Mi, 14:00 Uhr
25.08.2021
Wassersport für Jedermann etabliert sich in Nordhausen
Ein Brett, ein Paddel, viele Möglichkeiten
Als Destination für Taucher sind die Kiesgewässer um Nordhausen schon kein Geheimtipp mehr. Mit den Stehpaddlern etabliert sich gerade eine zweite Sportart auf dem Südharzer Gewässer. Die zweifache Deutsche Meisterin im Stand-Up-Paddeln Susanne Lier war gestern wieder in der alten Heimat und inspiriert frische SUP-Enthusiasten, es ihr nachzutun…
Für echtes Wellenreiten fehlt das Meer, surfen mit Segel und Drachenschirm will auch gelernt sein, vom nötigen Wind gar nicht zu sprechen, und bis zum nächsten schiffbaren Fluss sind es ein paar Kilometer. Außerdem sind Kanus im Alltag verdammt sperrig. Wer ohne viel Aufhebens sportlich auf das Wasser will, der hat im Südharz nicht allzu viele Möglichkeiten und, seien wir ehrlich, gondeln auf dem Neustädter Teich zählt nicht.
So oder so ähnlich erging es auch Susanne Lier. Die gebürtige Nordhäuserin und passionierte Wellenreiterin zog es 2010 in die Schweiz, das Meer und die Wellen waren weit, weit weg. Immerhin, direkt vor der Haustür lockte nun der Genfer See, aber das war für Lier nur Flachwasser. Etwa zeitgleich, also vor etwas mehr als zehn Jahren, kamen auch die ersten SUP’s auf dem Markt, schwimmende und in der Regel aufblasbare Bretter, stabil genug um stehend paddeln zu können. Die Stehpaddler entdeckte Lier auch auf dem Genfer See und damit eine neue Leidenschaft. Die hat sie inzwischen nicht nur zum Beruf gemacht. Wenn Lier nicht in ihrer Wahlheimat Unterricht in Sachen SUP gibt, ist sie auf Wettkämpfen unterwegs, jüngst auch in Nordhausen. Der Sport ist noch jung, die Profi-Szene überschaubar, aber es gibt Welt- und Europameisterschaften. Und Lier gehört zur sportlichen Elite der SUP-Fahrer.
Susanne Lier ist SUP-Europameisterin, schätzt aber eigentlich das Training und die Lehre mehr als den Wettkampf (Foto: Christoph Keil)
Der Neuling wird erst einmal damit zu kämpfen haben, überhaupt auf dem Brett zu bleiben denn das mag zwar leichter sein als Wellenreiten oder Windsurfen, verlangt aber doch einiges an Körperspannung und Gleichgewichtssinn. Den einen oder anderen Abgang ins Nass sollte man einkalkulieren und je nach Fitnessgrad auch den Muskelkater am nächsten Tag. Ich bezeichne das gerne auch als schwimmenden Gleichgewichtstrainer, der von Kopf bis Fuß alles trainiert. Außerdem hat man auf dem Wasser einen gewissen Wellnessfaktor. Das ist für Reha-Maßnahmen, Phyiso- oder auch die Stresstherapie ideal., sagt Lier. Die Vielseitigkeit mache den großen Reiz des SUP aus: der Sport ist leicht zu erlernen, das Material vergleichsweise günstig in der Anschaffung und auf dem Wasser ist sowohl effektive Ganzkörperfitness als auch meditative Entspannung möglich.
Der eine oder andere Abgang ins Nass gehört, gerade bei sportlichen Spielereien, einfach dazu und ist dem Spaß an der Sache alles andere als abträglich (Foto: Christoph Keil)
Am einfachsten geht’s mit der richtigen Technik. Die haben sich auch die Profis von anderen abgeschaut, genauer von den Hawaiianern. In Kursen gibt Lier ihr Wissen gerne weiter, Alter und Fitnessgrad spielen dabei kaum eine Rolle, Liers älteste Schülerin ist über 70 Jahre alt. Wir spielen viel mit dem Brett und üben dabei Gleichgewicht und Technik. Den Erwachsenen fällt das deutlich schwerer, die machen sich zu viele Gedanken. Den Kindern zuzusehen wie sie sich auf dem Brett spielerisch hin und her bewegen ist eine reine Freude., erzählt die Sportlerin. Für größere Gruppen und gibt es XXL-Bretter, die nicht nur Spaß machen, sondern auch Teamwork verlangen.
