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Do, 06:59 Uhr
22.12.2005

Unwort des Jahres gesucht

Nordhausen (nnz). Nachdem kürzlich „Bundeskanzlerin“ zum „Wort des Jahres 2005“ gekürt wurde, läuft derzeit die Suche nach dem „Unwort des Jahres 2005“, das am 24. Januar verkündet werden soll. Noch können Vorschläge gemacht werden. Zum gegenwärtigen Stand berichtet nnz.


Noch läuft die Suche nach dem „Unwort des Jahres“ 2005 auf Hochtouren. Gute Chancen haben verschiedene Wortschöpfungen aus der Wirtschaftssprache, sagte der Vater der sprachkritischen Aktion, Horst Dieter Schlosser nach einer dpa-Meldung. Bis zum 9. Januar müssen die „Unwort“-Vorschläge – möglichst mit Quellenangabe – eingegangen sein. Eine Jury aus vier Sprachwissenschaftlern und zwei jährlich wechselnden Mitgliedern verkündet ihre Entscheidung am 24. Januar in Frankfurt.

Als Beispiel für ein preiswürdiges „Unwort“ nannte der Frankfurter Germanist „Smartsourcing“. „Das ist Josef Ackermann, Deutsche Bank, der damit 6400 Arbeitsplätze in Niedriglohnzonen verlegen will“, sagte der Sprachwissenschaftler. „Das ist eine besonders smarte Art von Outsourcing bei gleichzeitig hohen Gewinnen.“

In einem Schreiben von DaimlerChrysler an alle Mitarbeiter zur geplanten Entlassung von 8000 Arbeitnehmern sei von einem „beschäftigungsorientierten Abbaumodell“ die Rede gewesen. Der Siemens-Vorstand Klaus Kleinfeld habe im Zusammenhang mit der Verlagerung von Arbeitsplätzen ins Ausland von „unternehmerischer Hygiene“ gesprochen.

Unter den bislang knapp 1500 Vorschlägen für das 15. Unwort des Jahres finde sich jedoch am häufigsten die „Schwampel“, gefolgt von „Gammelfleisch“, berichtete Schlosser. Bei „Gammelfleisch“ werde das Wort mit der Sache verwechselt. Als Unwort werden einzelne Wörter oder Formulierungen gesucht, die sachlich grob unangemessen sind und möglicherweise sogar die Menschenwürde verletzen. Im Vorjahr fiel die Wahl auf „Humankapital“.

Gute Chancen, von der sechsköpfigen Jury zum Unwort gekürt zu werden, haben auch Oskar Lafontaines „Fremdarbeiter“. Unter den Vorschlägen ist auch der Vorwurf des brandenburgischen Innenministers Jörg Schönbohm (CDU), der mit Blick auf eine Mutter, die ihre sechs Kinder umgebracht haben soll, davon sprach, dass dies an der „Proletarisierung in der DDR“ liege. Unwort-verdächtig ist nach Ansicht Schlossers zudem der Begriff „Bombenholocaust“, den der sächsische NPD-Fraktionschef Holger Apfel angesichts des Gedenkens an die Zerstörung Dresdens gebraucht hatte.
Autor: nnz

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