Nachgefragt
Langsam mahlen die digitalen Mühlen
Die Schulen in diesem Land sollen digitaler werden. Das bedeutet auch, dass die Schülerinnen und Schüler, deren Eltern sie nicht mit einem preisintensiven "Endgerät" ausstatten können, diese kostenlos zur Verfügung gestellt bekommen. Doch das ist im Landkreis Nordhausen leichter gesagt als getan...
Klar ist, die Virus-Krise in diesem Jahr hat das Rufen nach digitalen Geräten für die Bildungsarbeit lauter werden lassen. Schließlich war mit dem ersten gesellschaftlichen Herunterfahren im Frühjahr das schulische Lernen in den elterlichen Wänden plötzlich nicht nur theoretischer Natur. Das Virus steckte frecherweise die Rahmenbedingungen neu ab.
Die Erfahrungen vieler Eltern, auch die des Lehrpersonals waren, dass es so einigermaßen - abhängig von der Vorarbeit der Schulen - funktionierte. Dort, wo auch die Eltern an der Bildung ihrer Kinder interessiert sind, wurde möglich gemacht, was möglich war. Doch viele Elternhäuser konnten sich Laptops oder Tablets für ihren Nachwuchs schlicht und ergreifend nicht leisten, manche hatten überhaupt kein Interesse. Also musste staatliche Hilfe her.
Die Schulen mussten melden, wie viele Schüler aus sozial schwachen Elternhäusern bei ihnen unterrichtet werden. Eigentlich war es ein Schätzen, denn es gab keine klaren, vor allem aber nicht überprüfbare Kriterien, wer denn nun bedürftig war und wer nicht. Aber: die Schulen in kommunaler Trägerschaft meldeten es den jeweiligen Schulträgern. Im Landkreis Nordhausen sind das die Nordhäuser Stadtverwaltung (verantwortlich für Grund- und Regelschulen der Stadt) und der Landkreis (zuständig für alle Schulformen, inklusive Berufs- und Förderschulen).
Wir haben also nachgefragt. Zum Beispiel im Landratsamt. Dort bestätigte man der nnz, dass zurzeit die Beschaffung digitaler Endgeräte laufe. Finanziert werde das alles komplett aus dem Digitalpakt der Bundesregierung. Pressesprecherin Jessica Piper: "Angeschafft werden momentan 1000 iPads für alle Schulformen (Grund- bis Berufsschule). Das entspricht 55 Klassensätzen mit jeweils rund 18 Geräten. Es können im Unterricht auch zwei Schüler an einem Gerät arbeiten. Die Ladetechnik ist so ausgelegt, dass die Klassensätze jederzeit erweitert werden können. Weiterhin ist zur Erreichung einer maximalen Flexibilität jeder Klassensatz mit WLAN-fähigen sowie SIM-Geräten ausgestattet. In Ergänzung der iPads ist für nächstes Jahr noch die Anschaffung mehrerer Klassensätze spezifischer 2in1 Geräte/Laptops geplant. Hier sollen insbesondere die weiterführenden Schulen mit umfangreicheren Anforderungen an Lerntechnik unterstützt werden."
Doch der Landkreis Nordhausen geht weiter. Um die Schulen im digitalen Lehren und Lernen sowie im Einsatz der mobilen Endgeräte zu unterstützen, werden bis Jahresende alle Schulen mit schnelleren Internetanschlüssen versorgt. Von bis dato 16Mbit werden mindestens 50Mbit realisiert – teilweise sogar bis zu 250 Mbit. Analog entstehen partielle W-Lan Bereiche an jeder Schule. Auch hier geht der Landkreis in Eigenleistung.
Der Bund und das Land haben angekündigt, weitere Mittel, zum Beispiel für Laptops für die Lehrkräfte, bereitzustellen. Aber: "Wie die Anschaffung laufen soll, ist noch nicht geklärt. Hierzu der Hinweis, dass die Lehrkräfte Landesbedienstete sind und für deren Ausstattung das Land verantwortlich ist", teilt die Pressesprecherin mit.
Liest sich beim ersten Mal richtig toll, doch bleibt die Frage, ob das nur eine Ankündigung ist oder bereits Realität? Die Antwort aus dem Landratsamt: "Mit der Lieferung der Endgeräte ist voraussichtlich Anfang nächsten Jahres zu rechnen."