Mit dabei waren gestern auch Susanne Ritscher, Christoph Keil und Sabine Börsch. Das sportliche Trio hat gefallen am Stehpaddeln gefunden und plant, einen eigenen SUP-Verein für Nordhausen zu gründen. Sportlehrerin Ritscher war schon immer gerne auf dem Wasser, auch mit ihren Schülerinnen und Schülern und will sich unter anderem für die Jugendarbeit stark machen. Ich stand vor sechs Jahren zum ersten mal auf dem SUP und habe für mich noch einmal eine Alternative gefunden, die ungefährlicher ist als die Sachen, die ich bisher gemacht habe, wie Wellenreiten oder Kitesurfen., erzählt Ritscher. Sabine Börsch schätzt vor allem den Entspannungsfaktor und freut sich auf Ausgefalleneres, wie Yoga auf dem SUP. Die Fachkräfte dafür habe man schon in der Hinterhand und mit Susanne Lier einen Vollprofi an der Seite. Gute Kontakte hat man auch zu Axel Heck, als möglicher Standort für den SUP-Club könnte so der noch zu bauende Camping-Platz zwischen Sundhäuser und Forellensee in Betracht kommen.
Wer also die Möglichkeit zum schnuppern in diesem Jahr verpasst oder grundsätzlich Interesse an der Paddelei hat, muss nicht verzagen. Susanne Lier will auch nächstes Jahr wieder in die alte Heimat kommen und die Nordhäuser Stehpaddel-Enthusiasten bauen sich ihre Strukturen gerade auf. Für die Kiesteiche und die Region, könnte das wieder ein kleines Stück dringend benötigter Belebung werden.
Angelo Glashagel
Autor: redFür echtes Wellenreiten fehlt das Meer, surfen mit Segel und Drachenschirm will auch gelernt sein, vom nötigen Wind gar nicht zu sprechen, und bis zum nächsten schiffbaren Fluss sind es ein paar Kilometer. Außerdem sind Kanus im Alltag verdammt sperrig. Wer ohne viel Aufhebens sportlich auf das Wasser will, der hat im Südharz nicht allzu viele Möglichkeiten und, seien wir ehrlich, gondeln auf dem Neustädter Teich zählt nicht.
So oder so ähnlich erging es auch Susanne Lier. Die gebürtige Nordhäuserin und passionierte Wellenreiterin zog es 2010 in die Schweiz, das Meer und die Wellen waren weit, weit weg. Immerhin, direkt vor der Haustür lockte nun der Genfer See, aber das war für Lier nur Flachwasser. Etwa zeitgleich, also vor etwas mehr als zehn Jahren, kamen auch die ersten SUP’s auf dem Markt, schwimmende und in der Regel aufblasbare Bretter, stabil genug um stehend paddeln zu können. Die Stehpaddler entdeckte Lier auch auf dem Genfer See und damit eine neue Leidenschaft. Die hat sie inzwischen nicht nur zum Beruf gemacht. Wenn Lier nicht in ihrer Wahlheimat Unterricht in Sachen SUP gibt, ist sie auf Wettkämpfen unterwegs, jüngst auch in Nordhausen. Der Sport ist noch jung, die Profi-Szene überschaubar, aber es gibt Welt- und Europameisterschaften. Und Lier gehört zur sportlichen Elite der SUP-Fahrer.
Ein Sport für Alle
Nun mag der Laie schmunzeln, wieviel Sport kann da schon dabei sein, wenn man auf dem Brett steht und gemütlich vor sich hin paddelt? Wie sich herausstellt eine ganze Menge. Natürlich ist das Wie hier eine entscheidende Frage. In vollem Körpereinsatz oder ganz entspannt? Und schafft man es überhaupt oben zu bleiben? Lier und Kollegen müssen in Sprints oder auf der Langstrecke Tempo machen, im Slalom ist Technik gefragt.
Susanne Lier ist SUP-Europameisterin, schätzt aber eigentlich das Training und die Lehre mehr als den Wettkampf (Foto: Christoph Keil)
Der Neuling wird erst einmal damit zu kämpfen haben, überhaupt auf dem Brett zu bleiben denn das mag zwar leichter sein als Wellenreiten oder Windsurfen, verlangt aber doch einiges an Körperspannung und Gleichgewichtssinn. Den einen oder anderen Abgang ins Nass sollte man einkalkulieren und je nach Fitnessgrad auch den Muskelkater am nächsten Tag. Ich bezeichne das gerne auch als schwimmenden Gleichgewichtstrainer, der von Kopf bis Fuß alles trainiert. Außerdem hat man auf dem Wasser einen gewissen Wellnessfaktor. Das ist für Reha-Maßnahmen, Phyiso- oder auch die Stresstherapie ideal., sagt Lier. Die Vielseitigkeit mache den großen Reiz des SUP aus: der Sport ist leicht zu erlernen, das Material vergleichsweise günstig in der Anschaffung und auf dem Wasser ist sowohl effektive Ganzkörperfitness als auch meditative Entspannung möglich.
