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Sa, 10:24 Uhr
05.12.2020
NABU Thüringen gibt Tipps zur Nisthilfenbastelei

Zeit für den Nistkastenbau!

Die Vogelwelt bereitet sich auf den Winter vor. Nistkästen in Gärten sind dabei ein sicheres, witterungsgeschütztes Ruheplätzchen im Winterhalbjahr – und bergen auch manchen Überraschungsgast...

Blaumeisen am Nistkasten (Foto: Rita Priemer) Blaumeisen am Nistkasten (Foto: Rita Priemer)


Der NABU Thüringen empfiehlt die langweilige Zeit im Corona-Teillockdown für den Bau von Vogelnistkästen zu nutzen.

Klaus Lieder ist Vogelexperte beim NABU Thüringen und erklärt warum es wichtig ist, unseren gefiederten Freuden zu helfen. „Viele Vögel kämpfen neben der Futtersuche vor allem damit, einen geeigneten Brutplatz zu finden. Insbesondere die intensive Nutzung der Landschaft, aber auch die übertriebene Ordnungsliebe des Menschen in seinem unmittelbaren Wohnumfeld erschwert der heimischen Tierwelt die Wohnungssuche. Gerade jetzt im Teillockdown ist das Bauen von Nisthilfen auch ein gutes Mittel gegen die Langeweile. Es macht Spaß und eignet sich hervorragend, um Kinder und Jugendliche mit Tieren und deren Lebensweise vertraut zu machen.“ Nisthilfen sind laut NABU Thüringen an Plätzen sinnvoll, denen Naturhöhlen fehlen, weil alte und morsche Bäume nicht mehr vorhanden sind, oder weil an Gebäuden geeignete Brutnischen zugemauert wurden. Ein voll ausgebuchter Nistkasten ist allerdings nur dann zu erwarten, wenn der Garten naturnah gestaltet ist und die Vögel entsprechend Nahrung finden.

Auch jetzt im Winter sind die künstlichen Behausungen für die Tierwelt sehr nützlich. Meisen suchen die Kästen als nächtlichen Schutz gezielt auf, Zaunkönige kuscheln sich mit mehreren darin ein und Spatzen bauen regelrechte Winternester. Für andere Tiere können Nistkästen ebenfalls sinnvoll sein. Königinnengenerationen von Wespen und Hummeln, nützliche Florfliegen, Ohrenkneifer und andere Gäste finden darin ein Quartier.

„Will man einen Nistkasten selber bauen, gibt es einiges zu beachten, denn jede Tierart hat ihre ganz eigenen Ansprüche, die man versucht, so gut es geht, zu bedienen“, betont Klaus Lieder. „Die Größe eines Vogels gibt auch Größe des Kastens vor. Das Einflugloch richtet sich jedoch auch nach den Lichtansprüchen der Vögel. Meisen mögen es gerne ganz duster, Gartenrotschwänze schon etwas heller. Je nach Vogelart liegt die Fluglochweite bei 26 bis 32 Millimetern. Am häufigsten nutzen Kohl- und Blaumeisen die Nistkästen, aber auch Kleiber und Haussperling finden sich dort ein. Bachstelze, Rotschwänze, Zaunkönige und Grauschnäpper dagegen suchen nischenartige Halbhöhlen, bei denen ein Teil der Frontwand fehlt.“

Zu Beachten

Wer einen Nistkasten bauen möchte, der kann erst mal seinen alten über Jahre gehorteten Brettervorrat nach geeigneten Baumaterialen durchsuchen. Etwa zwei Zentimeter dicke Bretter sind ein gutes Maß. „Wichtig ist, dass das Holz unbehandelt und sägerau ist, damit die flüggen Küken später aus dem Kasten klettern können“, rät Klaus Lieder. Die fertigen Kästen können von außen mit Bio-Lasuren oder Leinöl wetterfest gemacht und sofort aufgehängt werden. Vielleicht wird der ein oder Kasten in den kalten Winternächten dann schon als behagliche Behausung von den Piepmätzen genutzt.

