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Mi, 11:30 Uhr
22.12.2021
Pfarrer Riechelmann im Gespräch

Der Glaube gibt Kraft für das neue Jahr

Gerade einmal sechs Monate hatte Pfarrer Steffen Riechelmann Zeit, seine katholische Gemeinde unter normalen Umständen kennenzulernen, dann kam Corona. Vor dem Weihnachtsfest haben wir mit ihm über Kraft und Glauben in Zeiten der Pandemie und die Aufgaben der Seelsorge gesprochen…

Steffen Riechelmann leitet seit August 2019 die katholische Pfarrgemeinde in Nordhausen (Foto: agl) Steffen Riechelmann leitet seit August 2019 die katholische Pfarrgemeinde in Nordhausen (Foto: agl)

Ein halbes Jahr ist keine lange Zeit, um Viereinhalbtausend Menschen kennen zu lernen. So groß ist die katholische Gemeinde rund um Nordhausen. Neben der Domgemeinde in der Kreisstadt gehören auch Bleicherode, Sollstedt und Ellrich sowie ein Teil des Kyffhäuserkreises dazu.

Steffen Riechelmann kommt im August 2019 aus dem Eichsfeld nach Nordhausen und tritt hier sein Amt an. Seitdem habe man in der Gemeinde wie auch persönlich ein ziemliches „Auf- und Ab“ erlebt. „Es gibt die Momente, da denkt man: du lieber Gott, wo soll das alles noch hinführen. Und es ist nicht klar, ob der alte Zustand jemals wieder zurückkehren wird. Ich denke manches wird anders bleiben. Aber ich bin eher ein optimistischer Mensch und bin bisher ganz gut durch die Krise gekommen. Wir haben ein gutes soziales Netz und in unserer kleinen Gemeinde gibt es viele, die mitmachen. Eigentlich waren es gute Jahre.“, erzählt der Pfarrer im Gespräch mit der nnz.

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Als Christ und studierter Theologe blickt der Pfarrer auch mit dem Blick des Glaubens auf die Corona-Krise. „Wo Leben existiert und sich verändert, da gibt es auch Gefahren. Das ist Teil der Schöpfung. Die Pandemie ist keine „Strafe Gottes“, das wäre Unsinn. Es ist Teil der Geschichte, so etwas hat es zu allen Zeiten gegeben. Man wird in das Leben hineingeworfen und darf sein Glück machen, aber Leid und Tod sind nicht wegzudiskutieren. Und in solchen Zeiten kann man auch näher zu Gott kommen und sein Leben überdenken“.

Wichtig sei letztlich, dass man sehe was man tun könne, um nicht schutzlos zu sein, sagt Riechelmann. Er habe in den zurückliegenden Monaten viel Hilfsbereitschaft und Freundlichkeit erlebt, dabei aber auch gesehen, das viele eine schwere Zeiten durchmachten. Als der Virus Anfang 2020 seinen Zug durch das Land antrat, musste man auf Telefon und Post setzen, um die Gemeindemitglieder zu erreichen. Manch fester Ritus, wie ein letzter Besuch bei einem Sterbenden, ein letztes Sakrament, war damals nicht möglich. Inzwischen habe man diverse Lernprozesse durchlaufen und vieles sei wieder einfacher. Im Pfarrbüro versuche man so präsent wie möglich für die Leute zu sein und auch unter schwierigen Bedingungen Angebote zu machen. Das sei zwar weniger als früher, aber es gebe eine treue Kerngemeinde, die Sonntags zur Messe kommt.

