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Do, 15:30 Uhr
28.01.2021
Der Corona-Wochenrückblick

Wo sind all die Fälle hin?

Die Fallzahlen im Landkreis Nordhausen sinken langsam aber stetig. Aktuell liegt der 7-Tage-Inzidenzwert unter 100. Allerdings klafft zwischen der offiziellen Statistik und den direkten Meldungen aus dem Kreis eine ansehnliche Lücke…


Mit dem Stand vom 27.01. wurden im Landkreis Nordhausen 31 Neuinfektionen registriert, in den vergangenen sieben Tagen kommt die Statistik damit auf 78, für die letzten 14 Tage auf 235 registrierte Infektionen. Der vom Robert-Koch-Institut errechnete Inzidenzwert liegt damit für den Moment bei 93,5 Infektionen pro 100.000 Einwohner. Die Zahl der Verstorbenen ist auf 40 gestiegen. Zur Zeit befinden sich dem Sonderlagebericht vom 26. Januar noch 648 Personen in Quarantäne. 30 Einwohner des Kreises werden stationär behandelt, 12 davon Intensivmedizinisch. Größere Infektionscluster habe man nicht festgestellt, teilt das Landratsamt mit.

Laut RKI ist die Personengruppe der 35 bis 5-Jährigen seit Beginn der Pandemie mit 299 männlichen und 345 weiblichen Infizierten am stärksten betroffen, gefolgt von den 15 bis 34-Jährigen (insgesamt 286 Infektionen) und den 60 bis 79-Jährigen (255 Fälle).

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Das ist die knappe und kurze Betrachtung. Wirft man einen längeren Blick auf die Entwicklung der Fallzahlen, fällt aber eine zunehmende Diskrepanz zwischen den Meldungen des RKI und den von Landrat Jendricke allabendlich mitgeteilten Zahlen auf. Ein Beispiel: Am 15. Januar verzeichnet die RKI-Statistik sechs Neuinfektionen, in den sozialen Medien teilt Landrat Jendricke mit, dass man 23 Corona-Fälle gefunden hat. Tags darauf meldet das RKI einen neuen Fall, der Kreis sechs. Noch einen Tag später verzeichnet das Institut 15 Fälle, der Kreis aber nur einen. Am 18. Januar liegt das Verhältnis bei 18 zu 22, am 19.1. bei 30 zu 22.

Nun ist eine Diskrepanz zwischen den Meldedaten nichts neues. Das RKI weist seit längerem darauf hin, dass durch Dateneingabe und -übermittlung ein Zeitverzug entstehen kann und Abweichungen zu anderen, lokalen Quellen möglich sind. Über Nachmeldungen sollten sich beide Werte über die Zeit wieder annähern. Lag diese Differenz in der Vergangenheit eher im einstelligen Bereich, ist der Graben mit steigenden Fallzahlen im Januar aber deutlich größer geworden. Zwischen dem 01.01. und dem 25.1. wurden laut Landrat im Kreis insgesamt 547 Fälle registriert, in der offiziellen Statistik des RKI werden im gleichen Zeitraum lediglich 489 Fälle aufgelistet, eine Differenz von 58 Fällen oder 10,6%.

Wo sind all die Fälle hin?
Auf Anfrage der nnz teilt das Robert-Koch-Institut mit, dass es derlei Probleme auch in anderen Landkreisen gebe und die Ursache meist auf der Kreis- oder Landesebene zu suchen sei. Die Nachmeldungen seien „sinnvoll und wichtig“, um alle Ebenen auf einen Stand zu bringen. Im Dashboard werde die zeitliche Entwicklung der Meldedaten auch nicht nach dem Datum der Übermittlung ans RKI aufgeschlüsselt, sondern nach Erkrankungsbeginn und nach Meldedatum, also dem Tag, an dem ein Fall im Gesundheitsamt bekannt und elektronisch erfasst wird. Die 7-Tage-Inzidenz wiederum, wird mit dem Meldedatum gerechnet. Wegen des „Meldeverzugs“ sei hier immer eine Unterschätzung bei den RKI-Zahlen festzustellen, man weise aber immer darauf hin, dass die Zahlen vor Ort die Neuesten sind und als Grundlage für Maßnahmen dienen sollten.