Das richtige Maß finden

Der Boden des Nistkastens muss mindestens zwölf mal zwölf Zentimeter Fläche bieten. Des Weiteren sollte der Boden vier etwa fünf Millimeter große Löcher zur Belüftung und Entfeuchtung aufweisen. Damit zum Beispiel Katzen und Marder nicht mit der Tatze an die Brut gelangen, sollte sich die Lochunterkante bei einem Höhlenbrüterkasten mindestens 17 Zentimeter über dem Kastenboden befinden. Demselben Zweck dient der Überstand des Daches über dem Flugloch. Je größer der Überstand, desto geringer die Chance, dass Prädatoren von oben in das Flugloch hineingreifen können. Auf eine Ansitzstange unter dem Flugloch sollte verzichtet werden. Dies erleichtert es den Fressfeinden nur noch mehr, schnell an die Brut zu gelangen.

Den passenden Ort finden

Der Vogelexperte des NABU Thüringen rät: „Sofern es in der Bauanleitung nicht anders beschrieben ist, können die Nistkästen in einer Höhe von zwei bis drei Metern aufgehängt werden. Das Einflugloch sollte weder zur Wetterseite im Westen zeigen, noch darf der Kasten längere Zeit der prallen Sonne ausgesetzt sein. Eine Ausrichtung des Einflugloches nach Osten oder Südosten ist deshalb ideal.“ Nisthilfen gleicher Bau- und Zielvogelart sollten in Abständen von mindestens zehn Metern zueinander aufgehängt werden. So ist gewährleistet, dass die brütenden Tiere auch genügend Nahrung für sich und ihren Nachwuchs finden. Eine Ausnahme bilden Koloniebrüter wie Sperlinge, Stare und Schwalben. Sollen mehrere Nisthilfen für verschiedene Vogelarten im Garten einen Platz finden ist ein Abstand von mindestens drei Metern zwischen den Nisthilfen empfehlenswert.

Lieders Fazit: „Nisthilfen bauen und aufhängen macht Freude und ist eine erfüllende Beschäftigung, die dazu beitragen kann, dass im nächsten Frühjahr wieder ein Konzert im Garten erklingt.“
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Kommentare

05.12.2020, 22.01 Uhr
Fönix | Das ist ja alles schön und gut und
richtig (wir haben in unserem Garten auch viele solcher und ähnlicher Nisthilfen angebracht, die auch jedes Jahr dankbar angenommen werden), aber für einige wichtige und besonders schützenswerte Arten reicht das nicht. So wäre es z.B. für den Schwarzhalstaucher ungemein wichtig, auch im Winter ausreichend Wasser im Stausee Kelbra zu belassen. Dann gäbe es auch in niederschlagsarmen Jahren die Möglichkeit, den Stausee im Sommerhalbjahr (also der Hauptbrutzeit) soweit wieder mit Wasser aufzufüllen, dass die Uferlinie auch die Standorte der Ufervegetation erreicht. Im Schatten und Sichtschutz dieser Pflanzen brütet der Schwarzhalstaucher bevorzugt, am Stausee Kelbra blieb ihm das in diesem Jahr aber größtenteils verwehrt. Mit der Totalentleerung des Stausees im Februar haben es die dunkelgrüne Umweltministerin Dalbert und der NABU in konzertierter Aktion geschafft, dass am Stausee Kelbra in diesem Jahr nur ca. 80 Brutpaare zu beobachten waren statt wie in den letzten Jahren mit Winterstau durchschnittlich 300. Man sollte in diesem Zusammenhang auch wissen, dass der Stausee Kelbra üblicherweise die größte Population von Schwarzhalstauchern in Sachsen Anhalt aufweist.
Was für eine tolle Bilanz einer ideologiegesteuerten und naturschutzfachlich völlig fehlgeleiteten Umweltpolitik.

Von dem durch die völlige Entleerung des Stausees ausgelösten stummen Leiden und Sterben der vielen aquatischen, also unter Wasser lebenden Tierarten will ich jetzt genau so wenig beginnen wie von der Beeinträchtigung/Zerstörung vieler wichtiger aquatischer und amphibischer Lebensräume in der Helmeaue unterhalb des Stausees. Auch diese sind in der Mehrzahl mit einem hohen Naturschutzstatus belegt. Aber in den o.g. einschlägigen Kreisen spielt das offensichtlich ebensowenig eine Rolle wie bei dem von Frau Dalbert einberufenen sogenannten Runden Tisch, der ausschließlich hinter verschlossenen Türen stattfindet und offensichtlich in erster Linie der Selbstbeweihräucherung und der Rechtfertigung der eigenen Schandtaten dient.

Es ist schon auffällig, wie der NABU in den letzten Wochen verstärkt die Medienpräsenz sucht. Treibt ihn das schlechte Gewissen oder läuft schon jetzt die Wahlkampfhilfe für Frau Dalbert?

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