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Mi, 06:45 Uhr
30.11.2005

nnz-Forum: Krankes Haus?

Nordhausen (nnz). Wie soll ein Journalist seine persönliche Meinung zu einer Entwicklung abgeben? Sicher, es bleibt das Genre des Kommentars. Wenn es aber persönlicher werden soll, dann schreibt er sich selbst einen Leserbrief...


Das gemeinsame Morgenmagazin von ARD und ZDF ist eine interessante Sache. In dieser Woche widmen sich die Reporter vor Ort dem kränkelnden Gesundheitswesen. Sie widmen sich insbesondere den Krankenhäusern. Ihren Problemen und ihren Erfolgen. Probleme und Erfolge konnte und kann auch das Nordhäuser Krankenhaus verzeichnen. Momentan ist es wieder in aller Munde – wegen angeblicher Verfehlungen bei Gründungen von Tochtergesellschaften.

Diese reihen sich ein in den – ich will mal so formulieren – laxen Umgang mit Formalien, die überall dort zu verzeichnen sind, wo auch das Landratsamt, insbesondere dessen Chef – Landrat Joachim Claus – die Hände mit im Spiel hatte und hat. Erinnern kann ich mich zum Beispiel an all das, was die Mitglieder des Kreistages nicht zur Kenntnis und nicht zu sehen bekamen, geschweige denn, was sie beschließen konnten.

Ich erinnere mich an viele kommunale Unternehmungen, an denen auch die Stadtverwaltung Nordhausen beteiligt ist, die nach dem bekannten Motto funktionieren – zuschießen, um sie am Leben zu erhalten. Das ist nötig bei der HSB vielleicht oder beim Theater, nicht so notwenig – so sehe ich das – könnte das bei der Innovationsschmiede EC BIC sein. Guckt man sich als unbedarfter Bürger zum Beispiel mal den Beteiligungsbericht der Stadtverwaltung für das Jahr 2004 an, da könnte es mir richtig schlecht werden. Dieses BIC hat im Jahr 2003 einen aufgelaufenen Verlust von mehr als zwei Millionen Euro eingefahren, die Stadtverwaltung musste erneut zuschießen – rund 35.000 Euro für ihren lächerlichen Anteil am Grundkapital.

Hingegen das Südharz-Krankenhaus. In dessen Bilanz ist ein erwirtschafteter Gewinn in Höhe von 218.000 Euro für das Jahr 2003 ausgewiesen. Im vergangenen Jahr wurde ein Millionengewinn erwirtschaftet, der auch an die Mitarbeiter ausgeschüttet wurde. Und so könnte denn das Südharz-Krankenhaus eine kommunale Unternehmung sein, über die man sich freut. Und gerade dieser Gewinn aber ist es – so vermute ich – der einigen Menschen in dieser Stadt ein Dorn im Auge ist. Es können so viele nicht sein, die sich darüber nicht freuen können. Zum Beispiel nicht die rund 1.800 Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter oder deren Familien.

Sicher ist es das Recht von Gesellschaftern an diesem Gewinn teilzuhaben. Es ist es auch, wenn Sie – außer dem Gründungskapital – keinen Cent mehr dazugegeben haben. Moralisch zwar nicht unbedingt integer, doch in der Politik bleibt die Moral sowieso auf der Strecke. In der großen wie in der kleinen Politik übrigens.

Lange habe ich über das Motiv nachgedacht, mit dem das Nordhäuser Rathaus nun dem Geschäftsführer des Krankenhauses den Garaus machen will. Liegt es daran, das man Antonius Pille eher dem konservativen Politlager in Nordhausen zurechnet und das als Sozialdemokrat nicht gutheißt? Liegt es daran, das Antonius Pille eher mit Menschen mal ein Bier trinkt, die man selbst persönlich nicht mag? Liegt es etwa daran, dass man noch einige Nachtretübungen veranstaltet, die ihren Ursprung in den Gefechten des Rettungsdienstzweckverbandes haben?

Diese Antworten sind es nicht, obwohl jene klitzekleinen Nebenkriegsschauplätze dankend nicht vergessen werden. Nein! Es ist das Geld, ganz einfach das Geld, das unter anderem der Stadtverwaltung fehlt. Zum Beispiel die vier Millionen Euro, die man in den Vermögenshaushalt für den diesjährigen Haushalt eingestellt hatte. Geld her oder wir bringen dich an den Pranger – das ist die einfache Spielregel. Und sie funktioniert meistens.

Für mich steht fest, dass sich Antonius Pille samt des politiübergreifenden Aufsichtsrates in den Fragen der Neugründungen von Gesellschaften nicht an festgelegte Spielregeln gehalten hat. Dafür könnte er die „Gelbe Karte“ bekommen. Nur diejenigen, die diese austeilen, die sollten sich eine Frage gefallen lassen: Haben sie noch nie einen Fehler gemacht?

Mit einer gelben Karte ist man verwarnt, es ist ein ernstgemeinter Hinweis, künftig an die Spielregeln zu denken, sie nicht zu vernachlässigen. Auch dann nicht, wenn dem Unternehmen nachweislich kein Schaden entstanden ist. Ich kann mich deshalb in diesem Leserbrief eigentlich in vielen Zeilen denen des ehemaligen ärztlichen Direktors Dr. Klaus Gebhardt anschließen, der nicht unbedingt dem konservativen Politlager zugehörig erscheint. Ich muß ihn und seinen Kollegen im Aufsichtsrat, im Kreistag und im Stadtrat allerdings auch fragen, ob es denn erst eines Aufklärers namens Matthias Jendricke als Bürgermeister der Stadt Nordhausen bedurfte, um hier Licht in das Dunkel zu bringen?

Die politische Taschenlampe hatten alle in der Hand. Schließlich steht es im städtischen Beteilungsbericht 2004 (Zahlen von 2003) schwarz auf weiß, dass das Krankenhaus Tochterunternehmen gegründet hat. Und dann gibt es da auch noch eine Internetzeitung, die über all diese Vorgänge (PBG, Hilfswerk, Medizinisches Versorgungszentrum) bereits berichtete. Nicht erst in diesem Jahr.

Kommen wir zurück zum ARD-Morgenmagazin, das auch morgen wieder über die Krankenhauslandschaft in diesem Deutschland berichten wird. Sie hat sich in den vergangenen Jahren grundlegend verändert. Sie ist einfach „privater“ geworden. Und obwohl – im Rathaus und im Kreishaus, im Stadtrat und im Kreistag – immer wieder betont wird, dass man das Südharz-Krankenhaus nicht verkaufen will, glaube ich eher das Gegenteil und sehe einige Dollarstücken in den Augen glänzen. Ich erinnere mich da gern an die Fußballszene. Da wird ein Trainer dann entlassen, wenn einen Tag zuvor vom Präsidium das Gegenteil behauptet wurde. Schließlich macht nicht nur Liebe blind. Auch Geld.
Peter-Stefan Greiner, Nordhausen
Autor: nnz

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