Im Thüringer Gesundheitsministerium kann man sich die Diskrepanz nur mit der Verzögerung der Meldungen an das RKI erklären. „Die Gesundheitsämter sind verpflichtet, innerhalb von 24 Stunden an das Robert-Koch-Institut zu melden. Sämtliche Berechnungen seitens des RKI, also auch die Berechnung der 7-Tages-Inzidenz, basieren auf der dort zu diesem Zeitpunkt vorliegenden Datenlage. Die Meldungen des RKI sind wiederum für uns Basis zur Situationseinschätzung.“, heißt es aus dem Gesundheitsministerium. Landkreise mit Meldeverzügen seien nicht bekannt. Zudem gehe man davon aus, dass sich Verzögerungen, die sich über die Feiertage ergeben haben, inzwischen bereinigt sein sollten. Die Differenz in den Nordhäuser Zahlen lasse sich aus Sicht des Ministeriums daher nicht auf die Gesamtsituation umlegen.

Eine erhellendere Erklärung für das Gefälle hat man im Nordhäuser Gesundheitsamt. Demnach komme es vor, dass sich der Hauptwohnsitz einer positiv getesteten Person nicht im Landkreis befindet und dieser Fall im Nachgang dann nicht auf die hiesige Statistik entfällt. Ein weiterer Grund könnten Wiederholungstests sein. Im Gesundheitsamt zähle man am Ende des Tages die Zahl der Positiv-Befunde, die „Feinanalyse“ erfolge später. Soll heißen: wird eine bereits positiv getestete Person ein zweites Mal positiv getestet, dann taucht diese Meldung zwar in den aktuellen Zahlen auf, die das Gesundheistamt am Abend an den Landrat übermittelt, findet aber keinen Eingang in die Statistik des RKI.

Abstrichstelle umgezogen, Testzentrum eröffnet
Die Abstrichstelle der Kassenärztlichen Vereinigung ist seit heute in der Bahnhofstraße 36 zu finden. Die neue Adresse ist die ehemalige Bücherstube Hartmann, an der Ecke Arnoldstraße. Alle Testungen finden ab heute Abend dort statt. Wichtig ist, dass diese Corona-Abstrich-Stelle nicht ohne eine vorherige Terminvereinbarung über den Hausarzt oder die Servicenummer der KV unter 116 117 aufgesucht werden kann. Zunächst muss also grundsätzlich der behandelnde Hausarzt telefonisch kontaktiert werden. Erst mit diesem Termin kann die Untersuchung in der zentralen Abstrichstelle erfolgen.

Der Landkreis hatte bereits gestern seine zusätzliche "Teststrecke" in der Zorgestraße 15 eröffnet. Diese Möglichkeit zum Test richtet sich vor allem an Personen, die sich ohne vorherige medizinische Indikation testen lassen wollen und ist daher kostenpflichtig. Wer mögliche Krankheitssymptome zeigt, sollte den gewohnten Weg über den Hausarzt beschreiten. In diesem Zusammenhang bittet das Landratsamt darum, etwaige Termine im Testzentrum telefonisch unter 03631 911-9201 zu vereinbaren. Das Personal vor Ort könne so auch offene Fragen zum Prozedere im Vorfeld klären. Das Testzentrum ist von Montag bis Freitag jeweils von 8 bis 11 Uhr erreichbar.

Thüringen nicht mehr Schlusslicht
Laut Daten des Thüringer Gesundheitsamtes haben inzwischen 46.351 Thüringerinnen und Thüringer eine Erstimpfung erhalten, ein Plus von 2.233 im Vergleich zum Vortag (Stand 28.1.). Die Zahl der Zweitimpfungen liegt aktuell bei 4.547. Die genauere Aufschlüsselung der Impfungen stellt sich wie folgt dar:
  • 16.265 Impfungen aus Altersgründen
  • 23.937 Impfungen mit beruflichem Hintergrund
  • 1.886 Impfungen mit medizinischer Indikation
  • 6.051 Impfungen in Pflegeheimen
Auf die Einwohnerzahl hochgerechnet, würde es noch rund 1.137 Tage dauern, um je zwei Impfdosen an 70% der Bevölkerung des Freistaates zu verabreichen. Damit liegt Thüringen im bundesdeutschen Vergleich inzwischen im Mittelfeld.