Der eine oder andere Abgang ins Nass gehört, gerade bei sportlichen Spielereien, einfach dazu und ist dem Spaß an der Sache alles andere als abträglich (Foto: Christoph Keil)
Am einfachsten geht’s mit der richtigen Technik. Die haben sich auch die Profis von anderen abgeschaut, genauer von den Hawaiianern. In Kursen gibt Lier ihr Wissen gerne weiter, Alter und Fitnessgrad spielen dabei kaum eine Rolle, Liers älteste Schülerin ist über 70 Jahre alt. Wir spielen viel mit dem Brett und üben dabei Gleichgewicht und Technik. Den Erwachsenen fällt das deutlich schwerer, die machen sich zu viele Gedanken. Den Kindern zuzusehen wie sie sich auf dem Brett spielerisch hin und her bewegen ist eine reine Freude., erzählt die Sportlerin. Für größere Gruppen und gibt es XXL-Bretter, die nicht nur Spaß machen, sondern auch Teamwork verlangen.
Wieder zu Hause
Susanne Lier hat dieser Tage wieder Station gemacht in Nordhausen. Ein paar alte Kontakte gibt es noch und die haben die Meisterin schon letztes Jahr als Lehrerin an die Bielener Kiesteiche gelockt. Das erste Rennen auf dem Nordhäuser Wassern liegt nur ein paar Wochen zurück und soll im kommenden Jahr definitiv wiederholt werden. Für diese Woche waren noch einmal Lehrstunden geplant, doch das Wetter wollte nicht so recht mitspielen. Statt drei Kursen für Anfänger, Fortgeschrittene und die Fitness reichte es gestern leider nur für das Fitness-Angebot am Abend. Heute ist Lier noch einmal am und auf dem Wasser, am Nachmittag sind Kinder und Einsteiger dran, um 16 Uhr nimmt Lier Fortgeschrittene mit auf dem See und um 18 Uhr ist noch einmal das sportliche Fitness-Programm auf dem Brett dran. Wer kurz entschlossen noch Interesse hat, kann sich unter susanne@paddlefit.ch anmelden. Mit Materialleihe schlägt der Kurs mit 35 Euro zu Buche, wer sein eigenes Brett mitbringen kann zahlt nur 20 Euro.Mit dabei waren gestern auch Susanne Ritscher, Christoph Keil und Sabine Börsch. Das sportliche Trio hat gefallen am Stehpaddeln gefunden und plant, einen eigenen SUP-Verein für Nordhausen zu gründen. Sportlehrerin Ritscher war schon immer gerne auf dem Wasser, auch mit ihren Schülerinnen und Schülern und will sich unter anderem für die Jugendarbeit stark machen. Ich stand vor sechs Jahren zum ersten mal auf dem SUP und habe für mich noch einmal eine Alternative gefunden, die ungefährlicher ist als die Sachen, die ich bisher gemacht habe, wie Wellenreiten oder Kitesurfen., erzählt Ritscher. Sabine Börsch schätzt vor allem den Entspannungsfaktor und freut sich auf Ausgefalleneres, wie Yoga auf dem SUP. Die Fachkräfte dafür habe man schon in der Hinterhand und mit Susanne Lier einen Vollprofi an der Seite. Gute Kontakte hat man auch zu Axel Heck, als möglicher Standort für den SUP-Club könnte so der noch zu bauende Camping-Platz zwischen Sundhäuser und Forellensee in Betracht kommen.
Wer also die Möglichkeit zum schnuppern in diesem Jahr verpasst oder grundsätzlich Interesse an der Paddelei hat, muss nicht verzagen. Susanne Lier will auch nächstes Jahr wieder in die alte Heimat kommen und die Nordhäuser Stehpaddel-Enthusiasten bauen sich ihre Strukturen gerade auf. Für die Kiesteiche und die Region, könnte das wieder ein kleines Stück dringend benötigter Belebung werden.
Angelo Glashagel






