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Do, 16:00 Uhr
14.04.2022
Angemerkt

Bestimmt eine Minderheit wirklich?

Die nnz hatte in der vergangenen Woche über das Nicht-Stattfinden des einst so traditionellen Osterfestes am Vormittag des Ostersamstags berichtet. Dazu erreichte uns eine Wortmeldung des damaligen Oberbürgermeisters Dr. Klaus Zeh...


Unter der Überschrift: „Eine Minderheit bestimmt?“, wird mit Blick auf die kommenden Osterfeiertage in der „nnz-online“ in einem Artikel am 7. April 2022 festgestellt, dass es in Nordhausen kein tolles Fest geben wird. Es wird unterstellt, dass es nach dem Willen einer Minderheit in Nordhausen wieder still sein solle zu Ostern.

Mit Verlaub, diese Unterstellung ist völlig daneben: „nnz-online“ hätte gründlicher recherchieren sollen! Dann wäre man auf einen ganz anderen Sachverhalt gestoßen:

Diese Entscheidung wurde im Stadtrat mit großer Mehrheit gefällt. Sie wurde nicht von einer Minderheit gefällt – was in einer Demokratie bekanntermaßen nicht geht – und schon gar nicht vom Superintendent Andreas Schwarze.

Im Doppelhaushalt der Stadt Nordhausen 2013/2014 wurden die Haushaltslöcher immer größer. Mehrere Haushaltssperren wurden verhängt. Für den Haushalt 2015 musste die Stadt Nordhausen im Jahr 2014 ein Haushaltssicherungskonzept auf den Weg bringen. Die nicht legale Finanzierung des Ostereiersuchens am Karsamstag durch die Stadt mit der Gestellung seiner Mitarbeiter, veranstaltet durch die „Neue Mitte GmbH“, flog auf. Die Kommunalaufsicht des Landkreises hatte die Praxis der Delegierung städtischer Mitarbeiter auf den Petersberg am Karsamstag, denen die Arbeitszeit mit Freizeitausgleich vergütet wurde, mit deutlichen Worten untersagt.

Eine solche Art der freiwilligen Leistung durch die Stadt hätte niemals eine Thüringer Landesregierung durch Bedarfszuweisungen „mit“-finanziert. Das Haussicherungskonzept ab 2015, mit großer Mehrheit im Stadtrat beschlossen, enthielt folgerichtig kein Fest mehr auf dem Petersberg am Karsamstag! Auch über die Holding der Stadtwerke, die selbst erheblich finanzielle Sorgen hatte, konnte kein Ausgleich geschaffen werden.

Auf der Suche nach einem preiswerteren Ersatz konnte mir die Verwaltung damals nach Recherche im Internet nur bestätigen, dass an Karsamstagen in keiner größeren Stadt in Deutschland von morgens an bis zum Nachmittag irgendwo „Osterfeste“ gefeiert, geschweige denn Ostereier gesucht wurden. In einem Gespräch mit Superintendent Andreas Schwarze und Dompfarrer Richard Hentrich wurde sehr schnell klar, dass auch die Kirchen über dieses „Alleinstellungsmerkmal“ von Nordhausen in Deutschland nicht sehr glücklich waren. Sie rieten, ein Osterfest auf dem Petersberg wie überall üblich, am Ostersonntag bzw. Ostermontag zu veranstalten. Von einem stillen Osterfest, wie im Artikel der „nnz-online“ betont, hatten Herr Schwarze und Herr Hentrich nie gesprochen! Wieso auch! Ist doch das Osterfest im Kalender der Kirchen das größte und freudvollste Kirchenfest.

Als Alternative wurde von der damaligen Beigeordneten Hannelore Haase das Osterbrunnenfest ins Leben gerufen – eine Tradition, die es in Südthüringen, Süddeutschland und Österreich schon seit Jahrhunderten gibt und das auch in Nordhausen einen festen Platz im Terminkalender der Stadt gefunden hat.

