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Mo, 11:36 Uhr
25.10.2021
nnz-Forumsbeitrag von Hans Georg Backhaus

Danke, Heidelore Kneffel!

Vor wenigen Tagen würdigten wir die großen Verdienste Heidelore Kneffels um die „Dichterstätte Sarah Kirsch“ in Limlingerode. Grund war ihr Abschied aus dem Vorstand des Fördervereins, dem sie von Beginn an angehörte und sich dort als treibende Kraft und engagierte Freundin deutscher und internationaler Lyrik hervortat. Hans Georg Backhaus hat weitere Gründe, dank zu sagen...

Heidelore Kneffel dankt nnz-Autor Han Georg Backhaus (Foto: HG Backhaus) Heidelore Kneffel dankt nnz-Autor Han Georg Backhaus (Foto: HG Backhaus)

Es gab schon Jahre früher Grund für eine Verabschiedung, an der ich teilnahm und ein kleines „Loblied“ auf sie halten durfte…

Es war im Juni 2005. Da fand im historischen Plenarsaal des Landratsamtes Nordhausen die Verabschiedung von Heidelore Kneffel als Pressesprecherin statt. Viele Jahre stand ich als Mitarbeiter ihr zur Seite. Und ich hatte und habe ihr vielerlei zu verdanken. Im Rahmen einer Feierstunde nahm ich die Gelegenheit wahr, auf meine Weise ihr für die kollegiale Zusammenarbeit wie folgt zu danken:

„Die Erinnerung ist das einzige Paradies, aus dem wir nicht vertrieben werden können.“ Das hat einmal der bekannte Dichter Jean Paul gesagt. Und so ist auch der heutige Tag für mich persönlich weniger ein Tag des Abschieds, als vielmehr ein Tag für Erinnerungen und nicht zuletzt ein Tag um Dank zu sagen. Und dieser Dank gebührt Heidelore Kneffel.

Ich habe hier und heute nicht vor, ein Resümee zu ziehen über die Lebens- und Arbeitsweise von Heidelore Kneffel, ihre Art des Anpackens dienstlicher Aufgaben oder gar der Dinge, die sie sich selbst und weit über ihre Pflichtaufgaben hinaus täglich neu zum Ziel gesetzt und schließlich auch verwirklicht hat.

Nein, ich möchte meinen Dank auf etwas andere Weise zum Ausdruck bringen, nämlich mit Geschichten, Kuriositäten, die der Alltag für uns bereithält, wenn man nur mit offenen Augen und Ohren durchs Leben geht.

Der Name Kneffel bietet bietet ja schon einen Menge Zündstoff und auch Schreibmöglichkeiten. Was habe ich in den vielen Jahren als Mitarbeiter an ihrer Seite da alles hören und vor allem lesen können! Spitzenreiter waren die Schreibweisen Knessel, Kressel und Kreffel, gefolgt von Kriffel, Kliffel, Kniffel und Knissel. Das sind aber nur die Schreibvarianten auf Briefen an die Pressestelle, derer ich mich noch erinnere. Aber immerhin – alle Post kam an.

Gerne denke ich noch an das Jahr 1993 zurück, als in Heidelore Kneffel der Gedanke reifte, ein Jahrbuch des Landkreises Nordhausen herauszugeben. Das Erste sollte die Jahre von 1990 bis 1993 beinhalten. Aus der Idee wurde Wirklichkeit. Landrat Joachim Claus schrieb in seinem Geleitwort: „Das zukünftig alljährlich herauskommende Buch möchte die Möglichkeit eröffnen, Rückschau zu halten und daraus Kraft für das Zukünftige zu schöpfen. Es soll eine Dokumentation darstellen, die auch den kommenden Geschlechtern aufzeigt, was in unserer Region passiert, wie das entstand, was sie vorfinden.“

Frau Kneffel bat mich, auch einen Beitrag für das erste Jahrbuch zu verfassen. Ich fühlte mich sehr geehrt und beschäftigte mich auf 11 Seiten mit dem Thema des D(d)emokratischen Aufbruchs in unserem Landkreis. Das Jahrbuch wurde schließlich zur Tradition und zu einem Bestseller unter den Publikationen unserer Region. Das ist in erster Linie der Verdienst von Heidelore Kneffel. (…)

Das Leben schreibt bekanntlich die schönsten Geschichten. Eine solche, zunächst mit einer telefonischen Hiobsbotschaft beginnende, erlebten wir am 27. Juli 1995. Aufmerksame Bürger riefen in der Pressestelle an, dass die SWG zurzeit die Wohnhäuser auf der westlichen Seite der Rautenstraße saniere. Nun sei die Außenfassade dran, und gegenwärtig würden die nördlichen Giebelseiten der Häuser zur Wärmedämmung mit Schaumstoffplatten überklebt. Zwei der so genannten Ritzzeichnungen des Gothaer Künstlers Otto Kayser seien schon ein Opfer der Dämmwut geworden.