Den gleichen Fragenkatalog schickten wir auch der Stadtverwaltung Nordhausen. Leider blieben unsere Fragen bis zum jetzigen Zeitpunkt unbeantwortet. Im Gegensatz zur Kreisverwaltung erhielt die nnz-Redaktion nicht einmal eine Zwischenmeldung.
Peter-Stefan GreinerUpdate Stadtverwaltung Nordhausen
"Heute wurde eine Ausschreibung über 584 mobile Endgeräte mit Softwarelösung zur Geräteverwaltung veröffentlicht. Im Vorfeld wurde durch die Schulen der Bedarf ermittelt. Die Stadt beabsichtigt den vollen Bedarf zu decken, statt nur den rechnerisch durch den Fördermittelgeber ermittelten Bedarf von 452 Geräten und stockt die Mittel daher auf. Am 25.11.2020 soll der Stadtrat über den Zuschlag entscheiden. Die Lieferfristen der Geräte (Stand heute) betragen vier bis sechs Wochen. Daher wie im Landkreis: Lieferung voraussichtlich im Januar 2021. Schnelles Internet (VDSL von 75-180Mbit) ist übrigens in jeder Schule in städtischer Trägerschaft vorhanden."
Autor: psg
Kommentare
Alex Gösel
05.11.2020, 11:50 Uhr
Man gönnt sich ja sonst nichts!
Liest sich, wie im letzten Absatz geschrieben, erstmal toll. Aber erstens sind die Geräte noch nicht bei den Schülern, zweitens wird hier wieder das teuerste von teuersten genommen.
Ich frage mich, warum es teure Apple-Geräte sein müssen und keine preiswerten und vorallem freien Linux- bzw. Android-basierten Geräte sein können.
Mittlerweile gibt es sogar einen Minicomputer Raspberry Pi 400, auch dieser Computer erfüllt im großen und ganzen alles, was ein richtiger Desktop-Rechner erfüllt. Es laufen halt keine umfangreichen Grafik- oder Wetterberechnungen drauf, auch werden auf diesem Minirechner keine Hypermodernen Spiele laufen, also eigentlich ideal für die Schule. Das Betriebssystem ist dort übrigens ebenfalls unter anderem das kostenfreie Linux.
Warum nicht vorher mal über den Computermarkt informieren anstatt Schnellschüsse zu machen? Es geht hier immerhin auch um Steuergelder!
Wolfi65
05.11.2020, 12:07 Uhr
Man sollte hier ruhig mal aus dem Vollen schöpfen
In anderen Bereichen wird doch von einer unkündbaren Staatsdienerschaft auch nur aus dem Vollen geschöpft.
free Gigi
05.11.2020, 12:33 Uhr
genau, so lange noch
abschöpfen wie es geht, den letzten beißen dann die Hunde.
Schön in die Fänge von Monopolisten begeben und dann in 3 Jahren, wenn das neuste ipad im Handel erscheint, die alte Modell klangheimlich lahm oder komplett stilllegen.
Um die grundsätzlichen Funktionsweise zu verdeutlichen, sind "offene System" wie RasPi o.ä. am besten, natürlich ist nicht alles schon kunterbunt und so mancher kann dem nicht folgen.
Und (!) es sind natürlich nicht alle möglichen Staatstrojaner initial vorinstalliert !!! Wäre ja schade, wenn man die Kleinsten nicht gleich schon durch Werbung oder Spionage in Schubladen einteilen kann.
Alanin
05.11.2020, 13:30 Uhr
Mal konkret damit beschäftigt?
Hat sich mal wirklich einer mit den konkreten Anforderungen an die Geräte im Einsatz im Klassenverbund beschäftigt? Gerade was die einheitliche Administration und die Beschränkungen der Geräte im Education Modus angeht? Da gibt es nämlich gar keine Alternative aus dem Bereich von Linux/Android.
So kauft man die Geräte über die Schule, damit landen diese direkt über die MDM Portale in der Verantwortlichkeit der Schule, es werden automatisch die passenden Profile aufgespielt. Man kommt damit ohne Einrichtung durch die Schüler/Lehrer/Admins ins lokale Schul WLAN, hat sofort die jeweiligen Geräte in den Passenden VLANs und kann so die jeweils aufrufbaren Webseiten Beschränken, oder sollte es möglich sein in der Schule mit dem Schul-iPad Pornos zu schauen?
