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Sa, 15:02 Uhr
05.02.2022
Vernichtendes Urteil zu Fehleinschätzung der Kultusminister

"Die KMK hat sich kolossal verrechnet!"

Der Verband Bildung und Erziehung (VBE), dessen Landesverband der tlv thüringer lehrerverband ist, hat eine wissenschaftliche Untersuchung vorgestellt. Diese zeigt auf, wie sich Lehrkräftebedarf und tatsächliches -angebot in Deutschland bis 2030 entwickeln werden...

Das Resultat der von einem der renommiertesten deutschen Bildungsforscher erstellten Expertise bezeichnet der tlv-Landesvorsitzende Rolf Busch als „vernichtend“.

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„Die wissenschaftliche Untersuchung zeigt: Die Kultusministerkonferenz (KMK) hat sich kolossal verrechnet“, resümiert Busch. „Sie geht für das Jahr 2025 von einem Lehrkräftemangel von 20.000 in Deutschland aus – was schlimm genug wäre. Aber tatsächlich wird sich der Mangel bis dahin bereits auf 45.000 belaufen – ein Wert, der um 225 Prozent höher liegt. Für 2030 hat die KMK ein Defizit von 14.000 berechnet, während Prof. Klemm von 81.000 ausgeht. Das sind 580 Prozent mehr. Und das Erschreckende dabei ist: Der durch die drei schulpolitischen Maßnahmen Ganztagsausbau, Inklusion und die Unterstützung von Kindern in herausfordernden sozialen Lagen zusätzlich entstehende Lehrkräftebedarf ist hier noch gar nicht mit einbegriffen.“

Was das für ein Land wie Thüringen bedeute, in dem aktuell fast zwei Drittel der Lehrer:innen über 50 Jahre alt sind, liege auf der Hand, so der tlv-Landesvorsitzende weiter. „Die 580 Prozent zusätzlicher Mangel sind Bundesdurchschnitt, hier bei uns dürfte das noch gravierender ausfallen.“ Schon jetzt gehe der tlv von einem tatsächlichen Bedarf von mindestens 2000 zusätzlichen Lehrpersonen für Thüringen aus – ein Bedarf, der selbst bei einem entsprechenden Einstellungsbeschluss der Landesregierung gar nicht zu decken wäre. „Eine jahrelange Forderung des tlv, nämlich die nach schulscharfen Ausschreibungen, ist nun endlich erfüllt worden. Allerdings zeigt das neue Stellenportal eben auch auf einen Blick, wie schwierig die Situation tatsächlich ist. Wir haben Stand heute 487 unbesetzte Stellen in den Thüringer Schulen. Und das ist nur die Spitze des Eisbergs. Denn viele Stellen werden gar nicht erst ausgeschrieben, da es sowieso keine Bewerber:innen dafür gibt.“

Vor dem Hintergrund der heute vom VBE Bundesverband veröffentlichten Expertise fordert der tlv die Landesregierung dazu auf, „unverzüglich offenzulegen, wie groß die Lücke zwischen Lehrkräftebedarf und Neuangebot an Lehrkräften bis 2030 Thüringen wirklich ist und welche zusätzlichen personellen Ressourcen für Ganztag, Inklusion und die Unterstützung von Kindern in herausfordernden Lagen benötigt werden.“

Darüber hinaus fordert der Verband:
  • die Ausschreibung aller zu besetzenden Stellen
  • die Schaffung zusätzlicher Stellen im erforderlichen Umfang, weil sonst nur der Mangelzustand von 2019 aufrechterhalten wird
  • attraktive, konkrete und transparente Perspektiven für Seiteneinsteiger, wie diese gleichwertige Lehrer werden können
  • frühzeitige Angebote an alle Lehramtsstudierenden (Plätze im Vorbereitungsdienst) und Lehramtsanwärter (Einstellung in den Schuldienst)
  • die flächendeckende Einrichtung von multiprofessionellen Teams, die das Lehrpersonal bei zusätzlichen Aufgaben wie Inklusion, Arbeit mit Kindern aus sozial benachteiligten Familien etc. unterstützen
Autor: red

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Kommentare
Utnapischtim
06.02.2022, 07:05 Uhr
Für den ...
...medizinischen Bereich könnte man doch auch Quereinsteiger nehmen, da herrscht auch Mangel!

