Fr, 12:59 Uhr
07.10.2005
Weinend und lachend
Nordhausen/Sollstedt (nnz). Heute wird in Sollstedt Geburtstag gefeiert. Nein, nicht etwa der der Republik, sondern der 50. der dortigen Schule. Dazu Anmerkungen von Bürgermeister Jürgen Hohberg.
Mit dem Bau des ersten urkundlich belegten Schulgebäudes auf dem Grundstück des heutigen Sollstedter Pfarrhauses wurde 1790 begonnen, es bestand aus einem Unterrichtsraum und einer Lehrerunterkunft, ein zweites Klassenzimmer wurde 1864 auf dem Nachbargrundstück erbaut, aber erst 1874, als die Schülerzahl bereits auf 142 angewachsen war, entschloss man sich zur Einrichtung einer zweiten Lehrerstelle. Im Lehrergarten wurde 1896 ein weiterer Klassenraum errichtet und 1908 entstand ein neues Schulgebäude an der Halle-Kasseler-Straße, zu dessen Bau sich die damaligen Eigentümer des Kaliwerkes im Ansiedlungsvertrag verpflichten mussten. Bis zum Jahr 1920 war die Schülerzahl auf 220 angestiegen, aber erst 1924 wurde ein weiteres Klassenzimmer gebaut und die Lehrerzahl auf vier erhöht – um diese vierte Lehrerstelle dann 1931 wegen der Weltwirtschaftskrise wieder zu streichen. Der zweite Weltkrieg folgte und schon unmittelbar nach Kriegsende im Jahr 1947 reiften Pläne für eine Zusammenlegung der Schulen von Sollstedt und Wülfingerode. Die so gebildete Zentralschule war mit 14 Räumen in 8 verschiedenen Gebäuden untergebracht und es wurden 370 Schüler unterrichtet.
Pläne für eine neue Schule entstanden und drängten zur Verwirklichung – 1954 wurden 1,2 Mio Mark aus dem Staatshaushalt der DDR bereitgestellt, die Gemeinden Sollstedt und Wülfingerode beteiligten sich mit 80.000,00 Mark und das Kaliwerk stellte 50.000,00 Mark zur Verfügung. Die Einwohner, Lehrer und Schüler legten selbst fleißig mit Hand an und leisteten mehr als 2.200 Aufbaustunden. Im Februar 1954 wurde mit den Ausschachtungsarbeiten begonnen und bereits am 1. Januar 1955 zogen Schüler und Lehrer voller Stolz in das neue Schulhaus ein.
Am 07. Oktober 1955 – es war der 6. Jahrestag der DDR – waren endlich auch die letzten Handwerksarbeiten abgeschlossen und das Gebäude, in dem wir uns heute befinden und dessen 50. Geburtstag wir feiern, wurde offiziell seiner Bestimmung übergeben.
366 Schüler hatten von ihr Besitz genommen – sie kamen aus Pützlingen, Ellrich, Wipperdorf, Elende, Limlingerode, Gebra, Rehungen, Bleicherode, Nohra, Wollersleben und Haynrode. Etwa 30 von ihnen fanden jährlich im Internat der Schule (später Post und heute SWBG) eine Unterkunft.
Das Internat wurde später aufgegeben, die Schüler kamen nur noch aus Rehungen, Wülfingerode und Sollstedt, aber das anfangs so geräumige Schulhaus platzte bald aus allen Nähten. So mussten schon ab den 60er Jahren auch wieder Klassen der Unterstufe in anderen Schulteilen unterrichtet werden. Das änderte sich erst Mitte der 70er Jahre mit dem Bau des neuen Grundschulteils.
