Di, 07:22 Uhr
09.08.2005
nnz-Bücherkiste: Schattentag
Nordhausen (nnz). Kennen Sie das auch? Den normalen Trott im Alltag. Man steht auf, geht vielleicht zur Arbeit, kommt nach Hause zurück... Doch dann passiert das Außergewöhnliche. Das hat Jan Costin Wagner aufgeschrieben.
Die Firma läuft, manchmal wird bis zum nächsten Morgen durchgearbeitet, die Arbeitskollegen sind Freunde, zuhause wird die Tochter unbemerkt älter ... Jan Costin Wagners Protagonist lebt das äußerlich normale Durchschnittsleben
eines vielleicht vierzigjährigen Mannes - bis zum Tag, an dem er auf mysteriöse Weise buchstäblich über Nacht sein Augenlicht verliert.
Im Krankenhaus, in dem er sich seiner rätselhaften Erblindung wegen befindet, trifft er Mara, seine erste Liebe aus unbeschwerten Jugendjahren, und flieht mit ihr kurzentschlossen auf eine kleine Insel. Der Aufenthalt
dort erscheint zunächst als perfekte Idylle - die aber zu bröckeln beginnt, als während eines Feuerwerks ein Mann von den Klippen stürzt und ein beharrlicher Polizist ausgerechnet ihn, den Blinden, ins Zentrum seiner Ermittlungen rückt. Unter seinen Fragen drängen sich die Gespenster der Vergangenheit immer deutlicher und in immer bizarreren Bildern in den Vordergrund: Wie das Leben ihn nach und nach mit unzähligen kleinen Zumutungen zermürbte.
Wie die Anhäufung unmerklicher Überlastungen in der Summe zu einer Katastrophe wuchs. Wie er fassungslos und innerlich gelähmt mit ansah, dass seine Liebe zu seiner Frau sich immer mehr abnutzte und seine viel zu teuren Geschenke statt Erlösung nur neue Probleme erzeugten. Wie er nie den Mut aufbrachte, sich die Probleme einzugestehen und sie zu lösen, sondern sie verdrängte und durch Fluchten in Tagträume und Bordelle zu bannen suchte.
Jan Costin Wagner entwirft in Schattentag das Bild eines Mannes in der Midlife-Crisis und nimmt sich der sehr aktuellen Thematik des immer häufiger und früher anzutreffendem Burn-out-Syndroms an. Nach Jahren voll blindem Aktionismus ist sein Protagonist psychisch und körperlich am Ende und zu erschöpft, um noch die richtigen Fragen zu stellen. Er ahnt nur schemenhaft, wann es begonnen hat. Aber ein Entkommen aus dem falschen Leben ist nicht mehr möglich. Ein ebenso zartes wie vernichtend klar sehendes Buch, das seine Figuren liebt aber zu schonen nicht bereit ist.
Erschienen ist das Buch Schattentag im Berliner Eichborn-Verlag.
Autor: nnzDie Firma läuft, manchmal wird bis zum nächsten Morgen durchgearbeitet, die Arbeitskollegen sind Freunde, zuhause wird die Tochter unbemerkt älter ... Jan Costin Wagners Protagonist lebt das äußerlich normale Durchschnittsleben
eines vielleicht vierzigjährigen Mannes - bis zum Tag, an dem er auf mysteriöse Weise buchstäblich über Nacht sein Augenlicht verliert.
Im Krankenhaus, in dem er sich seiner rätselhaften Erblindung wegen befindet, trifft er Mara, seine erste Liebe aus unbeschwerten Jugendjahren, und flieht mit ihr kurzentschlossen auf eine kleine Insel. Der Aufenthalt
dort erscheint zunächst als perfekte Idylle - die aber zu bröckeln beginnt, als während eines Feuerwerks ein Mann von den Klippen stürzt und ein beharrlicher Polizist ausgerechnet ihn, den Blinden, ins Zentrum seiner Ermittlungen rückt. Unter seinen Fragen drängen sich die Gespenster der Vergangenheit immer deutlicher und in immer bizarreren Bildern in den Vordergrund: Wie das Leben ihn nach und nach mit unzähligen kleinen Zumutungen zermürbte.
Wie die Anhäufung unmerklicher Überlastungen in der Summe zu einer Katastrophe wuchs. Wie er fassungslos und innerlich gelähmt mit ansah, dass seine Liebe zu seiner Frau sich immer mehr abnutzte und seine viel zu teuren Geschenke statt Erlösung nur neue Probleme erzeugten. Wie er nie den Mut aufbrachte, sich die Probleme einzugestehen und sie zu lösen, sondern sie verdrängte und durch Fluchten in Tagträume und Bordelle zu bannen suchte.
Jan Costin Wagner entwirft in Schattentag das Bild eines Mannes in der Midlife-Crisis und nimmt sich der sehr aktuellen Thematik des immer häufiger und früher anzutreffendem Burn-out-Syndroms an. Nach Jahren voll blindem Aktionismus ist sein Protagonist psychisch und körperlich am Ende und zu erschöpft, um noch die richtigen Fragen zu stellen. Er ahnt nur schemenhaft, wann es begonnen hat. Aber ein Entkommen aus dem falschen Leben ist nicht mehr möglich. Ein ebenso zartes wie vernichtend klar sehendes Buch, das seine Figuren liebt aber zu schonen nicht bereit ist.
Erschienen ist das Buch Schattentag im Berliner Eichborn-Verlag.


