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So, 10:03 Uhr
26.06.2022
KKH: Frühe Prävention wichtig

Immer mehr traurige Teenager

Manche haben Bauchschmerzen und kommen in der Schule nicht mehr mit, andere sind extrem launisch: Depressionen bei Kindern und Jugendlichen haben unterschiedliche Gesichter. Wie dramatisch die Entwicklung ist, zeigen Daten der KKH Kaufmännische Krankenkasse...

Demnach ist die Zahl der 6- bis 18-Jährigen mit ärztlich diagnostizierten depressiven Episoden und wiederkehrenden Depressionen von 2010 auf 2020 insgesamt um rund 87 Prozent gestiegen. Grund dafür ist vor allem das Plus von 117 Prozent bei den 13- bis 18-jährigen jungen Frauen. Bei den gleichaltrigen Männern registriert die KKH im selben Zeitraum einen Anstieg von rund 60 Prozent. Auch der Anteil der betroffenen Teenagerinnen in diesem Alter ist deutlich höher: Auf einen jungen Mann mit diagnostizierten Depressionen kommen zwei bis drei junge Frauen.

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Untypische Symptome bei Kindern
Bei den 6- bis 12-Jährigen sind hingegen gleich viele Mädchen und Jungen betroffen. Auch der Anteil der Kinder mit Depressionen ist laut KKH-Daten zehnmal geringer als der der Jugendlichen (0,4 zu 4 Prozent). Darüber hinaus zeigt sich in dieser Altersgruppe über die Jahre hinweg kaum eine Veränderung in Form einer Zu- oder Abnahme der Diagnosen.

Doch gerade bei Kindern dürfte die Dunkelziffer hoch sein, da Depressionen bei ihnen häufiger unerkannt bleiben als bei Jugendlichen und jungen Erwachsenen. Ein Grund dafür ist die breite Palette teils untypischer Symptome: „Während sich Depressionen bei Jugendlichen und Erwachsenen häufig in Form von Ängsten, Selbstzweifeln, Traurigkeit und Antriebslosigkeit, sozialem Rückzug und Suizidgedanken äußern, erkennen wir sie bei Kindern eher an allgemeineren Symptomen wie geringer Lust zu spielen, Bauch- und Kopfschmerzen, Albträumen, Bettnässen oder starken Stimmungsschwankungen“, erläutert KKH-Psychologin Franziska Klemm. Dies liegt unter anderem daran, dass es Kindern noch schwer fällt, ihre Gefühlslage gegenüber anderen zu beschreiben. „Lange waren sich Experten auch unsicher, ob Depressionen in diesem Alter überhaupt schon auftreten können. Heute wissen wir, dass es so ist. Deshalb müssen wir bei Kindern umso genauer hinschauen.“

Von C wie Corona bis V wie Verlust
Die Auslöser für eine Depression bei Kindern und Jugendlichen sind vielfältig. Als Risikofaktoren gelten etwa ein negatives Körperbild, unsichere oder fehlende soziale Bindungen, familiäre Belastungen wie ständiger Streit in der Familie oder Trennung beziehungsweise Verlust der Eltern, Vernachlässigung, Missbrauch, Konflikte und Mobbing. Auch belastende Ereignisse wie die Corona-Krise, die das Leben plötzlich auf den Kopf stellen, können eine depressive Störung hervorrufen. Aussagekräftige Zahlen gibt es dazu noch nicht, da es von den ersten Anzeichen einer Depression bis hin zu einer ärztlichen Diagnose häufig ein langer Weg ist. Eine Forsa-Umfrage im Auftrag der KKH hat aber bereits gezeigt, dass die Corona-Krise 79 Prozent der 6- bis 18-jährigen Mädchen und 74 Prozent der gleichaltrigen Jungen zusätzlich belastet hat.

Teenagerinnen anfälliger für Vergleiche im Netz
Auch genetische sowie hormonelle Faktoren können die Entstehung einer Depression begünstigen – etwa in der Pubertät, was unter anderem den deutlichen Anstieg ab dem Jugendalter erklärt. „Diese Lebensphase ist ohnehin von vielen Veränderungen, großer Verunsicherung, neuen Herausforderungen und somit von einem höheren Stresslevel geprägt“, sagt Franziska Klemm. Kommen dann weitere Belastungen wie Mobbing hinzu, kann dies das Risiko für eine Depression zusätzlich verstärken.