An den beiden Schulgebäuden am Ortsausgang der Gemeinde Sollstedt nagte der Zahn der Zeit ungebremst, ohne dass ernsthafte Versuche unternommen wurden dagegen anzugehen – das war zu DDR-Zeiten so und hat sich auch zu unserem großen Bedauern nach der Wiedervereinigung im Jahr 1990 und der nachfolgenden Übernahme der Schulträgerschaft durch den Landkreis Nordhausen nicht wesentlich geändert. Nur einige wenige Baumaßnahmen, die ausnahmslos lediglich der Gewährleistung der Sicherheits- bzw. Umweltmindeststandards dienten, konnten auf Drängen der Gemeindeverwaltung mit maßgeblicher Unterstützung durch die Mitglieder des Fördervereins Schule Sollstedt e.V. dem Schulträger abgerungen werden. So wurden einige unabdingbare Sanierungsarbeiten am Schulsportplatz durchgeführt, eine Rettungszufahrt zum Turnhallenanbau geschaffen, eine Nottreppe für das Grundschulgebäude angebaut, die Abwasserbeseitigung umweltgerecht geregelt und im Zusammenhang mit dem Straßenbau am Rosenweg einige Parkplätze angelegt. Natürlich soll auch die Einrichtung eines Fachraumes für experimentellen Unterricht in den Fächern Physik, Chemie und Biologie und die Anschaffung von Computertechnik nicht unerwähnt bleiben, doch stellt auch dies zu Beginn des 21. Jahrhunderts lediglich eine Mindestausstattung dar. Doch dass sich Schüler und Lehrer in ihrer Schule wirklich wohl fühlen, dazu bedarf es einigem mehr!
Wenn Insider über die Schule Sollstedt sprechen, darf aber natürlich eins nicht unerwähnt bleiben – das Aushängeschild schlechthin, das unsere Regelschule bundesweit zu großen Ehren gebracht hat – nämlich das von Herrn Scholvien initiierte Energieprojekt Fluchtwege aus dem Treibhaus, an dem bereits mehrere Hundert SchülerInnen seit 1993 begeistert mitarbeiten. Der mit viel Kreativität und Fleiß errungene und mehrfach verteidigte Titel Lernschule Energie, der im Bundeswettbewerb Jugend mit unendlicher Energie errungene Preis, der Deutsche Solarpreis 2002 für Ausbildung von eurosolar und zahlreiche weitere Ehrungen sprechen eine mehr als deutliche Sprache über die Qualität der hier durchgeführten außerschulischen Projektarbeit, die bereits seit einigen Jahren auch einen kommerziellen Nutzen für die Schule bringt, in dem die benötigte Energie aus umweltfreundlichen Erzeugungsanlagen teilweise selbst produziert wird.
Gegen den Beschluss des Kreistages Nordhausen zur Schulnetzplanung und der damit im Zusammenhang stehenden Aufgabe des Regelschulstandortes Sollstedt haben wir lange und erbittert gekämpft und letztlich doch verloren – doch mit diesem Beschluss haben sich dann auch Hoffnungen verbunden – Hoffnungen darauf, dass sich ab 2007 die Lehr- und Lernbedingungen für die Grundschule Sollstedt entscheidend verbessern. Angesichts der mehr als desolaten Haushaltsbedingungen des Freistaates Thüringen, insbesondere aber des Landkreises Nordhausen als Schulträger, sind daran aber leider noch immer berechtigte Zweifel angebracht, die sich erst dann zerstreuen, wenn die ersten Bauarbeiter in den Räumen Einzug halten.
Ich will meine Ausführungen aber nicht mit pessimistischen Prognosen beenden, sondern meiner Freude darüber Ausdruck verleihen, dass es den Organisatoren der Feierlichkeiten zum heutigen 50jährigen Schuljubiläum gelungen ist, ein anspruchsvolles und kurzweiliges Programm auf die Beine zu stellen und wünsche allen Lehrer, Schülern, Eltern und Großeltern, die häufig selbst schon diese Schule besuchten sowie allen Ehemaligen und Gästen aus Nah und Fern einige schöne Stunden bei angenehmen Gesprächen.
Dem Vorsitzenden des Fördervereins Schule Sollstedt e.V., Herrn Steffen Paul, habe ich einen symbolischen Scheck über einen kleinen Beitrag der Gemeinde Sollstedt zur Finanzierung der Vereinsarbeit überreicht.