Dann hängen an den automatisch verteilten Profilen bestimmte Administratorrollen, die eine zentrale Auslieferung von Software ermöglichen, die zentral durch die Schule beschafft wird. Man kann die Geräte bei vergessenen Zugangsdaten zentral über die Administration der Schule zurücksetzen. Sobald man in die Schule kommt, gehen die Geräte in einen eingeschränkten Education Modus und ermöglichen zb. im Matheunterricht nur noch den Zugriff auf's Mathebuch und den Taschenrechner, zu Hause sind es dann aber offene Geräte.
Apple hat hier die Latte sehr hoch gelegt und es gibt aktuell nichts vergleichbares, welches diese ganzen Sachen abdeckt. Aber Hauptsache man kann mal wieder meckern und denkt, man kann solche Sachen beurteilen, nur weil man selbst mal nen Tablet in der Hand hatte...
Kleine Ergänzung: Die Lehrer und Mitarbeiter einer Schule sind keine IT Experten und der Unterricht ist keine Support-Stunde. Das Zeug muss einfach funktionieren und zwar bei allen gleich...
B.Denklich
05.11.2020, 13:34 Uhr
Grundsätzlich
ist uns als Eltern erstmal egal, welche Marke angeschafft wird. Jede Marke wird sicherlich ihre Vor- und Nachteile haben. Vielmehr würde uns interessieren, welches Gerät (Modell) jetzt genau angeschafft werden soll, damit diejenigen, die nicht in den "Genuss" eines kostenlosen Leihgerätes kommen, weil deren Eltern auf den Punkt gebracht so "dumm" sind und arbeiten gehen, aber trotzdem nicht genug Kohle übrig haben, um das mal eben schnell zu kaufen, in der Familie schonmal rumbetteln können, damit zu Weihnachten genug Kleingeld zusammenkommt, um ein entsprechendes Gerät mit allen notwendigen Anforderungen anzuschaffen. Es ist ja auch nicht so, dass man, eben weil das vorschnell erworbene Modell eben nicht den Anforderungen entspricht, nochmal schnell ein anders besorgen kann. Aus oben genannten Gründen. Es wäre also sicherlich sinnvoll, wenn der Landkreis oder auch die Stadt hier genauere Informationen an die "Hinterbliebenen" herausgeben würde, damit eben alle Kinder die selben Voraussetzungen haben und keiner zurückfällt.
kmeier
05.11.2020, 13:53 Uhr
@Opensource-Nazis
Soweit ich das Förderprogramm über das die Geräte beschafft werden richtig verstehe, geht es um die digitale Unterstützung aller Lernprozesse und nicht um das Endgerät als Selbstzweck. Vereinheitlichung, Stabilität und Hersteller-Support sind oberstes Gebot wenn eine Nutzerzahl >1000 mit möglichst wenig IT-Fachkräften im Griff behalten werden soll. Da auf 50,- oder 100,- Mehrpreis beim Endgerät zu schielen ist, gelinde gesagt, kurzsichtig.
BTW: In unserem Haushalt tut ein IPad der 4. Generation aus dem Jahr 2013 bravurös seinen Dienst für Internet, E-Mail, Textverarbeitung und YouTube...
APndh
05.11.2020, 14:00 Uhr
Raspberry Pi 400 DE
Ein Raspberry Pi 400 DE ist ein kleiner Mini-Computer, der direkt in die Tastatur integriert ist. Er kostet knapp 70€ und man bräuchte dann in den Klassen nur noch Mäuse und Monitore. Selbst mit portablen Monitoren (beispielsweise Lenovo ThinkVision M14) ist man immer noch günstiger, als mit iPads.
Vorteil vom Raspberry ist, dass sich verschiedene Betriebssysteme problemlos kombinieren lassen, da das Betriebssystem direkt von USB-Stick oder MicroSD-Karte startet. So kann der Schüler im Unterricht die vom Lehrer vorkonfigurierte Micro-SD-Karte einstecken und mit den vom Lehrer vorgegebenen Programmen arbeiten. Zuhause kann er dann z.B. seine eigene Micro-SD-Karte mit RetroPie reinstecken und das Gerät sogar als retro Spielekonsole benutzen. Es fließen keinerlei Daten an amerikanische Firmen. Die Schüler können anonym arbeiten und lernen gleichzeitig, wie einfach es ist, Open-Source-Software zu nutzen. Die gesamte Installation und Einrichtung von beispielsweise Ubuntu ist in wenigen Minuten erledigt. Selbst ein absoluter Laie bekommt das mithifle der unzähligen Anleitungen im Internet problemlos hin. Gerne stelle ich mich auch bereit, die Schulen in NDH hierbei zu unterstützen.