„Gerade junge Frauen verbringen mehr Zeit mit sozialen Medien, sind daher anfälliger für soziale Vergleiche und häufiger Opfer von Cybermobbing“, erläutert die KKH-Psychologin. Ein weiterer Grund, warum mit zunehmendem Alter immer mehr Frauen von einer Depression betroffen sind, kann der unterschiedliche Umgang mit psychischem Druck sein. Frauen suchen häufiger und früher professionelle Hilfe auf. Sie können ihre Symptome meist genauer und ausführlicher benennen, was zu schnelleren und präziseren Diagnosen führt. Männer hingegen beschreiben ihre Depressivität häufig als Stress, anstatt über Traurigkeit und Antriebslosigkeit zu sprechen.

Nicht jede Stimmungsschwankung eine Depression
Eine rechtzeitige Prävention beziehungsweise das rechtzeitige Erkennen einer Depression ist besonders im Kindes- und Jugendalter wichtig, damit sich die Krankheit gar nicht erst negativ auf die soziale, persönliche, familiäre und schulische Entwicklung auswirken kann. Bei einer Diagnose ist allerdings Feingefühl gefragt. Auch das soziale Umfeld, etwa Eltern und Lehrer, sollten differenzieren und Symptome hinterfragen. „Denn nicht jede Stimmungsschwankung ist gleich eine Depression“, betont Franziska Klemm. Gerade in der Pubertät können Traurigkeit und Verzweiflung auch zum normalen Entwicklungs- und Selbstfindungsprozess gehören und nach einiger Zeit wieder verschwinden. Dennoch müssen solche Phasen und Empfindungen ernst genommen werden. Klemm: „Ein gutes familiäres Umfeld, ein positives Selbstbild und ein konstruktiver Umgang mit den eigenen Emotionen zählen zu den wichtigsten Schutzfaktoren vor Depressionen im Kindes- und Jugendalter.“
Autor: red

