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Mi, 10:00 Uhr
29.09.2021
Die CDU und ihre Basis

"Wir geben nicht auf!"

Die nnz hatte am Montag den Ausgang der Bundestagswahl kommentiert. Im Fokus stand dabei die CDU. Danach hatten führende Christdemokraten ein wenig "Klärungsbedarf". Es wurde ein ehrliches Gespräch...

Abenddämmerung oder Morgensonne? (Foto: CDU / Steffen Böttcher) Abenddämmerung oder Morgensonne? (Foto: CDU / Steffen Böttcher)
"Hallo Henry, ich habe soeben die Kündigung meiner CDU Mitgliedschaft in den Briefkasten geworfen. Ich hoffe Du empfindest das nicht mit negativen Gefühlen. Ich möchte das Du weißt, dass mein Entschluss nichts mit Dir oder kommunalen Themen zu tun hat. Mein Verständnis für diese selbstverursachte bundespolitische Situation hat auch Grenzen."

Das ist eine Nachricht, die den Kreisvorsitzenden der CDU, Henry Pasenow, gestern erreichte. Sie drückt konkret das aus, was derzeit an der christdemokratischen Basis Realität ist und was mittlerweile diametral zu dem zu stehen scheint, was man aus Berlin und auch aus Erfurt zu hören und zu sehen bekommt.

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Mit dieser Nachricht kommt Henry Pasenow zu einem Treffen mit der nnz, an dem auch die Fraktionsvorsitzenden in Stadtrat und Kreistag, Steffen Iffland und René Fullmann, teilnehmen. Dem Trio merkt man nicht nur bittere Enttäuschung, sondern auch den Frust an, der sie schon seit Monaten belastet. Als Außenstehender könnte man auch von einer Art Ohnmacht gegenüber ihrer CDU im Bund, aber auch im Land.

Der Frust begann mit der Wahl von Armin Laschet zum Bundesvorsitzenden der CDU. "Unser eindeutiger Favorit war Friedrich Merz, das haben wir neben anderen Kreisverbänden, unseren Landesdelegierten zum Wahlparteitag klar und deutlich mit auf den Weg gegeben", formuliert es Pasenow und Steffen Iffland ergänzt, "Merz vertrat und vertritt klare konservative Werte und steht für eine Politik, die uns von grünen und roten Visionen unterscheidet."

Allerdings wählten die Delegierten mehrheitlich Laschet und nicht Merz zum CDU-Chef. Sie stellten sich damit gegen weite Teile der Parteibasis und ignorierten Ergebnisse von Umfragen. Das solle sich nach Meinung der drei Kommunalpolitiker nicht wiederholen. So soll es auch in der CDU künftig bei sehr wichtigen Entscheidungen zum Beispiel zum Parteivorsitz eine Befragung der Parteimitglieder und nicht den undurchsichtigen Weg über Delegierte geben. "Das ist ein weiter Weg", weiß René Fullmann, da auch die Satzung der Partei geändert werden müsste, "doch ein weiter so könne es nach der Wahlniederlage nicht mehr geben. Wir an der Basis wollen das nicht mehr."

Fullmann, Iffland und Pasenow sind sich einig, dass im Bundestagswahlkampf schlicht nicht nur auf die falschen Personen, sondern auch auf die falschen Themen gesetzt wurde. Klimarettung gut und schön, doch wie kommen die Menschen im ländlichen Raum mit den gestiegenen und noch weiter steigenden Spritpreisen zurecht? Umwelt- und Naturschutz natürlich, aber zu welchen Kosten und zu wessen Lasten?

Geht also die "große" Politik, die nun 16 Jahre von der CDU maßgeblich verantwortet wurde, an der Realität der Menschen außerhalb der Metropolen vorbei? "Ja", sagt das Trio, "und das wollen wir nicht weiter mitgehen." Wie dieses Nicht-Mitgehen konkret umgesetzt werden soll und vor allem umgesetzt werden kann, dazu soll es mit der Mitgliedschaft klärende Gespräche geben.

An der Basis, also auch in der Arbeit in den Gemeinderäte oder dem Kreistag, bescheinige man den handelnden Christdemokraten eine durchaus sehr gute Arbeit. Doch die werde zu oft von der Arbeit in Berlin als auch in Erfurt konterkariert. "Wir hier unten müssen das ausbaden, was in den übergeordneten Gremien beschlossen wird. Zu sehr gibt es da eine Wichtung zugunsten der Großstadtmilieus, das Land fällt dabei hinten runter.