Ich konnte bereits mit mehreren Lehrern in Nordhausen sprechen und bin über den Zustand einiger Schulen entsetzt. Aktueller Stand: "Joa, die PCs brauchen 15 Minuten zum hochfahren, dann 15 Minuten für Updates und dann ist die Unterrichtsstunde auch schon fast rum". Oder: "Dieses Linux ist viel zu kompliziert, das traue ich mich nicht". Die Lehrer haben (teils zu Recht) Angst vor Verantwortung. Die Administration der Raspberry-Computer kann dabei aber ganz einfach als Hausaufgabe/Unterrichtsaufgabe auf die Schüler übertragen werden.
Wichtig ist es, dass auf keinen Fall Microsoft Teams, M365 oder ähnliche Abzockprodukte eingesetzt werden. Die Lizenzkosten hierfür sind bereits jährlich(!) höher, als die gesamte Anschaffung der Raspberry Hardware. Alternativ zum Raspberry gibt es noch viele weitere Produkte. Z.B.: Arduino oder Odroid. Auch den Raspberry gibt es als "Zero"-Version bereits ab 11€.
Alanin
05.11.2020, 14:21 Uhr
Ziel nicht verstanden...
Das Ziel von Digitalisierung in der Schule ist nicht, dass die Schüler zu IT Experten werden und irgendwas als Hausaufgabe administrieren.
Ziel ist den Unterricht mit modernen Mitteln und Wegen zu bereichern und die technischen Möglichkeiten zu benutzen.
Was Sie vorschlagen kommt in etwa der Forderung gleich, dass sich jeder sein eigenes Buch druckt. Dabei muss keiner ein Buchdrucker sein um ein Buch verwenden zu können...
APndh
05.11.2020, 16:31 Uhr
@Alanin
Ich kann nachvollziehen, dass du es den Schulen möglichst einfach machen möchtest. Da spricht auch nichts dagegen. Mir ist es aber wichtig, eine Alternative aufzuzeigen (die genauso einfach ist) und den Lehrern und Eltern die Angst vor der Thematik zu nehmen.
Dass man IT-Experte sein muss, ist ein übles Vorurteil und nicht richtig. Die Installation ist einfacher als bei Windows. Image auf die Speicherkarte ziehen, reinstecken, läuft. Der Admin kann natürlich ein eigenes Image bzw. fertige Speicherkarten bereitstellen und nach seinen Wünschen anpassen.
Hier nochmal die zwei Varianten mit Vor- und Nachteilen.
Variante 1 (die du beschreibst): Die Schüler bekommen iPads mit Lernplattform vorgegeben.
Vorteile: Lehrer und Schüler brauchen sich um nichts kümmern. Alles wird automatisch verwaltet. Der Admin setzt die Einstellungen. Es gibt ausgeprägte Lernplattformen und Überwachnungsmöglichkeiten.
Nachteile: Maximale Überwachung, Hohe Anschaffungskosten, minimaler Freiraum. Ersatzgerät=teuer. Daten und Geld fließen nach Amerika. Vendor-Lock-In. Privateinsatz schwierig. Es werden keinerlei IT-Kenntnisse erlangt. Frech gesagt: für die Schüler, Eltern und Lehrer bleibt IT Neuland.
Variante 2: Schüler bekommen Raspberrys.
Vorteile: Hardware universell einsetzbar. Admin braucht die Geräte nicht einzeln verwalten sondern muss nur ein eigenes Image bereitstellen. Schüler können die Geräte auch privat nutzen. Eigene Speicherkarte rein, fertig. Ohne Tracking, ohne Datenmissbrauch. Schüler lernen, wie IT und Backups funktionieren und wie günstig und einfach Office-PCs sein können. Schüler, Lehrer und Eltern können sich mit der Thematik beschäftigen (müssen es aber nicht!). Keine Lizenzgebühren. Geräte in weniger als 1 Minute vollständig startbereit. Hardware ist günstig und kann beliebig ausgetauscht werden. Kurz gesagt: Alles kann, nichts muss.
Nachteile: Kein Diebstahlschutz. Linux- oder webbasierte Lernplattformen sind weniger in der Masse verbreitet.
Welche Variante besser für die Digitalisierung ist, darf jeder selber entscheiden – mir ist es aber wichtig, die Alternativen aufzuzeigen und den Eltern und Lehrern die Angst vor Veränderungen zu nehmen.
