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Mo, 07:14 Uhr
24.10.2005

nnz-Interview: „Guten Morgen, Frau Dohle!“

Nordhausen (nnz). Es sind die letzten Wochen, in denen Rudolf Mund das Sagen in der Nordhäuser Kreissparkasse hat. Zum 31. Dezember endet sein Vertrag. Die nnz hat sich mit dem Sparkassendirektor über Vergangenes, Gegenwärtiges und Zukünftiges unterhalten.


nnz: Für viele Nordhäuser kam Ihre Entscheidung, Ende dieses Jahres den Dienst zu quittieren, doch ziemlich überraschend. Was waren die Motive?

R. Mund: In diesem Jahr läuft mein dritter Fünf-Jahres-Vertrag als Vorsitzender des Vorstandes unserer Sparkasse aus. Ich werde im nächsten Jahr 60 Jahre alt und habe teilweise erhebliche gesundheitliche Probleme. Am 1. April des kommenden Jahres würde ich auf 42 Dienstjahre in der Sparkassenorganisation zurückblicken können. Alles zusammen betrachtet, habe ich den Entschluss gefasst, dass ab 31. Dezember dieses Jahres ein Leben nach der Sparkasse beginnt. Meine Frau und ich freuen uns sehr darauf.

nnz: Und das war alles?

R. Mund: Ich will nicht verhehlen, dass auch die vielen neuen gesetzlichen Regularien durch die Aufsichtsbehörden und zusätzlich durch die EU mir den Spaß an der Arbeit ein wenig verdorben haben. Besonders im Kreditgeschäft ist in den zurückliegenden Jahren eine Regulierungsflut über uns hereingebrochen, die kaum noch Luft zum Atmen lässt. Und ich denke, das wird in den nächsten Jahren nicht viel besser. Ich erwarte eher das Gegenteil.

nnz: Sie verfügen nun über 15 Jahre Osterfahrung. Was waren in dieser spannenden Zeit die spannendsten Momente?

R. Mund: Der erste richtig spannende Moment war im Mai 1990. Da kam ich zur Kreissparkasse Nordhausen als Berater und wollte am Markt in das Gebäude der Sparkasse. Davor eine lange Schlange von Menschen. Ich ging daran vorbei und wurde natürlich auf die charmante Nordhäuser Art gefragt, wohin ich denn wolle? „Ich arbeite hier“, meinte ich. Daraufhin die kurze barsche Antwort: das könne jeder sagen. Das war schon richtig spannend, genauso wie die Verwaltungsratssitzung, in der ich zum Vorsitzenden des Vorstandes gewählt wurde. An dieser Stelle möchte ich mich ganz herzlich bei Landrat Claus, den anderen Mitgliedern des Verwaltungsrates, vor allem aber bei meinem Vorgänger Herbert Paulmann für ihre Hilfe und Unterstützung bedanken.

Weitere spannende Momente waren auch die Eröffnung der Hauptstelle am Kornmarkt im Juni 1992 und der Monatsultimo März 1993. Damals erreichten wir die stolze Bilanzsumme von einer Milliarde DM. Heute pendelt diese Summe knapp unter der Marke von einer Milliarde Euro.

nnz: Was werden Sie ab dem 1. Januar 2006 am meisten vermissen?

R. Mund: Ganz klar, das sind die Mitarbeiter in unserem Haus. Der Altersdurchschnitt liegt derzeit bei 34, 35 Jahren. Das bedeutet, dass viele Kolleginnen und Kollegen ihre ersten Sparkassen-Schritte Anfang der 90er Jahre gemacht haben, und ich ihre Entwicklung mit begleiten konnte. Viele habe ich eingestellt, zu Lehrgängen oder zum Studium geschickt. Diese Mitarbeiter sind das entscheidende Pfund unseres Hauses, mit dem mein Nachfolger unbedingt wuchern sollte. Vermissen werde ich natürlich das „Guten Morgen, Frau Dohle, wie ist das Arbeiten hier?“, und die dann folgende Antwort: “Schönes Arbeiten hier, Herr Mund.“ Doch Spaß beiseite: Es ist schon schwer, all das hinter sich zu lassen. Aber ich habe mich nun einmal so entschieden.

nnz: Gibt es ab dem Januar des nächsten Jahres den tatsächlichen Ruhestand?

R. Mund: Den gibt es, denn mit dem Abschied aus der Kreissparkasse ist auch der vollständige Abschied aus der Sparkassenpolitik verbunden. Ich werde dann meinen Hobbys Skifahren, Segeln und Golfen nachgehen. Und da ich seit über 30 Jahren Mitglied in einem Buchclub bin, habe ich viele noch nicht gelesene Literatur. Ich werde auf keinen Fall jede Woche in der Sparkasse auftauchen, wie das einige meiner Kollegen in anderen Häusern machen. Es sei denn, man lädt mich mal zu einer Tasse Kaffee ein...

nnz: was empfehlen Sie Ihrem Nachfolger?

R. Mund: Er sollte auf jeden Fall die Kultur des Hauses weiterpflegen. Damit meine ich ein ehrliches und offenes Verhältnis zwischen Vorstand und den Mitarbeitern. Er soll gemeinsam mit seinen Kollegen strategisch den eingeschlagenen Weg der Kreissparkasse 2010 weitergehen. Und: Er sollte nicht auf Teufel komm raus nach jeder Kostenreduzierung suchen.

nnz: Was muss sich bis 2010 ändern?

R. Mund: Die Sparkasse ist heute gut aufgestellt. Sie ist deutlicher Marktführer und es muss gelingen, dieses zu erhalten, wenn möglich, auszubauen. Im Kreditgeschäft müssen wir am Ball bleiben, weiterhin in wirtschaftlich kritischer Lage die Bestände im Firmen-/Gewerbekundenbereich pflegen und attraktives Neugeschäft suchen. Das hängt natürlich von der wirtschaftlichen Entwicklung in dieser Region ab. Ansiedlungen im mittelständischen Bereich müssen kommen, dann gibt es nicht nur neue Arbeitsplätze, sondern auch für unser Haus gutes Geschäft.

nnz: Und was sollte sich in der Politik ändern?

R. Mund: Das ist wahrlich eine heiße Frage, doch hier halte ich mich raus. Die Kreissparkasse Nordhausen war nie politisch beeinflusst und wird es hoffentlich auch nicht werden. Das ist neben viel Glück und Erfolg einer der Wünsche, die ich an meinen Nachfolger Dieter Przybilla habe.

nnz: Vielen Dank für das Gespräch.
Autor: nnz

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