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Do, 12:04 Uhr
20.05.2021
DIE SCHULPARTNERSCHAFTEN IN GEFAHR

Die Lage wird immer dramatischer

Zwischen der Nordhäuser Montessori-Schule und der Degamba Schule im armen Äthiopien besteht seit Jahren eine schulische Partnerschaft. Die Paten aus Nordhausen helfen tatkräftig, um den Mädchen und Jungen ein gutes Lernen zu ermöglichen. Über die Beziehungen schreibt für die nnz regelmäßig Katrin Cieslak. Diesmal teilt sie mit...

Wird dringend benötigt (Foto: K. Cieslak) Wird dringend benötigt (Foto: K. Cieslak)
Nordhausen/Degamba. Liebe Äthiopienpaten und -freunde. Wieder einmal hat Kiros für uns unter sehr schwierigen Bedingungen eine Lebensmittellieferung nach Degamba organisiert. Wieder freuen sich 50 Familien darüber, dass sie für einen weiteren Monat keinen Hunger leiden müssen. Dieses Mal war es noch schwieriger, denn wieder war auf dem Weg von Degamba nach Mekele eine bewaffnete Auseinandersetzung ausgebrochen und hinderte Hagos die Lebensmittel abzuholen. Ausserdem muss er sein Feld bestellen, um wenigstens etwas gegen den Hunger zu tun. Sein Cousin kam schließlich nach Mekelle und kaufte mit Kiros gemeinsam die Lebensmittel ein. Sie verluden sie gemeinsam auf ein Auto. Kiros teilte mir heute mit, dass sie bereits in Degamba angekommen und verteilt worden sind.

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Derzeit wird viel gekämpft um Mekelle. Kiros berichtete mir, wie verzweifelt und mutlos die Menschen inzwischen in Tigray sind. Auch er ist derzeit sehr pessimistisch, was die Zukunft Tigrays angeht, denn die Lage wird immer dramatischer. Von den Augen der Weltöffentlichkeit weitgehend abgeschottet, halten die Menschenrechtsverletzungen unvermindert an. Entgegen den Ankündigungen der äthiopischen Regierung haben sich die Truppen aus dem Nachbarstaat Eritrea noch immer nicht aus der besetzten Region zurückgezogen. Sie werden von der dortigen Bevölkerung, von Mitarbeitern internationaler Hilfsorganisationen und den wenigen, in die Provinz gelassenen Journalisten für einen Großteil der Menschenrechtsverbrechen verantwortlich gemacht. Teilweise sind die eritreischen Soldaten inzwischen in äthiopische Uniformen gekleidet. Sie sind vor allem dafür verantwortlich zu machen, dass Hilfslieferungen nicht in die am schlimmsten betroffenen Regionen gebracht werden können.

So blockieren und plündern die eriträischen Soldaten immer wieder ausländische Hilfslieferungen für die hungernde Bevölkerung und vergewaltigen und töten die Bevölkerung wahllos. Sie tauchen immer wieder bei der Verteilung von Hilfsgütern auf, so dass die verängstigte Bevölkerung dann das Weite sucht, während die eritreischen Truppen die Nahrungsmittel konfiszierten. Sie halten, die Bevölkerung gezielt von der Landwirtschaft ab, verwehren den Kleinbauern den Zugang zu ihren Feldern und behindern den Transport von Saatgut. Offensichtlich ist es die Absicht des Militärs, das Volk von Tigray verhungern zu lassen.

Straßenbild (Foto: Cieslak) Straßenbild (Foto: Cieslak)
Auch außerhalb der Provinz wird von einer zunehmenden Verfolgungswelle gegenüber Angehörigen der Tigray berichtet. So berichtet mir Kiros in unserem letzten Telefonat, dass er sich in Addis, auch im Blick auf die bevorstehenden Wahlen, nicht mehr sicher fühle und sehr vorsichtig sein muss. Aby hat erst heute wieder den Termin der bevorstehende Wahlen erneut um 3 Wochen verschoben, so dass eine Änderung der Situation bedauerlicher Weise momentan nicht abzusehen ist.

Der oberste Kirchenführer der orthodoxen Kirche in Tigray, der derzeit gegen seinen Willen in Addis Abbeba festgehalten wird, sprach in einer persönlichen Videobotschaft von einem "Völkermord" in Tigray. Es ist also nach wie vor äußerst wichtig den Menschen dort zu helfen, da trotz aller diplomatischer Verhandlungen bisher keine nennenswerte Verbesserungen erreicht werden konnten und Aby weiterhin zu keinen neuen Verhandlungen bereit ist. Es ist in meinen Augen bedauerlich, dass Deutschland zu sehr mit den bevorstehenden Bundestagswahlen und der Coronapandemie beschäftigt ist, um mehr Druck auf Aby und damit ein Ende dieser verheerenden Situation in Tigray auszuüben.

Deshalb an dieser Stelle noch einmal ein ganz besonders großes Dankeschön an euch alle, die ihr nach wie vor die notleidenden Menschen dort unterstützt.

So können wir immer wieder ein kleines Hoffnungszeichen setzen. Wer noch mehr Fragen zur Situation in Tigray hat, kann sich auch gerne persönlich an mich wenden.
Katrin Cieslak
Autor: psg

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Kommentare
Alex Gösel
21.05.2021, 03:18 Uhr
Frau Cieslak,
kann denn dort nicht die Caritas helfen oder zumindest unterstützend eingreifen? Oder meinetwegen auch ein anderer sogenannter sozialer Verein oder Sozialdienst?

ottO treberT
KatiC
21.05.2021, 08:25 Uhr
Hilfe für Organisationen
Caritas International und das Internationale Rote Kreuz helfen bereits vor Ort (ich stehe mit beiden Organisationen im ständigen Kontakt).
Auf Grund der gefährlichen Situation sind derzeit aber nur sehr wenige Mitarbeiter vor Ort. Diese teilen derzeit die Hilfsgüter nur an Menschen und in Städten/Dörfern aus, die direkt an der Hauptstraße zugänglich sind. In die entlegenen Dörfer kommt kaum etwas, da ständig bewaffnete Konflikte stattfinden und die Hilfsmittel nur unter Lebensgefahr dorthin gebracht werden können.
Verständlicheweise setzten die Hilfsorganisationen ihre Mitarbeiter dieser Lebensgefahr nicht aus.
Ein weiteres Problem ist, dass Hilfsmittel die an die verantwortlichen Einheimischen zum verteilen an die Bevölkerung übergeben werden dann sehr oft von den eriträischen Truppen einfach beschlagnahmt werden und somit auch nicht an die Bevölerung verteilt werden können. Aus diesem Grund unterstützen derzeit einige kleine und meist persönliche Initiativen die Menschen, die vor Ort gut vernetzt sind und so besseren Zugang zu den ländlichen Regionen haben.
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