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Mi, 08:18 Uhr
23.06.2021
Thüringr Philologenverband ist alarmiert:

Das schaffen wir Lehrkräfte nicht allein!

„Lernlücken diagnostizieren, Förderpläne erstellen und Maßnahmen durchführen zum Schließen der Lernrückstände bei den Schülerinnen und Schülern – das können wir Lehrkräfte unmöglich allein leisten!“, so Heike Schimke, Vorsitzende des Thüringer Philologenverbandes...

Die Lehrkräfte in Thüringen sind derzeit damit beschäftigt, für Schülerinnen und Schüler in den letzten Schulwochen eine „Schulnormalität“ herzustellen. Der volle Präsenzunterricht wird in fast allen Bereichen Thüringens wieder erteilt.

Das kommende Schuljahr wirft jedoch bereits seine Schatten voraus. „Alle reden von Lernlücken, deren Diagnose und dass diese durch (möglichst individuelle) Fördermaßnahmen ab dem kommenden Schuljahr geschlossen werden sollen. Wer das leisten soll und wie – das ist unklar!“, stellt Heike Schimke fest.

Fakt ist: Das letzte und das laufende Schuljahr haben viele Lehrkräfte an die Grenzen des Machbaren geführt. Sehr viele haben deutlich mehr gearbeitet, als man erwarten konnte, um ihre Schülerinnen und Schüler bestmöglich zu unterrichten und zu betreuen. Es zeichnet außerdem ein völlig verzerrtes Bild von der Realität, wenn nun behauptet wird, der Distanzunterricht während des ersten Lockdowns 2020 sei für die Schülerinnen und Schüler nicht effektiver gewesen als Sommerferien. Ein Schlag ins Gesicht ist dies für die Kolleginnen und Kollegen obendrein.
Noch so ein Schuljahr mit viel mehr Arbeit als sonst? Wie sollen die Diagnose und die Förderung neben der normalen Arbeit laufen?
Das können die Lehrerinnen und Lehrer allein nicht leisten.

Zusätzliches unterstützendes Personal an Schulen für die Förderung, z.B. durch Pensionäre, Studenten und Lehramtsanwärter, sowie außerschulische Hilfsangebote sind dringend erforderlich.

Heike Schimke: „Bereits nach dem ersten Lockdown hat sich gezeigt, dass nicht wenige Schülerinnen und Schüler mit den ungewohnten Bedingungen unerwartet gut zurechtgekommen sind. Besonders zu leiden unter dem Lockdown hatten aber vor allem die ohnehin bereits benachteiligten Kinder und Jugendlichen. Diese benötigen nun unbedingt zusätzliche schulische und außerschulische Hilfen, um wieder den Anschluss zu finden.“
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Kommentare

23.06.2021, 08.49 Uhr
vom-Dorf | Da gebe ich Ihnen vollkommen recht.
Um es mal vornweg zu sagen, wir wohnen ländlich und unser Kind geht auf eine Regelschule auf dem Dorf. Also unsere Erfahrungen mit dem Distanzunterricht wurden durch die Studie der Leopoldina vollumfänglich ausgedrückt und diese Studie bezieht sich ja vor allem auf den relativ kurzen 1. Lockdown. Unser Kind hat auch im 2. Lockdown nur Aufgaben zum Selbststudium bekommen - 4,5 Monate lang. Eine einzige Stunde wurde online abgehalten. Die Aufgaben wurden nur teilweise zeitnah abgefordert, so dass auch kein "Druck" zur Erledigung vorhanden war. Und es kann auch nicht sein, dass die Eltern die gesamte Bildungsarbeit übernehmen. Hilfe ja, aber ständige Motivation und Wissensvermittlung, das geht einfach nicht und das kann auch nicht Jeder. Mir tun alle Kinder leid, denn ihre Erfahrungen mit Schule sind keine Guten. Sie wurden und werden von der Politik vergessen. Und für den Herbst/ Winter wurden bisher keine Maßnahmen getroffen, Luftfilter hätten schon längst bestellt und eingebaut sein können.

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23.06.2021, 12.23 Uhr
BigBen | Heike Schimke
Nur eine Frage, wie viel Lehrer/Innen sind unter den Arbeitsbedingungen während des Lockdowns vor Stress zusammen gebrochen?

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23.06.2021, 21.50 Uhr
ndh-85 | Da kann ich mich....
....meinen Vorrednern nur anschließen. Ich betreue seit dem 1. Lockdown mehrere Kinder,von Grundschüler bis hin zu Realschülern und kann vom ersten Tag an nur mit dem Kopf schütteln, wie mit der Situation umgegangen wird u. musste mit ansehen,was es mit den Kindern macht.Die leidtragenden sind leider die Kinder. Auf sich allein gestellt, überfordert mit dem Pensum an Aufgaben, die sie allein zu bewältigen haben.Überfordert damit,sich den kompletten Lernstoff allein beibringen zu müssen.

Im gesamten Zeitraum seit dem 1. Lockdown hat es beispielsweise gerade mal 4-5 Onlinestunden geben. Und wer glaubt, dass hierbei aktiv am Lernstoff gearbeitet wurde, der irrt.Es wurde sich 30min übers Wochenende unterhalten und irgendwelche Spiele gemacht. Von der Vermittlung und Besprechung des Unterrichts keine Spur. Und wenn ich mir dann die verteilten Wochenaufgaben anschaute, fing ich langsam selbst an zu zweifeln.Da wurden Sportübungen, Musiknoten-Übungen oder Aufgaben für den Werkenunterricht verteilt. Von den Hauptfächer kaum eine Spur.Wiederum gab es Wochen, in denen die Kinder mit Aufgaben zubombadiert wurden und an ihre Grenzen kamen.

Ich weiß nicht wie man erwarten kann,dass die Eltern den kompletten Wissensstoff vermitteln sollen. Es ist ja nicht so,dass alle Eltern während des Lockdown zuhause bleiben durften.Und nicht alle Eltern sind in der Lage, den Stoff auch entsprechend verständlich vermitteln zu können. Als Studentin hab ich gleich im 1. Lockdown erkannt, dass einiges seitens der Politik schief läuft und letztendlich die Kinder die leidtragenden sein werden.Drum hab ich mich dazu entschieden, die Kinder in meiner Freizeit zu unterstützen Teilweise musste ich den Lernstoff von 2 Klassenstufen aufarbeiten. Und das ist echt kein Papoenstil. Wenn wir Erwachsenen schon an unsere Grenzen stoßen, wie sollen denn die Kinder damit denn fertig werden? Und was einen richtig traurig macht, ist die psychische Verfassung der Kinder.

Das ein online Unterricht funktionieren kann hat die Hochschule NDH mit Hilfe moodle erfolgreich gezeigt. Innerhalb von 2 Wochen wurde ein Konzept erarbeitet und es ist nicht 1 Stunde ausgefallen.Und Wir sind wohlgemerkt teilweise viele Studenten im Kurs.

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