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So, 08:00 Uhr
10.01.2021
VR-Rundgang als Hobby-Projekt

Das alte Nordhausen soll digital auferstehen

Das alte Nordhausen existiert heute fast nur noch auf Fotografien. Zwei Nordhäuser wollen das jetzt ändern und einen virtuellen Rundgang durch den Kern der alten Reichsstadt ermöglichen…

Das alte Nordhausen soll als begehbares 3D-Modell neu auferstehen (Foto: Christian Witt) Das alte Nordhausen soll als begehbares 3D-Modell neu auferstehen (Foto: Christian Witt)

Nach dem Krieg ist vom alten Nordhausen nicht mehr viel geblieben. Wie es einmal ausgesehen hat, das weiß kaum einer besser als Markus Veith. Der Nordhäuser Fotograf und Historiker sammelt alte Bilder und hat mehrere Bücher zum Thema veröffentlicht.

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Über die Bildwerke kam auch Christian Witt, ebenfalls Nordhäuser und derzeit als Programmierer in Leipzig tätig, der alten Stadt näher. Herr Witt übt sich seit längerem in der Erstellung von 3D-Objekten und aus der Mischung von beidem, der Erinnerung an das alte und verlorene und den Möglichkeiten der modernen Technik, wurde eine Idee geboren: die Wiederauferstehung des alten Stadtkerns als virtuelle Welt.

Beim Fotografen Veith rennt Witt damit offene Türen ein. „Ich hatte an so etwas ähnliches auch schon gedacht“, erzählt Markus Veith, „ich habe zwar die Bilder, aber mir fehlt das technische Wissen. Insofern ergänzen wir uns da sehr gut“.

Noch liegt das Hobby-Projekt in den ersten Zügen, man hat historisches Material gesichtet und das alte Rathaus architektonisch im 3D-Programm „Blender“ modelliert. Teile der alten Marktkirche und einige weitere Gebäude befinden sich noch im „Rohbau“. Die Wiederauferstehung ist mit einigem Aufwand und der einen oder anderen Hürde verbunden. Da wäre zum einen das historische Bildmaterial, das nicht eben reichlich vorhanden ist und zum Teil unterschiedliche historische Zeitabschnitte widerspiegelt, die mehrere Jahrzehnte auseinanderliegen können, inklusive baulicher Veränderungen.

Bisher existiert das alte Rathaus nur als architektonisches Modell ohne die passenden Texturen (Foto: Christian Witt) Bisher existiert das alte Rathaus nur als architektonisches Modell ohne die passenden Texturen (Foto: Christian Witt)

Auf der anderen Seite steht der technische Aufwand. Die Gebäude wollen nicht nur modelliert, sondern auch texturiert werden. Dafür braucht es wiederum möglichst historische Vorlagen, die erst einmal gefunden werden wollen. „Nehmen sie zum Beispiel das Pflaster vor dem Rathaus. Früher lag dort sogenannter „Kieselschotter“ und den gibt es heute nicht mehr.“, berichtet Witt. Fündig wurde man schließlich vor dem Mühlenhof, vor dem noch historisches Pflaster erhalten geblieben ist und abfotografiert werden konnte.
Auch den alten Roland würde man gerne virtuell neu erschaffen, dafür aber müsste schon ein 3D-Scan der Holzstatue im neuen Rathaus her. Sind die Modelle erstellt und texturiert, muss die Steuerung für den virtuellen Rundgang mittels VR-Brille programmiert werden. Aus praktischen Gründen konzentriert sich Witt auf die Umsetzung über die VR-Technik der „Oculus“ Reihe. Da jede VR-Brille ihr eigenes Steuersystem hat, wäre eine Programmierung für jedes Modell viel zu aufwendig.

Das freie 3D Programm mit dem Witt arbeitet ermöglicht auch dynamische Beleuchtung (Foto: Christian Witt) Das freie 3D Programm mit dem Witt arbeitet ermöglicht auch dynamische Beleuchtung (Foto: Christian Witt)

Beide Enthusiasten treiben das Projekt in ihrer Freizeit voran und so kann es noch etwas dauern, ehe die ersten Schritte durch die alte Stadt gemacht werden können. Neben dem Areal um das Rathaus plant das Duo auch Teile des Lohmarktes und des Peterbergs sowie einige der besser dokumentierten Innenräume begehbar zu machen. Perspektivisch sei es denkbar, den Rundgang, so er dann funktional ist, an passender Stelle der Öffentlichkeit zugänglich zu machen, meinen Veith und Witt. Aber bis dahin wird noch einiges Wasser die Zorge hinabfließen.
Angelo Glashagel
Autor: red

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Kommentare
Christian Staifen
10.01.2021, 08:32 Uhr
Sehr gute Idee
Wenn dann noch Pferdefuhrwerke und Leute durch die Digitale Stadt gehen , dann kann man Mal Mäuschen spielen, und das vielleicht irgendwann noch erweitern!
Gerade weil der Nordhäuser Kern sich so verändert hat kann man sich das so sehr gut vorstellen.
Fönix
10.01.2021, 10:41 Uhr
Eine außergewöhnliche Idee,
die jegliche Unterstützung verdient. Wäre es nicht sinnvoll, zwei Spendenkonten einzurichten, eines für privates historisches Bildmaterial und eines, wo engagierte und verantwortungsbewusste Bürger die beiden Enthusiasten finanziell unterstützen können? Das Projekt wäre es allemal wert, bewahrt es doch wertvolles historisches Kulturgut zumindest virtuell für die nachfolgendenGenerationen.
thueri
10.01.2021, 14:25 Uhr
Wünsche gutes Gelingen...
und den dafür notwendigen "langen Atem".
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