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Fr, 08:24 Uhr
30.07.2021
15. Harz-Hunderter Extrem

147 Kilometer am Stück

Extrem war er schon immer, der Harz-Hunderter Extrem. 147 km von Seesen nach Eisleben Wandern, mit zwei Nächten ohne Schlaf. Mit Unterbrechungen seit 20 Jahren lädt Bodo Schwarzberg zu dieser Veranstaltung ein...

2001 waren er und der Vogtländer Klaus Weigel wahrscheinlich die ersten Wanderer, die den Harz entlang seiner größten Ausdehnung in einer einzigen, also nicht durch Übernachtungen unterbrochenen Tour durchquerten.

Heute Abend führt der gebürtige Nordhäuser erneut drei Enthusiasten auf die Strecke, die diesmal noch ein wenig extremer sein wird, als sonst: „Wir haben leider auf den ersten 55 Kilometern keine Verpflegungsstelle“, sagte er gegenüber der nnz, „weil uns die jahrelang übliche Gaststätte nach 11 Kilometern in Lautenthal nicht mehr bewirten mag.“ Vor einem Jahr habe ihm der Wirt eindeutig zu verstehen gegeben, dass die Wanderer zu wenig verzehrt, sprich ihm zu wenig Geld dagelassen hätten. Damit sei diese Imbissmöglichkeit vom Tisch – und eine andere Möglichkeit gibt es nachts im verschlafenen Westharz nicht.

Dennoch war dies für Schwarzberg kein Grund, die ganze Veranstaltung in Frage zu stellen: „Extrem heißt extrem, es ist halt nur noch eine kleine Schwierigkeit hinzugekommen“, schmunzelt er. - Dass es unter den gegebenen Bedingungen überhaupt Anmeldungen gab, hält er für ein kleines Wunder.

Auch 2021 wird Bodo Schwarzberg wieder einige Wanderfreunde von West nach Ost über den Harz führen (Foto: Bodo Schwarzberg) Auch 2021 wird Bodo Schwarzberg wieder einige Wanderfreunde von West nach Ost über den Harz führen (Foto: Bodo Schwarzberg) Denn: Da sich noch die Öffnungszeiten der Brockengastronomie von 9 auf 10 Uhr um eine Stunde nach hinten verschoben haben, werden die Langstreckler auch auf dem höchsten Harzgipfel nach 48 Kilometern aus ihren Rucksäcken leben müssen. „Wir sind planmäßig spätestens um 9 Uhr oben. Eine spätere Ankunft auf dem Brocken können wir uns mit Rücksicht auf die folgenden Gaststätteneinkehren eigentlich kaum erlauben“, erklärt der Wanderleiter, für den das morgendliche Frühstück im dann noch kaum besuchten Brockenbahnhof eigentlich stets zu den wichtigen Motivationen zählte.

Diesmal wird es erst in Schierke nach 55 Kilometer und gut einem Drittel der Gesamtstrecke ein zünftiges Frühstück geben. Weiter geht es für das Quartett über Elend und Königshütte nach Trautenstein (km 73, nächste Einkehr) und weiter nach Stiege, Güntersberge und Straßberg (km 98, Imbiss zweite Nacht).

Die folgenden in der zweiten Nacht angewanderten Stationen heißen Dankerode, Wippertalsperre und Wippra, gefolgt von Grillenberg mit der Frühstückseinkehr am 1. August (km 126). Über Hergisdorf und Wimmelburg streben sie schließlich dem Ziel, dem Bahnhof Lutherstadt Eisleben, entgegen, das am Sonntag spätestens 13 Uhr erreicht werden soll.

Trotz der zu erwartenden Schwierigkeiten ist Schwarzberg guter Dinge: „Wir haben nach Jahren mit stundenlanger Hitze von 30 und mehr Grad endlich mal wieder relativ durchschnittliche Temperaturen. Das hilft schon dabei, Getränke zu sparen und den Organismus weniger zu belasten“, sagt er.

Vor einem Jahr gab er, der den Harz bereits zehnmal am Stück durchquert hat, auf dieser Strecke erstmals nach 100 Kilometern auf - wegen Müdigkeit und kaputten Wanderschuhen. „Ich hoffe, dass wir Vier es diesmal alle ins Ziel Eisleben schaffen. Aber auch Aufgeben ist Teil des Sports. Nur wer etwas Sportliches wagt, kann auch aufgeben“, meint er.

Der Nordhäuser möchte den 15. Harz-Hunderter EXTREM übrigens symbolisch den Harzer Wäldern widmen, da sie so sehr unter dem Klimawandel litten: „Wir alle sind aufgerufen, etwas zu ändern. Die Natur kann sich dem rasant Fahrt aufnehmenden Klimawandel wenn überhaupt, dann nur sehr langsam anpassen. Ein schreckliches Ergebnis dieser Tatsache sehen wir in unseren Harzer Wäldern, die gerade vielfach absterben. Wir sollten nach Jahrzehnten des Verdrängens von Fakten keine Zeit mehr mit Schönreden und Diskussionen statt mit zielgerichtetem Handeln vertreichen lassen“, wünscht sich Schwarzberg, der der Politik auch in Thüringen aus einem egoistischen Machtinstinkt heraus ein unglaubliches Versagen zuungunsten späterer Generationen vorwirft.
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Kommentare

30.07.2021, 09.02 Uhr
Wauwau | 147 km am Stück . Okay !
Sicher finden sich auf dieser Strecke viele interessante Einzelabschnitte die gern erwandert sein wollen aber was bekommt man bei solch gerenne mit Zeit und Termindruck oder in der Nacht überhaupt noch davon mit. Trotzdem Respekt.

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