Wie soll es in Berlin nun aber weitergehen? "Wir als CDU sollten in den kommenden vier Jahren eine starke Opposition sein. Wir sollten wieder eine Partei sein, die das Konservative nicht als das Ewiggestrige verkauft, sondern als den Motor von heute und für morgen. Franz Josef Strauß formulierte es einst so: 'Konservativ heißt nicht nach hinten zu blicken, sondern an der Spitze des Fortschrittes zu marschieren'. Und die CDU muss sich an der Spitze in Bund und auch in Thüringen personell neu aufstellen", sagen Iffland, Fullmann und Pasenow.

Was sie damit auch meinen ist die Unfähigkeit der aktuellen Führungskader, Verantwortung für den Scherbenhaufen zu übernehmen und wie in Mecklenburg-Vorpommmern geschehen das Mandat zurückzugeben. Die Drei gehen im Gespräch mit der nnz weiter: "Wenn Olaf Scholz uns (die CDU) als konservatives Element in einer von ihm geführten Bundesregierung braucht, dann müsse man mit ihm reden."

Was bedeutet die aktuelle Situation nun für christdemokratische Politik dort, wo Fullmann, Iffland und Pasenow Verantwortung übernommen haben, an der Basis? Das ist zum Beispiel das Thema Landwirtschaft. Wie soll sie künftig gestaltet werden? "Wir werden um eine industrielle Landwirtschaft nicht herumkommen, sie muss jedoch mit Maß und innerhalb klarer Regeln ausgestaltet werden", sagt Henry Pasenow, dessen Großvater noch Bauer war und dessen Leitspruch noch heute für den Ellricher Bürgermeister gilt: "Solange ein Tier auf der Welt ist, wird es nicht gequält."

Weiterhin muss der ländliche Raum mehr Gewicht in der Landes- und in der Bundespolitik haben. "Unsere Menschen sind nicht doofer und hier gibt es auch keine Umweltsauen. Wir müssen die Lebensrealität der Menschen wieder in die Politik bringen", nennt Steffen Iffland einige Beispiele.

Das Trio weiß wie schwer es ist, den Menschen, denen sie oft begegnen, Politik verständlich zu machen. Ihre Partei, sie eingeschlossen, hat es nicht geschafft, aber sie haben es an der Basis versucht. Das kauft man ihnen ab. Ehrlich ist auch, dass sie den Weg des Transports von Problemen nicht gefunden haben, aber neue Wege finden wollen. Wie schwer das in einem politischen System ist, weiß derjenige, der bereits Teil dessen war. Das Zitat von Willy Brandt: "Erst das Land, dann die Partei" ist aktueller denn je. Nur in Berlin und Erfurt hält man sich nicht daran.

Es könne nicht sein, so die drei Kommunalpolitiker im nnz-Gespräch, dass es immer wieder um Einfluss, Macht und Posten für Einzelne gehe. Die aktuelle Situation ihrer Partei ist eine Zäsur, die für einen Neuaufbruch genutzt werden müssen. Für die drei Basisarbeiter, aber auch für die vielen anderen Mitstreiter in den Ortsverbänden heißt es jetzt: "Wir geben nicht auf!"
Peter-Stefan Greiner
Autor: psg

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Kommentare
Paulinchen
29.09.2021, 10:14 Uhr
Ist das der Anfang...
.... vom Ende der "großen" Volkspartei?

Mit dem Kanzlerkandidaten Laschet hat die CDU ein totes Pferd geritten. Manchmal sollte es von Vorteil sein, auf des Volkes Stimme zu hören, bevor es zu spät ist. Das Aussitzen der Niederlage macht das Wahlergebnis nicht mehr besser. Knapp vorbei ist auch daneben.
Kontrapost
29.09.2021, 10:35 Uhr
Dann auch CDU in NDH erneuern
Man hört zu wenig von der CDU in Nordhausen. Mit Tilly Pape als Dauer Finanzausschuss und Dauer AufsichtsratsVorsitzende oder Inge Klaan als abgehobene Postenjägerin ist kein Blumentopf zu gewinnen. Hier geht's nur um Pfründesicherung und nicht um Politik.
Die CDU muss eigene Themen setzen, Impulse entfalten, Druck erzeugen, Nachwuchs aufbauen. Es gibt viel zu tun in Nordhausen, die Stadtführung ist schwach wie seit Jahrzehnten nicht mehr.
Umso besser wäre es, wenn der Kandidat der CDU für das Bürgermeisteramt (als Politologe, geborener Nordhäuser und dem Vernehmen nach auch mit interessanten und überparteilichen Ansätzen und Erfahrung in der Verwaltung) Standhaftigkeit zeigt und sich gegen den "Rauswurf" aus dem Kreis der Bewerber durch den OB erfolgreich wehrt. Auch, wenn der OB gern, mit seiner bisherigen Stellvertreterin weiter verwalten würde....
HeiKev
29.09.2021, 10:35 Uhr
Schuld haben immer die Anderen.
Solange das Ergebnis der Analyse unserer Lokalmatadoren immer und immer wieder heißt, die im Bund und im Land sind Schuld, kommt es zu keiner richtigen Analyse.