Und noch eine unerfreuliche Meldung zum Schluss. Wie das Gesundheitsministerium am Donnerstagnachmittag mitteilte, wurde die britische Mutation des Corona-Virus heute erstmals auch in Thüringen nachgewiesen. Betroffen ist ein achtjähriges Mädchen aus Jena.
Angelo Glashagel
Autor: red

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Kommentare
geloescht 20210614
28.01.2021, 16:22 Uhr
Bringen denn Impfungen gerade für Ältere überhaupt etwas ?.
Ich habe heute früh im Radio Sachsen Anhalt gehört,dass sich in einem durchgeimpften Altenheim in Dessau Patienten mit Corona infiziert haben.
Tja was soll sowas überhaupt !?
Ich halte langsam diese "Fallzahlenpandemie" und sämtliche Massnahmen für ein Unfähigkeitsbeweis.
Hier werden Fallzahlen/Erkrankungen die sich sichrlich nachweisen lassen mit einem Horrorszenarium gleichgesetzt.Horror war vor 100 Jahren bei der Spanischen Grippe.Im Deutschen Reich 600.000 Tote.
Wahrscheinlich sind wir am Beginn einer neuen Ära.
Reglementierung,nur noch gleichgeschaltete Meinung,Aushebelung von Rechten,Überwachung ,keine Reisen,Ausserkraftsetzung von Althergebrachten Lebensweisen.
Aber warum !? Mir erschliesst sich nicht der Sinn.
Haben wir eine "Fallzahlenpandemie" auf der Welt weil es bestimmte Strippenzieher es so wollen?Langsam glaube ich an sowas.
Dorfkind
28.01.2021, 16:31 Uhr
Wann ja wann ...
nimmt denn endlich das Nordhäuser Impfzentrum seine Arbeit auf? Dieses Schneckentempo ist unglaublich. :-(
geloescht.20250205
28.01.2021, 16:49 Uhr
nicht vollständig
Auch ich habe einen Artikel über den Ausbruch der Corona-Infektion in dem von einem Vorkommentator erwähnten Altenheim in Dessau gelesen. Der Vollständigkeit halber muss ich aber ergänzen, dass dort auch erwähnt wird, warum das passieren konnte und dass die Infizierten nur geringe Symptome haben, welches man den bereits erfolgten Impfungen zugute schreibt. Darüber sind sicher alle Erkrankten sehr froh. Es hätte auch anders kommen können.
Kama99
28.01.2021, 16:56 Uhr
@Dorfkind
Und was bitte sollen die dort verimpfen? Laut heutigen Nachrichten steht ab März wieder Impfstoff bereit.
Marco Müller-John
28.01.2021, 17:12 Uhr
....@AndreasPaul und der Impfzweifel
....anstrengend, mit welcher Vehemenz sie in die Welt hinausplärren, welches Ungemach, eine fiktive übergeordnete Macht Ihnen zu bereiten scheint. Die Demokratien stehen auf der Bremse und halten das Leben an, die Diktaturen sperren das Leben ein und den Populisten ist das Leben egal. Die Impfungen anzuzweifeln ist fernab jeglicher Realität, einfach mal eine Woche , mir wäre lieber 4, mal nichts hier lesen und kommentieren und dann begreifen, das auch eingeschränktes Leben schön ist. So ein bisschen weniger jammern....
alf-gordon
28.01.2021, 17:31 Uhr
Der Beitrag wurde deaktiviert – Anm. d. Red.: Gehört nicht zum Thema
grobschmied56
28.01.2021, 19:20 Uhr
Wie schon einmal bemerkt...
... gleicht die Impftätigkeit (oder Untätigkeit?) in Futschland einer Kavallerie - Attacke mit eingelegter Futterpause - für das Tierwohl - und Zwischenstop für einen Feldgottesdienst.
Die Ruhe macht den Feind kaputt!
Ingo1
28.01.2021, 19:24 Uhr
Wo sind sie denn alle hin
Ich frage mich auch wo die ganze Fälle hin sind, auch scheint es seit Corona keine Influenza mehr zu geben wo ja bekanntlich auch viele Menschen leider gestorben sind ,aber es gibt sie nicht mehr es gibt nur noch Corona und alle klopfen sich auf die Schulter obwohl das Impfen gerade hier in Thüringen bzw in Nordhausen einem Chaos gleicht das Impfzentrum in Nordhausen hat noch gar nicht eröffnet und heute hab ich gelesen man will im September bis 80% geimpft haben wenn es bisher überhaupt nicht klappt kann man ja nur hoffen das dieses Chaos irgendwann mal besser wird.

