Platten auch der Niederschlag zu 100Prozent verhindert. Am Rand der Platten tropft dann das Wasser ab und erhöht an diesen Punkten den Niederschlag über 1.000Prozent. Dies führt zu Belastungen für die darunter liegenden Pflanzen, zu Verschlämmung des Bodens und im schlimmsten Fall zu Wassererosion. Außerdem würde ich gern einmal von den Experten wissen, wie ich mit meinen teilweise über 30m breiten Geräten darunter durch kommen soll.
Von meinen ganzen Bedenken einmal abgesehen, finden ich Solarparks auch pottenhässlich.
Herr Taft
20.07.2022, 13:12 Uhr
Ohne die notwendige Technologie...
... zu kennen, ist eine Abwägung der Pros und Kontrast eigentlich nicht möglich. Meine erste Überlegung war, wie hoch müssten die PV-Module über dem Boden sein, wie werden sie befestigt, damit der Bauer mit seinem Ackergerät noch durchkommt. Die Idee als solche ist klasse. Für die Umsetzung braucht es - denke ich - etwas Erfindungsgeist. Ich glaube aber, dass das nix ist, was man nicht hinbekommen könnte.
Bodo Bagger
21.07.2022, 06:49 Uhr
Tja Lehrer,
leider sollte man nicht über ungelegte Eier brüten, sprich eine Technologie ist marktreif, wenn sie in allen Belangen ihre Marktreife bewiesen hat.

auch hier wieder, nicht die installatierte Kapazität aus EE ist in Deutschland das Problem (115GW installierte Kapazität aus WKA und PVA bei einem Baseload von 50GW und peark von 80GW). Und wenn Sie, den Sättigungsfaktor mal aussen vor gelassen, 1000GW installieren würden, wenns Dunkel ist, gibts keinen Strom, wenn der Wind nicht weht gibts auch keinen Strom.

Aber die Speicher.... ja die Speicherkonstante ist Ihnen bekannt? Falls nicht, das ist die kleine Schwester der Fusionskonstanten und die besagt immer, dass in n+50a eine großtechnische Fusionskraftwerkslösung vorhanden sein wird.

von daher, wieder ein potemkinsches Dorf was hier aufgebauscht wird.
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