Do, 16:35 Uhr
30.09.2021
DIE MESSEN SIND NOCH NICHT GELESEN
Denk ich an die CDU in der Nacht, dann…
Denk ich an Deutschland und die CDU in der Nacht, dann bin ich zwar nicht um den Schlaf gebracht, aber man macht sich schon so seine Gedanken, wie es im Lande weiter gehen könnte und wer der künftige Kanzler sein wird. Noch sind die Messen nicht gelesen!
Die Merkel-Ära endet bald. Nach 16 Jahren könnte sich die Frau nun eigentlich im Sessel zurücklehnen und sich sagen: Nach mir die Sintflut! Mit ihrem Mann endlich einen geruhsamen Lebensweg in trauter Zweisamkeit freudig entgegenblicken. Ohne Stress und Turbulenzen im politischen Alltagsleben. Ich bin mir aber sicher: Sie wird es sich nicht auf der Couch gemütlich und sich einen gut Tag machen.
Als eine Frau aus dem Osten könnte sie sich womöglich hinterfragen, ob sie auch eine gute Kanzlerin für den Osten war? Ehrlich müsste die Antwort lauten: Für den Osten war ich es nicht. Hatte ich, die Bundeskanzlerin, Visionen für das Land? Wieder müsste, um ehrlich zu bleiben, die Antwort heißen: Ich hatte sie nicht! Übte ich meinen Job in Ruhe, Besonnen- und Gelassenheit für Deutschland aus? Eindeutig hier die Antwort: Ja!
Ich beneide Angela Merkel ob ihrer stoischen Gelassenheit. Selbst als sie sich im Bundestag heftigen Kritiken ausgesetzt sah, blieb sie die Ruhe in Person. Da saß sie und hantierte mit dem Smartphon. Als Kanzlerin meisterte sie Finanz- und Wirtschaftskrisen, erwarb sich Vertrauen und Beachtung auch bei Politgrößen, die ihr ansonsten nicht so gewogen sind. Keine gehässigen oder beleidigenden Worte im Bundestag anderen gegenüber kamen ihr über die Lippen. 16 Jahre Regierungschefin in einer Epoche, die mit Hindernissen gespickt war und ist. Sie schrieb Geschichte. Das wird bleiben. Respekt, Frau Kanzlerin, Respekt!
Jetzt, am Ende ihrer Kanzlerschaft, bleibt aber auch, Europa in der Migrationsfrage gespalten zu haben. Wir schaffen das! – da bleiben Zweifel. Wie Phönix aus der Asche stieg nach 2015 zunächst die AfD empor. Bezahlbare Mieten, Innovation, Bildung, Infrastruktur – als Ergebnis bleiben zumindest Bedenken.
Und was hinterlässt Angela Merkel ihrer Partei, der CDU? Die Antwort ist offensichtlich: Unsicherheit, um nicht zu sagen: Chaos. Die Zeiten, wo man sich nach Wahlsiegen euphorisch in den Armen lag und vor Fernsehkameras tanzte, waren gestern. Baute sie die Führungspersönlichkeiten auf, um die CDU auch nach ihrem Abgang weiter im Lichte erscheinen zu lassen? Was man da präsentierte, war farb- und glanzlos.
Annegret Kramp-Karrenbauer, die CDU-Vorsitzende, war Merkels Prinzessin. Sie scheiterte mit dem Kemmerich-Skandal in Erfurt, schmiss den Vorsitz hin. Es kam Armin Laschet, obwohl auch Friedrich Merx in CDU-Basiskreisen stark gefragt war. Später kürte man den Armin zum Kanzlerkandidaten. Besonders im Osten liebte ihn die CDU aber nicht sonderlich, sah in Markus Söder einen erfolgreicheren Mann im Kampf um die Kanzlerschaft der Union. Im Wahlkampf demontierte sich Laschet selbst. Krachende Niederlage für die einstige hoch gelobte Volkspartei CDU. Mandatverluste in Größenordnungen.
Doch Armin ist ein Kämpfer, wie es kleinere Leute gewöhnlich sind. Er will Kanzler werden. Unbedingt! Trotz Niederlage gegen Olaf Scholz von der SPD. Ist das Selbstüberschätzung oder Realitätsverlust? Vielleicht eine Mischung aus beidem. Noch aber ist Laschet nicht abgeschrieben. Schafft er eine Jamaika-Koalition mit FDP-Chef Christian Lindner, die Zwei sollen sich gut verstehen, und überreden sie die Grünen, könnte er Kanzler werden. Ansonsten, das weiß er, erlischt sein Stern, der noch nie so recht strahlte.
Armin Laschet als künftiger Kanzler der CDU? Ein Erneuerer, der die Partei zu neuem Glanz verhelfen, ihr wieder ein konservatives Profil verleihen will? Bei diesem Gedanken sträuben sich auch bei Leuten im hiesigen CDU-Kreisverband die Haare, so sie denn noch über welche verfügen.
Die Führungsköpfe der CDU in Thüringen dürften indes ihren Abweichlern, welche die Landtagswahl für den Freistaat verhinderten, nicht mehr Gram sein, sofern sie es überhaupt waren. Mit Wahlsiegen der Grünen und Roten im Bund erhielten bei einer Landtagswahl, ergeben Umfragen, heute Rot, Rot, Grün eine gesicherte Mehrheit.
