Mi, 14:00 Uhr
02.03.2022
Niedersachswerfen
Hilfe für die Ukraine, jetzt
Yuriy Semochko lebt seit zehn Jahren in Niedersachswerfen. Bis vergangene Woche hätte er nie gedacht, dass Russland einmal sein Heimatland angreifen würden. Jetzt versucht der Unternehmer, vom Südharz aus Hilfskonvois zu organisieren und bittet um Spenden…
Die Stadt Iwano-Frankiwsk zählt um die 230.000 Einwohner und liegt gute 100 Kilometer südlich von Lwiw. Yuriy Semochko hat diese seine Heimat vor zehn Jahren verlassen, um im Herzen Deutschlands sein Glück zu machen. Er ist, wie man sagt, angekommen im Land. Dem Ukrainer gehört die Fleischerei Brennecke in Niedersachswerfen und mit ein paar Helfern ist er gerade dabei, das alte MTS-Gelände im Ort zu ertüchtigen um hier Wohnungen zu errichten.
Bis vor ein paar Tagen waren das die bestimmenden Punkte seines Alltags. Aber das war vor dem Krieg. Ich hätte nie gedacht, dass das passieren könnte, sagt Semochko. Als die ersten Granaten fielen, weilte seine Frau zu einer Beerdigung in der alten Heimat. Sie ist wohlbehalten zurückgekehrt, aber die Schwester und ihre drei Kinder konnten noch nicht fliehen. Das schlimmste ist, wenn sie hören müssen das ihre kleine Nichte von fünf Jahren zu ihrer Mutter sagt: Mama, Mama, komm in den Bunker, erzählt er.
Putin sei im Kopf wie ein Zar, glaubt Semochko. Der russische Präsident habe imperiale Wunschträume und sei dabei nach einer Sowjetunion 2.0 zu greifen. Die Ukraine steht jetzt zwischen Europa, zwischen der Welt und Russland und dem 3. Weltkrieg. Wenn die Ukraine unter geht, macht er weiter. Der hört nicht auf., befürchtet der Unternehmer. Aber er ist auch überzeugt, dass seine Landsleute nicht aufgeben werden. Die Ukrainer stehen ihren Mann, bis zum Schluss. Mit 1000 Prozent.
Aus dem fernen Deutschland ohnmächtig zu sehen will Semochko nicht. Viele Freunde und auch Verwandte sind noch in der Ukraine und brauchen dringend Hilfe und der Niedersachswerfer ist dabei, genau die in der Region zu organisieren. Und so steht sein Telefon heute morgen kaum fünf Minuten still.
Auf dem MTS-Gelände stehen noch Garagen, die als Lagerplatz genutzt werden können. Jeden Freitag sollen sich von hier aus ein paar Fahrzeuge auf den Weg machen und die Strecke von rund 1.200 Kilometern zur polnisch-ukrainischen Grenze zurücklegen. Im Grenzgebiet würden die Hilfsgüter dann übernommen und weiter im Land verteilt.
Allein gestern kam eine ganze Reihe an Material zusammen, unter anderem medizinische Versorgungsgüter und Erste-Hilfe-Ausrüstung (Foto: agl)
Gebraucht wird vieles, auch militärische Ausrüstung wie Feldanzüge in Tarnfleck, kugelsichere Westen, Helme und Kampfstiefel. Am wichtigsten sei aber medizinisches Material, sagt Semochko: Antibiotika, Verbandsmaterial, Desinfektionsmittel, und, und, und. Die ersten Hilfsgüter hat man bereits zusammentragen können, unter anderem hat der Rettungsdienst Ellrich Ausrüstung zur ersten Hilfe gespendet und auch aus der Kreisstadt erwartet man heute eine Großspende diverser Apotheken. Ebenso händeringend sucht man nach technischer Ausstattung wie Funkgeräten oder Power Banks, also simplen Stromspeichern.
Auf der Website help-ukraine.today sind Listen mit den am drängendsten benötigten Material aufgeführt. Wer selber Spenden abzugeben hat, kann das täglich von 8 bis 18 Uhr auf dem MTS-Gelände am Schützenplatz 1 in Niedersachswerfen tun. Auch die Fleischerei Brennecke steht als Anlaufpunkt für Spenden offen. Herr Semochko ist zudem via WhatsApp zu erreichen, die Kontaktdaten finden sich auf der Website.