Anm. d. Red.: Gekürzt, keine Links bitte
Piet
28.01.2021, 19:42 Uhr
Wäre
mir auch am liebsten 4 Wochen mal nichts von MMJ zu lesen!
HisMastersVoise
28.01.2021, 20:44 Uhr
Ich glaubs nicht!!
Es kann doch jeder im Rahmen der aktuellen Regelungen machen, was er will. Warum sollten Impfungen an irgendwelche Pauls verschwendet werden, wenn die nicht wollen. Aber das gebetsmühlenartige Impfbashing nervt doch schon sehr. Selbst mit einer Fehlertoleranz sind sinkende Zahlen erkennbar. Also funktioniert vorerst das Prinzip Abstand halten, Maske tragen und Sozialkompetenz bei fast allen Menschen.
Das die Impfstoffhersteller an den Meistbietenden verkaufen ist doch auch klar. Daher sind die altbekannten Coronaregeln wichtiger denn je. Ungeachtet von statistischen Unklarheiten haben wir die Gefahr von höchstansteckenden Mutationen. Ein Egomane wie Jonssen würde so etwas nur dann zugeben, wenn es der Realität entspricht. Also liegt es weiterhin an uns Allen hier selbst, wie lange der Lockdown noch dauert. Das in so einer außergewöhnlichen Situation nicht alles optimal läuft, ist genau so ärgerlich wie nachvollziebar. Aber im Gegensatz zu den überflüssigen Hirnlosthesen hier halte ich die Anstrengungen der Helfer überall und die Disziplin der meisten Menschen für äußerst wertvoll.
Glauben könnt Ihr doch was Ihr wollt, aber glaubt es doch bitte leise!!
grobschmied56
28.01.2021, 20:44 Uhr
Kann ich nicht gut heißen...
... auch Meinungen, die man nicht teilt und Leute, die man nicht sympatisch findet müssen ausgehalten werden!
Das ist Demokratie.
HisMastersVoise
29.01.2021, 11:08 Uhr
Beweis für Volkes Willen!
Das Demokratie funktioniert, sehen wir an den heutigen Zahlen für Nordhausen. Wir haben tatsächlich einen Wert von 69 erreicht. Das ist der Verdienst von allen Mitmenschen, die sich trotz der Widrigkeiten an die Regeln gehalten. Klasse !! Demokratie heißt, seine Meinung äußern zu dürfen. Sie heißt auch, sich für die Folgen seiner Meinung verantwortlich zu zeigen. Denn Geistesblitze bleiben nun einmal gefährlich, wenn sie im Strohköpfe einschlagen. Und wenn die absolute Mehrheit der Thüringer bei den Maßnahmen dankendwerter Weise mitmacht, also eine massive demokratische Mehtheit repräsentiert, dann ist doch jede Gegenbewegung oder Ablehnung der Maßnahmen per se als undemokratisch oder asozial zu bezeichnen. Deswegen danke ich der Demokratie.
geloescht 20210614
29.01.2021, 13:11 Uhr
2Mio Jahre Menschheitsgeschichte .Und die Menschen haben sich in ihrer Anzahl
prächtig entwickelt.
Für mich wird die "Fallzahlenpandemie" wie der Grippevirus auch in naher Zukunft (Frühjahr) seine Stärke einbüssen.Hat er ja voriges Jahr auch,bis zum Herbst.Ganz einfach weil das der Lauf der Welt ist.Sich unser Körper mit der Natur misst.Die Jahreszeiten haben übrigens einen entscheidenden Einfluss auf den "biologischen" Menschen. Menschen haben sich immer wieder durchgesetzt .In erster Linie durch ihre angeborene Widerstandskraft und den jetzigen Fortschritt der Medizin. Wenn durch Volkes Wille,Demokratie und Sozialkompetenz
es so einfach gewesen wäre den Corona Virus zu bekämpfen, dann hätten wir nicht gerade bei behüteten älteren Menschen diese Misserfolge in Pflegeheimen gehabt.
Also lassen wir mal die "schwachen" Begriffe wie Volkes
Wille einfach weg.Soweit ich mich erinnere sind das Begriffe aus der Nazi und DDR Zeit.
HisMastersVoise
29.01.2021, 15:16 Uhr
Ein demokratischer Erfolg
Das unsere Fallzahlen endlich sinken, ist ein Erfolg der Gemeinschaft. Das unsere Fallzahlen sinken, ist ein Erfolg der Einsicht in die Notwendigkeit von Maßnahmen. Wenn also das Virus wie nachgewiesen von Mensch zu Mensch verbreitet wird, dann sollte doch dem Dümmsten hier die Verantwortung eines jeden Einzelnen klar sein. Da brauchen wir nicht eine völlig überflüssige Diskussion über Geschichte. Wir brauchen nur eigen- und sozialveantwortliches Handeln. Denn wo auch immer Corona auftauchte, es wurde von Menschen gebracht. Das haben nahezu alle Deutschen bergriffen. Also danke ich allen Mithelfern herzlich für das Erreichte und die paar Anderen ertragen wir halt. Das ist echte Demokratie!!!
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