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So, 11:24 Uhr
11.04.2021
76. Jahrestag der Befreiung

Die Freiheit muss man jeden Tag schützen

Im Deutschen Nationaltheater Weimar und in der Gedenkstätte Buchenwald wird heute ab 11 Uhr der Befreiung der Konzentrationslager Buchenwald und Mittelbau-Dora vor 76 Jahren gedacht. Das Gedenken wird live und online in sechs Sprachen übertragen...

Damit soll den Überlebenden und ihren Angehörigen auf der ganzen Welt in Zeiten der Pandemie eine Teilnahme ermöglicht werden. Die Rednerinnen und Redner betonen vorab, dass die heutige Bedeutung der Auseinandersetzung mit den nationalsozialistischen Verbrechen immer auch darin liege, an die Verantwortung aller Menschen für das Gelingen einer Gesellschaft zu erinnern.

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Bundespräsident Frank-Walter Steinmeier wird im Nationaltheater die Gedenkrede halten. Die Überlebenden Éva Fahidi-Pusztai (Budapest) und Alex Hacker (Toronto) sendeten bewegende Videobotschaften. Éva Fahidi-Pusztai berichtete: „Mein Leben lang, seit ich entdeckt habe, dass ich nur zu diesem Zweck am Leben geblieben bin, weiß ich, dass ich darüber mein Leben lang reden muss. Reden muss ich vor allem für die Jugendlichen, die keine solchen Erfahrungen gemacht haben. Das wichtigste, was man für die Gesellschaft tun kann, ist, den Hass aus dem gesellschaftlichen Leben zu verbannen“.

Bodo Ramelow, Ministerpräsident des Freistaats Thüringen, wird in seinem Grußwort, mit Blick auf die Gegenwart in Deutschland, deutlich machen: „Wir erleben zunehmend geschichtsrevisionistische Angriffe auf unsere reflexive Geschichtskultur. Forderungen, einen Schlussstrich unter die Untaten des Nationalsozialismus zu ziehen, werden lauter. Diesen darf es nicht geben! Wir müssen die Lehren aus der Vergangenheit ziehen. Der Blick auf die NS- `Volksgemeinschaft ́ mit ihren verachtenden Ausgrenzungspraktiken und barbarischen Verbrechen zeigt uns, in welcher Gesellschaft wir nicht leben wollen. Völkischen Ideen und Geschichtsrevisionismus müssen wir eine wissenschaftlich begründete Geschichtsauseinandersetzung mit einem klaren humanistischen Kompass entgegensetzen. Das sind wir den Opfern schuldig, das sind wir uns schuldig. Denn die Festigung unserer Demokratie beruht nicht zuletzt auf der Auseinandersetzung mit den Verbrechen des Nationalsozialismus.“

Bei der anschließenden Kranzniederlegung in der Gedenkstätte Buchenwald wird Naftali Fürst in seiner Videobotschaft aus Haifa zu den Gästen sprechen: „Wir, die letzten Überlebenden der Hölle, sind in die Jahre gekommen. Wir überwanden die Hürden des Lebens, und nun stehen wir am Ende unseres Weges. Einige von uns erhobenen Hauptes und mit starkem Geist; viele wiederum leider in einem schwierigen Zustand und mit niedergeschlagenem Geist aufgrund der Schäden, die die Vergangenheit angerichtet hat.“

Birgit Keller, Präsidentin des Thüringer Landtags, wird in ihren Gedenkworten die Bedeutung der Zeitzeugen und ihrer Botschaften betonen: „Die authentischen Erfahrungsberichte, klugen Mahnungen und feinen Freiheitssensoren der Überlebenden prägten und prägen noch heute das demokratische Immunsystem ganzer Generationen. Elie Wiesel hat einst die
Hoffnung geäußert, dass jeder, der heute einem Zeugen zuhört, selbst zum Zeugen wird. Es ist nun an uns, all denen die Zeitzeugen hörten und hören, diese Hoffnung und damit gleichzeitig unsere humanistische Pflicht zu erfüllen. Wir alle sind umso mehr gefordert, wenn diese Stimmen verstummt sein werden. Der Schwur von Buchenwald bleibt unser aller Pflicht. [...] Ich habe vorhin am Nationaltheater ein Zitat eines Überlebenden dieses Konzentrationslagers aus der ‚Verschwindenden Wand‘ gezogen. Es stammt von Jean Lorge und lautet: ‘Die Freiheit muss man jeden Tag schützen.‘ Dieses Zitat drückt aus, worum uns es allen immer wieder gehen muss. Es braucht unser aller Engagement um die Freiheit in unserer Gesellschaft zu verteidigen und zu bewahren. Die Freiheit von Hass und Rassismus. Die Freiheit von Gewalt, Unterdrückung und Mord. Die Freiheit von Antisemitismus. Wir dürfen nicht zulassen, dass Nazis, Hetzer und Verschwörungstheoretiker denken, dass die schweigende Mehrheit hinter ihnen steht. Wir dürfen nicht es unwidersprochen lassen, wenn diese Menschen unsere Demokratie verächtlich machen. Und wenn diese Menschen sich anmaßen, Hass im Namen des „Volkes“ zu verbreiten.“

Alle Reden sind in ganzer Länge im Online-Angebot der Stiftung Gedenkstätten Buchenwald und Mittelbau-Dora zum 76. Jahrestag unter liberation.buchenwald.de auch im Nachhinein zu erleben.