Geht es noch? Vielleicht sollten für das Kultusministerium Quereinsteiger gesucht werden, dann klappt es auch wieder mit einer Bildungspolitik, die ihren Namen zu recht trägt.
Ra1n3R
06.02.2022, 08:40 Uhr
32 Jahre CDU Regierung...
... mit einer "kurzen" Stippvisite vom Hol mir mal 'ne Flasche Bier Gazprom Fürsten haben deutliche Spuren hinterlassen. Es hat einen Grund, warum viele Länder die Amtszeiten begrenzen. Es soll u.a. einfach den Stillstand in der Weiterentwicklung verhindert werden. Das Bildungssystem in Deutschland liegt schon sehr lange am Boden und daran ändert dieses neue 3er-Gespann (wenn man sich den Koalitionsvertrag ansieht) auch nix.

Mein Kind ist im Abschlussjahr. Schaue ich mir die Ausfallzeiten aus ihrer Schulzeit an, fehlt ihr mindestens 1 komplettes Schuljahr. Manche Fächer haben überhaupt keine Noten, weil sie schlichtweg nicht unterrichtet werden konnten. Allein in den letzten 5 Jahren gibt es kein Zeugnis, dass nicht in irgendeinem Fach einen "Strich" bei der Benotung beinhaltet. Oder es wird kurz vor Notenschluss schnell irgendwie ein paar Zensuren (mit seltsam einfachen, zum Teil irrelevant en Hausaufgaben) aus dem Hut gezaubert. Das gepaart mit dem Komplettversagen während "Covid" ergibt eine brisante Mischung. Für meine Begriffe wird hier nicht nur fahrlässig, sondern vorsätzlich mit der Zukunft unserer Kinder Russisch-Roulette gespielt.

Die Wartelisten bei Nachhilfezentren (nicht nur in NDH) sind mehr als voll, z. T. über 1 Jahr lang.
Wir haben eine Schulpflicht in Deutschland, die bei Verstößen auch sanktioniert wird. Nur wir können die Verursacher dieses Chaos nicht sanktionieren, bzw haben keine Möglichkeiten Verantwortliche zur Rechenschaft zu bewegen. Warum wird sowas denn nicht bei irgendwelchen "Spaziergängen" thematisiert? Das Bildungsproblem besteht wie o. g. schon viel länger, als Corona. :-(
Herr Taft
06.02.2022, 11:24 Uhr
Schwierig...
So eine Hochrechnung 8 Jahre in die Zukunft ist zwangsläufig nur mit einer Reihe von Annahmen möglich.

Ein Pädagogik-Studium dauert im Schnitt 5 Jahre. Wir wissen wieviele heute studieren und wie viele Studenten in den nächsten 5 Jahren vermutlich ihr Studium beenden. Wir wissen auch wieviele Lehrer altersbedingt in den Ruhestand gehen werden... Und wir wissen, wieviele neu zu beschulende Kinder innnerhalb von 6 Jahren und 9 Monaten da sein werden.

Wir wissen jedoch nicht:
1.Annahme: wieviele Studenten beginnen innerhalb der nächsten 5 Jahre ein Pädagogik-Studium?
2. Annahme: wieviele Studenten brechen das Studium wieder ab?
3. Annahme: Wieviele Lehrer scheiden vor Ihrem Ruhestandsalter aus?
4. Annahme: Wieviele zu beschulende Kinder gibt es ab Jahr 7?... Wieviel zuwanderung/Abwanderung werden wir haben.

Immer wenn man in der Statistik einen Wert nicht kennt, nimmt man einen wie auch immer gearteten Mittelwert oder extrapoliert vergangene Entwicklungen. Beides ist gefährlich, da es sich auf vergangene Werte bezieht, die eben auch vergangenen Einflüssen unterlagen.

Aus dem bekannten kann man recht zuverlässig den Lehrerbedarf ermitteln, allerdings darf das Unbekannte nicht vernachlässigt werden....ohne die Vorgehensweise hier zu kennen: von Verrechnen (also fehlerhaften Ausführen mathematischer Aufgaben) kann nur geredet werden, wenn der Rechenweg bekannt ist. Hier - so scheint es mir - haben die beiden Rechenkünstler einfach nur verschiedene Annahmen getroffen.

Das lässt aber keine Aussage zu, was nun richtig oder falsch ist. Von daher ist der Artikel... naja... Es liest halt wieder jeder das, was er will...
diskobolos
06.02.2022, 16:12 Uhr
Die Forderungen des Lehrerverbandes sind durchaus nachvollziehbar.
Mehr Lehrer wären genau so wichtig, wie mehr Pflegekräfte, mehr Polizisten, mehr Richter, mehr ...
Dem würden wohl die meisten zustimmen. Aber wenn es dann "Mehr Steuern" heißt, kneifen wieder alle. Das eine wird aber ohne das andere nicht gehen.
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