Jürgen Hohberg
Autor: nnzMit dem Bau des ersten urkundlich belegten Schulgebäudes auf dem Grundstück des heutigen Sollstedter Pfarrhauses wurde 1790 begonnen, es bestand aus einem Unterrichtsraum und einer Lehrerunterkunft, ein zweites Klassenzimmer wurde 1864 auf dem Nachbargrundstück erbaut, aber erst 1874, als die Schülerzahl bereits auf 142 angewachsen war, entschloss man sich zur Einrichtung einer zweiten Lehrerstelle. Im Lehrergarten wurde 1896 ein weiterer Klassenraum errichtet und 1908 entstand ein neues Schulgebäude an der Halle-Kasseler-Straße, zu dessen Bau sich die damaligen Eigentümer des Kaliwerkes im Ansiedlungsvertrag verpflichten mussten. Bis zum Jahr 1920 war die Schülerzahl auf 220 angestiegen, aber erst 1924 wurde ein weiteres Klassenzimmer gebaut und die Lehrerzahl auf vier erhöht – um diese vierte Lehrerstelle dann 1931 wegen der Weltwirtschaftskrise wieder zu streichen. Der zweite Weltkrieg folgte und schon unmittelbar nach Kriegsende im Jahr 1947 reiften Pläne für eine Zusammenlegung der Schulen von Sollstedt und Wülfingerode. Die so gebildete Zentralschule war mit 14 Räumen in 8 verschiedenen Gebäuden untergebracht und es wurden 370 Schüler unterrichtet.
Pläne für eine neue Schule entstanden und drängten zur Verwirklichung – 1954 wurden 1,2 Mio Mark aus dem Staatshaushalt der DDR bereitgestellt, die Gemeinden Sollstedt und Wülfingerode beteiligten sich mit 80.000,00 Mark und das Kaliwerk stellte 50.000,00 Mark zur Verfügung. Die Einwohner, Lehrer und Schüler legten selbst fleißig mit Hand an und leisteten mehr als 2.200 Aufbaustunden. Im Februar 1954 wurde mit den Ausschachtungsarbeiten begonnen und bereits am 1. Januar 1955 zogen Schüler und Lehrer voller Stolz in das neue Schulhaus ein.
Am 07. Oktober 1955 – es war der 6. Jahrestag der DDR – waren endlich auch die letzten Handwerksarbeiten abgeschlossen und das Gebäude, in dem wir uns heute befinden und dessen 50. Geburtstag wir feiern, wurde offiziell seiner Bestimmung übergeben.
366 Schüler hatten von ihr Besitz genommen – sie kamen aus Pützlingen, Ellrich, Wipperdorf, Elende, Limlingerode, Gebra, Rehungen, Bleicherode, Nohra, Wollersleben und Haynrode. Etwa 30 von ihnen fanden jährlich im Internat der Schule (später Post und heute SWBG) eine Unterkunft.
Das Internat wurde später aufgegeben, die Schüler kamen nur noch aus Rehungen, Wülfingerode und Sollstedt, aber das anfangs so geräumige Schulhaus platzte bald aus allen Nähten. So mussten schon ab den 60er Jahren auch wieder Klassen der Unterstufe in anderen Schulteilen unterrichtet werden. Das änderte sich erst Mitte der 70er Jahre mit dem Bau des neuen Grundschulteils.
