Mi, 15:00 Uhr
29.09.2021
Einwohnergespräch zum Hochwasserschutz
Was tun, wenn das Wasser kommt?
Das man der Kraft des Wasser Respekt zu zollen hat, zeigte das Hochwasser im Ahrtal in diesem Jahr nur allzu deutlich. Um nicht eines Tages ähnliche Bilder in Nordhausen zu sehen, hat man sich in der Verwaltung jetzt eingehend mit dem Hochwasserschutz der Stadt und ihrer Ortsteile befasst…
Hochwasser? Kein Problem für Nordhausen, mag sich der Bürger denken, der gemütlich seit Jahr und Tag an den Hängen der Stadt wohnt. Das Nass fließt schließlich ab. In der Unterstadt und einigen Ortsteilen hat man freilich in der Vergangenheit ganz andere Erfahrungen gemacht. Gewässer erster Ordnung wie die Zorge und die Helme treten immer mal wieder über ihre Ufer. Früher geschah das mit schöner Regelmäßigkeit, die Auen entlang der Zorge waren Überschwemmungsgebiet, Hochwasser mit Verlust an Wert und Leben inklusive.
Den wilden Fluss in seine Schranken zu weisen versuchte man vor über hundert Jahren unter anderem mit dem Bau des Van-der-Foehr-Damms. Man hat also durchaus Erfahrung. Mit dem Gewässerunterhaltungsverband Harzvorland hat man sich im Verbund vor Ort um die Pflege der Flüsse gekümmert. Seit zwei Jahren ist ein größeres Konstrukt, der Verband Bode - Ohne - Wipper, vom Eichsfeld über Nordhausen bis zum Kyffhäuserkreis für diese Aufgaben zuständig. Was seine ganz eigenen Probleme mit sich bringt, doch dazu später mehr.
Kritische Selbstschau
Über die Ufer tretende Flüsse sind in Nordhausen ein bekanntes Problem, die Häufung sogenannter Starkregen-Ereignisse hat man hingegen erst seit kurzem im Blick. Das spiegelt auch das Hochwasser-Audit der Stadtverwaltung wider, dass gestern in Auszügen den interessierten Bürgerinnen und Bürgern in der Ballspielhalle vorgestellt wurde.
Die Kernfrage hinter der Bestandsaufnahme: Wie gut sind wir vorbereitet? Mit objektiven Blick zu klären hatten das die Deutsche Vereinigung für Wasserwirtschaft, Abwasser und Abfall (DWA) und das Ingenieurbüro HGN mit der Unterstützung der zuständigen Ämter. Dank der gewachsenen Erfahrung im Umgang mit den Gewässern der Stadt und ihrer Ortsteile steht man in diesem Bereich vergleichsweise gut da. Unter anderem wurden in Sundhausen Hochwasser-Schutzmaßnahmen realisiert, für Bielen laufen die entsprechenden Planverfahren wohl noch bis zu anderthalb Jahre.
Das "Audit" sollte die Stärken und Schwächen der Verwaltung in Sachen Hochwasserschutz identifizieren (Foto: agl)
Schlechter sieht es beim Starkregen aus. Das Ziel der Überprüfung sei letztlich, Flutschäden zu minimieren und Infrastruktur zu schützen, erklärte Oberbürgermeister Kai Buchmann. Um dem Problem baulich begegnen zu können, fehle es in Sachen Starkregen aber an entsprechenden Modellen. Wenn es über Nordhausen Nord zu einem Starkregen-Ereignis kommt, fließt das Wasser den Berg hinab, das ist klar. Aber ob das stärker auf der Westseite oder der Ostseite des Berges geschieht wissen wir nicht. Zwar könne man sich auf gewisse Erfahrungswerte stützen und die Feuerwehr tut das im Ernstfall auch, fährt neuralgische Punkte an und behält die Pegelstände im Blick, durch die Bebauung einstiger Überflutungsflächen und der Versiegelung in der Innenstadt reicht der Blick in die Vergangenheit aber allein nicht aus. Das Audit soll der Stadt die Möglichkeit geben, eben solche Daten zu erfassen und Fördermittel zu beantragen.