Kontrapost
05.11.2020, 19:50 Uhr
Wo kann man die Ausschreibung der Stadt nachlesen?
.. und erfolgte sie hersteller- und softwareoffen?
Alanin
06.11.2020, 06:06 Uhr
@APndh: nicht gelesen oder nicht verstanden?
Ich glaube Sie haben das, was ich beschrieben habe entweder nicht gelesen oder nicht verstanden. Die Geräte sind NUR in der Schule bzw. nur im jeweiligen Fachunterricht auf die einzelnen Apps beschränkt. Und dazu muss man keine Administrationsfähigkeiten haben. Das kann jeder, der ein Tablet bedienen kann nach einer einfachen Einweisung.
Überall, wo die Geräte nicht in der Schule sind, sind sie komplett frei geschalten und unterstehen keinerlei Beschränkungen. Einzig, es ist nicht möglich die Profile für oben beschriebene Verwaltung zu entfernen und die damit gelieferten Apps können nicht gelöscht werden.
Und es als alltagstaugliche Alternative hinzustellen, dass zu Hause jeder einen weiteren Rechner hat, einen SD-Kartenleser und anfängt irgendwelche Karten als Hausaufgabe zu flashen, damit man am nächsten Tag überhaupt an irgendwelchen schulischen Aktivitäten Teilnehmen kann. Tolle Idee.
Kommt noch hinzu, dass man noch zusätzliche Infrastruktur beschaffen muss, wie sie ja selbst schreiben. Nur Tastaturen, Mäuse und Monitore müssten in den Klassenräumen stehen. Da frage ich mich in welcher Qualität die dort stehen müssen, damit man die auch im Unterricht sicher verwenden kann.
Nochmal: Es braucht hier keine Bastellösung, mit der man sich zu Hause mal zum Zeitvertreib beschäftigen kann. Es geht darum, dass man in einer Schule auf einen Schlag komplette Klassen sicher mit langfristig funktionierenden Lösungen ausstattet. Und bei aller Liebe, Raspberry Pi sind es nicht, auch wenn man Images bereitstellen kann.
Und ja, ich habe zu Hause auch Raspberry Pi im Einsatz, ich weiß wovon ich rede. Ich kenne aber auch die andere Seite und weiß, wie man eine Vielzahl ( > 200) an Geräten zentral verwaltet.
Und nein, die Schüler sollen eben nicht lernen, wie IT funktioniert. Das Zeug muss einfach nur laufen und den Unterricht unterstützen. Digitalisierung bedeutet nicht, dass jeder sein eigener Administrator ist und weiß wie auf technischer Ebene alles funktioniert. Es würde für den ersten Schritt ausreichen, wenn die Menschen in der Lage wären die gegebenen Möglichkeiten auch nur oberflächlich anzuwenden. Davon sind wir hier noch meilenweit entfernt und das bei Schülern, Eltern und Lehrern.
kmeier
06.11.2020, 07:19 Uhr
@Alanin
Eine Sichtweise aus der Praxis, bravo und danke!
Leser y2
06.11.2020, 12:15 Uhr
Mal positiv denken
Ich habe mir die Kommentare mal dazu durchgelesen und ich kann mir nicht vorstellen, das jetzt jedes einzelne Elternteil in einen Elektronikfachmarkt laufen muss, um seinen Kind ein bestimmtes IPad zu besorgen. Ich denke / hoffe, es läuft wie bei der üblichen Besorgung von Schulmaterialen auch, dass Klassensätze bestellt werden und dann die Kinder das Geld mit in die Schule bringen müssen oder es überwiesen werden muss. Ansonsten hätten unsere Elehteomärkte sicherlich schnell ein Lieferproblem und wenn ich Alanin richtig verstanden habe, kommen sie ja auch betriebsbereit zu dem Schüler mit bereits installierten Programmen. Ich glaube nicht, das hier ein Run auf die iPads notwendig ist. Das wäre ja ähnlich, wie wenn mein Arbeitgeber neue Technik anschafft und dann zu mir sagt : Geh mal los und kaufe dir bitte den Schreibtisch und den Monitor. Auch das funktioniert ja nicht. Im übrigen danke für die Informationen an Alanin
Alanin
06.11.2020, 13:45 Uhr
normalerweise...
normalerweise schließt der Träger (hier wahrscheinlich das Schulverwaltungsamt oder die Schule) einen Vertrag über die zentrale Beschaffung und Einrichtung der Geräte. Die Geräte werden dann wiederum im Großhandel beschafft, die jeweiligen Seriennummern der konkreten Geräte in einer Datenbank dem Träger, der Schule, etc zugeordnet und erhalten beim Auspacken und Anmachen die notwendigen Profile, die alles weitere regeln.