Angelo Glashagel
Autor: redDie Stadt Iwano-Frankiwsk zählt um die 230.000 Einwohner und liegt gute 100 Kilometer südlich von Lwiw. Yuriy Semochko hat diese seine Heimat vor zehn Jahren verlassen, um im Herzen Deutschlands sein Glück zu machen. Er ist, wie man sagt, angekommen im Land. Dem Ukrainer gehört die Fleischerei Brennecke in Niedersachswerfen und mit ein paar Helfern ist er gerade dabei, das alte MTS-Gelände im Ort zu ertüchtigen um hier Wohnungen zu errichten.
Bis vor ein paar Tagen waren das die bestimmenden Punkte seines Alltags. Aber das war vor dem Krieg. Ich hätte nie gedacht, dass das passieren könnte, sagt Semochko. Als die ersten Granaten fielen, weilte seine Frau zu einer Beerdigung in der alten Heimat. Sie ist wohlbehalten zurückgekehrt, aber die Schwester und ihre drei Kinder konnten noch nicht fliehen. Das schlimmste ist, wenn sie hören müssen das ihre kleine Nichte von fünf Jahren zu ihrer Mutter sagt: Mama, Mama, komm in den Bunker, erzählt er.
Putin sei im Kopf wie ein Zar, glaubt Semochko. Der russische Präsident habe imperiale Wunschträume und sei dabei nach einer Sowjetunion 2.0 zu greifen. Die Ukraine steht jetzt zwischen Europa, zwischen der Welt und Russland und dem 3. Weltkrieg. Wenn die Ukraine unter geht, macht er weiter. Der hört nicht auf., befürchtet der Unternehmer. Aber er ist auch überzeugt, dass seine Landsleute nicht aufgeben werden. Die Ukrainer stehen ihren Mann, bis zum Schluss. Mit 1000 Prozent.
Aus dem fernen Deutschland ohnmächtig zu sehen will Semochko nicht. Viele Freunde und auch Verwandte sind noch in der Ukraine und brauchen dringend Hilfe und der Niedersachswerfer ist dabei, genau die in der Region zu organisieren. Und so steht sein Telefon heute morgen kaum fünf Minuten still.
Auf dem MTS-Gelände stehen noch Garagen, die als Lagerplatz genutzt werden können. Jeden Freitag sollen sich von hier aus ein paar Fahrzeuge auf den Weg machen und die Strecke von rund 1.200 Kilometern zur polnisch-ukrainischen Grenze zurücklegen. Im Grenzgebiet würden die Hilfsgüter dann übernommen und weiter im Land verteilt.
Allein gestern kam eine ganze Reihe an Material zusammen, unter anderem medizinische Versorgungsgüter und Erste-Hilfe-Ausrüstung (Foto: agl)
Gebraucht wird vieles, auch militärische Ausrüstung wie Feldanzüge in Tarnfleck, kugelsichere Westen, Helme und Kampfstiefel. Am wichtigsten sei aber medizinisches Material, sagt Semochko: Antibiotika, Verbandsmaterial, Desinfektionsmittel, und, und, und. Die ersten Hilfsgüter hat man bereits zusammentragen können, unter anderem hat der Rettungsdienst Ellrich Ausrüstung zur ersten Hilfe gespendet und auch aus der Kreisstadt erwartet man heute eine Großspende diverser Apotheken. Ebenso händeringend sucht man nach technischer Ausstattung wie Funkgeräten oder Power Banks, also simplen Stromspeichern.
Auf der Website help-ukraine.today sind Listen mit den am drängendsten benötigten Material aufgeführt. Wer selber Spenden abzugeben hat, kann das täglich von 8 bis 18 Uhr auf dem MTS-Gelände am Schützenplatz 1 in Niedersachswerfen tun. Auch die Fleischerei Brennecke steht als Anlaufpunkt für Spenden offen. Herr Semochko ist zudem via WhatsApp zu erreichen, die Kontaktdaten finden sich auf der Website.
Angelo Glashagel