An den beiden Schulgebäuden am Ortsausgang der Gemeinde Sollstedt nagte der Zahn der Zeit ungebremst, ohne dass ernsthafte Versuche unternommen wurden dagegen anzugehen – das war zu DDR-Zeiten so und hat sich auch zu unserem großen Bedauern nach der Wiedervereinigung im Jahr 1990 und der nachfolgenden Übernahme der Schulträgerschaft durch den Landkreis Nordhausen nicht wesentlich geändert. Nur einige wenige Baumaßnahmen, die ausnahmslos lediglich der Gewährleistung der Sicherheits- bzw. Umweltmindeststandards dienten, konnten auf Drängen der Gemeindeverwaltung mit maßgeblicher Unterstützung durch die Mitglieder des Fördervereins Schule Sollstedt e.V. dem Schulträger abgerungen werden. So wurden einige unabdingbare Sanierungsarbeiten am Schulsportplatz durchgeführt, eine Rettungszufahrt zum Turnhallenanbau geschaffen, eine Nottreppe für das Grundschulgebäude angebaut, die Abwasserbeseitigung umweltgerecht geregelt und im Zusammenhang mit dem Straßenbau am Rosenweg einige Parkplätze angelegt. Natürlich soll auch die Einrichtung eines Fachraumes für experimentellen Unterricht in den Fächern Physik, Chemie und Biologie und die Anschaffung von Computertechnik nicht unerwähnt bleiben, doch stellt auch dies zu Beginn des 21. Jahrhunderts lediglich eine Mindestausstattung dar. Doch dass sich Schüler und Lehrer in ihrer Schule wirklich wohl fühlen, dazu bedarf es einigem mehr!
Wenn Insider über die Schule Sollstedt sprechen, darf aber natürlich eins nicht unerwähnt bleiben – das Aushängeschild schlechthin, das unsere Regelschule bundesweit zu großen Ehren gebracht hat – nämlich das von Herrn Scholvien initiierte Energieprojekt Fluchtwege aus dem Treibhaus, an dem bereits mehrere Hundert SchülerInnen seit 1993 begeistert mitarbeiten. Der mit viel Kreativität und Fleiß errungene und mehrfach verteidigte Titel Lernschule Energie, der im Bundeswettbewerb Jugend mit unendlicher Energie errungene Preis, der Deutsche Solarpreis 2002 für Ausbildung von eurosolar und zahlreiche weitere Ehrungen sprechen eine mehr als deutliche Sprache über die Qualität der hier durchgeführten außerschulischen Projektarbeit, die bereits seit einigen Jahren auch einen kommerziellen Nutzen für die Schule bringt, in dem die benötigte Energie aus umweltfreundlichen Erzeugungsanlagen teilweise selbst produziert wird.
Gegen den Beschluss des Kreistages Nordhausen zur Schulnetzplanung und der damit im Zusammenhang stehenden Aufgabe des Regelschulstandortes Sollstedt haben wir lange und erbittert gekämpft und letztlich doch verloren – doch mit diesem Beschluss haben sich dann auch Hoffnungen verbunden – Hoffnungen darauf, dass sich ab 2007 die Lehr- und Lernbedingungen für die Grundschule Sollstedt entscheidend verbessern. Angesichts der mehr als desolaten Haushaltsbedingungen des Freistaates Thüringen, insbesondere aber des Landkreises Nordhausen als Schulträger, sind daran aber leider noch immer berechtigte Zweifel angebracht, die sich erst dann zerstreuen, wenn die ersten Bauarbeiter in den Räumen Einzug halten.
Ich will meine Ausführungen aber nicht mit pessimistischen Prognosen beenden, sondern meiner Freude darüber Ausdruck verleihen, dass es den Organisatoren der Feierlichkeiten zum heutigen 50jährigen Schuljubiläum gelungen ist, ein anspruchsvolles und kurzweiliges Programm auf die Beine zu stellen und wünsche allen Lehrer, Schülern, Eltern und Großeltern, die häufig selbst schon diese Schule besuchten sowie allen Ehemaligen und Gästen aus Nah und Fern einige schöne Stunden bei angenehmen Gesprächen.
Dem Vorsitzenden des Fördervereins Schule Sollstedt e.V., Herrn Steffen Paul, habe ich einen symbolischen Scheck über einen kleinen Beitrag der Gemeinde Sollstedt zur Finanzierung der Vereinsarbeit überreicht.
Jürgen Hohberg

