eic kyf msh nnz uhz tv nt
Anzeige symplr (4)
Do, 12:30 Uhr
10.12.2020
Werk wird zum Jahresende geschlossen

Endgültiges Aus für Eaton

Anfang September kam die Hiobsbotschaft: die Firma Eaton kündigte an ihr Werk in Nordhausen schließen zu wollen. Die Belegschaft probte den Aufstand, die Politik versuchte Hebel in Bewegung zu setzen, vergebens. Seit kurzem steht fest, dass die Lichter zum Ende des Jahres ausgehen…

Demonstration gegen Werksschließung bei Eaton im Oktober (Foto: nnz-Archiv) Demonstration gegen Werksschließung bei Eaton im Oktober (Foto: nnz-Archiv)


30 Jahre lang wurden in der Bleicheröder Straße Ventile für die Autoindustrie hergestellt. Ende 2020 wird nun endgültig Schluss sein, die Ankündigung der Konzernleitung aus dem September wird umgesetzt und die Produktion verlagert. Seit vergangenem Freitag weiß die Belegschaft, dass aus der Sorge nun Gewissheit geworden ist.

Anzeige Refinery (lang)
Dass die wirtschaftliche Situation zuletzt nicht einfach war, das wusste man im Werk. Dass der Schnitt so schnell und so hart kommen würde, damit hatte die Belegschaft nicht gerechnet, schon gar nicht mitten in der Pandemie. Mit der IG Metall im Rücken rief man im Oktober zur Demonstration vor dem Werk, Oberbürgermeister, Landrat und das Wirtschaftsministerium sicherten Unterstützung zu. Allein, es half wenig.

Die Werksschließung habe man nicht verhindern können, sagt Alexander Scharff, zweiter Geschäftsführer der IG Metall Nordhausen. Nach rund sechs Wochen intensiver Verhandlungen habe man in Zusammenarbeit mit dem sehr engagierten Betriebsrat und mit juristischer Unterstützung dennoch einiges für die Belegschaft erreicht. So wurde für die Angestellten ein Sozialplan erarbeitet und eine Transfergesellschaft geschaffen. Letztere wurde am Standort Nordhausen gegründet und soll mit Weiterbildungen und dem Aufzeigen von beruflichen Perspektiven dafür sorgen, dass Eaton-Mitarbeiter nicht in die Arbeitslosigkeit gehen müssen.

Die politischen Vertreter hätten sich von Nordhausen bis Erfurt für die Zukunft des Werkes eingesetzt, letztlich aber nur begrenzte Handlungsmöglichkeiten gehabt, meint Scharff. „Wenn wir gerufen haben, war immer jemand da, bis hinauf zu Thüringens Wirtschaftsminister Tiefensee, der sich per Videoschalte an die Belegschaft gewandt hat. Aber wir haben es hier mit einem Unternehmen zu tun, dessen Entscheidungen in Turin und in den USA gefällt werden. Wenn hier keine Handlungsbereitschaft vorhanden ist, kann man soviel Förderungen anbieten, wie man will. “

Ungewisse Zukunft
„Es war eine sehr stressige Zeit und die Betriebsräte sind alle durch“, berichtet Betriebsrat Karsten Hahn, rund 60 Stunden Verhandlungen liegen hinter den Arbeitnehmervertretern. Der Sozialplan und die Schaffung der Transfergesellschaft verbucht aber auch er als letztlich gutes Ergebnis.

Mancher im Werk sei schon „auf dem Sprung“, andere noch unsicher ob sie in das Angebot der Transfergesellschaft annehmen sollen. „Es geht gerade ein wenig drunter und drüber. Wir haben einige gut ausgebildete Fachkräfte, die sicher Chancen haben zügig Anschluss zu finden, aber eben auch viele, die erst einmal unterkommen müssen“, berichtet der Betriebsrat. Es habe vereinzelt Anfragen aus anderen Firmen gegeben, mitten in der Pandemie sei die Aufnahmefähigkeit des hiesigen Arbeitsmarktes aber begrenzt, in vielen Betrieben ist weiterhin Kurzarbeit an der Tagesordnung. Für die meisten, ob Facharbeiter oder nicht, werde es ein deutlicher Einschnitt werden, meint Hahn.

Die Produktion wird zum Ende des Jahres eingestellt und der Belegschaft werden die Kündigungen oder Aufhebungsverträge ins Haus flattern. Im neuen Jahr werden nur wenige Angestellte im Werk verbleiben, die den Betrieb endgültig abwickeln.
Angelo Glashagel
Autor: red

Anzeige symplr (6)
Kommentare
Audiracing84
10.12.2020, 14:23 Uhr
Kommunikation
Ich hätte mir ein bisschen mehr Kommunikation zwischen Betriebsrat und Belegschaft gewünscht.
Ich hätte mir gewünscht das jemand mal sagt wo die Reise hingehen soll z. B. Abfindung usw.