„Unsere Kernaufgabe ist die Seelsorge, deswegen bin ich Pfarrer geworden, deswegen habe ich diesen Lebensweg gewählt. Wir sind Wegbegleiter an den Wendepunkten des Lebens, den schönen und den schweren. Die Älteren kommen scheinbar besser mit der Situation klar, als die Jüngeren, dafür drückt hier oft die Sorge vor Einsamkeit auf die Seele. Man macht sich Sorgen um die Familie, auch Unabhängig von Corona. Und wenn man jemanden begleitet, der mit einer wirklich schweren Krankheit zu ringen hat, werden die eigenen Probleme schnell klein.“, sagt der Theologe. Der Christ Riechelmann fühlt sich von Gott begleitet und speist daraus seinen Optimismus für das neue Jahr. „Wir hatten am Sonntag einen Radiogottesdienst, der vom MDR übertragen wurde. Danach kamen Rückmeldungen von Freunden und Gemeindemitgliedern aus dem ganzen Land, das war ein sehr schönes Erlebnis. Die Weihnachtsgottesdienste sind gerade jetzt wichtig. Hier können wir Kraft tanken für das was kommt und mit positiver Energie in das neue Jahr gehen“.

Die Weihnachtsmessen in Nordhausen werden am 24., 25. und 26. Dezember stattfinden, ein Besuch ist allerdings nur nach vorheriger Anmeldung möglich. Man sei in der glücklichen Lage im Dom ausreichend Platz für rund 160 Menschen zu haben, eine Maskenpflicht werde es aber dennoch geben, erklärt Riechelmann. Im Gotteshaus soll das Ansteckungsrisiko nicht höher sein als auf der Straße. Die Pfarrer im Ruhestand Richard Hentrich und Günther Albrecht haben sich bereits erklärt in der Weihnachtszeit auszuhelfen, sodass in der gesamten Pfarrgemeinde Gottesdienste möglich sein sollen.
Angelo Glashagel
Autor: red

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Kommentare
Real Human
22.12.2021, 17:10 Uhr
„Gott+“! Ich bin dein Mensch!
Klar, wer es da wieder mal nicht lassen kann. Es ist wieder der die das Mensch, welche(r,s) sich mit Themen beschäftigt, die den Allermeisten die allermeiste Zeit „am Allerwertesten vorbeigehen“.

Bevor die Allermeisten nun gar nicht erst weiterlesen:
Diese Artikel-Überschrift könnte auch ich unterschreiben, wenn ich an die fromme Botschaft auch so richtig glauben könnte.

Mit meiner Kommentar-Headline will ich im Zeitalter der Überschriften und Schlagzeilen deshalb gleich zu Beginn auf den FilmMittwoch im Ersten hinweisen. Das gute alte „Erste“ wirft heute mit dem Spielfilm, „Ich bin dein Mensch“, die Frage auf, was die großspurig propagierte Industrie 4.0 noch so für die Menschheit bereithalten könnte.

Das griechische Alphabet hat nur 24 Buchstaben. Wenn es danach ginge, müsste mit Corona irgendwann einmal Schluss sein. Die Zahl der durch Menschen geschaffenen Technologien scheint dagegen nach oben hin offen zu sein?

Im Film ist der Android Tom zunächst der humanoide Diener der Orientalistin Alma, danach ihr Ehepartner. … Der Filmtitel macht aus Alma schließlich die Mensch*in der KI – quasi ihr biologisch funktionierendes Haustier. Werden wir irgendwann alle zu Haustieren einer Allgemeinen Künstlichen Superintelligenz?

Dass diese Frage nicht trivial oder gar blödsinnig ist, sehen wir täglich, wenn Menschen auf ihren kleinen Taschengöttern herumwischen und tippen. Wer führt da eigentlich wen z.B. durchs Straßenlabyrinth? Noch ist alles von menschlichen Programmierern ausgedacht worden. Aber „Humankapital“ kostet nun mal ...

Spätestens, wenn es auch „elektronische Priester“ gibt, könnte dies auch für Pfarrer Steffen Riechelmann relevant werden. Wenn man danach googelt, findet man in Google Books unter „Sakrament und Kruzifix: Vom Glauben und Wissen“ von Walter Plasil einen interessanten Absatz darüber, wie man dem Priestermangel in vielen europäischen Ländern begegnen könnte. Das wäre aber vielleicht erst der Anfang …?

Ein Nachdenkliches Christfest und ein hoffentlich besseres 2022!
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