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Mi, 12:56 Uhr
08.06.2022
"Così fan tutte" bei den Schlossfestspielen

Modellversuch Partnertausch

Geplant war sie schon, bevor Corona die Welt ereilte, während der Pandemie wurde sie erarbeitet und am 8. Juli endlich ohne pandemische Einschränkungen erobert sie sich die Bühne von Schloss Sondershausen, die Produktion von Mozarts "Così fan tutte"...

Sie sind jung und unsterblich verliebt: Fiordiligi in Guglielmo, Dorabella in Ferrando. Im Moment jedenfalls. In einem perfiden Spiel, angezettelt von Don Alfonso, wird ihre Treue auf die Probe gestellt, werden Gefühle durcheinander gewirbelt und Sehnsüchte seziert ein Verwirrspiel, dem keiner unbeschadet entkommt. Mit "Così fan tutte" schrieb Da Ponte eines der vielleicht raffiniertesten und vieldeutigsten Libretti der Musikgeschichte und Mozart komponierte eine vollendet schöne Musik zum Modellversuch Partnertausch, bei dem am Ende alle vor dem Scherbenhaufen, ihrer Sehnsucht der nach der großen, wahren Liebe stehen.

Despina aus "Così fan tutte" (Foto: Theater Nordhausen/Loh-Orchester Sondershausen GmbH) Despina aus "Così fan tutte" (Foto: Theater Nordhausen/Loh-Orchester Sondershausen GmbH)


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"Così fan tutte" wurde als eine opera buffa bezeichnet, bei welcher einem das Lachen im Halse stecken bleibt. Diese Buffa ist eigentlich ein Kammerspiel, welches sich einer open Air Veranstaltung entzieht, so auch Regisseur Matthias Kitter, als er seine Konzeption für die szenische Umsetzung dem Ensemble vorstellte. Aber er sieht gerade darin, "Così" bei den Schlossfestspielen im Schlosshof zu zeigen, auch den Reiz der Aufgabenstellung. Den "endlosen Raum einzudämmen" und die Oper für den Schlosshof passend zu machen, war der Ausgangspunkt seiner Gedanken. Ziel war es, klare, große Bilder zu finden, und eine Parabel auf die Zeitlosigkeit von Mozarts Werk zu präsentieren. So schuf er mit der Bühnen- und Kostümbildnerin Birte Wallbaum eine Bühne auf der Bühne, eine Spielwiese in Form eines riesigen Porzellantellers, der sich teilen und am Ende wie das Glück zerbrechen kann.

Birte Wallbaum (Foto: Theater Nordhausen/Loh-Orchester Sondershausen GmbH) Birte Wallbaum (Foto: Theater Nordhausen/Loh-Orchester Sondershausen GmbH)


Mozarts Figuren sind zuerst wie Porzellanfiguren eines im Schloss gedeckten Cafétisches. Meißner Porzellan mit Zwiebelmuster charakterisiert die rokokohafte Porzellanstuckwelt. Riesiges Besteck und die Dimension des Tellers lassen uns die Größe bzw. eher Kleinheit der agierenden Figuren erkennen. Eine Serviette mit Ring kann gar als Wippe genutzt werden. Kitter führt eine zusätzliche Figur ein, Mozart, den Komponisten höchstselbst, der zusammen mit Alfonso das Spiel am Laufen hält und die Figuren durch seine Musik zum Leben erweckt. Um die Porzellanhaftigkeit der Figuren zu charakterisieren, werden die wunderschönen Kostüme der Sängerinnen aus einem ganz steifen Material hergestellt. So sehen die Kleider ein wenig wie Törtchen aus, die die Damen erst ablegen, wenn die Geliebten aus dem Krieg, in den sie scheinbar gezogen sind, heimkehren. Ein schwarzer Schwan Lohengrin lässt grüßen bringt die Männer auf die Bühne. Ein wenig unheilschwanger kann dies schon wirken. Die Männer haben sich bereits früher ihrer steifen Hüllen entledigt und gleichen nun eher hippen Einspielrockstars, sind ganz »normale« Menschen geworden. Alfonsos und Mozarts Komplott, den die beiden gemeinsam mit Dienerin Despina schmiedeten, hat sie vermenschlicht.

Die Kostüme werden mit viel Fleiß und Liebe zum Detail in unseren Schneiderwerkstätten im wahrsten Sinn des Wortes gezaubert. Eine besondere Art des Nähens schafft Raffungen, es gibt zahlreiche Verzierungen, z.B. mit Schleifchen und viele liebevolle Details komplettieren die Kunstwerke. Um den Röcken das entsprechende Volumen zu verleihen, wurden von der Schlosserei große Gestelle geschweißt, auf denen die Stofflagen geschichtet werden. Riesige Perücken, in der Maskenabteilung gefertigt, komplettieren das Outfit, da prangen Törtchen und Gebäck in den Haaren und man ist geneigt, zu naschen. Jetzt geht es an die szenische Umsetzung. Die Proben haben bereits begonnen.
Renate Liedtke
Autor: red

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