Do, 09:00 Uhr
03.06.2021
Kleine Freiheit will anbauen
Scheine für Steine
Kultur, Musik und Kunst abseits vom Mainstream, der Verein Kleine Freiheit schickt sich an, dem angeschlagene Nordhäuser Kulturleben neue Impulse zu geben. Die ersten Hürden hat man nach einem guten Jahr genommen, damit es zügig weiter geht hofft man nun auf Unterstützung und startet die Aktion Scheine für Steine…
Stephanie Tiepelmann-Halm und Alexander Scharff auf dem Hof der Kleinen Freiheit mit dem "rollenden Wohnzimmer" (Foto: agl)
Mitte Mai war es endgültig vorbei - in der Grimmelallee rückte der Bagger einem Stück Nordhäuser Nachwende-Kultur zu Leibe: die Destille wurde abgerissen. Das es so kommen würde war schon länger klar, der Abriss war letztlich nur ein Symptom des langsamen Siechtums im Nachtleben der Stadt. Doch wo sich eine Tür schließt öffnet sich manchmal ein Fenster. Und das will der Verein Kleine Freiheit aufreißen. Gegründet im Sommer 2020 hat man sich vorgenommen, der Stadt wieder eine alternative Anlaufstelle für Kulturliebhaber und Nachtschwärmer zu bieten, eine Destille 2.0, wenn man so will.
Den Vergleich zieht man im Verein nur ungern, mann will mehr bieten als eine Musikkneipe, will ein Kulturort sein. Ganz von der Hand weisen lässt er sich aber auch nicht, die Traditionslinie ist deutlich. Eine Heimstatt für die kleine Freiheit hat man im vergangenen Jahr nach langer Suche in der Freundschaftsstraße gefunden. Seitdem hat man hier, so gut es in der Pandemie eben ging, Hand angelegt um das Areal zu ertüchtigen.
Man wolle Haus und Hof nicht totsanieren, sagt Vereinsmitbegründer Alexander Scharff, das rustikale Industrie-Ambiente der alten Stellmacherei aus grob verputzten Backsteinwänden, Holz und Stahl soll soweit als möglich erhalten bleiben. Mit Spucke, Schweiß und Muskelkraft der insgesamt 111 Vereinsmitglieder allein ist das Unterfangen nicht zu stemmen, schon der Weg bis hierher war ein Hürdenlauf. Mieten konnte man das Gelände nicht, man musste kaufen. Das wiederum konnte der junge Verein nicht stemmen und so wurde eine GbR gegründet, die Haus und Hof erworben und im Obergeschoss eine Wohngemeinschaft zur Miete eingerichtet hat. Auch der Verein zahlt eine moderate Miete, die Dinge mussten rechtlich sauber getrennt werden und ohne die Möglichkeit selber Veranstaltungen zu organisieren, braucht man die Einnahmen um die laufenden Kosten bestreiten zu können. Bevor man regelmäßig zur Party laden kann, müssen die Standards für Brandschutz, Statik, Sanitäranlagen und Hygiene erfüllt werden, man braucht Licht- und Tontechnik und schick soll es, bei allem rustikalem Charme, schließlich auch werden.
Wir wussten alle das es nicht leicht werden würde, da steckt viel Verantwortung drin, nicht nur Spaß und Freude, sagt Scharff. Wo es geht, packt man selber an, reißt ab, baut um und zimmert sich den Traum zurecht. Aber man ist auch auf Hilfe angewiesen, vor allem in Form Geld- und Sachspenden. Die flackernde Leuchtreklame im Hauptraum bekam man ebenso gesponsert, wie einen ordentlich Satz handgefertigter Industrie-Fließen aus einer alten Manufaktur. Und man stellt Fördermittelanträge, versucht Lottomittel einzuwerben und wirbt an einschlägigen Stellen wie der Kreissparkasse um Unterstützung.