Hochwasserschutz ist Gewässerpflege
Der Schlüssel zum Schutz vor Flusshochwassern ist die Gewässerpflege, die man in Nordhausen die Längste Zeit über den oben genannten Gewässerverband Harzvorland organisiert hatte. Die ist keine Selbstverständlichkeit, wie Oberbügermeister Buchmann gestern ausführte, im Freistaat gebe es Gemeinden die hätten sich in den letzten 31 Jahren gar nicht um ihre Gewässer gekümmert. Da die Sorge vor dem Wasser auch die Landesregierung erreicht hat, beschloss man in Erfurt die Gemeinden und Kommunen in regionalen Verbänden zwangsweise zusammenzufassen. Der kleine Südharzer Verband war damit Geschichte, an seine Stelle ist nun der Verband Bode-Ohne-Wipper getreten. Für Nordhausen sei das im Kern keine gute Entwicklung gewesen, meint Buchmann, da andere Gemeinden anders als Nordhausen bei Null anfangen, liegen die Prioritäten hier.
So erklärt sich auch die Frage eines Bürgers, der wissen wollte warum an der Salza lange nichts geschehen ist und der Fluss zunehmend verschlammt. Der Verband werde sich auch der Salza wieder widmen, versicherte Kerstin Windisch, die im Rathaus für die Gewässer zuständig ist. Gerade die Salza sei dabei ein schwieriger Kandidat. Freie Uferrandstreifen, die es eigentlich geben müsste, sind oft bebaut und der Fluss mit Gerät nur stellenweise zu bearbeiten. Langfristig müsse man die Gewässer wieder der Natürlichkeit zuführen, meinte Windisch weiter, ein Fluss sei keine Wohnstube und sehe nicht von Natur aus ordentlich aus.
Die Nordhäuser Wasserwehr
Die konkreten Ergebnisse des Hochwasser-Audits für die Kreisstadt und ihre Ortsteile und die Handlungsempfehlungen für die nächsten sechs Jahre sollen dem Stadtrat möglichst noch im Oktober, spätestens aber im Dezember vorgelegt werden.
Thomas Schinköth erläuterte die Möglichkeiten der Nordhäuser Feuerwehren im Wasserschutz (Foto: agl)
Der Vorbeugung seien aber Grenzen gesetzt, man kann schlicht nicht auf alles vorbereitet sein. Deswegen hat die Stadt nach den Möglichkeiten der Thüringer Gesetzgebung ein eigene Wasserwehr auf die Beine gestellt um im Fall der Fälle schnell reagieren zu können. Neue Kräfte braucht es dafür nicht, man greift auf die gleichen Mechanismen zurück, die auch bei einem Blindgängerfund aktiviert würden. Die technische Ausrüstung wird von der Feuerwehr unterhalten. Neben einem gut ausgestatteten Hochwasserschutzanhänger und Pumpen verfügt die Feuerwehr über 125.000 Sandsäcke. Weitere 750.000 Säcke warten im Katastrophenschutzlager auf den Notfall. Das nötige Füllmaterial wird vom Bauhof vorgehalten.
Feuerwehr-Chef Thomas Schinköth appelierte an die Bevölkerung, auch ein gewisses Maß an Eigenvorsorge zu treffen. Die Feuerwehr hilft aber wir können nicht alles leisten. Es ist jeder angehalten zu sehen, wo man mit seinem Grundstück liegt, erklärte Schinköth. Dazu könne man interaktive Hochwassergefahrenkarten im Netz nutzen. Die größte Sorge macht uns der Starkregen. Lokale Erscheinungen ähnlich denen, die man im Ahrtal sehen musste, gab es auch bei uns schon, etwa bei Sundhausen und Steinbrücken. Letztes Jahr hat es 150 Meter Getreidefeld auf die Autobahn verlegt, dieses Jahr geschah das gleiche mit einem Maisfeld bei Hochstedt", führte der Leiter der Berufsfeuerwehr aus.
