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Mi, 16:06 Uhr
03.11.2021
Unprofessionelle Hilfe verhindert Strafverfolgung

Sexuelle Gewalt in der Familie

Wenn den Betroffenen sexueller Gewalt in der Familie nicht von Dritten geholfen wird, befinden sie sich häufig in einer beinahe ausweglosen Lage. Für betroffene Kinder ist es deshalb besonders wichtig, dass Außenstehende ihre Hinweise und Signale frühzeitig erkennen und angemessen darauf reagieren...

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In der vor wenigen Wochen von der unabhängigen Kommission zur Aufarbeitung sexuellen Kindesmissbrauchs veröffentlichten Studie „Sexuelle Gewalt in der Familie – gesellschaftliche Aufarbeitung sexueller Gewalt gegen Kinder und Jugendliche von 1945 bis in die Gegenwart“ sprechen die Autoren deshalb von der gesellschaftlichen Verantwortung bei der Interpretation und der Reaktion auf Hinweise und Warnsignale.

Aus der Sicht von Diplom-Psychologin Katrin Gossow von der Rechtspsychologischen Begutachtungsstelle des TÜV Thüringen ist es damit aber nicht getan: „Die gesellschaftliche Verantwortungsübernahme durch ungeschulte Personen ist nicht ausreichend und kann trotz bester Absichten sogar hinderlich sein, wenn es später um die Strafverfolgung der Täter geht“, warnt die Expertin.

Aussagepsychologisch bergen Befragungen von Kindern immer das Risiko einer Verfälschung von Erinnerungen, im Extremfall können sogar Pseudoerinnerungen hervorgerufen werden. Werden die Befragungen nicht professionell von erfahrenen Experten durchgeführt, können selbst kleine Fehler im schlimmsten Fall eine eigentlich gerechtfertigte Anklage oder Verurteilung verhindern. In der Praxis heißt das, dass sich die gesellschaftliche Verantwortung nicht auf das Erkennen von oft subtilen Hinweisen und darauf folgende Befragungen durch Laien beschränken darf. Stattdessen ist es gerade für die Strafverfolgung essenziell, dass betroffene Kinder schnell in Kontakt mit Experten gebracht werden und von diesen professionelle Hilfe erhalten.

Damit sich Kinder auch selbst helfen können, ist die Schulung persönlichkeitsfördernder Kompetenzen bereits ab dem Grundschulalter sinnvoll. Eine positive Persönlichkeitsentwicklung hilft dabei, sich besser gegenüber Eltern abgrenzen und im Fall der Fälle auch aus missbräuchlichen Familiensystemen lösen zu können. Zur Unterstützung dieses wichtigen Prozesses existieren bereits seit einiger Zeit Programme wie „Mein Körper gehört mir“, das ReSi-Förderprogramm und IPSY, die Kinder und Jugendliche unterschiedlicher Altersgruppen zur Einschätzung unklarer Situationen, dem Aufzeigen von Grenzen und dem Finden von adäquater Hilfe befähigen sollen.

Ein wichtiger unterstützender Schritt könnte die Verankerung der Kinderrechte im Grundgesetz darstellen, um ein gesellschaftliches Umdenken voranzutreiben. Bis dahin sollte aber auf keinen Fall gewartet werden: Schon jetzt müssen die Grundsteine gelegt werden, indem deutlich mehr als bisher in die psychische Gesundheit unserer Kinder investiert wird. Letztlich handelt es sich hierbei um eine langfristige gesellschaftliche Aufgabe, da sich die Vorstellungen von Rollenbildern und Sexualität grundlegend verändern müssen.
Autor: red

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Kommentare
DDR-Facharbeiter
04.11.2021, 14:47 Uhr
Besser Aufklärung über Geschlechtsverkehr und Kinderzeugung bereits vor der Geschlechtsreife".
"Damit sich Kinder auch selbst helfen können, ist die Schulung persönlichkeitsfördernder Kompetenzen bereits ab dem Grundschulalter sinnvoll. Eine positive Persönlichkeitsentwicklung hilft dabei, sich besser gegenüber Eltern abgrenzen und im Fall der Fälle auch aus missbräuchlichen Familiensystemen lösen zu können."
Das klingt in meinen Ohren alles ziemlich weltfremd.
Den schwulstigen Begriff :" persönlichkeitsfördernde Kompetenzen" ersetze ich durch "Aufklärung über Geschlechtsverkehr und Kinderzeugung bereits vor der Geschlechtsreife". In den vierziger Jahren wussten wir Knaben nicht, wie Kinder gezeugt werden. Der Storch hatte ausgedient. Wir wussten noch nicht einmal, dass die Mädchen untenrum anders ausgestattet sind. In den 50er Jahren erschienen erstmals in der DDR Biologie-Bücher mit Abbildungen von Geschlechtsteilen. Die Väter hatten die Pflicht, spätestens zur Konfirmation das Söhnchen aufzuklären. Gelang anscheinend nicht immer..
Eine Aufklärung über die schlimmen Absichten von körperkontaktsuchenden Erwachsenen gab es nicht. Das alles sollte heute bereits vor der Geschlechtsreife in Lehrprogramm der Grundschule freimütig den Kindern beigebracht werden. Dann müssen sie nicht wie wir früher im Konversations-Lexikon und heute im Internet-suchen. Dann braucht es auch hinterher nicht Psychologen vom TÜV.
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