Kommentare
Marino50
26.06.2022, 10.27 Uhr
Traurige Teenager...
...also auf den Punkt gebracht, wir haben eine kranke Gesellschaft, die von psychisch kranken Menschen heute schon regiert wird und auch zukünftig wird das so sein. Nur gut, dass die meisten Kinder und Jugendlichen eine normale Kindheit in der DDR hatten. Das zahlt sich heute aus.
Mehr fällt mir dazu echt nicht ein.
Gehard Gösebrecht
26.06.2022, 12.02 Uhr
Ohne Plan der Nachwuchs
Hoch motiviert und völlig ohne Plan wie es weitergeht.
Eigentlich ein Abbild der Scheindemokratie.
"Wir müssen, wir wollen und können eigentlich gar nichts."
Dann geht noch das Smartphone kaputt und man kommt in den Bereich der völligen Hilflosigkeit.
H.Freidenker
26.06.2022, 14.57 Uhr
Transformation der Gesellschaft?
Sie beginnt seit Jahren unter Anderen mit der frühsexuellen "Aufklärung" der Kinder. Die gewollte bunte und vielfältige Entwicklung beginnt heute schon im Kindergarten. Heute wartet man nicht darauf, das ein Junge mit Puppen spielt, oder sich rosa Kleider anzieht,nein,es wird ihm zur Findung seiner sexuellen Ausrichtung empfohlen.Das Infragestellen,ob man sich im eigenen Körper wohlfühlt gibt zu denken. Dabei geht es lange nicht mehr um männlich,weiblich oder divers. Das Gesamtpacket an dieser sogenannten Bildung, macht doch etwas mit den Kindern. Da dieser Weg politisch gewollt ist,stellt sich die Frage nach dem Sinn und Zweck.
Politische Entscheidungen unterliegen nie einem Zufall,es gibt immer ein Interesse ! ?
Hoffentlich gibt es genug Mütter und Väter die diese Entwicklung hinterfragen und sich nicht mit den Begrifflichkeiten von Elter 1 und Elter 2 abfinden!
DDR-Facharbeiter
26.06.2022, 15.36 Uhr
..stimmt nicht, dass die Jugendlichen in DDR - oft ohne Vater- eine normale Kindheit hatten
Ein gutes familiäres Umfeld, ein positives Selbstbild und ein konstruktiver Umgang mit den eigenen Emotionen zählen zu den wichtigsten Schutzfaktoren vor Depressionen im Kindes- und Jugendalter. Zitat Franziska Klemm. Dem stimme ich als Vater von Söhnen und Großvater von Enkeln zu.
Ich stimme aber nicht Marino 50 zu, dass "die meisten Kinder und Jugendlichen eine normale Kindheit in der DDR hatten" . Normal war nicht, dass wir Schüler und Lehrlinge gezwungen waren, stets die offizielle Meinung der DDR-Gesellschafts-Organisationen und der Medien mit Überzeugung vorzutragen, auf Deutsch "zu heucheln". Wer nicht-partei-konforme Meinungen vertrat, wurde nicht zu einem Ausbildungsplatz zugelassen, flog von der Oberschule, wurde nicht zum Abitur zugelassen oder bekam keinen Studienplatz. Normal war auch nicht, dass einige Eltern als Bauern oder Unternehmer entschädigungslos enteignet wurden. Ihre Kinder verloren das bisherige familiäre Umfeld.
Ich hatte - wegen einiger dieser Schikanen - keine normale, aber dank im zerbombten Nordhausen wohlerhaltener Begegnungsstätten mit Jungen und Mädchen meiner Generation im Stadion mit Schwimmbad, Tennisplätzen und 400-Meter-Bahn, im Schwimmbad , dem Salza-Quellbad, dem Jugendtreff im Gehege, dem Harmonie-Kultur-Haus, dem Haus der DSF in der Puschkinstraße und guter Lehrer eine interessante Jugend. Ich musste mich immer wieder durchkämpfen. Viele Väter waren gefallen, noch in sowjetischer Gefangenschaft , entmutigt oder vor Repressalien in den Westen geflohen. Unsere Mütter kämpften um ein erträgliches familiäres Umfeld mit einem Dach über dem Kopf, Nahrung und Heizstoffen. Sie hatten nicht die Kraft, sich auch noch um unsere Emotionen zu kümmern. Wir waren gezwungen , uns untereinander auf falsches Verhalten hinzuweisen, uns gegenseitig zu bestärken und anzutreiben - kurz: wir erzogen uns untereinander. Magersucht und psychische Krankheiten gab es auch, wurden aber von den Erwachsenen beschönigt. Wahrheit war ein seltenes Gut...
Marino50
26.06.2022, 17.58 Uhr
Traurige Teenager...
DDR-Facharbeiter,Sie haben sicher Recht, dass es Familien und Kinder gab, die kein normales Leben geführt haben. Als Kind und Teenager denkt man zunächst, dass das alles richtig ist bzw. war. Aus heutiger Sicht sieht das selbstverständlich etwas anders aus. Aber Kinder in der Anzahl wie aus der Analyse im Artikel zu entnehmen ist, mit Depressionen und psychosomatischen Erkrankungen haben wir nicht gekannt. Das Leben mit der Schulklasse oder im Hort habe ich und sehr viele andere Kinder als schön empfunden und nicht als falsch. Unsere Eltern und Großeltern haben gearbeitet und wir waren gut aufgehoben. Das soziale Verhalten wurde gefördert. Das ist ja wohl nicht abzustreiten. Heute hängen die Kids irgendwo rum wie bei der Bibliothek (aber nicht um Bücher auszuleihen), sondern um zu zerstören oder auf dem Petersberg .
DDR-Facharbeiter
26.06.2022, 20.22 Uhr
Chancen gibt es für Jugendliche mit frühemZiel : Beruflicher Erfolg durch Ausbildung.
"Ohne Plan der Nachwuchs", sagte Gehard Gösebrecht. Ich stimme zu. Einige der Mädchen und Jungs in den Fünzigern hatten schon mit Vierzehn ein Berufs-Ziel. Sie wollten weg von den elterlichen engen Notunterkünften mit Drahtglas-Fenstern, ewig leerer Haushaltskasse und Not an allen Ecken und Ecken. Zwei Nordhäuser Oberschüler mit gutem Notenschnitt im Zensurenbuch träumten von einem grossen Chefbüro mit einer hübschen Sekretärin und grossen Dienstwagen mit livrierten Chauffeur. Sie ahnten, dass der Weg zu diesem Gipfel lang und mühsam werden würde. Aber sie schafften es. Ein Mädchen wollte Professorin werden, eine andere träumte von einer grossen Praxis mit vielen Patienten. Die Fünfte träumte von einer Karriere als Schauspielerin. Vier erreichten ihre Ziele. Die Fünfte endete als Stundenbegleiterin von Partei-Funktionären.
Resumee: Wer sich früh ein Ziel setzt , hat eine Chance.
Die verlorene Generation auf dem Nicolai-Platz hat anscheinend kein Ziel ausser dem bedingungslosen Grundeinkommen.
tannhäuser
26.06.2022, 20.24 Uhr
Schon mal aufgefallen...
...dass "Burnout" seit Corona gar kein Thema mehr ist?