Angelo Glashagel
Autor: redHochwasser? Kein Problem für Nordhausen, mag sich der Bürger denken, der gemütlich seit Jahr und Tag an den Hängen der Stadt wohnt. Das Nass fließt schließlich ab. In der Unterstadt und einigen Ortsteilen hat man freilich in der Vergangenheit ganz andere Erfahrungen gemacht. Gewässer erster Ordnung wie die Zorge und die Helme treten immer mal wieder über ihre Ufer. Früher geschah das mit schöner Regelmäßigkeit, die Auen entlang der Zorge waren Überschwemmungsgebiet, Hochwasser mit Verlust an Wert und Leben inklusive.
Den wilden Fluss in seine Schranken zu weisen versuchte man vor über hundert Jahren unter anderem mit dem Bau des Van-der-Foehr-Damms. Man hat also durchaus Erfahrung. Mit dem Gewässerunterhaltungsverband Harzvorland hat man sich im Verbund vor Ort um die Pflege der Flüsse gekümmert. Seit zwei Jahren ist ein größeres Konstrukt, der Verband Bode - Ohne - Wipper, vom Eichsfeld über Nordhausen bis zum Kyffhäuserkreis für diese Aufgaben zuständig. Was seine ganz eigenen Probleme mit sich bringt, doch dazu später mehr.
Kritische Selbstschau
Über die Ufer tretende Flüsse sind in Nordhausen ein bekanntes Problem, die Häufung sogenannter Starkregen-Ereignisse hat man hingegen erst seit kurzem im Blick. Das spiegelt auch das Hochwasser-Audit der Stadtverwaltung wider, dass gestern in Auszügen den interessierten Bürgerinnen und Bürgern in der Ballspielhalle vorgestellt wurde.
Die Kernfrage hinter der Bestandsaufnahme: Wie gut sind wir vorbereitet? Mit objektiven Blick zu klären hatten das die Deutsche Vereinigung für Wasserwirtschaft, Abwasser und Abfall (DWA) und das Ingenieurbüro HGN mit der Unterstützung der zuständigen Ämter. Dank der gewachsenen Erfahrung im Umgang mit den Gewässern der Stadt und ihrer Ortsteile steht man in diesem Bereich vergleichsweise gut da. Unter anderem wurden in Sundhausen Hochwasser-Schutzmaßnahmen realisiert, für Bielen laufen die entsprechenden Planverfahren wohl noch bis zu anderthalb Jahre.
Das "Audit" sollte die Stärken und Schwächen der Verwaltung in Sachen Hochwasserschutz identifizieren (Foto: agl)
Schlechter sieht es beim Starkregen aus. Das Ziel der Überprüfung sei letztlich, Flutschäden zu minimieren und Infrastruktur zu schützen, erklärte Oberbürgermeister Kai Buchmann. Um dem Problem baulich begegnen zu können, fehle es in Sachen Starkregen aber an entsprechenden Modellen. Wenn es über Nordhausen Nord zu einem Starkregen-Ereignis kommt, fließt das Wasser den Berg hinab, das ist klar. Aber ob das stärker auf der Westseite oder der Ostseite des Berges geschieht wissen wir nicht. Zwar könne man sich auf gewisse Erfahrungswerte stützen und die Feuerwehr tut das im Ernstfall auch, fährt neuralgische Punkte an und behält die Pegelstände im Blick, durch die Bebauung einstiger Überflutungsflächen und der Versiegelung in der Innenstadt reicht der Blick in die Vergangenheit aber allein nicht aus. Das Audit soll der Stadt die Möglichkeit geben, eben solche Daten zu erfassen und Fördermittel zu beantragen.