Das läuft soweit, dass sogar eine Support-Telefonnummer vom jeweils gewählten Dienstleister angezeigt wird, den man im Falle von Fragen direkt kontaktieren kann. Und das ohne, dass jemand von der Firma das Gerät vorher in der Hand gehabt hat.
Daraufhin kann man dann das Gerät für sich persönlich einrichten. Also Email Konto, etc. Wenn die Schule ein Directory verwendet und ggf. jeder Schüler persönliche Zugangsdaten hat, können diese eingetragen werden. Es kann sogar ein Backup vom alten privaten iPad verwendet werden. Alles kein Problem.
Kommt man dann z.B. in die Schule und das dortige Netzwerk oder findet das über die Position heraus, erkennt das iPad sofort, dass es in den Education Modus wechseln muss. Damit sind der Zugriff auf Messenger, Email, Spiele etc. gesperrt.
Vorausgesetzt man hat noch mehr Infrastruktur von Apple, kann man z.B. über Apple Classroom die Anzeige von einem bestimmten iPad im Klassenraum direkt vorn am Beamer anzeigen und alle können zusammen zb. über die Lösung des Klassenkameraden sprechen. Oder nochmal dort zusammen drin rum malen um etwas zu verdeutlichen...
Und so hart wie es klingt: Aktuell ist Apple hier der absolute Bringer. Die haben sich enorm auf den Bildungsbereich ausgerichtet und das funktioniert einfach. Da kann man Fanboy sein oder Hasser. Wenn man das RICHTIG machen will, kommt man aktuell nicht an Apple vorbei, ob man will oder nicht. Alles andere ist nur halb gares.
Und jetzt stellt man sich nochmal vor, dass jeder in den nächstbesten Markt rennt und sich irgendein Pad (Android, Windows, Apple) kauft und dann alle in der Klasse ordentlich zusammen arbeiten sollen. Wenn sowas eingeführt wird, fällt der Unterricht hinten runter...
Auch wenn es am Anfang teurer aussieht, es ist am Ende die günstigste Lösung.
Ra1n3R
30.11.2020, 16:42 Uhr
@nnz - wäre erneute Nachfrage nach dem aktuellen Stand möglich?
Seit Monaten ist nichts passiert, seit Monaten schläft man den Schlaf der Gerechten. Nun werden die Schüler durch den aktuellen Beschluss wieder massiv eingeschränkt und es ist nichts fertig. Aber konnte man ja nicht kommen sehen, kam jetzt wieder "total überraschend"
Inzwischen kann ich die aufkeimende Wut vieler Eltern absolut nachvollziehen. Wie hier mit der Zukunft der Kinder umgegangen wird, ist kaum noch zu ertragen.
Beispiel der Schule meines Kindes:
Klassen aufgeteilt in 2 Gruppen
1. Gruppe Unterricht an geraden Tagen
2. Gruppe Unterricht an ungeraden Tagen
Unterrichtszeit verkürzt auf 07:45Uhr - 10:45Uhr
Das allein ist erneut ein erheblicher Verlust an Unterrichtszeit. Die Seiten der Thüringer Schulcloud = gähnende Leere, für Kinder nicht wirklich übersichtlich gestaltet. Erschwerend kommt aber eben hinzu, dass nicht wenigen Kindern das nötige Equipment fehlt.
Seit Monaten wird nur diskutiert und genauso wird es weiter gehen. Vor August 2021 wird nichts passieren, wenn es in diesem atemberaubenden Tempo weiter voran schreitet. Aber scheint ja egal zu sein, sind doch nur Kinder. Milliardenschwere Hilfen für DAX-Unternehmen peitscht man in ein paar Tagen durch, bei Bildung / Kindern schiebt man einfach immer den schwarzen Peter zwischen Kommune, Land und Bund hin und her. Spart schließlich etwas Geld und die Hoffnung besteht ja, dass sich der ganze "Käse" einfach nach Impfung in Luft auflöst und man weiter mit ein paar WinXP Rechnern an der Schule digitalen Fortschritt vorgaukeln kann :(
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