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Di, 20:29 Uhr
14.12.2021
nnz-Forum

Schafe als Indiz für eine verfehlte Naturschutzpolitik

In diesen Tagen wurde bekannt, dass die Zahl der gehaltenen Schafe in Thüringen innerhalb eines Jahres um 6 Prozent zurückgegangen ist. Bodo Schwarzberg sieht darin ein Armutszeugnis für die Thüringer Naturschutzpolitik...

Dass die Zahl der Schafe im Freistaat so deutlich gesunken ist, widerspricht den Äußerungen der grünen Umweltministerin, den Zustand der Flora-Fauna-Habitat-Gebiete (FFH-Gebiete) mit ihren Lebensraumtypen von gemeinschaftlicher Bedeutung zu verbessern. Millionen von Euro werden an Landschaftspflegeverbänden bzw. so genannte Natura 2000-Stationen, bzw. für Hotspot-Projekte des Artenschutzes gezahlt, die nach Jahren des Fastnichtstuns im Freistaat (die FFH-Richtlinie stammt von 1992!) nun endlich der Erhaltung und Förderung der ungebremst abnehmenden Biodiversität dienen sollen.

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Allerdings dürfte nach Ablauf der Förderungen oft nicht klar sein, wie es auf vielen Flächen mit der Bewirtschaftung weitergeht. Dabei kann auf vielen Flächen u.a. nur eine kontinuierliche, extensive und naturschutzfachlich geeignete Bewirtschaftung etwas gegen den Artenschwund bewirken. Auch die Qualität mancher Maßnahmen muss hinterfragt werden.

Wie aber ist es angesichts der immer länger werdenden Roten Listen gefährdeter Arten überhaupt möglich, dass die Zahl der Schafe abnimmt? Jener Tiere also, die in Hütehaltung als Flaggschiff einer naturverträglichen Bewirtschaftung betrachtet werden können?

Nicht einmal die von Frau Siegesmund vor mehreren Jahren beschlossene zusätzliche "Schaf-Ziegen-Prämie" hat den Schäfern offenbar geholfen. Traurig für Siegesmund, traurig für die Schäfer, traurig für den Naturschutz.

Da sollte sich die grüne Ministerin nun aber schnell etwas Grundlegendes einfallen lassen, wenn sie noch einen Rest Glaubwürdigkeit behalten will. Sie sollte nicht nur einen, sondern viele große Schritte auf die schafhaltenden Betriebe zugehen und dabei tatsächlich wirksame Angebote mit im Gepäck haben.

Für uns ehrenamtliche Artenschützer vom BUND-Kreisverband bedeuten solche Meldungen letztlich nur eines: weiter Mähen fast ohne Geld, um politische Willensbekundungen ganz konkret an den bedrohten Arten mit nachgewiesener Wirksamkeit umzusetzen, das heißt, den in Abwesenheit von offiziellen Projekten unschlagbaren Vorteil der langjährigen Kontinuität für das Wohl der Biodiversität einzusetzen:

Unser Staat jedenfalls ist meist nicht bzw. nicht immer über längere Zeit in der Lage, jene Flächen zu erhalten, auf denen zahlreiche bedrohte Pflanzen- und damit auch Tierarten, nicht selten in letzten Nischen, leben. - Es gibt (fast) keine Schafherden mehr.

Bodo Schwarzberg
Mitglied BUND-Kreisverband Nordhausen


Autor: red

Anmerkung der Redaktion:
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Kommentare
Andi Macht
14.12.2021, 22:45 Uhr
Warum Schafe halten?
Ich bin selbst Schaf- und Ziegenhalter. Ich bin gerade dabei meinen Bestand aufzugeben. Ich kann Ihnen nur noch Gründe gegen die Weidetierhaltung nennen.
Wohin mit dem Fleisch, was keiner essen will? (Außer unsere neuen Mitbürger, die aber ohne Betäubung schlachten und deshalb meine Tiere nicht bekommen)
Was soll ich mit der Wolle machen, wofür ich auch noch die Schur bezahlen muss?
Wer übernimmt die Haftung, wenn die Tiere ausbrechen und auf die Autobahn laufen? (Zum Glück noch nicht passiert)
Darf ich mir auch einmal einen Tag frei nehmen oder einfach nur meine Krankheit auskurieren?
Warum steht hinter jedem Tier eine rote Zahl?
Auf alle diese Fragen habe ich keine Antwort und habe aus Überzeugung doch Schafe und Ziegen gehalten. Als Dank jubeln alle, weil der Wolf endlich hier ist. Und verweisen auf Herdenschutz und Entschädigung.
Für mich ist das jetzt der Tropfen, der das Fass zum überlaufen bringt.
Für mich ist jetzt Schluss mit der Tierhaltung.
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