Osterfeuer entstammen übrigens auch einer christlichen Tradition. Die Osternacht vom Karsamstag zu Ostersonntag wurde an vielen Stellen früher mit der sogenannten „Ostervigil“ gefeiert. Diese begann bei einbrechender Dunkelheit mit einem Lichtfest. Noch heute wird die Osterliturgie in der katholischen Kirche mit einem Osterfeuer eröffnet, an denen die Osterkerzen entzündet werden.

Abschließend möchte ich anmerken: Wie auch in der „nnz-online“ öfter diskutiert, spielt die Sorge vor Überfremdung unserer Kultur in der Debatte um Zuwanderung immer eine wichtige Rolle. Wenn dem wirklich so sein sollte, dann sollten wir uns doch wenigstens unserer eigenen kulturellen Wurzeln etwas mehr besinnen. Diese liegen in der christlich-abendländischen Tradition. Und da sollte uns bewusst sein, dass das Osterfest in der Nacht vom Karsamstag zum Ostersonntag und eben nicht schon Karsamstag am Morgen beginnt. Und von Ostersonntag an dauert die Osterzeit 50 Tage bis Pfingsten. Es gäbe daher noch viele Möglichkeiten, in dieser Zeit ausgelassen Ostern zu feiern.
Dr. Klaus Zeh, Nordhausen
Autor: psg

Anmerkung der Redaktion:
Die im Forum dargestellten Äußerungen und Meinungen sind nicht unbedingt mit denen der Redaktion identisch. Für den Inhalt ist der Verfasser verantwortlich. Die Redaktion behält sich das Recht auf Kürzungen vor.
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Kommentare
Helena2015
14.04.2022, 16:41 Uhr
Der Beitrag wurde deaktiviert – Anm. d. Red.: Gehört nicht zum Thema
Rechthaber
14.04.2022, 17:14 Uhr
Super Beitrag!
Super Beitrag! damit ist alles gesagt!
Herr Taft
14.04.2022, 18:07 Uhr
Der Beitrag wurde deaktiviert – Gehört nicht zum Thema
hatschibenoma
14.04.2022, 19:55 Uhr
Ich schließe
mich Rechthaber an, der Kommentar von Herrn Dr. Zeh ist sehr gut und ohne Sticheleien geschrieben.
Gudrun1974
14.04.2022, 20:16 Uhr
Der Beitrag wurde deaktiviert – Anm. d. Red.: Keine externen Links bitte
Halssteckenbleib
14.04.2022, 21:23 Uhr
Eine Minderheit bestimmt
was stimmt oder auch nicht stimmt.Warum sich aufregen? Was jetzt veröffentlicht wird ist doch eh in nichtmal 1er Stunde schon wieder veraltet. Informationen sind wie eine Uhr.Die ändern sich von der Minute zur nächsten.Also zurücklehnen und innehalten.Alles andere geht von alleine..
Real Human
15.04.2022, 12:29 Uhr
„Christentum“ heute …
Das sind schätzungsweise 5 Prozent Jesus von Nazareth und 95 Prozent philiströses, volkstümliches Brauchtum.

Der Pfarrerssohn Friedrich Nietzsche schrieb in seinem Buch „Der Antichrist“:

„Das Wort schon »Christentum« ist ein Missverständnis -, im Grunde gab es nur einen Christen, und der starb am Kreuz.“

„Wir haben also als Missverständnis: […] eine kirchliche Ordnung, mit Priesterschaft, Theologie, Cultus, Sakramenten; kurz, alles das, was Jesus von Nazareth bekämpft hatte.“
(Zitiert nach: beruhmte-zitate.de)

Manchmal finde ich es – als Atheist! – richtig schade, dass der Verursacher dieser monotheistischen Religion nicht leibhaftig den „abendländischen Christen“ gegenübertreten kann. Er ist eben leider mausetot und NICHT wiederauferstanden!

