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Mi, 17:09 Uhr
16.11.2005

nnz-jukebox: Drehen & Leiern

Nordhausen (nnz). Freuen Sie sich auch nicht auf die nächste Staffel von DSDS? Wollen Sie stattdessen mal etwas ganz anderes, wahrhaft „unerhörtes“ kennen lernen?

Hurdy Gurdy
„Prototyp“
(Westpark Music)


Es gibt Instrumente, die sich hervorragend dafür eignen, in wilden Solopassagen auf der Bühnen hüpfend hinter dem Kopf gespielt zu werden. Die Drehleier gehört nicht dazu. Es gibt aber auch Musikgeräte, die in der Vielfalt ihrer Möglichkeiten und Komplexität ihres Aufbaus absolut faszinierend sind. Dazu gehört die Drehleier auf alle Fälle.

Der Musiker Stefan Brisland-Ferner beschäftigte sich intensiv mit der Hurdy Gurdy (so der englische Name der Drehleier) und kam bald zu dem Schluss, dass es sich bei dem ulkigen Kasten um den Synthesizer des Mittelalters handelt. Gemeinsam mit seinem Kollegen Hallbus Totte Mattson machte er sich daran, diese These zu beweisen. Das Ergebnis heißt „Prototyp“ und erschien dieser Tage bei Westpark Music.

Wie aber soll der Rezensent die 12 Titel beschreiben, in denen Mattsen und Brisland-Ferner nicht nur drehen und leiern, sondern gesampelte Töne dazumischen, die sie vorher mit speziellen Mikrophonen der Hurdy Gurdy abgelauscht haben? Auch der Protagonist hat da so seine Schwierigkeiten. „Die Schönheit ihrer Musik liegt darin begründet, dass es so fragil klingt, wenn etwas so Ungehobeltes etwas Wunderschönes singen möchte“, stellt der Schwede fest und meint damit sein Instrument.

So entwickelt sich auf dem Album eine faszinierende Klangwelt, wie sie von einer ganzen Reihe Saiteninstrumente vorstellbar wären – nur nicht von einer Drehleier. Diese Auseinandersetzung mit der Hurdy Gurdy ist eine ungeahnte Bereicherung der Folkmusik und rückt das spröde wirkende Instrument in ein ganz anderes Licht. Drei Eigenkompositionen und neun bearbeitete traditionelle Folkmelodien geben akustisch Zeugnis von einer bisher unerhörten Musik.

Und nochmals Stefan Brisland-Ferner: „Alles, was hier zu hören ist, sind originale Drehleier-Sounds. Für uns repräsentiert diese CD das Ende einer Suche, gleichzeitig aber auch einen Start. Wir haben die Mittel und Möglichkeiten klar vor Augen. Diese unsere Welt aus Holz, Natursaiten, Kurbeln und Laptops sieht ganz klein aus, aber wir sind stolz auf sie.“ Dazu haben die beiden Musiker allen Grund.
Olaf Schulze
Autor: osch

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