Mir hat es immer Spaß gemacht dort zu arbeiten.
Ich hätte bei Eaton alt werden können.
Zum Glück hat sich für mich eine neue Tür geöffnet.

Ich wünsche allen meinen ex-Kollegen alles Gute für die Zukunft.
Besonders aber den Jungs aus der Schmiede (B und C Schicht), ihr seid gute Männer und Kollegen. Jeder einzelne von euch hat es verdient so schnell wie möglich einen neuen Job zu finden.
Es war mir eine EHRE!!!

Bleibt alle Gesund!

M.
Herr Schröder
10.12.2020, 14:37 Uhr
Frohe Weihnachten!
Die Zerstörung der deutschen Automobilindustrie, einst das Zugpferd der deutschen Wirtschaft, zeigt langsam Wirkung. Angeführt von den Grünen wird hier an der Zerstörung dieses Wirtschaftszweiges gearbeitet, ohne Rücksicht auf Verluste. Wenn die Grünen bei der kommenden Landtagswahl in Thüringen wieder über 5% kommen verstehe ich das Wahlvolk nicht mehr.
Für die Mitarbeiter tut mir das unendlich leid, so eine Nachricht kurz vor Weihnachten, ...
Es werden aber nicht die letzten Arbeitsplätze dieser Branche sein, da muss sich Herr Tiefensee sicher des öfteren noch per Videobotschaft an Mitarbeiter wenden deren Arbeitsplätze gekappt werden. Den Arsch für ein persönliches Erscheinen hatte er wohl nicht in der Hose. Aber dann hätte er ja wieder an der Goldenen Aue vorbei gemusst, und da war ja auch noch was, ...
Schöne Grüße aus dem abgehängten Norden.
Paulinchen
10.12.2020, 14:50 Uhr
Ist das nicht zynisch?
Fehlt nur noch, dass die Betriebsleitung allen Betroffenen noch ein frohes Weihnachtsfest wünscht.
Bei Haribo in Sachsen, ist es doch das Gleiche. Hatte sich eigentlich bei den Mitarbeitern von Eaton mal der Ministerpräsident des Freistaates Thüringen gezeigt, oder gemeldet? Aber der kümmert sich ja intensiv um den Bau der Moschee in Erfurt. Da bleibt ihm wenig Zeit für den Norden von Thüringen.
nordfreak
10.12.2020, 15:24 Uhr
Transformation
Hallo, Ihr, da, die ihr noch schlaft. Das ist der Anfang der links-grünen Transformation in eine neue Gesellschaft. Die wird nicht nur politischer Natur, sondern auch wirtschaftlicher sein. Ihr wisst ja, Opfer muss jeder bringen und dachtet ihr, dass das Projekt E-Mobilität mit Milliarden Euro an Subvestionen um Euch einen Bogen machen wird? Dass die Energiewende für die Braunkohlekumpel in der Lausitz und im Mitteldeutschen Raum nur mit dem Transfer von einigen Peanutz je wieder den Löhne bringen wird, die im Bergbau gezahlt wurden. Ihr könnt Euch artig bedanken, im nächsten Jahr in TH und BRD links-grün wählen und Euch weiter transformieren lassen.
Bierchen
10.12.2020, 15:45 Uhr
Nichts Neues von den selben.....
.......und ich dachte schon das Kapital folgt der Gesetzmäßigkeit des niedrigsten Lohnes und wandert nach Polen.

Aber hier in der nnz lernt man wieder dazu....... Was man mit der (geistigen) Gülle alles düngen könnte.

Naja, Hauptsache mal richtig um sich geschlagen.......verbal
Leser X
10.12.2020, 16:00 Uhr
Herr Schröder
Die Grünen können aber nichts dafür, dass Autos keine Autos kaufen. Es braucht dafür immer zahlungskräftige Kunden. Und spätestens hier beisst sich die Katze in den Schwanz.
Undine
10.12.2020, 16:29 Uhr
Willkommen in der GRÜNEN Realität!
Grüne Klimaideologen, deren verstrahlte Anhänger und alle, die auf keinen Fall irgendwo anecken wollen, machen der einst mächtigen deutschen Autoindustrie und ihren Zulieferbetrieben den Garaus. Sowas kommt eben von sowas. Wenn ab dem nächsten Jahr Merkels Wunschkandidaten, Habeck und Baerbock, die Geschicke dieses Landes mit leiten....na dann: Gute Nacht! Dass dem Habeck die Arbeitsplätze egal sind, hat er ja schon ganz klar so gesagt.
Marco Müller-John
10.12.2020, 22:05 Uhr
.....@Grünenhasser
Und ich dachte doch tatsächlich die Produktion wird wegen den hohen Lohnstückkosten, an denen auch die Traumtänzer der IG Metall einen bemerkenswert hohen Anteil haben , nach Polen verlagert und nicht eingestellt.