Die Kranzniederlegung in der KZ-Gedenkstätte Mittelbau-Dora findet am 12. April 2021, 11 Uhr, statt und wird ebenfalls live übertragen: liberation.dora.de. Die Gedenkrede vor dem ehemaligen Krematorium wird Birgit Keller, Präsidentin des Thüringer Landtags, halten.
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Kommentare

11.04.2021, 11.40 Uhr
Envites | Erinnerung und Nie Wieder...
Sind oft gemeint, aber nicht deutlich gesagt. Natürlich wurde 1945 ein Schlussstrich gezogen. Ns Grauen war vorbei. Freiheit blieb und bleibt ein problematischer Begriff. Hier kann vor diesem Hintergrund eher auf Richard von Weizsäcker Bezug genommen werden....

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11.04.2021, 17.55 Uhr
Kritiker2010 | Gedenken nicht mehr als ein Feigenblatt
Der seit Jahrzehnten praktizierte Umgang mit dem Erbe des Naziregimes leistet leider gerade keinen nachhaltigen Beitrag um derartiges zu verhindern - von politischer, ethnischer oder religiöser Diskriminierung bis hin zu Gräueltaten.

Weil sich derartige Veranstaltungen immer wieder auf diesen kurzen Zeitabschnitt und die damit verbunden Symbole beziehen, verhallt die erhoffte Wirkung weitgehend ungehört, und macht gleichzeitig blind für ähnliche Szenarien, die bis heute weltweit passieren.

Der von Bodo Ramellow gebrauchte Ausdruck der "reflexiven Geschichtskultur" ist ein Beleg dafür. Man kehrt einfach die ideologische Sichtweise um und landet über kurz oder lang im Gegenextrem. So wiederholt sich Geschichte immer wieder, mit allen Facetten.

Wie es scheint haben die Menschen in Lagern weltweit und unter den verschiedensten Regimen bis heute noch nicht genug gelitten.

So spendet diese Veranstaltung vielleicht den wenigen noch lebenden Opfern dieses Regimes Trost. Für mich bleibt sie ein moralisches Feigenblatt, dass den Blick auf die Realität seit 1945 verdeckt.

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11.04.2021, 18.33 Uhr
Piet | Es reicht
Doch irgendwann mal seit rund 75 Jahren werden wir nicht müde unsere Schuld zu bekennen. Durch unsere Regierungen wurden hunderte Millionen an Entschädigungen gezahlt. Jeden Tag erzählt uns Steinmeier unser Schuldeinredner Nr. 1 wie schlimm unsere Großeltern waren. Hört man das von den USA den Spaniern den Engländern usw. die Völker ausgerottet haben?

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11.04.2021, 20.18 Uhr
Rene Strube | Wie wurde die Freiheit seit 1949 geschützt ?
Föderalismus ist wichtiger Teil des Freiheitsschutzes !
Wer will jetzt zentral über die Personalie des Ministerpräsidenten und über „Privilegien“ für Menschen entscheiden ?
Privilegien die man bis 2020 Grundrechte nannte.
Nein die Rückkehr zum „Führerstaat“ wie sie aktuell beabsichtigt scheint, wollten die Väter des Grundgesetzes eben gerade ausschließen!
Ja und der Bundespräsident und seine „tollen“ Reden?
Protokollarisch die höchste Autorität im Lande — redeten Bundespräsidenten wie Herr von Weizsäcker oder Herr Herzog wenn es ihnen notwendig erschien, Regierenden ins Gewissen.
Was hört man vom aktuellen Bewohner von Schloß Bellevue ?
Der Bürger soll „ die da oben nicht kritisieren“ ?
Freiheitsschutz sind aktuell auch und vor allem die Menschen, die eben doch „die da oben“ kritisieren.

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11.04.2021, 21.32 Uhr
grobschmied56 | Leider hat Rene Strube nur ...
... zu recht! Unsere Regierigen betrachten schon seit längerem Kritik als persönliche Beleidigung oder gar 'Demokratiefeindlichkeit', was dazu geführt hat, daß unsere Medien sich mehr und mehr in 'Staatsfunk' und 'Hofberichterstatter' verwandeln. Eine ausgesprochene Schande. Man kann sich nur noch schämen, für solche rückgratlosen Weggucker und Wegducker.
Obendrein erweisen sich die Medienmacher als wertvolle Schützenhilfe für jede Art von Irrsinn. So wird unter gewaltigem Corona-Rummel und Pandemie-Gedöns heimlich, still und leise die Transfer- und Schulden-Union für die EU eingeführt. Also etwas, was bei der Einführung des Euro ausdrücklich verboten wurde. Jedes EU-Mitglied, so der ursprüngliche Entwurf soll für seine Schulden allein verantwortlich sein!
Mit Rettungs-Schirmen und Corona-Wiederaufbauhilfen wird dieser Grundgedanke vollkommen ausgehöhlt, was z.B. vom Bundesrechnungshof und dem CDU-Politiker Wolfgang Bosbach scharf kritisiert wird. Aber solche Stimmen gehen halt unter im allgemeinen Corona-Hysteriegebrüll.
Unsere Kinder und Enkel werden dafür zu büßen haben.
Schutz der Freiheit bedeutet eben auch, Schutz des Broterwerbes und des Einkommens der Bürger vor verantwortungslosen und übergriffigen Politdarstellern.

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12.04.2021, 09.51 Uhr
Kritiker86 | Freiheit...
haben wir momentan auch nicht. Die wenigen Politiker diktieren über 80 Millionen Menschen was sie zu lassen haben oder nicht? Wie krank ist das denn? Befreit werden müssten wir auch mal! Man fühlt sich wie in einen Käfig. Und das weil massiv in der Pflege abgebaut wurde die letzten Jahre,stehen wir jetzt da und die Politiker schreien es gäbe keine Betten. Aber natürlich alles besser als die Zeiten des 2.Weltkrieges.

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12.04.2021, 20.13 Uhr
tannhäuser
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