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Mi, 18:01 Uhr
05.10.2005

nnz-Forum: Betroffen

Nordhausen (nnz). Die nnz hatte vor einigen Wochen über die Entlassungen beim Unternehmen FMN berichtet. Jetzt erreichte die Redaktion der Brief eine Betroffenen. Der Inhalt hat die nnz-Macher ebenfalls betroffen gemacht. Wir wollen das Schreiben trotzdem veröffentlichen.


Wie ehrlich sind Unternehmer bei Entlassungen? Diese Frage stellt sich ein ehemaliger FMN-Mitarbeiter, dessen Name der Redaktion bekannt ist und schreibt: „Unternehmen, welche durch objektive Gründe in wirtschaftliche Schwierigkeiten kommen und Einsparungsmaßnahmen einleiten müssen, die versteht jeder – so denke ich. Es kann halt nur das Geld ausgegeben werden, was zuvor erwirtschaftet worden ist. Wie ehrlich muß ein Unternehmer in solch einer Situation sein, der dadurch bedingt seine Mitarbeiter entlassen muß? Für den betroffenen Mitarbeiter ist es sehr schlimm, eine Welt bricht zusammen. Seine Gewohnheiten ändern sich gravierend, sein Zeitablauf stimmt nicht mehr, er hat keine Aufgabe mehr und wird gefühlsmäßig zum Menschen zweiter Klasse degradiert.

Besonders ist mir das bewusst geworden, als ich zum ersten Mal das Arbeitsamt betrat, Ich lief mit gesenktem Kopf herum und versuchte mit niemandem ins Gespräch zu kommen, weil mich dass immer wieder dermaßen aufregte und meine Gesundheit darunter litt.

In dieser Situation musste ich aber feststellen, dass mein langjähriger Arbeitgeber mich belügt, versucht mich auszutricksen, mir meine Rechte zu nehmen und mit mir nicht ehrlich umgeht. Ein Mitarbeiter, der jahrzehntelang ohne Rücksicht auf seine Gesundheit immer da war, wenn er gebraucht wurde, am Wochenende gearbeitet hat, nicht bezahlte Überstunden schruppen musste und sich vom Arbeitgeber Demütigungen gefallen lassen musste und vor allem seine Familie hinten an stellte. Ich denke, es ist dem Arbeitnehmer hier nicht zu verübeln, wenn er dabei eine ungeheure Wut im Bauch bekommt.

In einem Zeitungsbericht wundert sich der Geschäftsführer Goldschmidt, dass nur 10 Prozent der Mitarbeiter in eine Auffanggesellschaft gehen. Diese Auffanggesellschaft (AG) schafft für die Betroffenen keine weiteren Vorteile, als dass die Arbeitslosigkeit einen Monat später beginnt, als seine individuelle Kündigungsfrist, jedoch bei Nullkurzarbeitergeld 62% oder 67%. Aber der Mitarbeiter wird abgeschoben in der Weise, dass er beim Eintritt in die AG auf alle rechtlichen Mittel verzichten muß.

Das Schöne dabei, die AG wird ihm zehn Tage vor der Kündigung schmackhaft gemacht und er muß sich entscheiden. Schließlich kommt er zu dem Schluß, dass es womöglich keine andere Variante für ihn gibt. Und der Betriebsrat? Der spielt da noch im Sinne des Unternehmens mit. Für den langjährigen, aber rechtsunkundigen Mitarbeiter ist das ein Desaster. Er läuft zum Arbeitsamt und bekommt zur Antwort: „Wir dürfen keine Auskünfte geben, bitte reichen Sie Ihre Unterlagen ein und danach wird entschieden“. Er läuft zum Arbeitsgericht und bekommt zur Antwort: „Wir helfen Ihnen bei der Formulierung der Klage, aber Rechtsauskunft geben wir nicht!“ Er läuft zum Betriebsrat Roscher und bekommt zur Antwort: „Das weiß ich nicht!“

Und so frage ich meine ehemaligen Geschäftsführer bei FMN, die ja für ihren Topjob ein Topgehalt beziehen?

1. Wer hat seine Vertriebsaktivitäten einseitig nur auf eventuell mögliche Telekomaufträge ausgerichtet?
2. Wer hat sich nicht objektiv auf dem Markt orientiert was gebraucht wird, sondern nur Kraft seiner Verfügungsgewalt die Produkte entwickeln lassen, welche seinem persönlichen Empfinden entsprachen?
3. Wer hat sich nicht um den wachsenden Exportmarkt in den vielen neuen Ländern bemüht. Wo Deutschland ja Exportweltmeister ist, bleibt FMNN nur in Marokko hängen?

Zu diesen Beispielen könnte man noch viele hinzufügen. Die Unternehmensentscheidungen haben wahrlich ein Topgehalt verdient. Da gibt es bei FMN aber noch eine graue Eminenz, welche in Hildesheim sitzt und eigentlich mit 51 Prozent das wahre Sagen hat. Unumstritten, er hat unwahrscheinlich viel für FMN getan, ohne diesen Mann gebe es FMN nicht mehr. Aber er ist jetzt alt, er ist schon Jahre nicht mehr an der Basis, er hat einen Geschäftsführer für den Vertrieb installiert. Der ist sein Vertrauter, er ist das Auge und das Ohr für ihn aus der Ferne.

Das sind nur die wahren Gründe der misslichen Lage von FMN aus meiner Sicht und nicht die betroffenen Mitarbeiter, die jetzt das Schiff verlassen müssen.
Name des Verfassers ist der Redaktion bekannt
Autor: nnz

Anmerkung der Redaktion:
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