Ein amerikanisches Unternehmen, das in seinem Mutterland, höhere Umweltauflagen erfüllen muss, als in der EU, wird von den Grünen also zur Betriebsschliessung genötigt.

Was war noch gleich mit dem Abgasskandal der Autoindustrie in den USA. Das waren sicher auch die Grünen, die die geldgeile profitneurotische deutsche Autoindustrie dazu genötigt hat.
ThomasBN
11.12.2020, 08:50 Uhr
Schade...
… aber ich weiß nicht warum man hier immer die große Politik für bestimmte Sachen verantwortlich macht. Ich arbeite auch in der Automobilindustrie, allerdings im süddeutschen Raum. Dort kriege ich glücklicherweise die Entwicklungen der nächsten Jahre mit und ich kann nur sagen das wird richtig spannend. Im positiven Sinn! Es ist daher richtig das sich die Automobilindustrie in den nächsten Jahren sehr stark verändern wird. Und das ist auch gut so und es wird in der Industrie auch zukünftig viele gute Arbeitsplätze geben.

Aber das Problem von EATON Nordhausen ist halt gewesen, dass man eines von vielen Werken eines global agierenden Unternehmens ist bzw. bald war. Die Unternehmensleitung des Gesamtunternehmens interessieren nur die Ergebnisse. Zumal die in Nordhausen produzierten Teile überall herstellbar sind. Und wenn die Zahlen von so einem kleinen Werk (im Vergleich zur Gesamtmitarbeiterzahl des globalen Unternehmens) nicht mehr stimmen, wird in Turin oder in den USA entschieden, dass so ein Werk geschlossen wird. Da ist man einfach ne Nummer als Werk und eines von vielen. Dies wurde mir bewusst als ich mich 2015 mal bei EATON beworben habe. Die Einladung zum Vorstellungsgespräch erfolgte telefonisch aus Prag (!) und das Gespräch erfolgte mit dem Werkleiter in Nordhausen auf Englisch. Der kam damals aus Südamerika, hatte diverse Stationen bei EATON hinter sich, wurde irgendwann nach Nordhausen versetzt, um dann anschließend sicher eine weitere Position im Unternehmen anzutreten. Ich hatte null Gefühl, dass ihm das Werk wichtig war oder das was aus dem Werk gemacht werden soll. Es erschien mir eher so, dass die eigene Karriere am wichtigsten ist, er hoffentlich bald wieder weg darf und das das Werk verwaltet wurde. Das war mein persönlicher Eindruck bei diesem Gespräch und ich habe nach kurzer Zeit gemerkt das das nichts langfristiges ist und das Gespräch abgebrochen. Ich will damit deutlich machen das das Werk eines von vielen war und man hatte schon damals den Eindruck das es nicht mehr weitergeht. Leider ist genau dies nun eingetreten.

Aber bitte nicht immer die Politik, oder das System, oder Angela für alles verantwortlich machen...
nur_mal_so
11.12.2020, 10:31 Uhr
Wäre schön,
wenn sich die Leute, die sich so gern über Mutti und linksgrün und überhaupt alles aufregen, vor dem Kommentieren kurz mal die Luft anhalten würden.

Was hat es denn mit Politik zu tun, wenn ein international agierender Konzern entscheidet, in irgend einem Kaff in irgendeinem Bundesland irgendwo in Europa einen kleinen, ineffizienten Standort zu schließen?

Eure Standart-Feindbilder aus der Bundespolitik ziehen nicht immer, hier geht es um die Regeln, welche der Kapitalismus auferlegt. Die DDR und ihre sozialistischen Betriebe, die trotz roter Zahlen erhalten wurden bis der Staat pleite war, wollt ihr doch auch nicht wiederhaben.

Für die Beschäftigten ist es tragisch, aber die linksgrünversiffte Thüringische Politik, welche ihr als Schuldigen ausmacht, kann da ausnahmsweise mal nicht wirklich was dafür.
Kommentare sind zu diesem Artikel nicht mehr möglich.
Es gibt kein Recht auf Veröffentlichung.
Beachten Sie, dass die Redaktion unpassende, inhaltlose oder beleidigende Kommentare entfernen kann und wird.
Anzeige symplr (9)
Anzeige symplr (8)