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Mo, 16:52 Uhr
01.02.2021
Angriff auf Schulportal und Schulcloud:

Krimineller Akt gegen Kinder und Jugendliche

Das Thüringer Schulportal ist am Morgen, am ersten Schultag nach den Winterferien, Ziel eines Cyberangriffs geworden. Betroffen war auch der Zugang zur Thüringer Schulcloud. Zehntausende Schülerinnen und Schüler, die sich derzeit wegen des Lockdowns im häuslichen Lernen befinden, waren zwei Stunden lang abgeschnitten...


Die Probleme der Erreichbarkeit des Thüringer Schulportals sind nachgewiesenermaßen auf eine DDoS-Attacke zurückzuführen. Der Angriff erfolgte ab ca. 8:00 Uhr von mehreren Bot-Netzen, die laut Protokoll auf Serverstandorte in Singapur zurückzuführen sind. Diese automatisiert in sehr kurzer Zeit erzeugten Anfragen wirkten auf das System, als würde ein Vielfaches der normalen Nutzerzahl gleichzeitig zugreifen.

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Die Analyse ergab auch, dass im Zeitraum zwischen 7:30 Uhr und 11:00 rund 200.000 „normale“ Nutzeranfragen an die Server erfolgten, gleichzeitig jedoch weitere Anfragen in Millionenhöhe über die genannten Bot-Netze kamen. Nach vorläufigem Abschluss der Analyse konnten gegen 11:00 Uhr die entsprechenden IP-Adressbereiche gesperrt werden, so dass das System gegen 11:30 Uhr wieder verfügbar war.

Der Angriff richtete sich nach ersten Erkenntnissen des Thüringer Instituts für Lehrerfortbildung, Lehrplanentwicklung und Medien nur auf Thüringen. Ein bewusster Zusammenhang der Attacke zum Wiederbeginn des Distanzunterrichts nach den Ferien kann daher nicht ausgeschlossen werden. Das ThILLM wird wegen des Angriffs Anzeige erstatten.

Bildungsminister Helmut Holter erklärt dazu: „Diese Attacke galt offenbar dem Thüringer Schulwesen insgesamt. Sie hat bewusst zur Lahmlegung der Schulcloud zu einem symbolträchtigen Zeitpunkt geführt. Das hat viele Menschen getroffen, Frust und Wut ausgelöst, wofür ich volles Verständnis habe. Solche Angriffe sind keine Kavaliersdelikte. Hier wird in einer angespannten Zeit nicht nur mit Gefühlen gespielt, sondern mit Bildungschancen in einer pandemischen Notsituation. Ich werte diesen Angriff daher als einen kriminellen Akt, der sich gegen Kinder und Jugendliche, gegen die Bildung richtet“, so Minister Holter.

Und weiter: „Allen, die nun einmal mehr mit dem Finger auf das Ministerium und das ThILLM zeigen, sage ich: Es war ein Angriff und nichts anderes. Unsere Experten haben es geschafft, die Auswirkungen der Attacke so gering wie möglich zu halten. Dafür bedanke ich mich herzlich. Wer allerdings vorschnell mit Schuldzuweisungen agiert, sollte sich fragen, wie ernst ihm die Sache selbst ist oder ob hier nicht am falschen Beispiel Stimmung geschürt wird.“

Dr. Andreas Jantowski, Direktor des Thüringer Instituts für Lehrerfortbildung, Lehrplanentwicklung und Medien erklärt: „Unser Anliegen ist es, allen Thüringer Schulen mit der Thüringer Schulcloud ein digitales Angebot zu machen, um häusliches Lernen mit Werkzeugen zu ermöglichen, die für die speziell für die schulische Anwendung gedacht sind. Das enorme Engagement der Mitarbeitenden meines Hauses, den Betrieb der Cloud zu gewährleisten, wird durch diese Attacke auf das sträflichste konterkariert und schadet letztlich allen.“

Hintergrund:
Das Thüringer Schulportal ist die zentrale Thüringer Internetpräsenz für das Schulwesen im Freistaat. Über sie läuft auch das Login für Lehrkräfte sowie Schülerinnen und Schüler zur Thüringer Schulcloud. Diese wiederum wird auf den Servern des Hasso-Plattner-Instituts in Potsdam gehostet. Diese waren von der Attacke am Montag nach bisherigen Erkenntnissen nicht betroffen.
Autor: red

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Kommentare
Kritiker2010
02.02.2021, 09:02 Uhr
Krimineller Akt?
Ich dachte schon mit dem "kriminellen Akt gegen Kinder und Jugendliche" sei die Thüringer Bildungspolitik insgesamt oder das Beharren auf Homeschooling gemeint.

Stattdessen konnte man für einen von hundert Ausfällen der Schulcloud einen vermeintlich Schuldigen benennen. Ein Gespenst aus dem Ausland.

Also kein echter Erkenntnisgewinn, nur kleinere Störgeräusche im ohnehin schwachen Bildungssignal.
Anneliese
02.02.2021, 10:03 Uhr
So ist es
Dem kann ich leider nur voll und ganz zustimmen. Anstatt nach Lösungen zu suchen (z.B.dem Wechselunterricht in Kleingruppen), wird sich lautstark mit der Bekämpfung eines Angriffs auf die Plattform gerühmt. Das, was momentan in bildungspolitischer Hinsicht bei Kindern und Familien vonstatten geht, grenzt an Kindeswohlgefährdung und stellt den eigentlichen "kriminellen Akt" dar.
Kaleida
02.02.2021, 12:10 Uhr
#neuland
Vor kurzem mahnte doch noch das Merkelchen, dass wir beim Thema Digitalisierung von Afrika lernen können.

Hat nun offensichtlich auch wieder nicht geklappt.

Achso: Früher haben wir die Tafel mit Speck eingeschmiert... Heute sind die Kids da schon etwas weiter.

Well done!
Hallogemeinde
04.02.2021, 13:09 Uhr
am ersten Schultag nach den Ferien?
Welche Ferien??? unser Sohn musste Aufgaben erledigen und abgeben während der eigentlichen Ferienzeit! Die Ferienwoche wurde wohl zumindest auf dem Gym einfach ignoriert.
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