Hochwasserschutz ist Gewässerpflege
Der Schlüssel zum Schutz vor Flusshochwassern ist die Gewässerpflege, die man in Nordhausen die Längste Zeit über den oben genannten Gewässerverband Harzvorland organisiert hatte. Die ist keine Selbstverständlichkeit, wie Oberbügermeister Buchmann gestern ausführte, im Freistaat gebe es Gemeinden die hätten sich in den letzten 31 Jahren gar nicht um ihre Gewässer gekümmert. Da die Sorge vor dem Wasser auch die Landesregierung erreicht hat, beschloss man in Erfurt die Gemeinden und Kommunen in regionalen Verbänden zwangsweise zusammenzufassen. Der kleine Südharzer Verband war damit Geschichte, an seine Stelle ist nun der Verband Bode-Ohne-Wipper getreten. Für Nordhausen sei das im Kern keine gute Entwicklung gewesen, meint Buchmann, da andere Gemeinden anders als Nordhausen bei Null anfangen, liegen die Prioritäten hier.
So erklärt sich auch die Frage eines Bürgers, der wissen wollte warum an der Salza lange nichts geschehen ist und der Fluss zunehmend verschlammt. Der Verband werde sich auch der Salza wieder widmen, versicherte Kerstin Windisch, die im Rathaus für die Gewässer zuständig ist. Gerade die Salza sei dabei ein schwieriger Kandidat. Freie Uferrandstreifen, die es eigentlich geben müsste, sind oft bebaut und der Fluss mit Gerät nur stellenweise zu bearbeiten. Langfristig müsse man die Gewässer wieder der Natürlichkeit zuführen, meinte Windisch weiter, ein Fluss sei keine Wohnstube und sehe nicht von Natur aus ordentlich aus.
Die Nordhäuser Wasserwehr
Die konkreten Ergebnisse des Hochwasser-Audits für die Kreisstadt und ihre Ortsteile und die Handlungsempfehlungen für die nächsten sechs Jahre sollen dem Stadtrat möglichst noch im Oktober, spätestens aber im Dezember vorgelegt werden.
Thomas Schinköth erläuterte die Möglichkeiten der Nordhäuser Feuerwehren im Wasserschutz (Foto: agl)
Der Vorbeugung seien aber Grenzen gesetzt, man kann schlicht nicht auf alles vorbereitet sein. Deswegen hat die Stadt nach den Möglichkeiten der Thüringer Gesetzgebung ein eigene Wasserwehr auf die Beine gestellt um im Fall der Fälle schnell reagieren zu können. Neue Kräfte braucht es dafür nicht, man greift auf die gleichen Mechanismen zurück, die auch bei einem Blindgängerfund aktiviert würden. Die technische Ausrüstung wird von der Feuerwehr unterhalten. Neben einem gut ausgestatteten Hochwasserschutzanhänger und Pumpen verfügt die Feuerwehr über 125.000 Sandsäcke. Weitere 750.000 Säcke warten im Katastrophenschutzlager auf den Notfall. Das nötige Füllmaterial wird vom Bauhof vorgehalten.
Feuerwehr-Chef Thomas Schinköth appelierte an die Bevölkerung, auch ein gewisses Maß an Eigenvorsorge zu treffen. Die Feuerwehr hilft aber wir können nicht alles leisten. Es ist jeder angehalten zu sehen, wo man mit seinem Grundstück liegt, erklärte Schinköth. Dazu könne man interaktive Hochwassergefahrenkarten im Netz nutzen. Die größte Sorge macht uns der Starkregen. Lokale Erscheinungen ähnlich denen, die man im Ahrtal sehen musste, gab es auch bei uns schon, etwa bei Sundhausen und Steinbrücken. Letztes Jahr hat es 150 Meter Getreidefeld auf die Autobahn verlegt, dieses Jahr geschah das gleiche mit einem Maisfeld bei Hochstedt", führte der Leiter der Berufsfeuerwehr aus.
Angelo Glashagel