Und wenn Dr. Klaus Zeh behauptet, „Osterfeuer entstammen übrigens auch einer christlichen Tradition.“, dann schlägt er Jesus von Nazareth fast ein zweites mal ans Kreuz. Denn letzterer hatte sich damals schon kritisch mit der Verlotterung des jüdischen Glaubens auseinander gesetzt, wofür ihn die jüdischen Pharisäer ans Kreuz schlagen ließen.

„Wehe euch, Schriftgelehrte und Pharisäer, ihr Heuchler, die ihr gleich seid wie die übertünchten Gräber, welche auswendig hübsch scheinen, aber inwendig sind sie voller Totenbeine und alles Unflats.“ (Matthaeus 23:27)

„Der Brauch des Osterfeuers ist germanisch - früher auch als heidnisch bezeichneten Ursprungs. Das älteste schriftliche Zeugnis ist ein Briefwechsel zwischen dem Missionar Bonifatius und Papst Zacharias aus dem Jahre 751. In diesem Brief wird ein Brauch beschrieben, der als ‚ignis pachalis‘ (Passahfeuer) bezeichnet wird. Da die Frage aufgeworfen wird, wie im Sinne der Kirche damit umzugehen sei, lässt sich schließen, dass die römische Kirche Osterfeuer noch nicht kannte, auch keine Feuerweihe.“ (Wikipedia)

Jesus wollte das Judentum reformieren und wurde dafür ans Kreuz geschlagen. Die später gegründeten Kirchen machten ihn dann auch noch zu ihrem für alles missbrauchbaren Hampelmann. (Vorsicht beim eventuellen googeln zu „Jesus als Hampelmann“! „Religiöse Gefühle könnten verletzt werden!“)

Fazit:
Sich öfter mal mit dem INHALT der Bibel beschäftigen! Aber mit hinterfragendem Verstand!
diskobolos
15.04.2022, 14:52 Uhr
Unsere Erde ist ein Planet, der zu einer von hunderten
Milliarden Sonnen unserer Galaxis gehört. Von solchen Galaxien gibt es wieder Hunderte Milliarden im Weltall. Das wissend fällt es mir schwer, dem Inhalt der Bibel irgendeinen Wahrheitswert zuzubilligen.
Einem Wesen, dass das Ganze geschaffen haben sollte, könnte es wohl kaum scheren, ob wir Erdenwürmer an ihn glauben?
RWE
15.04.2022, 20:33 Uhr
diskobolos, man kann ja darüber reden, ob die Christen in Minderheit sind
oder eben nicht den Nichtchristen etwas aufzwingen oder nicht. Ob sie religiös sind tut da aber nichts zur Sache. Ich finde Religion oder ganz allgemein Weltanschaungen sind Privatsache und da muß man nicht gleich versuchen zu "missionieren". Auch wenn es Atheismus ist.
Und egal ob die germanische Frühlingsgöttin Ostara oder eben der gewaltsame Tod von Jesus Christus die Urache für das Osterfest ist-es gehört zu unseren Leben, unserer Kultur.
Wenn sie alle christlichen Feiertage abschaffen freuen sich nur die Arbeitgeber...
diskobolos
16.04.2022, 18:06 Uhr
Wenn es doch nur so wäre ...
"Ich finde Religion oder ganz allgemein Weltanschaungen sind Privatsache"

Die Wahrheit ist doch, dass die Kirchen in D zu viele Privilegien genießen: Verbreiten ihrer Lehren in der Schule (auf Kosten der Steuerzahler und im Widerspruch zu anderen Fächern wie Biologie und Geografie), Eintreiben ihrer Mitgliedsbeiträge durch staatliche Ämter, Bezahlung von Bischöfen durch den Staat, Einräumung eines eigenen Arbeitsrechtes usw.
Von der Behandlung des massenhaften sexuellen Kindesmissbrauchs ganz abgesehen.
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