Dass die zweite und dritte Corona-Welle dazwischen kam, war Fluch und Segen zugleich, erzählt Stephanie Tiepelmann-Halm. Wir hatten zwischendurch eine Durststrecke und konnten nicht oft hier sein. Aber der Enthusiasmus ist noch da, gerade jetzt, wo man wieder näher dran ist bekommt man wieder Lust die Sache anzugehen. Die Einschnitte durch Corona seien insofern nicht schlecht gewesen, als das man Zeit hatte, sich um die not- wie aufwendigen Formalien wie den Bauantrag zu kümmern.
Scheine für Steine
Ohne den kann es nicht richtig vorangehen, denn man will zwei kleinere Anbauten realisieren um hier Eingangsbereich, Garderobe und Sanitäranlagen unterzubringen. Und die bereits erwähnte Technik sowie neue Fenster sind ebenso vonnöten. Um den nächsten Schritt in die Tat umsetzen zu können, hat man jetzt die Spendenaktion Scheine für Steine ins Leben gerufen. Wer 50 Euro oder mehr spendet, wird auf einem Stein an der Spenderwand der Kleinen Freiheit namentlich verewigt. Die Zielmarke von 50.000 Euro liegt noch in einiger Entfernung, man hofft daher genug Leute zu finden, die bei der Aktion mitmachen.
Wenn Tiepelmann-Halm und Scharff über den Hof führen und erklären wie es einmal werden soll, was man erhalten, was hinzufügen, was selber anfertigen will, dann kann man schon eine vage Vorstellung von dem bekommen, was sein könnte. Eine erste Möglichkeit sich ein eigenes Bild zu machen, soll es noch diesen Sommer geben. Man plant eine größere Veranstaltung, will aber noch nicht sagen, was genau. Vielleicht wird man da anfangen, wo die Destille aufgehört hat. In Stein gemeißelt ist das aber noch nicht, man wird sehen müssen wie sich die Lage entwickelt.
Wer seine Scheine gegen Steine tauschen und die Kleine Freiheit unterstützen will, kann das unter folgendem Spendekonto tun:
Kleine Freiheit
Kreissparkasse Nordhausen
IBAN: DE 8082 0540 5203 0502 9770
Kennwort: Scheine für Steine
Angelo Glashagel
Autor: red
Stephanie Tiepelmann-Halm und Alexander Scharff auf dem Hof der Kleinen Freiheit mit dem "rollenden Wohnzimmer" (Foto: agl)
Mitte Mai war es endgültig vorbei - in der Grimmelallee rückte der Bagger einem Stück Nordhäuser Nachwende-Kultur zu Leibe: die Destille wurde abgerissen. Das es so kommen würde war schon länger klar, der Abriss war letztlich nur ein Symptom des langsamen Siechtums im Nachtleben der Stadt. Doch wo sich eine Tür schließt öffnet sich manchmal ein Fenster. Und das will der Verein Kleine Freiheit aufreißen. Gegründet im Sommer 2020 hat man sich vorgenommen, der Stadt wieder eine alternative Anlaufstelle für Kulturliebhaber und Nachtschwärmer zu bieten, eine Destille 2.0, wenn man so will.
Den Vergleich zieht man im Verein nur ungern, mann will mehr bieten als eine Musikkneipe, will ein Kulturort sein. Ganz von der Hand weisen lässt er sich aber auch nicht, die Traditionslinie ist deutlich. Eine Heimstatt für die kleine Freiheit hat man im vergangenen Jahr nach langer Suche in der Freundschaftsstraße gefunden. Seitdem hat man hier, so gut es in der Pandemie eben ging, Hand angelegt um das Areal zu ertüchtigen.