Heidelore Kneffel war außer sich. Umgehend setzte sie sich mit der SWG und der Stadtverwaltung in Verbindung und forderte in einem Gespräch mit dem damaligen Bürgermeister Klaus Wahlbuhl demonstrativ den sofortigen Stopp der Arbeiten und die „Befreiung“ der Kunstwerke von den Dämmstoffen. Heute wissen wir und können uns täglich davon überzeugen: Die Kunst am Bau wurde gerettet – dank der Beherztheit Heidelore Kneffels.

Und was heute nicht fehlen darf: Unser aller Dank – ganz gleich, ob nun mehr oder weniger von der Muse geküsst – gilt ihr für die Rettung eines alten Pfarrhauses in Limlingerode. Damit erwachte ein fast vergessener Ort, ganz weit im Westen unseres Kreises gelegen, zu neuem Leben, zu Dichterleben.

Hier wurde Sarah Kirsch 1935 geboren. Das Geburtshaus der Lyrikerin hatte es Heidelore Kneffel angetan. Nach der Wende schickte sie einen rostigen Nagel an Sarah Kirsch, den sie am Geburtshaus gefunden hatte (die Kirsch sammelte nämlich rostige Nägel und Kneffel hatte Kenntnis davon). In der Folge entwickelte sich eine wunderbare Freundschaft.

Und Heidelore Kneffel hatte eine Vision, und zwar die, eine Dichterstätte aus der ehemaligen Pfarre entstehen zu lassen und das Haus vor dem Verfall zu retten. Die Visionärin fand weitere Mitstreiter. Ein Förderverein trieb das Vorhaben voran. Am 30. November 2002 schließlich war großer Bahnhof in Limlingerode angesagt. Im Beisein des thüringischen Landesvaters Bernhard Vogel und weit über 100 Lyrikbegeisterten wurde die „Dichterstätte Sarah Kirsch“ eröffnet.

Seit 1997 veranstaltet der Förderverein unter dem Signet des Taufengels die „Limlingeröder Diskurse“. Sie sind inzwischen zu einer festen Größe auf der poetischen Landkarte unseres deutschen Vaterlandes geworden, schafften es gar auf die Feuilleton-Seiten namhafter Zeitungen. Maßgeblichen Anteil daran hat ganz zweifellos Heidelore Kneffel. (…) Die Dichterstätte ist zu ihrem zweiten Zuhause geworden. (…)

Soweit mein (leicht gekürzter) Vortrag aus dem Jahr 2005. Das von mir so beschriebene „zweite Zuhause“ - die Dichterstätte - ist für Heidelore Kneffel fortan Geschichte. Sie sah für sich die Zeit gekommen, zumindest die „erste Reihe“ zu verlassen. Mehrere Gründe hat es dafür gegeben. Die Freunde von Kunst, Literatur und Geschichte aber werden auch künftig von ihr hören – und lesen. Und das ist gut so.

Den nunmehr Verantwortlichen an der Spitze des Förderverein der „Dichterstätte Sarah Kirsch“ sind für künftige Aktivitäten eine „glückliche Hand“ zu wünschen. Manches wir wohl im Sinne Heidelore Kneffels weitergeführt, vieles wird anders werden. Schon bald wird sich zeigen, wie sich die Lyrikstätte in Limlingerode unter veränderter Führung präsentiert.
Hans-Georg Backhaus


Dank an Heidelore Kneffel (Foto: HG Backhaus)
Dank an Heidelore Kneffel (Foto: HG Backhaus)
Dank an Heidelore Kneffel (Foto: HG Backhaus)
Dank an Heidelore Kneffel (Foto: HG Backhaus)
Dank an Heidelore Kneffel (Foto: HG Backhaus)
Autor: red

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