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Mi, 10:39 Uhr
29.07.2020
Im Landkreis Nordhausen wird Hanf angebaut

"Wir wollen Erfahrungen sammeln"

Es begann zu Weihnachten in Windehausen mit einem Quiz. Max Meyer, der Sohn der Bauern-Familie, hatte als Preis für den Sieger eine Tüte mit Hanfsamen ausgelobt...

Links die Hanfnüsse, wie sie auch im Handel erhältlich sind, rechts die Hanfpflanze, wie sie derzeit auf den beiden Feldern steht. (Foto: nnz) Links die Hanfnüsse, wie sie auch im Handel erhältlich sind, rechts die Hanfpflanze, wie sie derzeit auf den beiden Feldern steht. (Foto: nnz)
Hanf? Da stellt sich "Otto-Normal-Mensch" (ohne Sternchen) eher die illegalen Plantagen vor, die immer mal wieder von der Polizei "hochgenommen" werden. Doch Hanf war bis zum zweiten Weltkrieg mehr als Lieferant von Tetrahydrocannabinol (THC) mit seiner berauschenden Wirkung. Es war eine Kulturpflanze, aus dessen Fasern zum Beispiel Seile hergestellt wurden.

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Kurz um: Familie Meyer beschloss zu Weihnachten, in diesem Jahr an zwei Standorten Nutzhanf anzubauen. Doch das ist in Deutschland nicht so einfach wie der Anbau von Gerste oder Hafer. Die Meyers hatten zwar eine landwirtschaftliche Betriebsnummer und zertifiziertes Saatgut, doch sie mussten den geplanten Anbau sowohl beim Landwirtschaftsamt in Bad Frankenhausen als auch bei der Bundesanstalt für Landwirtschaft und Ernährung in Bonn anzeigen.

Gesagt, getan, die Meyers erhielten die Bestätigung und beantworteten auch pflichtbewusst An- und Nachfragen der Nordhäuser Polizei. Wichtigstes Thema dabei: Der Hanf der Meyers enthält Null Prozent THC. Vor der Ernte, die übrigens mit einem ganz normalen Mähdrescher bewältigt wird, gibt es strenge Kontrollen der beiden Felder auf absolute Sortenreinheit. Familie Meyer will die geernteten Nüsse trocknen und dann zu Öl verarbeiten lassen, die Stengel bleibt auf dem Acker und verrotten.

Max Meyer und Markus Meyer sind offen für Neues und hoffen, dass der Premierenanbau von Nutzhanf seine Fortsetzung findet (Foto: nnz) Max Meyer und Markus Meyer sind offen für Neues und hoffen, dass der Premierenanbau von Nutzhanf seine Fortsetzung findet (Foto: nnz)
"Es ist ein Versuch, den wir wagen und dessen Ergebnis relativ offen ist. Deshalb auch die beiden Felder an unterschiedlichen Standorten, um letztlich optimale Bedingungen zu finden. Was wir jetzt schon wissen ist, dass der Hanf, den wir anbauen tiefgründige Böden und viel Wasser benötigt", sagt der 22 Jahre alt Max Meyer, der im sechsten Semester an der Uni in Erlangen studiert.

Er beobachtet das "Hanf-Experiment" auch deshalb unter wissenschaftlichen Aspekten und will untersuchen, ob durch den Anbau von Hanf zum Beispiel der Ertrag von Getreide bei einem Anbau im darauffolgenden Jahr tatsächlich bis zu zehn Prozent gesteigert werden kann.

Und wenn all das, für das sich Markus und Max Meyer in punkto Hanf engagieren, sich wirtschaftlich nicht trägt? "Dann haben einfach auch mal unseren Spaß gehabt. Wie sich das bislang aber auf den beiden Feldern anlässt, können wir mit einem Ertrag von rund zwei Tonnen rechnen. Die fallen aber in unserem Unternehmen bei einem prognostizierten Gesamtertrag von 2.000 Tonnen Getreide wirklich nicht ins Gewicht", zeigt sich Markus Meyer dennoch optimistisch.

Hinweisschild an einem Hanffeld in der Nähe von Uthleben. (Foto: nnz) Hinweisschild an einem Hanffeld in der Nähe von Uthleben. (Foto: nnz)
Beide haben so etwas wie Bewunderung für die Hanfpflanze entwickelt. Die beiden Felder werden nicht gespritzt, denn die dicht wachsenden Pflanzen beschatten den Boden so intensiv, dass sich so gut wie kein Unkraut bildet.

Wie die Hanf-Geschichte der Windehäuser Bauern weitergeht, dass wird sich in den kommenden Monaten zeigen. Ihrem Lächeln kann der Reporter dennoch entnehmen, dass dieses "Experiment" weitergehen kann, denn beide - Markus und Max Meyer - sind "offen für Neues".
Peter-Stefan Greiner
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