Man wolle Haus und Hof nicht totsanieren, sagt Vereinsmitbegründer Alexander Scharff, das rustikale Industrie-Ambiente der alten Stellmacherei aus grob verputzten Backsteinwänden, Holz und Stahl soll soweit als möglich erhalten bleiben. Mit Spucke, Schweiß und Muskelkraft der insgesamt 111 Vereinsmitglieder allein ist das Unterfangen nicht zu stemmen, schon der Weg bis hierher war ein Hürdenlauf. Mieten konnte man das Gelände nicht, man musste kaufen. Das wiederum konnte der junge Verein nicht stemmen und so wurde eine GbR gegründet, die Haus und Hof erworben und im Obergeschoss eine Wohngemeinschaft zur Miete eingerichtet hat. Auch der Verein zahlt eine moderate Miete, die Dinge mussten rechtlich sauber getrennt werden und ohne die Möglichkeit selber Veranstaltungen zu organisieren, braucht man die Einnahmen um die laufenden Kosten bestreiten zu können. Bevor man regelmäßig zur Party laden kann, müssen die Standards für Brandschutz, Statik, Sanitäranlagen und Hygiene erfüllt werden, man braucht Licht- und Tontechnik und schick soll es, bei allem rustikalem Charme, schließlich auch werden.
Wir wussten alle das es nicht leicht werden würde, da steckt viel Verantwortung drin, nicht nur Spaß und Freude, sagt Scharff. Wo es geht, packt man selber an, reißt ab, baut um und zimmert sich den Traum zurecht. Aber man ist auch auf Hilfe angewiesen, vor allem in Form Geld- und Sachspenden. Die flackernde Leuchtreklame im Hauptraum bekam man ebenso gesponsert, wie einen ordentlich Satz handgefertigter Industrie-Fließen aus einer alten Manufaktur. Und man stellt Fördermittelanträge, versucht Lottomittel einzuwerben und wirbt an einschlägigen Stellen wie der Kreissparkasse um Unterstützung.
Dass die zweite und dritte Corona-Welle dazwischen kam, war Fluch und Segen zugleich, erzählt Stephanie Tiepelmann-Halm. Wir hatten zwischendurch eine Durststrecke und konnten nicht oft hier sein. Aber der Enthusiasmus ist noch da, gerade jetzt, wo man wieder näher dran ist bekommt man wieder Lust die Sache anzugehen. Die Einschnitte durch Corona seien insofern nicht schlecht gewesen, als das man Zeit hatte, sich um die not- wie aufwendigen Formalien wie den Bauantrag zu kümmern.
Scheine für Steine
Ohne den kann es nicht richtig vorangehen, denn man will zwei kleinere Anbauten realisieren um hier Eingangsbereich, Garderobe und Sanitäranlagen unterzubringen. Und die bereits erwähnte Technik sowie neue Fenster sind ebenso vonnöten. Um den nächsten Schritt in die Tat umsetzen zu können, hat man jetzt die Spendenaktion Scheine für Steine ins Leben gerufen. Wer 50 Euro oder mehr spendet, wird auf einem Stein an der Spenderwand der Kleinen Freiheit namentlich verewigt. Die Zielmarke von 50.000 Euro liegt noch in einiger Entfernung, man hofft daher genug Leute zu finden, die bei der Aktion mitmachen.
Wenn Tiepelmann-Halm und Scharff über den Hof führen und erklären wie es einmal werden soll, was man erhalten, was hinzufügen, was selber anfertigen will, dann kann man schon eine vage Vorstellung von dem bekommen, was sein könnte. Eine erste Möglichkeit sich ein eigenes Bild zu machen, soll es noch diesen Sommer geben. Man plant eine größere Veranstaltung, will aber noch nicht sagen, was genau. Vielleicht wird man da anfangen, wo die Destille aufgehört hat. In Stein gemeißelt ist das aber noch nicht, man wird sehen müssen wie sich die Lage entwickelt.
Wer seine Scheine gegen Steine tauschen und die Kleine Freiheit unterstützen will, kann das unter folgendem Spendekonto tun:
Kleine Freiheit
Kreissparkasse Nordhausen
IBAN: DE 8082 0540 5203 0502 9770
Kennwort: Scheine für Steine
Angelo Glashagel


