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Mi, 16:26 Uhr
27.01.2021
Seit gestern hat der Landkreis ein neues Naturschutzgebiet

"Bewahrenswerter Schatz" und Gipsabbau

Seit gestern ist durch das Thüringer Umweltministerium ein neues Naturschutzgebiet im Landkreis Nordhausen ausgewiesen worden. Aus den bisherigen Naturschutzgebieten „Mühlberg“ bei Niedersachswerfen und „Himmelsberg“ bei Woffleben entstand in der Südharzer Gipskarstlandschaft ein großes zusammenhängendes Naturschutzgebiet namens „Bromberg–Mühlberg bei Woffleben“...

Südharzer Landschaft (Foto: oas) Südharzer Landschaft (Foto: oas)

Die GRÜNE Umweltministerin Anja Siegesmund schwärmt von einem „Schatz den wir bewahren wollen“ und ist sehr zufrieden mit dem Erreichten: „Ich habe mich bei vielen Besuchen und Wanderungen vor Ort überzeugen können, wie wertvoll und einzigartig diese Region ist. Viele Menschen vor Ort haben sich jahrelang für das neue Naturschutzgebiet engagiert. Dafür bin ich sehr dankbar – ihr Einsatz hat sich gelohnt.“, sagte die Ministerin.

Die Gipskarstlandschaft ist Lebensraum für viele Arten die es anderswo nicht gibt. Anja Siegesmund zählt auf: „Hier sind der Neuntöter, Schwarzspecht und Uhu sowie die Bechsteinfledermaus, Mopsfledermaus und Wildkatze zu Hause. Auch besonders seltene Blütenpflanzen wie die Türkenbundlilie sowie zahlreiche Moose und Flechten kommen hier vor.“

Fast 150 Hektar Fläche misst das neue Naturschutzgebiet. Gipskarstgebiete sind bundes- und sogar europaweit selten und im Landkreis Nordhausen befindet sich wegen seiner Größe und hervorragenden Ausprägung eines der bedeutsamsten Gipskarstgebiete Mitteleuropas. Der Chef des Thüringer Landesamts für Umwelt, Bergbau und Naturschutz (TLUBN), Mario Suckert betonte: „Das Naturschutzgebiet liegt in einem der bundesweit 30 sogenannten Hotspots der biologischen Vielfalt, dem Gebiet Nr.18 „Südharzer Zechsteingürtel, Kyffhäuser und Hainleite“

Das landschaftlich abwechslungsreiche Naturschutzgebiet wird durch artenreiches Grünland, naturnahe Laubmischwälder und zahlreiche Hecken geprägt. Darin eingestreut sind die typischen geomorphologischen Besonderheiten des Karstes, wie Erdfälle und Gesteinskuppen, sowie die markanten weißen Felsen eines kleinflächigen und strukturreichen, seit den 1950er Jahren stillgelegten Gips-Steinbruchs.

Allerdings sind einige Gipsabbaugebiete in der unmittelbaren Nähe noch nicht stillgelegt. Die Gipsindustrie reagierte erst einmal verhalten auf die Ausweisung. Lars-Christian Kothe, der Sprecher der Arbeitsgemeinschaft der Harzer Gipsunternehmen sagte der nnz, dass derzeit noch geprüft würde, in wieweit das neue Naturschutzgebiet Auswirkungen auf den Abbau habe. Nach ersten Erkenntnissen sind keine konkreten Abbauflächen betroffen. Die Ausweisung von Naturschutzgebieten schränke die Möglichkeiten des Abbaus in der Region aber weiter ein. „Je mehr Naturschutzgebiete ausgewiesen werden, desto weniger Flächen stehen für den Gipsabbau in der Region zur Verfügung“, sagte Lars Kothe. Mit dem Wegfall des Reagipses durch den Kohleausstieg der Bundesregierung wurden den Unternehmen damals neue Flächen für die Gewinnung von Naturgips in Aussicht gestellt. Genehmigen müssen diese aber nicht die Bundesbehörden, sondern die einzelnen Länder. „Wir haben aber auch hoffnungsvolle Zeichen in den Raumordnungsplänen gesehen, in denen Flächen für den Gipsabbau vorgesehen sind“, resümierte Kothe abschließend.

Das neue Naturschutzgebiet ist auch Teil eines Kerngebietes des aktuell laufenden Förderprojekts “Gipskarst Südharz – Artenvielfalt erhalten und erleben“. Für das neue Naturschutzgebiet gilt: Die bestehende, land- und forstwirtschaftliche Bodennutzung sowie die Jagd bleibt bleiben auch weiterhin zulässig und werden fortgeführt, sie tragen zum schützenswerten Zustand des Gebietes bei. Die vorhandenen Wege und Ruhebänke werden weiterhin durch Erholungssuchende genutzt - Hunde müssen jedoch, außer bei der Jagd und der Hütehaltung von Schafen, an der Leine geführt werden.
Olaf Schulze
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Kommentare

27.01.2021, 18.36 Uhr
Envites | Flächen für Gipsabbau.. Wo?
Wenn man Gips aus der Natur holt, neue Abbaue in Fläche folgen. Dies hier ist ein Gebiet, welches somit geschützt ist. Sagt doch auch mal, wo dagegen weitere Anbaugebiete folgen. Das wäre mal eine Info, die ein umfassendes Bild gibt.

Oder ist das nicht erlaubt?
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Anm. d.Red.: Ist erlaubt, steht aber noch nicht fest, wo das sein soll.

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27.01.2021, 20.17 Uhr
Harzer66 | Schon klar. .
Ich gehe mal davon aus dass die ausgewiesene Fläche nicht mit Bergrecht belegt ist. Ansonsten hätte der Gipsmoloch schon dagegen geklagt. Vielmehr wünsche ich mir darüber mehr Info seitens der Landesregierung wie der Stand in den vom Bergbaurecht betroffenen Gebieten ist. Was hat der Gipsmoloch derzeit beim BergAmt beantragt? Wie verhält sich die Politik? Welche Entscheidungen sind absehbar? Nur darum geht es!

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