Die Messen sind noch nicht gelesen, Überraschungen möglich. Was da nicht alles über Szenarien zu lesen und zu hören ist. Da bringt man den Söder aufs Trapez. Als Verhandlungsführer für die Jamaika-Koalition. Warten wir es ab. Man soll ja schon Pferde vor der Apotheke kotzen gesehen haben.
Kurt Frank
Autor: psgDie Merkel-Ära endet bald. Nach 16 Jahren könnte sich die Frau nun eigentlich im Sessel zurücklehnen und sich sagen: Nach mir die Sintflut! Mit ihrem Mann endlich einen geruhsamen Lebensweg in trauter Zweisamkeit freudig entgegenblicken. Ohne Stress und Turbulenzen im politischen Alltagsleben. Ich bin mir aber sicher: Sie wird es sich nicht auf der Couch gemütlich und sich einen gut Tag machen.
Als eine Frau aus dem Osten könnte sie sich womöglich hinterfragen, ob sie auch eine gute Kanzlerin für den Osten war? Ehrlich müsste die Antwort lauten: Für den Osten war ich es nicht. Hatte ich, die Bundeskanzlerin, Visionen für das Land? Wieder müsste, um ehrlich zu bleiben, die Antwort heißen: Ich hatte sie nicht! Übte ich meinen Job in Ruhe, Besonnen- und Gelassenheit für Deutschland aus? Eindeutig hier die Antwort: Ja!
Ich beneide Angela Merkel ob ihrer stoischen Gelassenheit. Selbst als sie sich im Bundestag heftigen Kritiken ausgesetzt sah, blieb sie die Ruhe in Person. Da saß sie und hantierte mit dem Smartphon. Als Kanzlerin meisterte sie Finanz- und Wirtschaftskrisen, erwarb sich Vertrauen und Beachtung auch bei Politgrößen, die ihr ansonsten nicht so gewogen sind. Keine gehässigen oder beleidigenden Worte im Bundestag anderen gegenüber kamen ihr über die Lippen. 16 Jahre Regierungschefin in einer Epoche, die mit Hindernissen gespickt war und ist. Sie schrieb Geschichte. Das wird bleiben. Respekt, Frau Kanzlerin, Respekt!
Jetzt, am Ende ihrer Kanzlerschaft, bleibt aber auch, Europa in der Migrationsfrage gespalten zu haben. Wir schaffen das! – da bleiben Zweifel. Wie Phönix aus der Asche stieg nach 2015 zunächst die AfD empor. Bezahlbare Mieten, Innovation, Bildung, Infrastruktur – als Ergebnis bleiben zumindest Bedenken.
Und was hinterlässt Angela Merkel ihrer Partei, der CDU? Die Antwort ist offensichtlich: Unsicherheit, um nicht zu sagen: Chaos. Die Zeiten, wo man sich nach Wahlsiegen euphorisch in den Armen lag und vor Fernsehkameras tanzte, waren gestern. Baute sie die Führungspersönlichkeiten auf, um die CDU auch nach ihrem Abgang weiter im Lichte erscheinen zu lassen? Was man da präsentierte, war farb- und glanzlos.
Annegret Kramp-Karrenbauer, die CDU-Vorsitzende, war Merkels Prinzessin. Sie scheiterte mit dem Kemmerich-Skandal in Erfurt, schmiss den Vorsitz hin. Es kam Armin Laschet, obwohl auch Friedrich Merx in CDU-Basiskreisen stark gefragt war. Später kürte man den Armin zum Kanzlerkandidaten. Besonders im Osten liebte ihn die CDU aber nicht sonderlich, sah in Markus Söder einen erfolgreicheren Mann im Kampf um die Kanzlerschaft der Union. Im Wahlkampf demontierte sich Laschet selbst. Krachende Niederlage für die einstige hoch gelobte Volkspartei CDU. Mandatverluste in Größenordnungen.
Doch Armin ist ein Kämpfer, wie es kleinere Leute gewöhnlich sind. Er will Kanzler werden. Unbedingt! Trotz Niederlage gegen Olaf Scholz von der SPD. Ist das Selbstüberschätzung oder Realitätsverlust? Vielleicht eine Mischung aus beidem. Noch aber ist Laschet nicht abgeschrieben. Schafft er eine Jamaika-Koalition mit FDP-Chef Christian Lindner, die Zwei sollen sich gut verstehen, und überreden sie die Grünen, könnte er Kanzler werden. Ansonsten, das weiß er, erlischt sein Stern, der noch nie so recht strahlte.
Armin Laschet als künftiger Kanzler der CDU? Ein Erneuerer, der die Partei zu neuem Glanz verhelfen, ihr wieder ein konservatives Profil verleihen will? Bei diesem Gedanken sträuben sich auch bei Leuten im hiesigen CDU-Kreisverband die Haare, so sie denn noch über welche verfügen.
Die Führungsköpfe der CDU in Thüringen dürften indes ihren Abweichlern, welche die Landtagswahl für den Freistaat verhinderten, nicht mehr Gram sein, sofern sie es überhaupt waren. Mit Wahlsiegen der Grünen und Roten im Bund erhielten bei einer Landtagswahl, ergeben Umfragen, heute Rot, Rot, Grün eine gesicherte Mehrheit.
Die Messen sind noch nicht gelesen, Überraschungen möglich. Was da nicht alles über Szenarien zu lesen und zu hören ist. Da bringt man den Söder aufs Trapez. Als Verhandlungsführer für die Jamaika-Koalition. Warten wir es ab. Man soll ja schon Pferde vor der Apotheke kotzen gesehen haben.
Kurt Frank