Trauer führt nicht immer zu Depressionen. Und wenn doch, sollte das auch bei Kindern und Jugendlichen verdammt noch mal Ernst genommen werden.

Aber wenn die psychiatrischen Einrichtigungen auf Befehl der Justiz von angeblich traumatisierte Messerstechern geflutet werden, ist kein Platz für "Unsere Schon länger hier Lebenden" wirklich unverschuldet Kranken.
NDH-Henkel
27.06.2022, 07.30 Uhr
Traurige Teenager,oh Gott
Schuld sind die ganzen digitalen Medien heutzutage . Ganz einfach gesagt !
Paulinchen
27.06.2022, 08.56 Uhr
Kann es sein,...
... dass die Schule einen anderen Stellenwert bei der Jugend und zum Teil auch bei deren Eltern gefunden hat?
Für meine Generation und die meines Kindes, war die Schule keine Aufbewahrungsanstalt, sondern eine notwendige Bildungsstätte. Aber heute geht ein großer Teil der Schüler schon mit Widerwillen zum Unterricht, weil oft vor Beginn der Stunde das Handy abgegeben werden muss. Eben dieses Gerät wäre durchaus in der Lage, das Bildung Niveau einiger Kinder zu steigern, aber die Möglichkeit wird eher nicht genutzt. So könnte es durchaus sein, dass die Sprösslinge den Anschluss zum Unterricht verlieren. Nicht selten wird auch im Elternhaus kaum oder gar nicht über den Verlauf des Schultages gesprochen. Deshalb, so meine Meinung, muss man die Ursache auch im Elternhaus suchen, wenn Tochter oder Sohn den Anschluss zum Schulunterricht verloren haben. Es sei mir gestattet auch mal etwas weiter auszuholen. Es gibt leider auch Schulen, in denen sind unsere Kinder eine Minderheit. Hier wird auf dem Schulhof kaum oder gar kein Deutsch mehr gesprochen. Auch die Eltern, welche den Sprössling abholen, sind der deutschen Sprache nicht mächtig. Hier wird man vielleicht auch fündig wenn es Kinder gibt, welche am Unterricht kaum noch Interesse haben. Leider ist es so, dass das Bildungssystem in unserem Land viel Luft nach oben hat. Aber jetzt gibt es Hoffnung, dass das Handy einen anderen Stellenwert bekommt. Das Nächste wird wohl in den nächsten Wochen unerschwinglich sein. Der Grund dafür ist der knapp werdende Goldanteil. Bei allem Respekt vor dem Elternhaus, aber es ist eben eine Tatsache, kommt das Kind in die Schule, beginnt für die Eltern auch eine neue Schulzeit und jene die das begreifen, haben kaum Probleme mit ihrem Nachwuchs in der Schule........
Kobold2
27.06.2022, 09.06 Uhr
Und wer
stellt die Kids vor den digitalen Medien ruhig...?
Auch die Anderen?
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