Wenn ein Nordhäuser CDU Kandidat für die Landtagswahl meilenweit hinter der eigentlich blassen Kandidatin der Linken, und sogar noch weit hinter einem Theologen landet, dann hat da nicht die Bundes- oder die Landes CDU schuld. In einer Stadt wie Nordhausen werden Personen gewählt und wenn die laufend auf das falsche Pferd setzen und immer nur mit dem Finger auf Land oder Bund zeigen, bekommt das der nachdenkende Wähler ganz schnell mit und macht sein Kreuz eben woanders.
Piet
29.09.2021, 11:08 Uhr
Laschet
War sicher nicht der richtige Kandidat, aber niemand schreibt oder redet darüber das er nach der Katastrophenkanzlerin es nicht leicht hat. Die CDU ist in meinen Augen die Partei die sich am meisten selbst verraten hat und das Regime Merkel jahrelang zu gelassen und unterstützt hat.
bigg.y
29.09.2021, 16:07 Uhr
Teil des Problems
Wenn man jahrelang Entscheidungsträger in Stadt und Landkreis ist, kann man keine Lösungen des CDU Problems sein. Straßenbahntakt, hohe Kreisumlage, dem Landrat hinterherlaufen, ...! Wer baut die Feuerwache, die Radwege, saniert endlich die Schulen, Straßen, Treppen, Sportplätze in der Stadt? Klaus Zeh hat das alles nicht geschafft - auch weil die Vorgängerin und ihr Ziehsohn nichts übrig ließen.
Rainer H.
29.09.2021, 16:49 Uhr
Die Basis vor Ort trägt immer die Last
Der Politik im Land und Bund. Zum Landtagswahlkampf kann ich mich erinnern, wurde das Thema Rente von Bund hochgespielt. Die CDU blockierte seinerzeit die Grundrente und wollte eine Bedarfsprüfung. Das hat mich seinerzeit dazu bewegt nicht die CDU zu wählen. Oder das Thema Urheberrecht welches in der EU aufkam, wobei die CDU auch maßgeblich beteiligt war peitschte sogar die Jugend Deutschland weit munter. So war mein 12jähriger Sohn wie vom Häuschen uns schimpfte auf die CDU.
Also die Baustellen sind groß und reichen vom Land bis hin zur CDU Europapolitik. Da braucht es einen generellen Wechsel der Personen.
Friedrich III.
29.09.2021, 23:35 Uhr
CDU - Probleme selbstgemacht!
Zwar halte ich diese drei lokalen CDU – Herren für integer und nehme ihnen die Sehnsucht nach einer parteiinternen Kurskorrektur ab. Trotzdem kann ich das ewige gleiche Lied nicht mehr hören. Eine Partei ist keine Familie, aus der man nicht austreten kann, sondern eine interessengeleitete Gemeinschaft von Gleichgesinnten. Wenn die Linie der Partei nicht mehr stimmt, dann soll man doch bitte austreten und andere stärken. Sonst macht man sich für das mitschuldig, was man mit rührigen Worten ankreidet. Der Abstieg der CDU wird nicht aufzuhalten sein… Wenn sie auf Landesebene nicht von ihrem hohen Ross herunter steigt und endlich auf die AfD zugeht, bleibt ihr langfristig keine Machtoption. Seit zwei Jahren könnte eine Mitte – Rechts – Koalition Thüringen auf Kurs halten. Wenn doch nur die dogmatische Linie nicht wäre. Aber keine Angst, Mutti ist bald weg… Und der rheinische Kasper auch.
Undine
30.09.2021, 19:21 Uhr
Laschet war doch nur die Spitze vom Eisberg.
Die CDU von Merkel völlig entkernt, alle Positionen (oft von heute auf morgen) über den Haufen geworfen, Politik unvernünftig und komplett am Volk vorbei (Energiewende, unkontrollierte millionenfache Zuwanderung, viele Milliarden an deutschem Steuergeld für alle Herren Länder, zeitgleich die Diffamierungen von kritischen Stimmen, Beschimpfungen, gerade an die ostdeutsche Bevölkerung, Korruption, Vetternwirtschaft und Postenjäger, eine demokratische Wahl, die rückgängig gemacht wurde, kuscheln mit der SED.... und und und.) Und was macht die Basis in all den Jahren.... Die macht mit und zuckt nicht mal. Ihr habt es nicht anders verdient!
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